Der Beige Guide zur Berlin Art Week

Es wird wieder gedrängelt – Ein Guide zur achten Berlin Art Week!

Es ist mal wieder so weit: Mittlerweile zum achten Mal findet die diesjährige Berlin Art Week statt. Vom 11. bis 15. September könnt ihr euch in allen Ecken Berlins kreativ berieseln lassen und euch in Projekträumen, Privatsammlungen, Museen und auf zwei Kunstmessen davon überzeugen, was die Berliner Institutionen an Kunst zu bieten haben. Neben der art berlin und der Positions Berlin Art Fair in den Hangars 4, 5 und 6 des Flughafen Tempelhof bietet die Hauptstadt unzählige Möglichkeiten, die Vielfalt der Berliner Kunstszene zu entdecken. Um im artsy Gewusel nicht den Überblick zu verlieren, braucht man einen kühlen Kopf, einen ebenso kühlen Drink und unsere Übersicht über die besten Adressen zur Berlin Art Week. Let’s go:

Anna Virnich: Hyperdrüse - Schering Stiftung

© Anna Virnich, Parts Glazed #3, 2018. Courtesy die Künstlerin und Galerie Drei, Köln. Foto: Anna Virnich

In der Ausstellung „Hyperdrüse“ in der Schering Stiftung dreht sich während der Art Week alles um das Thema Geruch. Die Künstlerin Anna Virnich beschäftigt sich mit den unterschiedlichen, subjektiven Eindrücken von Duft. In den vergangenen Jahren hat Virnich dahingehend schon einige Arbeiten konzipiert: Fremde und eigene Gerüche spielten schon in zahlreichen Projekten der Künstlerin eine Rolle. Aber auch natürliche Aromen wie Öle, Bienenwachs und exotische Pflanzen führen zu einem olfaktorischen Erlebnis der Besucher*innen in der kommenden Einzelausstellung. Virnich hat dazu mit Bettina Pause, Professorin für Biologische Psychologie an der Universität Düsseldorf, kooperiert, die sich in ihrer Forschung auf die soziale Funktion von Gerüchen konzentriert.

Schering Stiftung

Unter den Linden 32-34, 10117 Berlin

Eröffnung: 13. September, 18 Uhr

AMOUR – Tropez

© ink Agop / Tropez

Pommes und Kunst? Könnt ihr haben! Im Weddinger Sommerbad Humboldthain werden sowohl zeitgenössische Kunstwerke ausgestellt als auch Snacks und Drinks in lockerer Atmosphäre angeboten. Auf diese Weise wird junge, internationale Kunst in einem entspannten Ambiente präsentiert, das mit dem klassischen Museumraum so gar nichts zu tun hat. Neben den Ausstellungspräsentationen finden im Freibadkiosk auch Workshops, Konzerte und Lesungen statt. Vielleicht könnt ihr euren Besuch ja auch mit einem Sprung ins erfrischende Nass des Sommerbads Humboldthain kombinieren.

Tropez im Sommerbad Humboldthain

Wiesenstraße 1, 13357 Berlin

12.-14. September, 14-17 Uhr

Iman Issa: Book of Facts - daadgalerie

© daadgalerie. Iman Issa, Car Wash, 2006, Videostill. Courtesy Iman Issa

Die in Kairo geborene Künstlerin Iman Issa arbeitet mit Skulptur, Fotografie, Video- und Sound-Installation und untersucht das Verhältnis zwischen Sprache, Geschichte und Gegenwart. In der Ausstellung „Book of Facts“ in der daadgalerie könnt ihr auf zwei Stockwerken die eindrucksvollen Arbeiten Iman Issas bestaunen.

daadgalerie

Oranienstraße 161, 10969 Berlin

Eröffnung: 11. September, 19 Uhr

Fatiha Zemmouri: Paper Borders – Katharina Maria Raab

© Fatiha Zemmouri, Copyright: Nicolas Henry, Courtesy Fatiha Zemmouri und Galerie Katharina Maria Raab, Berlin, Foto: Museum of African Contemporary Art Al Maaden, Marrakech

Falls ihr die Galerie Katharina Maria Raab noch nicht auf dem Radar hattet, könnt ihr das jetzt nachholen: Die 2014 in Berlin gegründete Galerie möchte den Dialog zwischen den nordafrikanischen Ländern, dem Mittleren Osten und Europa fördern und unterstützen. Die Galerie vertritt Künstler*innen, die die Grenzen ihres gewählten Mediums ausloten und hinterfragen. Die marokkanische Künstlerin Fatiha Zemmouri zeigt in der Ausstellung „Paper Borders“ faszinierende Plastiken, die ihr euch unbedingt ansehen solltet.

Katharina Maria Raab

Keithstraße 5, 10787 Berlin

Mi-Sa, 13-18 Uhr

The New Infinity. Neue Kunst für Planetarien - Mariannenplatz

© Berliner Festspiele, Makusu Matsutake

Planetarien und zeitgenössische Kunst – wie geht das zusammen? Im Rahmen des Programms „The New Infinity“ haben die Berliner Festspiele und das Planetarium Hamburg Künstler*innen einen Dome zur Verfügung gestellt – und das in diesem Jahr schon zum zweiten Mal. Dank digitaler audiovisueller Technologie werden hier künstlerische Produktionen gezeigt, die ihr euch im Mobile Dome auf dem Kreuzberger Mariannenplatz ansehen könnt. Dieses Mal wird es auch ein audiovisuelles Livekonzert von Dasha Rush geben, bei dem ihr den Abschluss der Berlin Art Week am 15. September feiern könnt.

Mobile Dome auf dem Mariannenplatz

10997 Berlin

Täglich 11-14 und 15-21 Uhr

The Making of Husbands: Christina Ramberg in Dialogue - KW Institute for Contemporary Art

© KW Institute for Contemporary Art. Christina Ramberg, Tight Hipped, 1974. Copyright the Estate of Christina Ramberg, Courtesy Sammlung Madison Museum of Contemporary Art, The Bill McClain Collection of Chicago Imagism

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Arbeiten der Künstlerin Christina Ramberg, die von Positionen weiterer Künstler*innen, darunter Senga Nengudi, Konrad Klapheck, Ghislaine Leung, Hans Christian Lotz und Ana Pellicer, ergänzt werden. Christina Ramberg hat sich zu ihren Lebzeiten der Malerei von surreal anmutenden, düsteren Gemälden gewidmet, die oft Körper oder organische Formen abbilden. Die Ausstellung greift Rambergs Ansatz auf und schärft das Bewusstsein für uns umgebende Elemente, die sich auf unser Verhalten, unser Denken und unsere (Körper-)Sprache auswirken.

KW Institute for Contemporary Art

Auguststraße 69, 10117 Berlin

Eröffnung: 13. September, 19 Uhr

Licht Luft Scheiße: Perspektiven auf Ökologie und Moderne - nGbK

© neue Gesellschaft für bildende Kunst nGbK. Annie Francé-Harrar und Dr. Soto neben einem Haufen Edaphonhumus, Mexiko, Oktober 1953 © Oberösterreichisches Landesmuseum, Linz

Welche historischen Praktiken können mit unserem heutigen Diskurs zu Nachhaltigkeit in Verbindung gesetzt werden? Die nGbK stellt Denkansätze und Archivmaterialien vor, die sich in der Vergangenheit mit Ökologie, Selbstversorgung und Forschung zum Thema Biosphäre beschäftigt haben. Gezeigt werden unter anderem Arbeiten von Thomas Elsaesser, David Haney, Michael Klein & Sasha Pirker, Aglaia Konrad, Merete Mattern, Alessandra Ponte und Gitte Villesen. Eins kann ich euch jetzt schon verraten: Die Geschichte der Umweltbewegung ist so vielfältig wie skurril.

Neue Gesellschaft für Bildende Kunst (nGbK)

Oranienstraße 25, 10999 Berlin

Täglich 12-18, Freitag 12-20 Uhr

Preis der Nationalgalerie 2019 – Hamburger Bahnhof

© Staatliche Museen zu Berlin, Hamburger Bahnhof—Museum für Gegenwart—Berlin, Die Shortlist für den Preis der Nationalgalerie 2019 steht fest: Pauline Curnier Jardin, Simon Fujiwara, Katja Novitskova und Flaka Haliti (v.l.n.r.) © David von Becker

Zum zehnten Mal wird diesen Herbst der Preis der Nationalgalerie verliehen. Er soll wichtige Positionen der Zeitgenössischen Kunst ehren und die Internationalität der deutschen Kunstszene verdeutlichen. Alle zwei Jahre werden vier Künstler*innen für den Preis nominiert und in einer Shortlist-Ausstellung vorgestellt. Dieses Jahr hat die Jury Pauline Curnier Jardin, Simon Fujiwara, Flaka Haliti und Katja Novitskova nominiert, deren Ausstellung ihr euch im Hamburger Bahnhof angucken könnt. Der oder die Gewinner*in erhält im Folgejahr übrigens eine große Einzelausstellung in einem der Häuser der Nationalgalerie.

Hamburger Bahnhof

Invalidenstraße 50-51, 10557 Berlin

Di, Mi, Fr 10—18 Uhr, Do 10—20 Uhr, Sa, So 11—18 Uhr

STATISTA. Staatskunst, Pioniernutzung, Repräsentation – Haus der Statistik

© Statista. Haus der Statistik, Schriftzug „ALLESANDERSPLATZ“. Foto: Victoria Tomaschko

STATISTA ist eine Zusammenarbeit zwischen ZK/U—Zentrum für Kunst und Urbanistik und KW Institute for Contemporary Art. Das Kollektiv widmet sich der Untersuchung von Gemeinwohl und Stadtentwicklung. Während der Berlin Art Week werden im Haus der Statistik, einer riesigen, leerstehenden Innenstadtfläche am Alexanderplatz, die Ergebnisse präsentiert. Unter anderem könnt ihr dort auch den Workshop „Sensing Bees“ besuchen und mit dem Künstlerinnen- und Imkerinnenkollektiv Moabees das Leben der im Haus der Statistik ansässigen Bienenvölker erforschen.

Haus der Statistik

Karl-Marx-Allee 1, 10178 Berlin

Eröffnung: 11. September, 19 Uhr

Kunst im Untergrund 2019: Up in Arms - nGbK

© neue Gesellschaft für bildende Kunst nGbK. Beatrice Schuett, o.T., 2019, Entwurf Plakatserie

Auch in diesem Jahr wird es wieder unterirdisch – zumindest, was die Location der Ausstellungen betrifft. In den U-Bahnhöfen Stadtmitte, Platz der Luftbrücke und Paradestraße könnt ihr Kunst im öffentlichen Raum bewundern. Das Thema des diesjährigen Wettbewerbs, den die neue Gesellschaft für bildende Kunst (nGbK) traditionell durchführt, ist die kritische Auseinandersetzung mit der globalen Rüstungsindustrie. Durch künstlerische Annäherungen sollen historische, politische und wirtschaftliche Dimensionen des Waffenhandels erfahrbar gemacht werden.

U-Bahnhof Stadtmitte: Eröffnung 15. September, 18 Uhr

U-Bahnhof Platz der Luftbrücke: Eröffnung 14. September, 16:30/17:30/18 Uhr

U-Bahnhof Paradestraße: Eröffnung 15. September, 19 Uhr

Bettina Pousttchi: In Recent Years – Berlinische Galerie

© Berlinische Galerie, Bettina Pousttchi, Felix, 2018, Courtesy Buchmann Galerie und die Künstlerin. Foto: Roman März

Der öffentliche Raum und Bettina Pousttchis Arbeiten sind eng miteinander verknüpft: Die Künstlerin nimmt mit ihren Interventionen im Stadtraum Bezug auf architektonische und historische Kontexte. Mit ihren fotografischen Arbeiten thematisiert Pousttchi das Verhältnis von Erinnerung und Realität. Alltägliche Gegenstände wie Fahrradständer oder Absperrgitter erwachen in ihren Skulpturen zum Leben. Die Ausstellung „In Recent Years“ in der Berlinischen Galerie zeigt neben Fotografien und ausgewählten Objekten auch eine Intervention an der Fassade des Museums.

Berlinische Galerie

Alte Jakobstraße 124-128, 10969 Berlin

Eröffnung: 11. September, 19 Uhr

Jenna Westra: She’s Reading 1 – SCHWARZ CONTEMPORARY

© VBKI-Preis Berliner Galerien, Schwarz Contemporary, Jenna Westra, Hand Squeezing Lemon into Open Mouth, Onlooker (Greyscale), 2018. Courtesy Jenna Westra & Schwarz Contemporary

Wenn euch bei der Betrachtung von Jenna Westras Fotografien unbehaglich zumute ist, dann ist das keine Ungewöhnlichkeit: Die Künstlerin lichtet Frauen in seltsamen Posen ab und provoziert auf diese Weise die Auseinandersetzung mit der Frage, wie und warum Frauen fotografiert werden. „She’s Reading 1“ ist die erste kommerzielle Einzelausstellung von Jenna Westra und wir sind sehr gespannt auf ihre Arbeit.

SCHWARZ CONTEMPORARY

Sanderstraße 28, 12047 Berlin

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    Jenna Westra (She's Reading). SCHWARZ CONTEMPORARY. Jenna Westra, Legs and Chair (Armature), 2019. Courtesy: SCHWARZ CONTEMPORARY, Foto: Jenna Westra

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