„Wir wollen gute Qualität demokratisieren!“ Warum Mode und Interior so gut zusammenpassen

Im Gespräch mit Arket über die neue Vitra Design Museum Ausstellung „Home Stories“

Arket. Das ist ein weißes Stück Blatt, übersetzt ins Schwedische. Vielleicht kommt jeder von uns so auf die Welt wie ein weißes Stück Blatt: noch nicht beschrieben, federleicht und bereit, gefaltet, bemalt und durch die Luft gewirbelt zu werden. Was uns auf unserem Weg beeinflusst? Unser soziales Umfeld, Familie, Freunde, mittlerweile auch viele fremde Menschen durch Social Media, aber auch die politischen Ereignisse, die in der Welt gerade passieren.

Und diese ganzen Faktoren spiegeln sich nicht nur in unserer Persönlichkeit wider, sondern auch in unserem Aussehen und unserem Wohnstil. Wohnst du noch, oder lebst du schon? Ein bekannter Slogan einer schwedischen Möbelmarke und obwohl anfänglich nur zum Verkauf gedacht, steckt in diesem Satz so viel Wahrheit: Du wohnst so, wie du bist.

Finn Juhl House, Ordrup, Denmark, 1941 Photo: Henrik Sorensen Photography, 2013

Genau mit diesem Thema beschäftigt sich die neue Hauptausstellung des Vitra Design Museums in Weil am Rhein mit dem Titel „Home Stories – 100 Jahre, 20 visionäre Interieurs“, die am 8. Februar eröffnet wurde und noch bis zum 23. August 2020 besichtigt werden kann. Dabei startet die Ausstellung in der Gegenwart, wo Themen wie Digitalisierung den Wohnraum beherrschen. Stichwort Smart Home, Massenproduktion und die Veränderung der Nutzung von Räumen, weil wir von der Couch oder dem Bett mit Handy und Laptop arbeiten können. Auch die 60er-Jahre und die Künstlerbewegung und Revolten werden thematisiert, als Beispiel dafür wird ein Einblick in Andy Warhols Atelier in New York gewährt, ebenso die 50er-Jahre und deren Zukunftsvisionen anhand des „House of Future“ von Alison und Peter Smithson. Die Ausstellung endet am Anfang des 20. Jahrhunderts mit der wohl ersten offiziellen Inneneinrichterin Elsie de Wolfe.

Arket ist einer der Unterstützer der Ausstellung. Zusammen mit Karl-Johan Bogefors, dem Brand and Communcation Director des schwedischen Modeunternehmens, haben wir die Ausstellung besucht und versucht, Parallelen zwischen Architektur und Mode, Arket und Vitra und der Zeitlosigkeit der Möbelindustrie sowie der Schnelligkeit der Modebranche zu finden.

Warum gehören Mode und Architektur zusammen?

Bei Arket ist es uns wichtig, für Qualität und Langlebigkeit zu stehen und Produkte zu designen, die durchdacht und wunderschön sind. Darauf kommt es auch in der Architektur an. Design, Ästhetik und nordische Funktionalität, darum bemühen wir uns jeden Tag.

Warum möchte Arket mit dem Vitra Design Museum in Verbindung gebracht werden?

In diesem speziellen Fall dreht sich in der Ausstellung „Home Stories“ alles um Innenräume und wie sie uns Menschen widerspiegeln. Wie wir leben, wie wir arbeiten, wie wir mit unserer Familie umgehen – das alles fließt in Design und Architektur mit ein. Natürlich ist auch die tolle Location, das Vitra Design Museum, ein großer Pluspunkt der Zusammenarbeit.

Erzählt ihr in den Arket Stores auch eine gewisse Art von Home Story?

Unsere Grundlage ist der Marktplatz, das Archiv, eine gute Qualität und das alles spiegelt sich bei uns in verschiedenen Bereichen wider. Wir bieten bei Arket Home Accessoires, ein Café – das ist etwas, was es im Einzelhandel so noch nicht wirklich gibt. Als Inspiration diente uns das Wohnen und Interieur von zeitgenössischen skandinavischen Designbrands.

Was erhofft sich Arket als Sponsor der Ausstellung?

Wie gesagt, Archive sind ein Grundbaustein von Arket und wir wollten mit dem größten Möbelarchiv der Welt zusammenarbeiten. Wir haben auch schon vor dem Sponsoring der Ausstellung mit dem Vitra Design Museum zusammengearbeitet, einige Möbel stehen bei uns im Büro und in den Stores. Wir bewundern Vitra einfach.

Denkst du, dass das Vitra Design Museum und Arket die gleiche Zielgruppe haben?

Wir haben eine sehr breite Zielgruppe, da wir ja sechs Konzepte innerhalb von Arket anbieten, z.B. Damenbekleidung, Herrenbekleidung, Kindermode und Interior Accessoires. Wir haben also eine große Range an Menschen, die bei uns einkaufen. Ihnen ist Lifestyle sehr wichtig, also ja, ich kann mir vorstellen, dass wir eine ähnliche Zielgruppe haben. Die Vitra-Kundschaft ist sehr design- und möbelorientiert, hier wird es für uns interessant. Wir können hier mit potenziell neuen Kunden in Kontakt treten.

Die Ausstellung zeigt, wie soziale und politische Ereignisse unser Interieur beeinflusst haben. Wird Arket auch von solchen Ereignissen beeinflusst?

Wir wollen gute Qualität demokratisieren, ähnlich wie Vitra. Wir wollen die bestmögliche Kleidung mit hervorragender Qualität und nachhaltig zu einem vernünftigen und guten Preis herstellen. Das ist Demokratisierung in kleinem Maßstab. Und das ist auch das Thema der Ausstellung. Sie zeigt, wie Inneneinrichtung das Leben von Menschen ein klein wenig verändern kann, wie sie in den Alltag eingreift.

„In gewisser Weise sind wir der Möbelindustrie also ähnlich, wir wollen immer neue Dinge entwickeln, aber sie sollen langfristig schön und nachhaltig sein.“

Vitra ist ja vor allem für seine zeitlosen Designs bekannt, viele der ausgestellten Möbel stammen aus den 40er- bis 60er-Jahren. Arket ändert seine Produkte natürlich schneller. Wie passt das zusammen?

Wir wollen natürlich aktuell sein, aber wir haben auch eine große Core Collection, die auf dem Archiv basiert und die für uns Designtradition ist. In gewisser Weise sind wir der Möbelindustrie also ähnlich, wir wollen immer neue Dinge entwickeln, aber sie sollen langfristig schön und nachhaltig sein. Wir legen viel Wert auf saisonlose Mode und Basics.

Wie passt Nachhaltigkeit denn mit dem Aspekt der Verkaufens zusammen?

Das kommt darauf an, wie man entwirft. Wir produzieren immer mit den gleichen Lieferanten, zu unseren Webereien haben wir ein sehr gutes Verhältnis. Wir sind transparent und zeigen, wie und wo wir produzieren, das kann man auch in den Stores oder im Onlineshop sehen und nachvollziehen. Wir wollen ein modernes, transparentes Unternehmen sein.

Ja, stimmt. In vielen Kleidungsstücken sieht man nicht nur das Arket-Label, sondern auch das Label des Herstellers oder Stofflieferanten.

Tradition liegt in der DNA von Arket, genauso wie Transparenz und Qualität. Das ist uns sehr wichtig.

Du hast jetzt schon viel über die Core Collection, also die Basics und damit das Fundament von Arket erzählt. Worauf basiert diese Kollektion?

Auf Archetypen. Archetypen sind Klassiker und wir wollen den besten Peacoat, das beste weiße Hemd, das beste T-Shirt herstellen. Wir verbringen sehr viel Zeit mit den Details und der Feinabstimmung, um sicherzustellen, dass wir nur hochwertige Produkte auf den Markt bringen. Wir interpretieren Klassiker neu – und wollen sie einer großen Menge an Menschen ermöglichen.

Und welche Produkte kann man jetzt hier im Vitra Design Museum Shop kaufen?

Unsere Bath and Body Serie, eine Pflegeserie aus Seifen und Cremes. Wir haben alles von Grund auf entworfen und produziert, es fühlt sich toll an, diese Produkte neben den Vitra Designs zu sehen.

Können wir vielleicht bald mit Arket Furniture rechnen?

Hmmmm.... (lacht). Nein, leider nicht, aber man weiß nie! Wir sind momentan sehr inspiriert und entwerfen immer neue Produkte innerhalb unserer Interior Accessoires. Im Moment ist aber keine Möbelserie in Planung.

Und Vitra Möbel bei Arket verkaufen, schließlich habt ihr auch externe Brands im Programm?

Wir haben den Vitra Design Museum „Atlas des Möbeldesigns“ im Blick. Schließlich zeigt der das größte Möbelarchiv der Welt und hier bei Arket suchen wir unsere Inspiration ja auch immer in Archiven.

Wie kann man sich die Recherche in den Archiven vorstellen?

Das können ganz unterschiedliche Archive sein, über Mode, Muster oder einen speziellen Stoff. Zu manchen braucht man speziellen Zutritt, zu anderen nicht. Wenn wir ein Blumenmuster brauchen, stöbern wir durch alle Stoffarchive und erfinden das Muster dann mit der nordischen Ästhetik neu.

Vielleicht könnt ihr dann ja bald ähnlich wie das Vitra Design Museum eine Modekollektion launchen, die ihre Inspiration aus den letzten 100 Jahren Geschichte nimmt.

Das wäre so inspirierend, eine tolle Idee!

Vielen Dank für das tolle Interview, lieber Karl-Johan!

Die Interior Accessoires von Arket

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  • Bilder Header
    Interior: Noritaka Minami, A504 I (Nakagin Capsule Tower, Tokyo, Japan), 2012 © Noritaka Minami
    Stuhl: Finn Juhl, Chieftain Chair, 1949 © Vitra Design Museum, Photo: Jürgen Hans
  • Fotos im Artikel
    PR, wenn nicht anders beschrieben

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