Der Beige Guide zur Berlin Art Week und zum Gallery Weekend Berlin

Was ist noch besser als Tipps für ein Wochenende Kunst in Berlin? Richtig - die doppelte Ladung!

Hurra, es ist wieder soweit: Mitte September brummt die Hauptstadt erneut vor Kunstbegeisterten. Dieses Jahr gibt es sogar doppelt so viel zu sehen, denn die Berlin Art Week und das Gallery Weekend Berlin fallen auf den gleichen Zeitraum – das gab’s noch nie! Zwischen dem 9. und 13. September öffnen viele neue Ausstellungen, unbekannte Offspaces und altbekannte Institutionen ihre Pforten für die zahlreichen Besucher*innen. Besonders begehrt ist neben der Messe Positions Berlin Art Fair auf dem Gelände des ehemaligen Flughafen Tempelhof auch die zum zweiten Mal ausgerichtete Messe in St. Agnes in der König Galerie. Und sogar das Berghain wird zum Kunstort: In Kooperation mit der Boros Foundation und unter der Leitung des Ehepaar Boros und Juliet Kothe öffnet dort die Gruppenschau „Studio Berlin“ mit 75 Berliner Künstler*innen. Solltet ihr für diese Locations überraschenderweise keine Tickets bekommen, have no fear – es gibt eine Menge spannender Alternativen.

Auch dieses Jahr möchte ich euch meine Kunst-Highlights nicht vorenthalten. Von Privatsammlungen über Galerien und Projekträumen bis hin zu Interventionen ist alles dabei. Jetzt heißt es: Maske auf, Beige Guide gezückt aka auf dem Handy abgespeichert und auf ins Kunsterlebnis!

Lerato Shadi: „Maru a Pula Is a Song of Happiness“ – KINDL Zentrum für Zeitgenössische Kunst

Lerato Shadi, I Know What a Closed Fist Means, 2020, Courtesy Lerato Shadi.

Die Einzelausstellung von Lerato Shadi ist mein absoluter Geheimtipp für das Gallery Weekend und darüber hinaus. Die Werke der in Südafrika geborenen Künstlerin sind politisch, sie sind emotional, sie sind stark! Oft steht ihr Körper im Mittelpunkt ihrer Arbeiten und lässt einen unmittelbar die eigenen Werte und Grenzen hinterfragen. Merkt ihr, dass ich ein großer Fan bin? Zudem bietet das KINDL Zentrum für Zeitgenössische Kunst stets eine spannende Kulisse, in der ehemaligen Brauerei sorgen riesige Sudpfannen für eindrucksvolle Steampunk-Atmosphäre.

KINDL Zentrum für Zeitgenössische Kunst – Maschinenhaus M1
Am Sudhaus 3, 12053 Berlin
Eröffnung: 12. September, 10 – 22 Uhr
13. September 2020 – 7. Februar 2021

Felicity Hammond: „Remains in Development“ – C/O Berlin

C/O Berlin, Felicity Hammond, World Capital, 2019.

Urban, futuristisch, hochglänzend – so kommen die Fotografien der britischen Künstlerin Felicity Hammond daher. Mich erinnern die Szenerien an postmoderne Filmsequenzen, in denen ich mich kaum zwischen Orientierungslosigkeit und Faszination entscheiden kann. Seit der Ankündigung dieser Ausstellung bin ich unheimlich gespannt, die Fotos live und in Farbe ansehen zu können – C/O Berlin, ich komme! Wer auf Indoor keine Lust hat, kann sich den B-Part der Ausstellung, auf Werbesäulen angebrachte Plakate von Felicity Hammond, zum Beispiel am Gleisdreieck, vor dem Kühlhaus Berlin oder direkt vor dem Amerika-Haus ansehen.

C/O Berlin im Amerika-Haus
Hardenbergstraße 22-24, 10623 Berlin
Artist Talk & Tour (nur mit Anmeldung): 12. September, 18 Uhr
12. September – 23. Januar 2021

Rebecca Horn und Antonio Paucar: „Time Goes By“ – ifa-Galerie Berlin

ifa-Galerie, Antonio Paucar. © Antonio Paucar

Das Institut für Auslandsbeziehungen, kurz ifa, zeigt Kunst, die über nationale Grenzen hinweg Menschen miteinander verbindet. Aber wie kann ein internationaler Kunst- und Kulturaustausch während einer Pandemie funktionieren? Dieser Frage widmet sich die ifa-Galerie anhand eines Dialogs zwischen Rebecca Horn und ihrem ehemaligen Meisterschüler Antonio Paucar.

ifa-Galerie Berlin
Linienstraße 139-140, 10115 Berlin
Eröffnung: 9. September, 14 – 22 Uhr
9. September 2020 - 11. Oktober 2020

Radikale Passivität: „Politiken des Fleisches“ – nGbK

nGbK/neue Gesellschaft für bildende Kunst, Andrea Winkler, Vests, 2019. © Andrea Winkler

„Fleischlichkeit“ ist so ein lautmalerisches Wort, dass ich mehr als gespannt bin, wie sich die diversen Künstler*innen diesem Thema künstlerisch widmen werden. Die Ausstellung der nGbK setzt sich mit den Zusammenhängen zwischen Krankheit, Schwäche, Macht, Sex und Kunst auseinander. Klingt interessant, oder? Zu sehen sind unter anderem Arbeiten von Wu Tsang, KAYA, Sophia Eisenhut und Christian Kölbl, Vika Prokopaviciute, Eran Schaerf, Alina Szapocznikow und Clemens von Wedemeyer. Da ist mit Sicherheit für jede*n was dabei.

nGbK - neue Gesellschaft für bildende Kunst
Oranienstraße 25, 10999 Berlin
Eröffnung: 11. September, 12 – 20 Uhr
11. September 2020 — 01. November 2020

Grit Richter: „Mixed Feelings“ – Galerie Tanja Wagner

Tanja Wagner, Grit Richter, As Long As You Are Here, 2020.

Na, reingeguckt!? Gar nicht mal so „mixed“, sondern komplett positiv sind meine Gefühle gegenüber Grit Richters Soloausstellung „Mixed Feeling“ bei Tanja Wagner. Die Künstlerin arbeitet sowohl mir Malerei als auch mit Skulptur und Textilarbeiten und beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit Themen wie Mutterschaft,  Emotionen und persönlicher Erinnerung.

Tanja Wagner
Pohlstraße 64, 10785 Berlin
Eröffnung: 11. September, 11 – 19 Uhr
 
11. September 2020 – 31. Oktober 2020

Nina Canell: „Dits Dahs“ – Galerie Barbara Wien / Galerie Daniel Marzona

Nina Canell, Gum Drag, 2017, Courtesy: the artist, Barbara Wien, Berlin, Mendes Wood DM and Daniel Marzona, Photo: Stephen Faught.

Fans von Nina Canell können sich doppelt freuen, denn sowohl in der Galerie Barbara Wien als auch bei Daniel Marzona können parallel Arbeiten der schwedischen Künstlerin bewundert werden. Der lautmalerische Ausstellungstitel bezieht sich auf die Punkte und Striche („Dits and Dahs“) von Morsecodes. In ihren Skulpturen geht Nina Canell unterschiedlichen Materialitäten auf den Grund und weckt in den Betrachter*innen den dringenden Wunsch, ihre Werke einmal festzudrücken.

Daniel Marzona
Marienstraße 10, 10117 Berlin
Eröffnung: 11. September, 11 – 18 Uhr
11. September – 24. Oktober 2020

Barbara Wien
Schöneberger Ufer 65 (3. Stock), 10785 Berlin
Preview Days: 9. – 11. September, 10 – 19 Uhr
Public Days: 12. – 13. September, 10 am – 19 Uhr
9. September – 7. November 2020

David Shrigley: „Very open, very closed“ – BQ

David Shrigley, Untitled (Opening Hours), 2015, Courtesy: BQ

Ihr habt Lust auf Shopping? Da habe ich was für euch: Für die Ausstellung „Very open, very closed“ hat David Shrigley die Galerie BQ zu einem Einkaufsladen werden lassen. Hier könnt ihr massenhaft Merchandise erstehen und mit neuen Socken, Notizbüchern oder T-Shirts nachhause gehen. Damit treibt Shrigley die (Selbst-)vermarktung von Künstler*innen auf die Spitze. Satire? Ich hole mir auf jeden Fall ein Shrigley-Notizbuch!

BQ
Weydingerstraße 10, 10178 Berlin
Eröffnung: 11. September, 11 – 18 Uhr
11. September – 7. November 2020

„Freitod“ – Kunstsaele Berlin

© Kunstsaele Berlin

Bye bye, Kunstsaele – es war schön mit dir! Die Ausstellung „Freitod“ beleuchtet die mittlerweile 10- jährige Ausstellungsgeschichte der Kunstsaele und präsentiert unter anderem Werke von Andre Butzer, Luis Camnitzer, Paula Doepfner, Yuni Kim und Friedrich Kunath. Gleichzeitig wird es die letzte Schau in den Räumlichkeiten der Kunstsaele sein, also nutzt die letzte Chance auf einen Besuch!

Kunstsaele Berlin
Bülowstraße 90, 10783 Berlin
Eröffnung: 9. September 18 - 21 Uhr
10. September - 9. Oktober 2020

Philippe Parreno: „Manifestations“ / Ugo Rondinone: „nuns + monks“– Esther Schipper

Ugo Rondinone, Exhibition view: Seven Magic Mountains, 2016 – 2021, Courtesy: the artist and Esther Schipper, Photo: Gianfranco Gorgoni.

Die Galerie Esther Schipper geht mit gleich zwei hochkarätigen Künstler an den Start: Philippe Parreno und Ugo Rondinone. Beide widmen sich auf sehr spielerische Art und Weise aktuellen Themen. Parreno verbindet in der Ausstellung Objekte miteinander, die eigentlich in keinem konkreten Zusammenhang zueinander stehen. So soll aus vielen einzelnen Dingen ein Ganzes entstehen. Ugo Rondinone zeigt Skulpturen aus Stein, die das Sehen von Farbe, Form und Masse nochmal ganz neu möglich machen. Ihr werdet sehen, was ich meine, wenn ihr vor einem seiner imposanten Gebilde steht.

Esther Schipper
Potsdamer Straße 81E, 10785 Berlin
Eröffnung: 11. September, 11 – 18 Uhr
11. September – 17. Oktober 2020

Hyphen-Labs: „PushMi PullYu“ – Schering Stiftung

Hyphen-Labs: PushMi PullYu, 2020. Rendering: Hyphen-Labs.

Ihr seid Fan von Robotern? Dann ist die Ausstellung „PushMi PullYu“ des Kunst- und Designstudios Hyphen-Labs ganz sicher was für euch. Der Projektraum der Schering Stiftung verwandelt sich pünktlich zum Gallery-Weekend in ein Labor der menschlichen Entscheidungsfindung. Die Besucher*innen können selbständig mit einem Schwarm von Maschinen interagieren und diese steuern. Schwarmintelligentes Verhalten lenken, ohne eine globale Katastrophe auszulösen? Klingt ganz nach meinem Geschmack. Findet mich in der Ausstellung, wie ich mit den Robotern ein Backstreet Boys – Musikvideo choreografiere!

Projektraum der Schering Stiftung
Unter den Linden 32-34, 10117 Berlin
Eröffnung: 11. September 2020, 12 – 20 Uhr
12. September – 22. November 2020

 

Offene Ateliers im Werkhof L.57

Open Houses Werkhof L.57 Ivo Wessel, Karin Sander, Pinselstrich, rot, 2019 © Karin Sander; VG Bild-Kunst, Bonn 2020; Courtesy Esther Schipper, Berlin; Foto: Martin Lauffer.

In den Gebäuden des Werkhofs L.57 in Moabit könnt ihr dieses Jahr nicht nur Künstler*innen, sondern auch Architekt*innen, Designer*innen, Musiker*innen und Sammler*innen bei der Arbeit zusehen. Unter anderem öffnen die Ateliers von Katharina Grosse, Via Lewandowsky und Karin Sander ihre Pforten. In den Räumen der Architekten Sauerbruch Hutton findet eine Gruppenausstellung statt, das ensemble mosaik sorgt für musikalischen Input und die Sammlung Ivo Wessel zeigt unter anderem Kunst der !Mediengruppe Bitnik. Ein Besuch der malerischen Backsteinhöfe lohnt sich in jedem Fall. 

Werkhof L.57
Lehrter Straße 57, 10557 Berlin
11. September 17 - 21 Uhr
12. – 13. September 14—21 Uhr

The Watch – Ehemaliger Grenzwachturm am Schlesischen Busch

The Watch, Max Brück, Zeichnung. © Max Brück.

Der Preis für die ausgefallenste Location geht dieses Jahr wohl an die Künstler*innengruppe The Watch, die den ehemaligen DDR-Grenzwachturm im Schlesischen Busch bespielt. Anhand von Residencies, Talks und weiteren Veranstaltungen werden hier nicht nur Künstler*innen, sondern auch Autor*innen und Choreograf*innen zu Wort kommen. Die Geschichte des früher als Wachturm genutzten Bauwerks wird dabei sicher auch eine gesonderte Rolle einnehmen. So findet dieses Jahr ein expliziter Dialog über Fragen der Pflege und der Instandhaltung statt. 

Ehemaliger Grenzwachturm am Schlesischen Busch
Puschkinallee 55, 12435 Berlin
9. – 13. September 14—18 Uhr

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    C/O Berlin, Felicity Hammond, World Capital, 2019 / ifa-Galerie, Antonio Paucar © Antonio Paucar.

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