Was tun zur Berlin Art Week?

Was tun zur Berlin Art Week?

7 Ausstellungen, die wir euch ans Herz legen können

Es ist wieder so weit: Fünf Tage lang präsentiert die Berliner Kunstwelt, was sie an zeitgenössischer Kunst zu bieten hat. Wir verraten euch, wo sich ein Besuch besonders lohnt

Woran ich merke, dass der Herbst langsam in der Hauptstadt einzieht? Spätestens daran, dass die Berlin Art Week vor der Tür steht. Ehe man sich versieht, ist der Großteil des Jahres schon wieder vorbei, die Tage werden kürzer und die Luft frischer. Für alle, die dem Sommer hinterher trauern, hat der September aber ein tolles Programm im Gepäck: Viele Galerien, die über die heißen Wochen geschlossen hatten, öffnen wieder ihre Pforten und die Museen servieren uns ein spannendes Herbst-Programm.

Wie zu jeder Art Week habe ich auch dieses Mal wieder einige Tipps für die kommende Woche für euch. Dieses Jahr wird es auch mir richtig schwerfallen, alle Termine unter einen Hut zu bekommen.

Eines kann schon mal verraten werden: Die Tage, an denen sich alles nur in Berlin-Mitte abspielte, sind passé. Meine Tipps locken euch hinaus ins Grüne, in vielleicht noch unbekannte Bezirke und an Kunstorte, die ihr mit Sicherheit noch nicht gesehen habt. Egal, ob ihr euch an den kommenden Tagen also nach Getümmel oder nach Ruhe sehnt, hier findet ihr auf jeden Fall die ideale Beschäftigung.

Die Empfehlungen beziehen sich übrigens sowohl auf das offizielle Programm der Berlin Art Week, als auch auf parallele Veranstaltungen. Es kann also nichts mehr schiefgehen - los geht's!

Jenna Sutela in der Schering Stiftung

Jenna Sutela, Milky Ways, 2022, video stills. A project in collaborationwith Primer.

Bei „Milky Ways“ denkt ihr vermutlich zuerst an Süßigkeiten oder die Galaxis, nicht unbedingt an Muttermilch. Vielleicht ändert sich das nach dem Besuch von Jenna Sutelas Einzelausstellung in der Schering Stiftung: Die finnische Künstlerin präsentiert dort unter anderem ihre neueste Filmarbeit, die sich mit menschlicher und synthetisch hergestellter Milch auseinandersetzt. Seit Jahren versucht die Biotechnologie, Bakterien zu imitieren, die über die Milch von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. Sutelas „Milky Ways“ schlägt die Brücke zwischen der mythischen Erzählung über die Entstehung der Milchstraße – angeblich hat die Göttin Hera sie mit ihrer Brustmilch ins Weltall gespritzt - und wissenschaftlichen Erkenntnissen über Mikroorganismen. Unbedingt sehenswert!

Eröffnung: 14. September, 18-22 Uhr
Öffnungszeiten während der Art Week: Do-Fr, 13-19 Uhr, Sa-So, 11-19 Uhr
Ort: Schering Stiftung, Unter den Linden 32-34, 10117 Berlin

Kunst im ehemaligen Luftschutzbunker

Ehemaliger Luftschutzbunker in Charlottenburg © Culterim Gallery

Bock auf Bunker? Kein Problem: Im ehemaligen Luftschutzbunker in Berlin-Charlottenburg stellen während der Art Week 35 Künstler*innen ihre Arbeiten zum Thema Schutz(raum), Bedeckung und Hülle aus. Einige von ihnen setzen sich mit dem historischen Ort auseinander, andere behandeln unterschiedliche Assoziationen des Begriffs „Cover“. Zu sehen gibt es Malerei, Zeichnung, Skulptur, Video- und Soundinstallation - und alles findet unterirdisch statt. Die Räumlichkeiten sind aber sehr weitläufig, ihr müsst euch also keine Sorgen machen, dass es zu eng wird.
Kleiner Disclaimer: Ich habe das Glück, Teil des Kurator*innen-Teams zu sein, das hier ist also Eigenwerbung. Unabhängig davon wird die Ausstellung aber richtig gut! Come by, say hi!

Eröffnung: 13. September, 18-21 Uhr
Öffnungszeiten während der Art Week: Mi-Fr 16-20 Uhr, Sa-So 12-16 Uhr
Ort: Luftschutzbunker Charlottenburg, Kaiserdamm 102, 14057 Berlin

Kunst in den Wilhelm Hallen

Ataraxia, 2021, Isabella Fürnkäs, Hua International Berlin, photo by Timo Ohler, courtesy of the artist and Hua International Berlin.

Ihr mögt es lieber oberirdisch? Kein Problem: Die Wilhelm Hallen in Berlin-Reinickendorf laden während der Art Week zu der Kulturveranstaltung HALLEN#3 ein. Bereits zum dritten Mal stellen auf dem denkmalgeschützten Industriegebiet zahlreiche Galerien aus, darunter ChertLüdde, Hua International und Efremidis. Wer rußgeschwärzten Milchglasfenstern, Eisenfachwerk und Backsteinbauten etwas abgewinnen kann, der ist auf dem Gelände der ehemaligen Eisengießerei sowieso richtig aufgehoben. Wer herausfinden will, ob das diesjährige Motto „Reinickendorf Rules“ auch wirklich stimmt, der hat auf über 6.000 qm die Möglichkeit dazu.

Öffnungszeiten während der Art Week: Mi-Do, 15-20 Uhr; Fr 13-20 Uhr, Sa 11-20 Uhr, So 10-20 Uhr
Ort: Wilhelm Hallen, Kopenhagener Straße 60-72, 13407 Berlin

Leila Hekmat im Haus am Waldsee

Haus am Waldsee, Leila Hekmat, I was not Invited, 2018, Ballhaus Chausseestraße © Leila Hekmat

Euch zieht es in die Natur? Say no more: Ein Besuch im Haus am Waldsee lohnt sich jedes Mal. Die Ausstellung „Female Remedy“ der Künstlerin Leila Hekmat verwandelt das Haus am Waldsee in eine Art Krankenstation, das „Hospital Hekmat“. Ein Operationssaal, Krankenhausbetten, eine Kapelle und verschiedene Behandlungsräume machen aus dem Ausstellungsort eine multisensorische Installation, die sich über das gesamte Haus und den wunderschönen Garten erstreckt. Die Künstlerin thematisiert nicht nur die Geschichte des Hauses, sondern auch unsere obsessiven und teils absurden Einstellungen zu Themen wie Fitness, Wellness, Normalität und Gesundheit. Es ist übrigens die erste Ausstellung, die von der neuen Direktorin des Hauses, Anna Gritz, kuratiert wurde.

Eröffnung: 14. September, 19:30 Uhr
Öffnungszeiten während der Art Week: Do-So, 11-18 Uhr
Ort: Haus am Waldsee, Argentinische Allee 30, 14163 Berlin

Anna Ehrenstein bei Office Impart

Installation view, Anna Ehrenstein, The Balkanization Of The Cloud, with Lux Venérea and Jonathan Omer Mizrahi, 2022. Photo: Katharina Kritzler

Wir alle haben ab und zu mit ihr zu tun: der Cloud. Dass sie uns häufig neutral und irgendwie "über allem schwebend" vorkommt, hat sicher mit ihrem Namen zu tun. In ihrer Ausstellung „The Balkanization of the Cloud“ legt Anna Ehrenstein jedoch dar, wie einfach staatliche Mächte und Eliten Kontrolle auf die Cloud ausüben können - etwa durch Regulierung von Datenströmen oder Instrumentalisierung der kulturellen Produktion. Um die Interessen der Nationalstaaten zu untersuchen, nutzt die Künstlerin den oft abwertend verwendeten Begriff der „Balkanisierung“ und deutet ihn um. Die Ausstellung wurde zusammen mit Lux Venérea und Jonathan Omer Mizrahi entwickelt und findet in den Räumlichkeiten von Office Impart in Berlin-Moabit statt. Wir sehen uns dort!

Eröffnung: 15. September, 18-21 Uhr
Öffnungszeiten während der Art Week: Fr-So, 12-18 Uhr
Ort: Office Impart, Waldenserstraße 2-4, 10551 Berlin

Caroline Wong bei Soy Capitán

Soy Capitán, Caroline Wong Cats and Girls © Caroline Wong

„Cats and Girls“ heißt Caroline Wongs Solo-Ausstellung bei Soy Capitán und genau das kriegt ihr dort auch zu sehen. In ihren Pastellbildern zeigt die Londoner Künstlerin Frauen, die schlemmen und schlingen, essen oder fressen. Mal in ausgelassenen Gelagen oder ganz für sich allein, mal mit Weinbegleitung oder in tierischer Gesellschaft. Auf der einen Seite transportieren die Bilder wunderbar diese „Scheißegal-Haltung“, die wir alle öfter an den Tag legen sollten – auf der anderen Seite wirken manche Darstellungen aber auch ein bisschen ekelerregend. Wongs Arbeiten veranschaulichen ziemlich gut, wie verzerrt unsere Beziehung zum Essen häufig ist: Themen wie Gier, Angst, Scham und Vergnügen stehen wie große Elefanten im Raum. Und dann ist da natürlich noch diese kleine, süße Katze!

Eröffnung: 16. September, 18-21 Uhr
Öffnungszeiten während der Art Week: 17.-18. September, 12-18 Uhr
Ort: Soy Capitán, Prinzessinnenstraße 29, 10969 Berlin

Berlin Art Prize

Isabell Schulte: 02part VI, Detail, Bleistift auf Papier, 2020. Foto: Eric Tschernow. Copyright: Isabell Schulte VG Bildkunst.

Wer wissen möchte, wie Berlins Kunstszene wirklich aussieht, ist hier an der richtigen Adresse, äh, an DEN richtigen Adressen. Der solidarische und unabhängige Berlin Art Prize wird (mehr oder weniger) regelmäßig an Künstler*innen vergeben, die in Berlin leben. Die acht Nominierten wurden von einiger unabhängigen Jury anonym ausgewählt und eingeladen, je eine Einzelausstellung in einem von acht Projekträumen auszurichten. Ganz nebenbei lernt ihr auf diese Weise also auch interessante Kunstorte kennen, die ihr vorher vielleicht noch nie besucht habt. Dieses Jahr solltet ihr unbedingt bei Isabell Schulte im Spoiler Aktionsraum, Hana Yoo in der ACUD Galerie und Alicja Rogalska bei Scherben vorbeigucken.

Alle Nominierten und Orte findet ihr hier.
Die öffentliche Preisverleihung der Trophäe findet am 15. September, 19—24 Uhr in der Acud Galerie statt.

Dieser Artikel ist Werbung, da er Markennennungen enthält.

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