Der Beige Guide zur Berlin Art Week

Wohin zur Berlin Art Week? Wir haben 10 Tipps für ein unvergessliches Kunsterlebnis!

Haltet eure Rollkragenpullover bereit, die Berlin Art Week ist in der Stadt: Wie jedes Jahr brummt Berlin Mitte September vor Kunstbegeisterten. Zwischen dem 15. und 19. September öffnen viele spannende Ausstellungen, unbekannte Offspaces und altbekannte Institutionen ihre Pforten für die zahlreichen Besucher*innen. Ein besonderes Highlight ist zum Beispiel die Ausstellung MISA Discoveries in der König Galerie. Dieses Mal legt die Kunstmesse in der ehemaligen Kirche St. Agnes den Fokus auf junge Positionen wie Johanna Dumet, Navot Miller und Fabian Warnsing - das klingt vielversprechend!

Auch in diesem Jahr teilen wir natürlich unsere Kunst-Highlights der kommenden Tage mit euch. Wie immer reichen die Tipps von Privatsammlungen über Galerien und Projekträume bis hin zu Interventionen. Also Impfpass einstecken, Maske nicht vergessen und Beige Guide auf dem Handy abspeichern – losgeht die wilde Fahrt!

Falls euch der ganze Trubel zu viel sein sollte und ihr lieber Abstand bewahren wollt, have no fear – die meisten Shows laufen noch über die Berlin Art Week hinaus.

Alicja Kwade: In Abwesenheit - Berlinische Galerie

Berlinische Galerie, Alicja Kwade, Detail Installationsansicht Clout-Count, 2018. Courtesy of the artist. Foto: Roman März.

Die Berlinische Galerie zeigt Alicja Kwades Einzelausstellung „In Abwesenheit“ und präsentiert Arbeiten der Künstlerin, die sich alle im weitesten Sinne als Selbstporträts lesen lassen. Eins der Werke besteht zum Beispiel aus 24 Glasampullen, die in Reinform die chemischen Elemente enthalten, aus denen der menschliche Körper besteht. Eine andere raumgreifende Installation basiert auf dem vollständig ausgelesenen Genom der Künstlerin, ausgedruckt auf 314.000 Seiten Papier. Die zentrale Arbeit bezieht sich auf unsere physische Verortung in Zeit und Raum: In der Mitte der Halle ist ein schwarzer Stahlring aufgebaut, der bis unter die Decke reicht. An ihm sind 24 Lautsprecher montiert, die Alicja Kwades Herzschlag in den Ausstellungsraum übertragen.

Berlinische Galerie
Alte Jakobstraße 124–128, 10969 Berlin
Mi - Mo, 10 - 18 Uhr
Eröffnung: 17. September, 18 Uhr

Megan Marrin: Compliance - Efremidis Gallery

Efremidis, Megan Marrin, Barre 3, 2021 © Megan Marrin.

Plié, Cambré, Passé - kommt euch das bekannt vor? Wer in der Kindheit ebenfalls Ballettunterricht genommen hat, dürfte sich bei Efremidis wohlfühlen: Die Künstlerin Megan Marrin säumt die Wände der Galerie mit minimalistischen Ballettstangen und anderen hölzernen Sportgeräten. Die Show setzt sich auf der einen Seite mit Ästhetik und Funktionalität auseinander, hinterfragt aber gleichzeitig auch die Beziehung zum eigenen Körper sowie Zwänge und Selbstbestimmung, die im Sport eine wichtige Rolle spielen. Es ist die erste Einzelausstellung der Künstlerin in Europa. Da drehen wir gleich eine Pirouette vor Freude!

Efremidis
Ernst-Reuter-Platz 2, 10587 Berlin
Öffnungszeiten während der Art Week: Mi & Do 11-18, Fr-So 11-19 Uhr

HR Giger & Mire Lee - Schinkel Pavillon

Schinkel Pavillon, Mire Lee, Carriers, 2020 © the artist and Art Sonje Center, Seoul. Foto: Yonje Kim / HR Giger, Atomkinder, 1968 © HR Giger Museum.

Seid ihr auch Fans der Science-Fiction-Filmreihe „Alien“? Dann werdet ihr diese Ausstellung lieben: „HR Giger & Mire Lee“ im Schinkel Pavillon vereint ikonische Skulpturen, Malereien und Zeichnungen des Schweizer Alien-Schöpfers HR Giger und die ortsspezifischen kinetischen Installationen der südkoreanischen Künstlerin Mire Lee. Euch erwarten ein bisschen Grusel, ein bisschen Außerirdisches und eine ganze Menge Faszination. Gigers xenomorphe Visionen verschmelzen mit Lees geschlechtslosen Körpern und lassen den Ausstellungsort zu einem ambivalenten Setting zwischen Geburt, Erotik und Tod werden.

Schinkel Pavillon
Oberwallstraße 32, 10117 Berlin
Mi-So, 11-19 Uhr
Eröffnung: 17. September, 19 Uhr

Shilpa Gupta - Neuer Berliner Kunstverein (n.b.k.)

n.b.k., Shilpa Gupta, Words Come From Ears, 2018. Foto: Pat Verbruggen.

Wie viele Minuten unseres Lebens haben wir wohl schon auf Faltblattanzeigen an Flughäfen oder Bahnhöfen gestarrt? Im n.b.k. haben sie sogar eine poetische Botschaft: Die Künstlerin Shilpa Gupta untersucht in ihren Installationen und Skulpturen, wie Menschen durch physische und ideologische Grenzen geprägt werden. In der Arbeit „Words Come From Ears“ nutzt sie Faltblattanzeigen, die statt Uhrzeiten und Ortsangaben sich wandelnde poetische Texte zeigen. So macht das Ausharren und Starren tatsächlich Spaß. Apropos: Ein Blick auf die Fassade des n.b.k. lohnt sich ebenfalls, dort wird nämlich Barbara Krugers Arbeit „Untitled (Another/Another)“ zu sehen sein.

Neuer Berliner Kunstverein (n.b.k.)
Chausseestraße 128/129, 10115 Berlin
Di-So 12-18 Uhr, Do 12-20 Uhr

Future Past Perfect - Spoiler Aktionsraum

Spoiler Aktionsraum, 2020. Foto: Spoiler.

Der Spoiler Aktionsraum in Berlin-Moabit nutzt die Räumlichkeiten eines ehemaligen Autohauses. Als diesjähriger Gewinner des Projektraumpreises des Berliner Senats zeigt Spoiler die Gruppenausstellung „Future Past Perfect“. Zu sehen sind Arbeiten von Emma Adler, Lena Marie Emrich und Felix Oehmann. Die Künstler*innen arbeiten ortsspezifisch und Raum-invasiv und testen auf diese Weise die Grenzen des Raumes aus. Das wird mit Sicherheit ein spannendes Wochenende!

Spoiler Aktionsraum
Quitzowstraße 108a, 10551 Berlin
17. - 19. September, 14-20 Uhr
Eröffnung: 16. September, 19 Uhr

Alexandra Bircken: Fair Game - KINDL Zentrum für zeitgenössische Kunst

KINDL - Zentrum für zeitgenössische Kunst, Alexandra Bircken, Pinstrike, 2021. Foto: Roman März.

Auch in der ehemaligen Kindl-Brauerei, dem KINDL - Zentrum für zeitgenössische Kunst, könnt ihr dieser Tage eine Menge schöner Dinge bestaunen: Im Kesselhaus zeigt Alexandra Bircken ihre Einzelausstellung "Fair Game". Die Künstlerin setzt sich in ihren Arbeiten mit der Haut auseinander und schafft aus textilen Materialien, Maschinenteilen, Holz, Stahl oder Latex Skulpturen und Installationen, die das Verhältnis zwischen Körper und Mensch thematisieren. Im Maschinenhaus sind die vielversprechende Gruppenausstellung „Ende Neu“ mit Arbeiten von Katja Aufleger, Angela de la Cruz und Michael Sailstorfer sowie Tatjana Dolls Einzelausstellung „Was heißt Untergrund?“ zu sehen. Da lohnt sich der Besuch gleich dreifach!

KINDL - Zentrum für zeitgenössische Kunst
Am Sudhaus 3, 12053 Berlin
Mi 12-20 Uhr, Do-So 12-18 Uhr
Eröffnung Doll/Bircken: 18. September, 14-22 Uhr

Sammlung Ivo Wessel

Sammlung Ivo Wessel, Sofia Hultén, Drawn Onward, 2009. © Sofia Hultén, Sammlung Ivo Wessel.

Ihr wolltet schon immer mal einen Blick in eine Privatsammlung werfen? Dann habt ihr spätestens während der Art Week die Gelegenheit dazu! Zum Beispiel in die Sammlung von Ivo Wessel, App-Entwickler und Sammler zeitgenössischer Kunst in Berlin. Dieses Jahr könnt ihr dort neben zahlreichen fotografischen Arbeiten sowie Video- und Konzeptkunst auch zwei Installationen von Sofia Hultén bestaunen. Die Künstlerin bearbeitet darin zwei vorgefundene Gegenstände — eine lackierte Tür und eine Statue des griechischen Redners Demosthenes. Festgehalten hat Hultén die ganze Prozedur in ebenfalls ausgestellten Videos.

Sammlung Ivo Wessel Lehrter Straße 57, Haus 2, Etage 2, 10557 Berlin
Sa/So 14-21 Uhr

Judith Hopf: Luft - Fahrbereitschaft (haubrok foundation)

haubrok foundation, Fahrbereitschaft. Courtesy of haubrok foundation. Foto: Ludger Paffrath.

Kennt ihr schon die Fahrbereitschaft in Berlin-Lichtenberg? Auf dem Gewerbehof, der in der ehemaligen DDR Dreh- und Angelpunkt der „Abteilung Transport“ des Zentralkomitees der SED war, könnt ihr unter anderem eine originale DDR-Bar, eine Kegelbahn und viele 50er-Jahre-Gebäude entdecken. Aber die Architektur allein ist nicht der einzige Grund für einen Besuch: Mittlerweile ist auf dem Gelände auch eine Menge Kunst zu sehen, 35 Künstler*innen haben hier ihre Projekträume. Zur Berlin Art Week zeigt die haubrok foundation eine Ausstellung von Judith Hopf, die in der Fahrbereitschaft ebenfalls ihr Atelier hat.

Fahrbereitschaft (haubrok foundation)
Herzbergstraße 40–43, 10365 Berlin
15. - 19. September 14-18 Uhr

Lotta Antonsson: I am Silver - Dorothée Nilsson Gallery

Dorothée Nilsson Gallery, Lotta Antonsson, Delusion of Certainity II - Detail, 2019, Unikat. © Lotta Antonsson.

Die schwedische Künstlerin Lotta Antonsson arbeitet überwiegend mit Fotografie und Collage. Besonders in den frühen 1990er Jahren setzte sie sich kritisch mit der Objektivierung der Frau und geschlechtsspezifischen Genderklischees auseinander und regte damit eine öffentliche Debatte über das soziale Geschlecht aus. Die Dorothée Nilsson Gallery zeigt mit der Ausstellung „I am Silver“ Arbeiten aus verschiedenen Schaffensphasen der Künstlerin, in denen sich Antonsson mit der Suche nach Identität und ihrem Konstrukt beschäftigt. Wir sind gespannt!

Dorothée Nilsson Gallery
Potsdamer Straße 65, 10785 Berlin
Mi-So 12-19 Uhr

NOTHINGTOSEENESS – Leere/Weiß/Stille - Akademie der Künste

Akademie der Künste, Stephan Huber, Shining, 2001 © VG Bild-Kunst, Bonn, 2021.

Hier gibt es nichts zu sehen? Ganz im Gegenteil: In der Ausstellung „NOTHINGTOSEENESS - Leere/Weiß/Stille“ zeigen 75 internationale Künstler*innen ihre Sicht auf das Verhältnis von vermeintlichen Gegensätzen zueinander: zum Beispiel Ton zu Stille, Fülle zu Leere, Komplexität zu Einfachheit, Bedeutung zu Bedeutungslosigkeit. Die Ausstellung lädt dazu ein, genauer hinzusehen: Eine Vielzahl an Gemälden, Fotografien, Videos, Film- und Soundarbeiten sowie Skulpturen und ortsspezifische Installationen sind in den Ausstellungshallen am Hanseatenweg zu entdecken.

Akademie der Künste
Hanseatenweg 10, 10557 Berlin
Di-So 11-19 Uhr
Eröffnung 15. September, 11-24 Uhr

Die BEIGE Gallery Week Map:

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    Berlinische Galerie, Alicja Kwade, Detail Installationsansicht Clout-Count, 2018. Courtesy of the artist. Foto: Roman März // Dorothée Nilsson Gallery, Lotta Antonsson, Delusion of Certainity II - Detail, 2019, Unikat. © Lotta Antonsson.

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