Karim ist Beige

Der erste Praktikant von Beige stellt sich vor!

Hallo liebe Beige-Leser*innen, ich bin Karim und ab jetzt der neue Praktikant bei Beige. In diesem Beitrag stelle ich mich vor – und was mich täglich antreibt, wie ich zur Kreativ-Industrie gefunden habe und was ich mir für meine Zeit bei Beige vorstelle/wünsche.

Geboren und aufgewachsen bin ich in Mannheim City, gewohnt und gelernt habe ich in Heidelberg, Köln und Mainz – und jetzt Berlin. Ich bin multikulturell aufgewachsen. Meine Mutter ist Deutsche, mein Vater Libanese. Schon früh sind sie mit mir gereist, deshalb habe ich ein Bewusstsein dafür, dass es mehr auf der Welt gibt als nur Mannheim oder die dort stark gelebte „40-Stunden-Woche“.

Wie viele junge Menschen wusste ich lange nicht, wo es mit mir und meinem professionellen Werdegang hingehen sollte. Um genau zu sein, habe ich erst mit 24 Jahren meine große berufliche Liebe gefunden – und zwar die Designwelt! Bis es so weit war, war ich jedoch nicht untätig. Ich absolvierte erst meinen Zivildienst und begann dann eine schulische Ausbildung zum Übersetzer, die ich abgeschlossen habe. Danach startete ich mit einer Ausbildung zum Grafikdesigner. Zum ersten Mal war mir sicher: Hier bin ich richtig! Ich kann mir vorstellen, in diesem Beruf für den Rest meines Lebens zu arbeiten. Allerdings fühlte ich mich noch nicht dazu bereit, direkt auf den Arbeitsmarkt zu springen und mir einen Job zu suchen. Zuerst wollte ich noch meinen lang ersehnten Traum realisieren: studieren. Also bewarb ich mich für den Studiengang Kommunikationsdesign an der Hochschule Mainz und begann 2017 mein Studium.

So, Zeit, etwas persönlicher zu werden! 

Mein bikultureller Background und die große Vielfalt, mit der ich seit Kindertagen konfrontiert werde, hat sich stark auf meine Interessen und meinen Charakter ausgewirkt. 

Ich bin einerseits viel mit deutscher Kultur aufgewachsen, etwa den typischen Kinderbüchern und christlichen Festen wie Weihnachten oder Ostern. Andererseits spielte auch die arabische oder muslimisch-religiöse Kultur eine große Rolle. Schon früh hatte ich grundlegend verschiedene Freundes- und Bekanntenkreise, die viele verschiedene Dinge an mich herantrugen. So prägten mich die unterschiedlichsten Hobbys, Musikgenres und Interessenfelder. 

In meiner Pubertät fing dann die große Identitätssuche nach dem „Wer bin ich und wo komme ich eigentlich her?“ an. Ich wollte nie nur „der Zocker, der Sportler, der Nerd, der Deutsche oder der Araber“ sein. Sondern alles in einem, was stellenweise natürlich auch etwas überfordernd war, da es manchmal vorkam, dass sich das eine mit dem anderen stach oder meine Freundeskreise sehr gegensätzlich waren. Plötzlich wollte ich kein Weihnachten mehr feiern, sondern die arabische Kultur mehr leben. Der Verlust der Heimat für eine*n Exil*antin äußert sich manchmal in einem paradoxen Prozess des Abstoßens und dann wieder Anziehens des eigenen Umfeldes. 

„Bitte kein Schweinefleisch und Bier mehr im Kühlschrank Mama, danke!“

Wir, die Ausländer*innen, Geflüchteten, Exilant*innen und Gastarbeiter*innen, versuchen dann plötzlich, Traditionen und Bräuche aus dem Heimatland mit einer anderen Kultur und einer völlig anderen Geschichte auf unseren Alltag in Deutschland zu übertragen und scheitern damit kläglich. So sucht man das Glück in einer Shisha-Bar, spricht teils bewusst ein gebrochenes Deutsch und versucht, wo man nur kann, Grenzen zu ziehen und sich zu unterscheiden von dem Leben, wie man es nun einmal in Deutschland führt.

Ich muss zugeben, dass ich oft darunter leide, zwei Kulturen zu entspringen, die sich – zumindest auf den ersten Blick – so grundsätzlich unterscheiden. Ich wollte einfach nur eine Kultur Heimat nennen, in dem dazu passenden Land leben – und zwar mit Körper und Geist. Erst jetzt kann ich so langsam meine Handicaps in Stärken umwandeln, lege persönliche Unsicherheiten ab und lerne mich zu akzeptieren, wie ich bin.

Wie bin ich eigentlich bei Beige gelandet?

Durch meine Ausbildung fing ich verstärkt an, mich auch für Kunst und Architektur zu interessieren. Plötzlich nahm ich die Welt um mich herum ganz anders war. Ich laufe seitdem viel aufmerksamer durch die Straßen und achte auf unscheinbare Nuancen an Gebäuden, finde Gefallen an Formen von Fensterbögen und Eingangstüren. Sogar das Material, aus dem die Gebäude gefertigt sind, interessiert mich.

Ich interessiere mich für alle Arten des Kunsthandwerks, egal, ob es das Produktdesign des berühmten Jil Sander Flakons „Woman Pure“ von 1980 von Peter Schmidt, die zeitlosen Entwürfe von Dieter Rams für Braun oder Bauhaus sind. Mich reizt alles, von Schweizer Typografen wie Max Miedinger mit der berühmt-berüchtigten Helvetica bis hin zu den japanischen Architekten, wie Kisho Kurokawa mit dem Nakagin Capsule Tower von 1972, die nach dem Zweiten Weltkrieg dem Futurismus und Metabolismus verschrieben waren.

Mit meinem Kommunikationsdesign-Studium bin ich mir so sicher wie noch nie zuvor, in der für mich richtigen Branche tätig zu sein. Und da unser Studiengang ein Pflichtpraktikum voraussetzt, kam im vergangenen Semester der Zeitpunkt, mich für das Praxissemester zu bewerben. 

Ursprünglich bin ich über das Interview mit Eike König auf Beige gestoßen. Überzeugt haben mich mehrere Dinge und ich gebe zu, dass ich anfangs etwas skeptisch war, nicht bei einer „klassischen“ Grafikdesignagentur mein Praktikum zu absolvieren.

Ich finde das Interface und das Design von Beige super, außerdem gefallen mir die Farben. Bei den Themen ist immer etwas dabei und wenn nicht heute, dann morgen. Erst, wenn man solche Websites besucht, merkt man, wie viel Spaß es eigentlich machen kann, im Internet zu surfen und neue Dinge zu entdecken. Auf Beige passiert jeden Tag etwas Neues: tolle Artikeln zu Mode, Design und Kunst. Die Inhalte sind interessant und vielfältig. Und genau das spiegelt mich und meine Person wider!

Und hier sind wir nun: Offiziell darf ich stolz verkünden, der erste Praktikant von Beige zu sein! 

Natürlich musste auch Karim sich unseren Fragen stellen!

1. Wie geht es dir gerade?

Ich bin froh, dass ich mich bei Beige wohlfühle und bin gespannt auf die kommenden sechs Monate. Ich habe schon jetzt das Gefühl, dass viele interessante Aufgaben und Events auf mich zukommen werden.

2. In welchem Moment in der letzten Woche warst du am glücklichsten?

Als ich einem Falken auf dem Tempelhofer Feld dabei zuschaute, wie er im Sturzflug eine Maus erbeutete, während die Sonne am Horizont unterging.

3. Wenn du morgen aufwachst und eine Million Euro auf dem Konto hast, was machst du dann?

Weiter wie bisher! Allerdings würde ich für meine Geschwister Geld auf die Seite legen, falls sie einmal studieren wollen. Außerdem würde ich meine Eltern finanziell absichern und Freunden großzügige Geschenke machen. Den Rest würde ich für die Zeit nach dem Studium auf die Seite legen.

4. Was darf im Office-Kühlschrank auf keinen Fall fehlen?

KUHMILCH!!! Aber die 1,5 Prozent bitte – natürlich Bio ...

5. Was ist das Dümmste, was du je angestellt hast?

Mir in der 5. Klasse selbst die Klamotten und Schuhe zu zerreißen, weil ich „coolere“ haben wollte. Danach habe ich mich vor meiner Mutter in Grund und Boden geschämt. Ich habe es natürlich innerhalb von zehn Minuten gestanden und dann gemerkt, dass die Kleidung, die ich davor hatte, eigentlich echt super war. Dafür schäme ich mich heute noch!

6. Wovor hast du in Berlin Angst? Worauf freust du dich am meisten?

Ich habe eigentlich vor nichts Angst in Berlin, oder doch? In Berlin habe ich Respekt vor dem Straßenverkehr. Ich freue mich am meisten auf das Hier und Jetzt und auf den Sack voll Erfahrungen, den ich mit zurück nach Mainz nehmen werde. 

7. Mit welcher*m Designer*in würdest du gerne dein Leben tauschen?

Das ist eine krasse Frage, weil ich eigentlich mit niemandem gerne mein Leben tauschen würde! Wobei: Eike König! Zuerst – und das ist am wichtigsten für mich – er entspricht mir auf menschlicher Ebene. Eike König hat eigentlich alles erreicht, wovon ich als Designer träume. Er verbindet Kunst und Design, hat eine eigene Agentur gegründet, unterrichtet als Professor an der HFG Offenbach, ist super relevant und verdient mit seinen aktuellen Werken Geld. Außerdem ist er letztes Jahr Vater geworden. Herzlichen Glückwunsch und alles Gute an dieser Stelle!

8. Wofür gibst du zu viel Geld aus?

Für Essen, Kleidung und seit Beginn des Studiums auch für Abonnements von Kunst- und Designmagazinen.

9. Wenn du ein T-Shirt mit einem Spruch designen müsstet, was würde darauf stehen?

Die aktuelle Pandemie hat mich tatsächlich auf die Idee gebracht, eine Reihe von Hoodies und T-Shirts zu gestalten mit dem Thema „Krisen“. Mehr möchte ich an dieser Stelle aber nicht verraten. Stay tuned!

10. Welche Musik hörst du, wenn du glücklich bist?

Keine, wenn ich glücklich bin, brauche ich keine Musik!

11. Das erste Wort, an das du bei Beige denkst?

Ich denke tatsächlich einfach nur an die Wortmarke! Danach an die Farben der verschiedenen Kategorien und an die tolle Website!

12. Wie stellst du dir deinen Alltag in fünf Monaten vor?

Ich stelle mir meinen Alltag in fünf Monaten so vor, dass ich in eigenständiger Regie Aufgaben übernehme und erledigen kann. Ich würde gerne, so weit es geht, Marie und Lisa aktiv bei ihren Tätigkeiten unterstützen. Gerne gehe ich für Beige auf Pressereisen, Fotoshootings oder führe womöglich sogar das ein oder andere Interview selbst. Ich würde gerne in der Lage sein, eigenständig zu arbeiten. Die Daily To-Dos mache ich dann im Schlaf! Auch würde es mich freuen, etwas Grafisches zu Beige beizutragen, was in der Zukunft entweder von mir oder anderen Grafiker*innen weitergeführt werden kann. Ob das nun Merch wäre, womöglich die Gestaltung von 3D-Objekten, die Weiterführung der Videointerview-Reihe von Beige auf Youtube oder mal eine Printausgabe mit exklusivem Inhalt. 

13. Was ist deine Lieblingsfarbe?

Das wechselt, ich war aber noch nie der Typ für Lieblingsfarben. Momentan finde ich aber die klassischen Neonfarben interessant, bzw. Lila, Orange und Grün.

14. Was wäre dein absolutes Traum-Interview auf Beige?

Adrian Bianco aka MrBianco. Er ist Creator und Editor-in-Chief von Sabukaru.online!

15. Was wünschst du dir gerade?

1. Eine schöne 1-Zimmer-Wohnung in Berlin mit Balkon und einem grünen Innenhof. (Wenn ihr was hört, schreibt mir!)

2. Eine*n Assistent*in, der/ die für mich kocht und einkaufen geht oder Botengänge erledigt!

Ich freue mich auf eine tolle Zeit bei euch und hoffe natürlich darauf, einen guten Eindruck zu hinterlassen, um den Weg für weitere Praktikant*innen zu ebnen. Wenn ihr mir auf Instagram folgen wollt, dann macht das doch hier!

Lieber Karim, wir freuen uns auch, dass du ab sofort Teil des Team Beige bist!

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