Diese Ausstellungen versüßen euch 2022

Wir stellen euch die Highlights des neuen Kunstjahres vor

Von Berlin bis Zürich: Hier kommen unsere Ausstellungstipps für ein kunstvolles 2022

Wenn etwas gewiss ist, dann die Ungewissheit: Schon im dritten Jahr in Folge bangt die Kunstwelt um ihre geplanten Ausstellungen. Wir wissen nicht, wie sich die Pandemie entwickeln wird, welche Regeln auf uns zukommen und ob wir in ein paar Monaten Lust und Laune haben werden, uns in einen Zug zu setzen und stundenlang durchs Land zu gurken.

Fast scheint es, als hätten die Museen ihre Konzepte genau darauf ausgelegt. Denn so spannend und vielversprechend wie 2022 klangen die Pressemitteilungen schon lange nicht mehr. Jede Meldung zaubert mir Herzchen in die Augen und mein Terminkalender für dieses Jahr platzt schon jetzt aus allen Nähten. Ich will Kunst.

Meine Highlights habe ich, übrigens ebenfalls schon das dritte Jahr in Folge, hier für euch versammelt und drücke die Daumen, dass dem Ausstellungsbesuch dieses Jahr nichts im Weg steht. Zückt die Kalender und markiert euch die folgenden Termine, hier kommen meine Ausstellungsfavoriten für 2022:

„Georgia O'Keeffe”

Georgia O’Keeffe, Series I, No. 8, 1919. Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Schenkung der Georgia O‘Keeffe Foundation © Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München

Basel, Fondation Beyeler
23. Januar - 22. Mai 2022

Wenn wir an Georgia O'Keeffe denken, dann vermutlich zuerst an ihre gigantischen Gemälde, die Blumen in extremer Nahaufnahme zeigen. Dass die Künstlerin noch viel mehr kann, zeigt die Fondation Beyeler mit einer großen Retrospektive. Knapp neunzig Werke der US-amerikanischen Malerin sind ausgestellt, darunter Zeichnungen, Landschaftsaquarelle und Stadtszenen. Seit Jahren hängt bei mir im Flur eine Miniaturversion von O'Keeffes „Straße in New York mit Mond“ (1925) und seitdem träume ich davon, ihre Arbeiten in voller Größe zu sehen. Die Ausstellung läuft bereits seit einigen Tagen und meine Zugtickets nach Basel sind schon gebucht – was ist mit euch?

„Maria Lassnig. Wach bleiben”

Maria Lassnig, Selbstporträt als Tier, 1963 © Maria Lassnig Stiftung / VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: Roland Krauss

Bonn, Kunstmuseum Bonn

10. Februar - 08. Mai 2022

„Wach bleiben“ lautet der Zusatztitel der Ausstellung im Kunstmuseum Bonn, die Werke der Künstlerin Maria Lassnig zeigt. Das sollte bei diesen Arbeiten kein Problem sein: Jedes Gemälde strahlt eine andere Emotion aus. Mal ist es Wut, mal Ekstase, mal Trauer und mal Gleichgültigkeit, die uns Besucher*innen aus der Leinwand entgegenzuschreien scheinen. Und apropos wach: In meiner Kunstkolumne über Betten habe ich damals von ihrem Gemälde „Krankenhaus“ geschwärmt, in dem Verwundbarkeit und Erschöpfung eine zentrale Rolle spielen. In Bonn zeigen knapp 40 Arbeiten von Lassnig eindrucksvoll, wie sehr sich die Künstlerin mit ihrem und fremden Körpern auseinandergesetzt hat.

„Louise Bourgeois x Jenny Holzer”

Louise Bourgeois in her home on 20th Street in New York, 2004. Photo: Pouran Esrafily

Basel, Kunstmuseum Basel

19. Februar - 15. Mai 2022

Eine Künstlerin, die eine Ausstellung über eine andere Künstlerin kuratiert? Ihr habt richtig gehört: Jenny Holzer zeigt in Basel eine Werkschau von Louise Bourgeois. Holzer setzt sich in ihren Arbeiten mit Sprache auseinander, sei es auf Straßenschildern, LEDs oder Projektionen. Kein Wunder also, dass sich die Künstlerin dem Werk von Louise Bourgeois über deren umfangreiche Schreibtätigkeit nähert: Bourgeois hat ein gewaltiges Archiv hinterlassen, das unzählige Tagebücher und Briefe umfasst. In Basel werden aber auch Skulpturen, Installationen, Gemälde und Zeichnungen von Bourgeois gezeigt. Wenn zwei so bedeutende Künstlerinnen des 20. und 21. Jahrhunderts aufeinander treffen, kann das nur spannend werden.

„Diane Arbus: Photographs, 1956–1971”

Diane Arbus: Three female impersonators, N.Y.C., 1962, Copyright © Estate of Diane Arbus 

Humlebæk, Louisiana Art Museum

24. März - 31. Juli 2022

Diane Arbus schafft etwas, was nicht viele Fotograf*innen können: Ihre markanten Schwarz-Weiß-Fotografien gehen mir immer unter die Haut. Die US-amerikanische Künstlerin hat hauptsächlich in New York City gearbeitet und vor allem Menschen abgelichtet, die nicht der sogenannten Norm entsprachen. Ihre Motive haben Charakter, etwas Besonderes – sie sind einzigartig, aber nicht voyeuristisch. Mit der Ausstellung „Diane Arbus: Photographs, 1956–1971“ zeigt das Louisiana Art Museum die Entwicklung von Diane Arbus über fünfzehn Jahre anhand von 150 Fotografien. Abgesehen davon, dass sich ein Trip nach Humlebæk immer lohnt, solltet ihr euch diese Ausstellung nicht entgehen lassen.

„Helen Frankenthaler. Malerische Konstellationen”

Helen Frankenthaler, Beginnings, 1994 © 2022 Helen Frankenthaler Foundation, Inc. / Bildrecht Wien

Krems, Kunsthalle Krems

23. April - 30. Oktober 2022

Ihr merkt es schon: 2022 ist das Jahr der Künstlerinnen-Retrospektiven. Auch die Kunsthalle Krems mischt mit und zeigt Arbeiten von Helen Frankenthaler, ihres Zeichens wichtige Vertreterin des abstrakten Expressionismus. Im Umfeld der New York School der 1950er-Jahre entwickelte die Künstlerin ihre eigene Methode des Action Painting: Durch das Ausleeren von Farbe auf Leinwand entstanden ihre sogenannten „Soak-Stain-Bilder“, die aussehen, als würden Bildgrund und Malmittel miteinander verschmelzen. In Krems werden aber nicht nur Gemälde ausgestellt, sondern auch Arbeiten auf Papier. Die Schau entsteht in Kooperation mit dem Folkwang Museum in Essen, wo ihr die Ausstellung dann 2023 ansehen könnt.

„Barbara Kruger”

Barbara Kruger, Untitled (Blind idealism is ...), 2016, Wandgemälde, High Line, New York. Courtesy of the artist, Friends of the High Line, and Sprüth Magers / Timothy Schenck.

Berlin, Neue Nationalgalerie

29. April - 28. August 2022

„YOUR BODY IS A BATTLEGROUND“. Barbara Krugers Arbeit, die aus diesen Worten besteht, kennen vermutlich viele von uns. Das Werk hat die Künstlerin 1989 für den „Women's March on Washington“ produziert, auf dem für Frauen- und Menschenrecht demonstriert wurde – die Aussage ist allerdings ziemlich zeitlos. Als die Neue Nationalgalerie diesen Sommer wiedereröffnete, pilgerte halb Berlin in die Hallen von Mies van der Rohe. Auch für dieses Jahr stehen einige spannende Ausstellungen auf dem Programm: zum Beispiel die der US-amerikanischen Konzeptkünstlerin Barbara Kruger. Für die obere Halle des Ausstellungshauses entwickelt die Künstlerin eine Schrift-Installation, die den gesamten Boden bedecken wird. Kruger ist seit den 1970er-Jahren für ihre großformatigen Slogans bekannt, mit denen sie gesellschaftliche Stereotype aus feministischer und konsumkritischer Sicht befragt. Das wird gut!

„documenta fifteen”

documenta fifteen, ruruHaus, Kassel, 2020, Foto: Nicolas Wefers

Kassel, zahlreiche Locations

18. Juni - 25. September 2022

Die 15. documenta ist in vielfacher Hinsicht ungewöhnlich. Kuratiert wird die Kunstschau, die traditionell alle fünf Jahre in Kassel stattfindet, vom indonesischen Kollektiv ruangrupa (wörtlich: visueller Raum). Das Team hat sich Mitte der 1990er Jahre in Jakarta und Yogyakarta formiert und ist aus Wohnzimmer-Diskussionen und Brainstormings befreundeter Kunststudierender entstanden. Das Gemeinsame zieht sich durch die gesamte Konzeption der Ausstellung: Die Teilnehmer*innen, bestehend aus Initiativen, Organisationen, Künstler*innen und Kollektiven, sind in Kleingruppen organisiert, das Ego tritt also in den Hintergrund. Neben den üblichen Ausstellungsorten in Kassel, also Fridericianum und documenta-Halle, wird die 15. Edition der documenta viele bislang nie genutzter Räume einbeziehen. Wir sind gespannt!

„Ansehen! Kunst und Design von Frauen 1880–1940”

Margarete Heymann-Marks, Mokkaservice, um 1925/30 © Bröhan-Museum, Berlin / VG Bild-Kunst, Bonn 2022. Foto: Martin Adam

Berlin, Bröhan-Museum

23. Juni - 04. September 2022

Auf diese Ausstellung freue ich mich 2022 tatsächlich am allermeisten, denn ich darf neben Anna Grosskopf als Kuratorin daran mitwirken! Kurz zur Ausgangslage: Nur etwa 7,5% der Sammlungsobjekte im Bröhan-Museum stammen von Frauen, den 1.000 männlichen Künstlern stehen 90 Künstlerinnen gegenüber. Höchste Zeit also, sie zum ersten Mal ins Visier zu nehmen!

Wir zeigen Werke von Malerinnen der Berliner Secession, wie Maria Slavona und Julie Wolfthorn, Künstlerinnen der Wiener Werkstätte wie Vally Wieselthier oder Grete Neuwalder-Breuer, Bildhauerinnen wie Chana Orloff und Keramikerinnen wie Margarete Heymann-Marks oder Ursula Fesca. Außerdem könnt ihr euch auf Silberschmiedinnen, Glaskünstlerinnen, Möbel-, Porzellan- und Textildesignerinnen freuen. Neben den Werken stehen aber auch die bewegten Biografien der Künstlerinnen im Fokus. Viele von ihnen haben als (queere) Frauen und Jüdinnen intersektionale Benachteiligung erfahren. Markiert euch den Termin schon mal rot im Kalender. Von wegen Sommerloch – das wird spannend!

„Niki de Saint Phalle”

Foto: Leonardo Bezzola, Niki de Saint Phalle, Luzern, 1969 (Kunsthaus Zürich, Foto © Nachlass Leonardo Bezzola, Werk © Niki Charitable Art Foundation / 2021, ProLitteris, Zürich)

Zürich, Kunsthaus Zürich

02. September 2022 - 08. Januar 2023

Bei Niki de Saint Phalle denke ich immer direkt an die berühmten „Nana“-Skulpturen, die sich bunt und selbstbewusst Aufmerksamkeit verschaffen. Aber natürlich ist das Werk der Künstlerin sehr viel komplexer: In meiner Kolumne über selbstzerstörerische Kunst habe ich zum Beispiel von den Schießbildern der Künstlerin berichtet. In Zürich wird dieses Jahr eine umfangreiche Retrospektive zu de Saint Phalle ausgerichtet, die neben Skulptur und Aktionskunst auch Malerei, Zeichnung, Film, Theater und Architektur zeigt. Die Ausstellung, die in Kooperation mit der Schirn Kunsthalle Frankfurt entsteht, verspricht ein buntes, vielseitiges Sehvergnügen zu werden. Und ganz bestimmt begegnet uns auch die ein oder andere „Nana“.

„Queerness in Photography”

Photobooth. Man in make-up wearing a woman’s ring, United States, ca. 1920, gelatin silver print with colour retouching. Collection Sébastien Lifshitz

Berlin, C/O Berlin

17. September 2022 - 21. Januar 2023

Wir dürfen uns an dieser Stelle gleich dreimal freuen, denn ab September gibt es bei C/O Berlin drei komplementäre Ausstellungen zu sehen, die sich mit der Darstellung von Identität, Gender und sexueller Orientierung auseinandersetzen. Eine Sammlung queerer Fotografie vom französischen Regisseur und Drehbuchautor Sébastien Lifshitz gewährt einen Einblick in die Tradition des Cross Dressings zwischen 1880 und dem Ende des 20. Jahrhunderts. In „Cindy Sherman. Performance and Casa Susanna“ interpretiert die wohl berühmteste Verkleidungskünstlerin der Welt auf spielerische Art Geschlechteridentitäten. Und nicht zuletzt kuratiert niemand Geringeres als Tilda Swinton für C/O Berlin eine Ausstellung mit elf zeitgenössischen fotografisch-künstlerischen Positionen. Der Herbst kann kommen!

„Tilla Durieux. Eine Jahrhundertzeugin und ihre Rollen”

Franz von Stuck: Tilla Durieux als Circe in dem gleichnamigen Stück von Pedro Calderón de la Barca, 1912 © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie/Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland, Foto: bpk/Nationalgalerie, SMB, Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland/Jörg P. Anders

Wien, Leopold Museum

14. Oktober 2022 - 27. Februar 2023

Wer war Tilla Durieux? Zum ersten Mal begegnete ich ihr auf dem Gemälde von Franz von Stuck, das ihr oben sehen könnt. Sie ist dort als Circe inszeniert, eine Zauberin der griechischen Mythologie. Sofort habe ich mich in die Darstellung verguckt: Durieux wirkt listig, geheimnisvoll und so ganz anders, als wir es von den typischen Frauendarstellungen der Zeit um 1900 gewöhnt sind. Über Villa Durieux kann man eine Menge lesen: Sie war ein gefeierter Filmstar, eine Ikone der 1920er Jahre. Politisch engagiert, von Männern (und Frauen) umschwärmt und bewundert. Sie ist auf unzähligen Gemälden ihrer Zeitgenossen zu sehen. Aber woher kommt die Faszination um sie? Das Wiener Leopold Museum geht diesen Fragen auf den Grund und zeigt Gemälde, Grafiken, Skulpturen, Fotografien und Filme, die die Spuren ihres Lebens nachverfolgen. Vielleicht führt das Konzept ja sogar ein bisschen weg von verklärten Männerfantasien hin zu einer authentischen Darstellung der Frau, die Durieux wirklich gewesen ist. Wir sind gespannt.

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    Maria Lassnig, Selbstporträt als Tier, 1963 © Maria Lassnig Stiftung / VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: Roland Krauss / Helen Frankenthaler, Beginnings, 1994 © 2022 Helen Frankenthaler Foundation, Inc. / Bildrecht Wien / Foto: Leonardo Bezzola, Niki de Saint Phalle, Luzern, 1969 (Kunsthaus Zürich, Foto © Nachlass Leonardo Bezzola, Werk © Niki Charitable Art Foundation / 2021, ProLitteris, Zürich) / Photobooth. Man in make-up wearing a woman’s ring, United States, ca. 1920, gelatin silver print with colour retouching. Collection Sébastien Lifshitz.

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