Der Beige Guide zum Gallery Weekend

Der Beige Guide zum Gallery Weekend

Wohin am Wochenende? Unsere Tipps für ein spannendes Gallery Weekend in Berlin

Wohin am Wochenende? Unsere Tipps für ein spannendes Gallery Weekend in Berlin

Das Szenario könnte gar nicht passender sein: Die Sonne lacht, Frühlingsgefühle machen die Runde und wer nicht gerade völlig ausgebrannt von der Venedig Biennale zurückkehrt, ist mit ziemlicher Sicherheit hungrig auf Kunst. 

Wie schön, dass das Berlin Gallery Weekend vor der Tür steht! Vom 29. April bis 1. Mai zeigen diverse Berliner Galerien mal wieder, was sie zu bieten haben. Ein weiterer Grund, fröhlich in den Mai zu tanzen.

Mittlerweile ist es ja schon Tradition: Wir teilen mit euch unsere besten Tipps für ein spannendes Wochenende. Dieses Mal haben wir sogar noch eine Extraportion für euch – neben unseren liebsten Ausstellungen gibt es immer noch eine Empfehlung in der direkten Nachbarschaft der Galerie. So müsst ihr euch keine Sorgen machen, am Wochenende nicht genug erlebt zu haben. Übrigens laufen alle vorgestellten Ausstellungen auch über das Gallery Weekend hinaus, ihr könnt sie euch also auch ganz in Ruhe in den kommenden Wochen ansehen.
Nun heißt es: Maske nicht vergessen, Beige Maps (ganz unten im Artikel) auf dem Handy abspeichern – und auf ins Kunst-Vergnügen! Viel Spaß!

Anna Boghiguian - KOW

Anna Boghiguian, The Square, the Line and the Ruler, 2020, Installation view at Palais des études des Beaux-Arts de Paris, Courtesy the artist, Photo: Nicolas Brasseur

Wenn ich Anna Boghiguians Arbeiten sehe, denke ich immer an Märchen – so viel scheinen ihre malerischen und installativen Werke zu erzählen. Thematisch beschäftigt sich die Künstlerin mit den Reisen und Wanderungen, die sie in etlichen Büchern festgehalten hat. Vielleicht wirken ihre raumfüllenden Werke deswegen so, als hätten sie viele Geschichten in petto. Bei KOW könnt ihr dieses Wochenende Streifzüge durch Boghiguians Narrationen unternehmen: Die Galerie zeigt zwei Installationen der Künstlerin. Eine von ihnen ist „The Silk Road“, die 2021 in Japan geschaffen wurde und auf die Geschichte der Seidenstraße verweist. Anhand von Gemälden, Zeichnungen und einer Karte verdeutlicht Boghiguian die Schattenseiten des wachsenden Wohlstands im Japan im 19. und 20. Jahrhundert und den Zusammenhang mit den hart arbeitenden Frauen in den Bekleidungsfabriken des Landes. Spannend!

KOW
Lindenstraße 35
10969 Berlin

Nachbarschafts-Tipp: Einige Meter weiter könnt ihr euch in der Berlinischen Galerie Nina Canells frisch eröffnete Ausstellung „Tectonic Tender“ ansehen. Das wird gut! Falls die Sonne scheint, lohnt sich ein Snack im angeschlossenen Café Dix.

Petrit Halilaj & Alvaro Urbano mit Annette Frick - ChertLüdde

Annette Frick, Ovo Maltine Luftschloß, 2001, Courtesy the artist and the gallery

Die Galerie ChertLüdde hat kürzlich einen neuen Standort bezogen – und diese Räumlichkeiten sind spannend. Wer in Berlin aufgewachsen ist, kennt sicher den Kostüm-Laden Deko Behrendt, der früher dort gewesen ist, wo wir nun Kunst bestaunen können. Ein Besuch lohnt sich also schon allein deswegen, den sonst so verkramten Shop mal als White Cube zu bestaunen. Die Ausstellung ist aber nicht weniger überzeugend: Großartige Fotografien von Annette Frick stehen riesigen Skulpturen von Petrit Halilaj und Alvaro Urbano gegenüber. Eine interessante Auseinandersetzung mit der Geschichte des Ortes!

ChertLüdde
Hauptstraße 18
10827 Berlin

Nachbarschafts-Tipp: Der Kiez rund um die Akazienstraße gehört zu meinen liebsten Gegenden in Berlin. Trinkt doch einen Kaffee bei Portier Coffee oder gönnt euch das beste Eis der Stadt bei Jones Ice Cream.

Joan Jonas - Heidi

Joan Jonas, Draw on the wind, 2018, Courtesy the artist and the gallery 

Wann habt ihr das letzte Mal einen Drachen steigen lassen? Glaubt mir, es hat eine nahezu therapeutische Wirkung, stundenlang auf das flatternde Flugobjekt hoch über euch zu starren und zu beobachten, wie es sich im Wind wiegt. Auch wenn keine steife Brise weht, könnt ihr euch am Wochenende einige Drachen in ungewohnter Atmosphäre ansehen: Heidi präsentiert Joan Jonas Arbeit „Draw on the wind“ und installiert gleich mehrere der Fluggefährte im Galerieraum. Die Objekte aus Bambus wurden in Vietnam handgefertigt, von Jonas bemalt und collagiert. Außerdem zeigt die Galerie mehrere Zeichnungen der Künstlerin. Es wird bunt, wir lieben es!

Heidi
Kurfürstenstraße 145
10785 Berlin

Nachbarschafts-Tipp: Wenn ihr schon mal in der Gegend seid, lauft doch ein Stück die Straße runter und guckt euch Elif Saydams Ausstellung bei Tanya Leighton an. Die Galerie ist zwar kein offizieller Partner des Gallery Weekends, die Schau ist aber umso besser!

Lena Henke - Klosterfelde Edition

Lena Henke, YOUNGBOYS, 2020, Courtesy the artist and Layr Vienna

Kennt ihr das Berliner Hansaviertel? Lena Henke hat sich intensiv mit der Gegend zwischen Tiergarten und Spree auseinandergesetzt und die lokale Geschichte in Skulpturen verarbeitet. Viele wichtige Architekten – Walter Gropius, Oscar Niemeyer, Alvar Aalto, Werner Düttmann, Le Corbusier – waren nach dem Krieg mit dem Wiederaufbau und der Neugestaltung des Viertels beauftragt. In ihrer Ausstellung bei Klosterfelde Edition geht Henke dem Design von Haushaltsgegenständen, den Machtverhältnissen der Nachkriegszeit und der Geschichte von Care-Arbeit auf den Grund. Dafür hat sie unter anderem ikonische Braun-Geräte digital nachbearbeitet und auf interessante Weise verzerrt. Sehenswert!

Klosterfelde Edition
Potsdamer Str. 97
10785 Berlin

Nachbarschafts-Tipp: Direkt nebenan, bei Harb Trading, solltet ihr unbedingt vorbeischauen. Dort gibt es nicht nur das beste Halva der Stadt, sondern auch viele weitere köstliche arabische Spezialitäten.

Eva Koťátková & Meret Oppenheim - Meyer Riegger

Meret Oppenheim, Tätowiertes Portrait, 1980, Photo: Günter Mebusch

Ich glaube, Meret Oppenheim ist die erste Künstlerin, mit der ich als kleines Mädchen in Kontakt gekommen bin – meine Mutter ist ein großer Fan und ich fand natürlich ihre berühmte Felltasse besonders interessant. Seitdem freue ich mich immer, wenn ich irgendwo ein Werk von Oppenheim sehe. Klar, dass ich kommendes Wochenende die Galerie Meyer Riegger besuchen und mir die dortige Einzelausstellung der Künstlerin angucken werde. Ein schöner Bonus: Gleichzeitig ist in den Räumlichkeiten die Ausstellung „Blankets, Monsters, Anna and the World“ der tschechischen Künstlerin Eva Koťátková zu bewundern. Doppelt gut also, Meyer Riegger einen Besuch abzustatten.

Meyer Riegger
Schaperstraße 14
10719 Berlin

Nachbarschafts-Tipp: Nicht weit entfernt ist die Galerie Robert Grunenberg, die gerade fantastische Arbeiten von Alexander Basil und Sonja Yakovleva zeigt. Unbedingt ansehen!

Shuang Li - Peres Projects

Shuang Li, Hair1, 2022, Courtesy the gallery

Falls ihr es doch schon zur diesjährigen Venedig Biennale geschafft habt, dann werdet ihr beim diesjährigen Gallery Weekend einige „alte Bekannte“ treffen – Shuang Li zum Beispiel. Die Künstlerin ist mit ihren Arbeiten nämlich nicht nur auf der Ausstellung in der italienischen Lagunenstadt vertreten, sondern zeigt auch ihre zweite Einzelausstellung „nobody's home“ in der Berliner Galerie Peres Projects. In ihren Werken beschäftigt sich Li mit digitalen Landschaften - sei es durch Performance, Skulpturen oder Installationen. Auch nach den zahlreichen Lockdowns freuen wir uns noch über Digitalität!

Peres Projects
Karl-Marx-Allee 82
10243 Berlin

Nachbarschafts-Tipp: Es schlendert sich ganz hervorragend um das nicht weit entfernte Engelbecken – oder ihr besucht am Freitag oder Samstag den Wochenmarkt in der Markthalle Neun.

Haegue Yang - Barbara Wien

Haegue Yang, Barbell-Powered Sunrising Soul Sheet Atop Another – Mesmerizing Mesh #79, 2021, Courtesy the gallery, Photo: Studio Haegue Yang

Für Fans von Collage ist diese Ausstellung bestimmt ein Highlight: Barbara Wien zeigt Papierarbeiten und Skulpturen von Haegue Yang. Die Künstlerin hat ihre Arbeiten aus Hanji, einem traditionellen koreanischen Papier, angefertigt. Die Kompositionen, die durch das Schichten, Falten und Schneiden entstanden sind, sind mal figürlich und mal abstrakt und lassen die wildesten Interpretationen zu. Außerdem werden zwei „Sonic Sculptures“ von Yang ausgestellt – große, aus Glöckchen und Ringen konstruierte Bildwerke. Auch aus Haushaltsgeräten hat Yang Skulpturen gefertigt: Sie bestehen aus einem Spülbecken und Jalousien und beziehen sich auf die Wohnungen der Künstlerin in Seoul und Berlin. Sehr sehenswert!

Barbara Wien
Schöneberger Ufer 65
10785 Berlin

Nachbarschafts-Tipp: Falls ihr nach Wiedereröffnung noch nicht in der Neuen Nationalgalerie gewesen seid – oder auch dann –, wäre jetzt eine passende Gelegenheit: Die befindet sich genau gegenüber. Während des Gallery Weekends ist hier Barbara Krugers Installation „Bitte lachen / Please cry“ zu sehen.

Die BEIGE-Maps einfach abspeichern und nie wieder ratlos in der Gegend herumstehen:

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