Diese Kunstausstellungen kommen 2019

Keine Frauen in der Kunst? Unsere Ausstellungsvorschau 2019 beweist euch das Gegenteil 

„Why Have There Been No Great Women Artists?“ So heißt ein Essay der Kunsthistorikerin Linda Nochlin aus dem Jahr 1971. Wenn wir heutzutage ins Museum gehen, kommt uns diese Frage noch immer aktuell vor. Wie die Londoner Tate Britain jetzt dagegen vorgeht und was das kommende Kunstjahr in Deutschland für euch bereithält, das erfahrt ihr hier. 

Auf den ersten Blick wirkt die Geste radikal: Das Londoner Museums Tate Britain hat verkündet, ab April 2019 sämtliche Werke männlicher Künstler ab 1960 abzuhängen. Stattdessen sollen in der Abteilung für britische Kunst ausschließlich weibliche Künstlerinnen der letzten 60 Jahre gezeigt werden. Natürlich ist eine Verbannung aller männlichen Künstler aus der Abteilung ein extremer Schritt, leider ist aber der Künstlerinnen-Anteil in Museen (immer noch) absolut gering. Die Umkehrung dieses Umstands zeigt uns in diesem Fall, wie unausgewogen und ungerecht die Situation eigentlich ist. Das Projekt ist ein Schritt in Richtung Diversität und macht die Absurdität der klassischen, meist von Männern dominierten Ausstellungen sichtbar. Maria Balshaw, die Direktorin der Tate, hat mit dieser Aktion ein tolles Projekt verwirklicht.  

Und auch Deutschland hat im kommenden Jahr einiges zu bieten, was die Präsentation von Künstlerinnen angeht: Wir haben für euch die spannendsten Ausstellungen aus 11 deutschen Städten zusammengestellt, die 2019 einen Besuch wert sind. Die Protagonistinnen: Alle weiblich. Ein besonderes Zeichen für Gleichstellung und gegen Benachteiligung. 

Kampf um Sichtbarkeit - Künstlerinnen der Nationalgalerie vor 1919

© Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders

Berlin: Alte Nationalgalerie
11. Oktober 2019 - 26. Januar 2020

Leider ist diese Ausstellung erst ab Herbst in Berlin zu sehen, sie ist aber jetzt schon dick in meinem Kalender markiert. Es ist tatsächlich ein Kampf um Sichtbarkeit, der hier geführt wird: Oft sucht man bisweilen vergeblich Werke von Künstlerinnen in der Alten Nationalgalerie. Neben impressionistischen Werken von Sabine Lepsius und Maria Slavona, werden auch Arbeiten der Berliner Künstlerinnen Renée Sintenis und Käthe Kollwitz zu sehen sein. Aber auch weniger bekannte Künstlerinnen werden ausgestellt sein. 

Karin Sander – A bis Z 

© Karin Sander und VG Bildkunst, Bonn 2018

Berlin: Haus am Waldsee
26. Januar 2019 - 03. März 2019

Eine Einzelausstellung zur Wiedereröffnung des Haus am Waldsee. Nicht nur die wunderschöne Location im Grünen ist immer eine (kleine) Reise wert. Die Arbeiten von Karin Sander (*1957), die in Berlin und Zürich lebt und arbeitet, sind mittlerweile international bekannt. Die Ausstellung zeigt nicht nur die seit den 1990er Jahren entstandenen Arbeiten, buchstäblich von „A bis Z“, sondern beschäftigt sich auch mit dem frisch sanierten Haus am Waldsee, das seit den 1920er-Jahren als Plattform für zahlreiche Künstler*innen dient. 

Käthe-Kollwitz-Preis 2019: Hito Steyerl 

Berlin: Akademie der Künste
21. Februar 2019 - 14. April 2019

Die in München geborene Künstlerin Hito Steyerl (*1966) ist die Gewinnerin des Käthe-Kollwitz-Preises 2019 und stellt passend dazu Anfang des Jahres in der Akademie der Künste aus. Sie arbeitet hauptsächlich als Filmemacherin und Autorin und beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit postkolonialer Kritik, den Einflüssen der Globalisierung und Digitalisierung. Ihre  Installationen zeigen die politische Dimension von Bildern und nehmen auf die Rolle von Computertechnologie in Kriegssituationen Bezug. 

Künstler sein

© Nachlass Anna Oppermann

Bielefeld: Kunsthalle Bielefeld
23. März 2019 - 28. Juli 2019

Die Kunsthalle Bielefeld zeigt ab dem Frühjahr eine Ausstellung mit Werken der Künstlerin Anna Oppermann (1940-1993). Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das umfangreiche Ensemble «Künstler sein», das 1977 auf der Documenta 6 in Kassel gezeigt wurde. In ihren «Ensembles» ging die Künstlerin, die sich mit ihrer Arbeit vor allem in der Konzeptkunst positioniert hat, auf ihre eigene Rolle in Kunst und Gesellschaft in den 70er und 80er Jahren ein. Dabei thematisiert sie den Konflikt zwischen Selbstdarstellung und Rückzug, Zugehörigkeit und Rückzug.

Anna Uddenberg

Bonn: Bundeskunsthalle
05. April 2019 - 15. September 2019

Mit ihren Skulpturen reflektiert die schwedische Künstlerin Anna Uddenberg (*1982) unsere Zeit und unseren Alltag. Sie untersucht, wie sich die Konsumkultur auch durch neue Technologien, zum Beispiel die die sozialen Medien, verändert. Aber auch Klassen- und Geschlechtsstereotypen werden in ihren Arbeiten hinterfragt. 

Karin Kneffel

© VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: Achim Kukulies

Bremen: Kunsthalle Bremen
22. Juni 2019 - 29. September 2019

Karin Kneffel (*1957) gilt als eine der bedeutendsten Künstlerinnen der zeitgenössischen Malerei. Ihre fotorealistisch anmutenden Bilder schlagen oft die Brücke zwischen Realismus und Surrealismus. Die Ausstellung in der Kunsthalle Bremen dokumentiert die Entwicklung Kneffels von den 1990er-Jahren bis in die Gegenwart und zeigt sowohl Grafik als auch monumentale Gemälde der Künstlerin. 

Fotografinnen an der Front – Von Lee Miller bis Anja Niedringhaus 

Düsseldorf: Museum Kunstpalast
08. März 2019 - 10. Juni 2019

Die Ausstellung zeigt rund 120 Arbeiten von acht Fotografinnen, die in Kriegsgebieten tätig sind oder waren, darunter Fotografinnen wie Lee Miller (1907-1977) und Anja Niedringhaus (1965-2014), die kurz vor der Präsidentschaftswahl in Afghanistan erschossen wurde. Dokumentarisch zeigen die Aufnahmen den Alltag in Krisenregionen und zeigen ein weiteres Mal die Absurdität des Krieges.

Medea muckt auf. Radikale Künstlerinnen hinter dem Eisernen Vorhang

© Courtesy of the artist, Foto: József Rosta / Ludwig Museum – Museum of Contemporary Art

Dresden: Kunsthalle im Lipsiusbau
08. Dezember 2018 - 31. März 2019

Die Ausstellung in der Kunsthalle im Lipsiusbau läuft zwar schon seit Anfang Dezember, wir wollen sie euch aber keinesfalls vorenthalten. Gezeigt wird der künstlerische Umgang mit Trotz und Provokation auf der sozialistischen Seite des Eisernen Vorhangs: Die Ausstellung präsentiert 36 (inter-)nationale Künstlerinnen und Künsterinnengruppen und ihre Antworten auf den Druck und die politische Autorität vor 1989. Viele der Arbeiten sind bis heute weitestgehend unbekannt geblieben, weswegen sich ein Besuch der Kunsthalle im Lipsiusbau absolut lohnt.

Lee Krasner

Frankfurt: Schirn Kunsthalle
11. Oktober 2019 - 12. Januar 2020

Die Frankfurter Schirn übernimmt im Herbst die Retrospektive zu Lee Krasner (1908-1984) aus der Barbican Art Gallery in London. Seit über 50 Jahren ist es die erste große europäische Ausstellung, die sich mit dem Werk der amerikanischen Künstlerin beschäftigt. Krasner gilt als Pionierin der abstrakt-expressionistischen Malerei in den USA. Die Ausstellung präsentiert etwa 100 Werke, darunter Collagen, Zeichnungen, Gemälde und Fotografien. 

Gegen die Unsichtbarkeit. Designerinnen der Deutschen Werkstätten Hellerau 1898 bis 1939

© SKD, Foto: Robert Vanis

Hamburg: Museum für Kunst und Gewerbe
17. Mai 2019 - 18. August 2019

Die Ausstellung stellt 18 Designerinnen und eine Produktfotografin vor, die im frühen 20. Jahrhundert im Kontext der Deutschen Werkstätten Hellerau arbeiteten. Hellerau gilt als ein Zentrum der deutschen Reformbewegung in Hinblick auf kreative und innovative Gestaltung. Viele der Gestalterinnen sind trotz des damaligen Erfolgs mittlerweile in Vergessenheit geraten: In Hamburg wird nun die hervorragende Arbeit der Künstlerinnen beleuchtet, die wesentliche Mitverantwortung am Erfolg der Deutschen Werkstätten trugen.

Nil Yalter – Exile Is a Hard Job

 © Nil Yalter, Foto: Galerie Hubert Winter, Wien

Köln: Museum Ludwig
09. März 2019 - 02. Juni 2019

Das Museum Ludwig in Köln zeigt im Frühjahr 2019 die weltweit erste Überblicksausstellung zum Werk der Künstlerin Nil Yalter. 1938 in Kairo geboren, wuchs Nil Yalter in Istanbul auf beschäftigt sich mit den Themen Feminismus, Repression und Migration. Heute lebt und arbeitet Yalter in Paris und gilt als Pionierin einer „gesellschaftlich engagierten und technisch avancierten Kunst“. 

VOIX – MalerinnenNetzWerk Berlin – Leipzig

Leipzig: Museum der bildenden Künste
20. Februar 2019 - 07. April 2019

Das MalerinnenNetzWerk Berlin – Leipzig (kurz MNW) wurde erst 2015 gegründet und zählt schon jetzt als eines der spannendsten Plattformen für zeitgenössische Malerei. Neben dem Austausch der Malerinnen untereinander und zahlreichen Ausstellungen und Publikationen steht auch die Arbeit mit Gastkünstler*innen im Fokus des Netzwerks. Die 28 Künstlerinnen aus Leipzig und Berlin präsentieren im Untergeschoss des MdbK eine Einzelausstellung, in der sowohl Malerei, als auch Zeichnung, räumliche Installationen und Skulpturen zu sehen sein werden.

Schmuckismus

München: Die Neue Sammlung – The Design Museum / Pinakothek der Moderne
16. März 2019 - 16. Juni 2019

Die Kuratorin der Ausstellung, Karen Pontoppidan, ist Professorin für Schmuck an der Akademie der Bildenden Künste in München. In den Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler nimmt der Schmuck eine gesellschaftliche Position ein und thematisiert Bereiche wie Ökologie, Konsumgesellschaft oder Feminismus. Die Ausstellung zeigt nicht nur wunderschönes Schmuckdesign der Gegenwart, sondern widmet sich auch der Frage nach unserer Identitätsbildung durch Schmuck im 21. Jahrhundert.

Senga Nengudi

© Senga Nengudi 2018

München: Lenbachhaus
17. September 2019 - 19. Januar 2020

Senga Nengudi (*1943) ist für ihre abstrakten Werke bekannt, die Performance, Tanz und Objektkunst miteinander verbinden. Sie selbst bezeichnet diese Skulpturen übrigens als „stationäre Performances“. Geboren in Chicago und aufgewachsen an der Westküste der USA, wurde sie in den 1960er und 1970er Jahren von der dortigen afroamerikanischen Avantgarde geprägt und inspiriert. In der Ausstellung im Lenbachhaus werden ihre Werke durch choreografische Performances aktiviert und in Szene gesetzt. 

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    © Courtesy of the artist, Foto: József Rosta / Ludwig Museum – Museum of Contemporary Art

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