Er ist zur Zeit der gefragteste Interior-Designer: Gustaf Westman – und wir haben ihn interviewt!

Der schwedische Interior-Designer ist gerade in aller Munde. Wir haben mit ihm gesprochen und herausgefunden, was der Mann hat, was alle haben wollen!

Gustaf Westman. Allen, die sich für Interior interessiert, sagt dieser Name etwas. An ihm war in den letzten sechs Monaten kein Vorbeikommen: Keine Influencer*innen-Wohnung gibt es mehr ohne seine Möbel, kein Interior-Trendbericht in den größten Magazinen der Welt ohne seinen Namen. Gustaf hat das geschafft, wovon alle Designer*innen träumen: ein kometenhafter Aufstieg in der Interior-Branche. Von heute auf morgen Ruhm, Ehre und Fame!

Doch wer ist der geheimnisvolle junge schwedische Mann, um dessen Möbel sich die halbe Welt reißt (auch ich warte auf meinen Curvy Mirror mittlerweile gut fünf Monate ...)? Ich war viel zu neugierig und musste mit dem Nachwuchs-Designer sprechen! Und nun ja, ich möchte nicht zu viel verraten, aber Gustaf ist so viel mehr als der schnieke Ausstatter der Influencer*innen. Er ist nachdenklich, lustig und sehr selbstreflektiert. Und ich finde, genau dasselbe könnte man auch über seine Designs sagen. Wer also mehr über DEN Interior-Designer unserer Zeit erfahren möchte, mehr über seine Pläne für die Zukunft wissen möchte und den Menschen hinter dem berühmten Curvy Mirror kennenlernen möchte, der ist hier genau an der richtigen Stelle!

Wie erklärst du dir selbst deinen raketenhaften Aufstieg?

Ich hatte ehrlich gesagt noch gar nicht die Zeit, darüber nachzudenken. Es passierte einfach so rasend schnell und macht unfassbar viel Spaß!

Kannst du dich an den Moment erinnern, als der Hype um dich begonnen hat? Gab es dafür einen Auslöser?

Hier in Schweden hat sich in den letzten zwei Jahren alles langsam und stetig entwickelt. Aber der Startpunkt für den internationalen Erfolg war, als die schwedische Stylistin Hanna MW meinen Curvy Mirror gekauft hat. Das ist erst etwas mehr als ein halbes Jahr her! Der Hype geschah soooo schnell, unglaublich!

Ich habe deine Spiegel zuerst bei den ganz großen Influencer*innen in Skandinavien entdeckt. Wie ist das passiert? Hast du mit ihnen zusammengearbeitet oder haben sie deine Spiegel wirklich alle gekauft?

Einige von den Influencer*innen wie Hanna MW oder Linn Eklund kenne ich schon flüchtig, seitdem ich klein war. Wir sind in derselben Region aufgewachsen. Und Matilda Djerf, für die ich ein paar Tische angefertigt habe, ist die kleine Schwester meines besten Freundes. Also ehrlich gesagt hat sich das eher natürlich dahin entwickelt, es waren eher Arbeiten für Freund*innen. Ich hab das alles nicht so geplant!

„Ich rate euch, investiert in verrückte persönliche Objekte, die nicht zu eurer Einrichtung passen und auf die ihr einfach steht!“

Ach, sei doch mal ehrlich. Hat da keine Strategie dahinter gesteckt? Bist du mit deinem Erfolg wirklich ins kalte Wasser geworfen worden?

Wenn ich eine Strategie hatte, dann die, keine Strategie zu haben. Ich hab wirklich nicht so sehr über alles nachgedacht, ich hab eher zu allen Projekten ja gesagt und die Chancen wahrgenommen, die sich mir geboten haben. Ich habe sehr hart gearbeitet und so viel gelernt wie möglich. Jetzt sollte ich mir vielleicht mal Gedanken wegen einer Strategie machen, es wird höchste Zeit!

Warum denkst du, hattest du so einen riesigen Erfolg? Warum ist Interior gerade so trendy?

Ach, das war eine Frage des Timings. Und ich versuche, die Zeit zu reflektieren, in der wir gerade leben.

Ok, lass uns über Interior-Trends generell sprechen. Was glaubst du, welchen Trend werden wir nächstes Jahr, also 2021, überall sehen?

Ich glaube, die Trends werden vielfältiger werden, es wird bunter und es wird mehr einzigartige Formen geben. Mittlerweile weiß jeder, dass zu perfekte Dekoration und alle Farben aufeinander abzustimmen wirklich nicht sexy ist. Ich rate euch, investiert in verrückte persönliche Objekte, die nicht zu eurer Einrichtung passen und auf die ihr einfach steht!

Was ist das Interior-Äquivalent zu Dad Sneakern?

Haha, was für eine kreative Frage! Für mich bedeutet das, dass man sich einem alten Design annimmt, das sich selbst nicht als „Design“ versteht. Vielleicht ist es ein sehr funktionaler Bürostuhl, der einfach nur in einen anderen Kontext gestellt wird. Bei mir dreht sich alles darum, dass Interior Spaß machen muss, es ruhig verspielt sein kann und auch mal ironisch.

Und wo findet man solche Inspirationen?

Am meisten in Menschen. Interessante Menschen und ihr Lifestyle, das ist es. Ich weiß, das klingt prätentiös, aber es ist nun mal wahr!

Und welche Design-Ära inspiriert dich am meisten?

Ich glaube, gerade ist es offensichtlich, dass ich von der Memphis-Ära sehr inspiriert werde, in Sachen Form und Farbe. Aber wenn es um Architekten und Designer geht, dann finde ich meine Inspiration in früheren Jahrzehnten: Modernisten wie Marcel Breuer, Lily Reich, Charlotte Perriand und die großen Dänen, wie Wegner, Jacobsen und Kjaerholm, sind meine Ikonen.

„Aber bei Design entscheidet die Zeit, ob es ein Klassiker wird.“

Wie schlägst du den Bogen zwischen Zeitlosigkeit und Trends?

Ich glaube, dazwischen muss es keinen Unterschied geben. Ich denke, dass Möbel immer die Zeit reflektieren müssen, in der sie entstanden sind und erst danach können sie als zeitlos deklariert werden – oder eben nicht. Wenn es um die Produktion geht, ist es hingegen natürlich wichtig, in der Qualität zeitlos herzustellen. Aber bei Design entscheidet die Zeit, ob es ein Klassiker wird.

Du arbeitest auch viel mit Bauschaum. So simpel wie genial hast du damit einen richtigen Trend losgetreten. Bist du glücklich, dass so viele deine Designs mit DIY-Projekten nachahmen? Oder empfindest du das eher als Plagiat?

Ich weiß nicht, ob ich wirklich der Erfinder des Trends war, aber viele Leute haben sich auf meine Designs bezogen und geschrieben, dass ich ihre Inspiration war – also bin ich es vielleicht doch. Der Beistelltisch, den ich aus Bauschaum gemacht habe, war ehrlich gesagt eher ein DIY-Projekt, ich hab niemals geplant, sie wirklich herzustellen. Also wenn es um das ganze Bauschaum-Zeugs geht, finde ich es ziemlich cool, wie das alles viral gegangen ist – und ich empfinde das nicht als Plagiat. Ich kann mir nicht die Rechte an einem Material sichern und die meisten Menschen haben ja nur Objekte designt, die von meinem Tisch inspiriert wurden – und nicht eins zu eins kopiert. Wenn Leute meinen Curvy Mirror kopieren, ist das hingegen eine ganz andere Nummer!

Welche Materialien interessieren dich denn gerade?

Ich versuche gerade, etwas aus recyceltem Plastik herzustellen.

Wo produzierst du deine Möbel? Wie groß oder auch wie klein kann man sich deine Produktion vorstellen?

Im Moment fertige ich alle Möbel in einer kleinen Stadt namens Ulricehamn in Schweden. Das ist nur 15 Minuten von meinem Heimatort entfernt. Ich hab ehrlich gesagt noch keine Ahnung, wie groß es in der Zukunft werden könnte, alles, was ich weiß, ist, dass ich immer lokal fertigen möchte.

Und wie kalkulierst du deine Preise? Welche Zielgruppe möchtest du mit deinen Designs ansprechen?

Die Preise sind momentan so gering wie möglich kalkuliert. Leider ist das immer noch viiiiiel zu teuer für manche Menschen, das ärgert mich wirklich und beschäftigt mich sehr. Eine Zielgruppe habe ich ehrlicherweise noch nie definiert.

Wie wichtig ist dir Nachhaltigkeit neben dem Design?

Das ist natürlich sehr wichtig. Aber ich denke darüber auch nicht viel nach, denn ich hoffe und glaube, dass unsere Generation das mittlerweile eh ganz natürlich macht.

„Ich verkaufe auch sehr viel und wenn es Möbel sind, die ich wirklich behalten möchte für später, dann zwinge ich meine Eltern dazu, die Sachen bei ihnen zu Hause für mich aufzubewahren. Sie lieben es – nicht!“

Wie kann ich mir denn deinen Alltag vorstellen?

Der ist ganz normal. Ich sitze in vielen Cafés und trinke Kaffee, arbeite unter der Woche und an den Wochenenden trinke ich Bier mit meinen Freund*innen.

Wie oft räumst du deine Wohnung um? Wie entscheidest du, welche Designs bei dir zu Hause einziehen dürfen?

Ehrlich gesagt räume ich meine Wohnung fast jeden Tag um. Ich hab keine Ahnung, wie ich entscheide, was einziehen darf, ich kaufe einfach immer Dinge, die ich mag. Ich lebe in einem sehr sehr kleinen Apartment und werde Sachen schnell überdrüssig, deswegen arrangiere ich so oft um. Ich verkaufe auch sehr viel und wenn es Möbel sind, die ich wirklich behalten möchte für später, dann zwinge ich meine Eltern dazu, die Sachen bei ihnen zu Hause für mich aufzubewahren. Sie lieben es – nicht!

Apropos Eltern, wie haben dich denn deine schwedischen Wurzeln geprägt?

Es ist einfach, man selber zu sein in Schweden. Es ist einfach, das zu werden, was auch immer man sein möchte. Das hat mich sehr beeinflusst. Aber wenn es um Design geht, werde ich von anderen Teilen der Welt mehr beeinflusst als von Schweden.

Viele internationale Medien wie z.B. die Vogue haben dich als jungen dänischen Designer bezeichnet, dabei bist du ja Schwede! War das ein Kompliment? Oder hat dich diese Fehlinformation geärgert? Was ist überhaupt der Unterschied zwischen der dänischen und der schwedischen Designszene?

Ja, das war lustig. Ich glaube, das war das größte Kompliment, was ich jemals bekommen habe. Aber ehrlich gesagt gibt es einen großen Unterschied zwischen Schweden und Dänemark, auch wenn es mir schwerfällt, ihn zu benennen. Ich glaube, die schwedische Designszene ist langsamer und langweiliger. Die Dänen sind mit einem Interesse für Design groß geworden und verstehen auf einem anderen Niveau, wie wichtig Ästhetik und Design sind.

Mit welchem Brand oder Designer*in würdest du für dein Leben gerne mal zusammenarbeiten?

Ich würde unfassbar gerne mit einem Modelabel zusammenarbeiten und ein Projekt entwickeln, was Interior und Mode verbindet. Wenn ich träumen darf, würde ich gerne mit Loewe, Acne oder Jacquemus zusammenarbeiten!

Was denkst, du ist das Erfolgsgeheimnis? Hast du einen Tipp für alle Nachwuchsdesigner*innen?

Offen bleiben und sich selbst nicht zu ernst nehmen. Ich musste leider feststellen, dass sich viele Leute aus meiner Generationen selbst zu wichtig nehmen und das macht es schwer, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Das ist sicher nicht der richtige Weg zum Durchbruch. Ich glaube außerdem, dass wir junge Menschen eine einzigartige Chance haben, Social Media zu nutzen und mit der digitalen Welt Aufmerksamkeit bekommen können. Nutzt das aus!

Welches Interior Piece ist gerade auf deiner Wunschliste?

Der Halyard Chair von Wegner.

Wie siehst du Gustaf Westman in fünf Jahren?

Ich hoffe, ich mache noch genau das gleiche, was ich jetzt tue: Möbel designen. Aber mit einer etwas stabileren Wirtschaft und ich hoffe auch, dass ich in fünf Jahren nicht mehr in einer Einzimmerwohnung im Erdgeschoss lebe (lacht).

Dieser Artikel ist Werbung, da er Markennennungen enthält.

  • Fotos
    via Gustaf Westman

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