Kann man Glück schenken? Dank Olaf Hajek und der neuen Weihnachtskollektion von Diptyque schon!

Ein Interview mit dem international erfolgreichen deutschen Illustrator

Jedes Weihnachten stelle ich mir diese Frage erneut: Kann man Glück schenken? Machen uns materielle Dinge wirklich glücklich? Schließlich setzen einen die ganzen Weihnachtskollektionen, Christmas Sales und Geschenkeguides ganz schön unter Druck: Kaufen, kaufen, kaufen ist die Devise. Weihnachtsprodukte poppen an jeder Ecke auf und versprechen nicht nur Freude beim Kaufvorgang selbst, sondern auch beim Verschenken. Was mir dabei oft fehlt? Fantasie! Bei Geschenken wird oft nicht mehr um die Ecke gedacht, sondern einfach gerade aus gekauft!

Ein Brand und eine Kollektion, die sich in Zeiten von Schnelligkeit, Instagram-Trends, ständigen Sales und wöchentlichen Produktdrops gegen all das sträubt und damit wahnsinnig Erfolg hat, ist Diptyque. Das französische Unternehmen wurde schon im Jahre 1961 gegründet, als Weihnachtsbäume noch Kerzen hatten und keine blinkenden Flimmer-Lichterketten. Alles begann mit Parfums, doch schnell wurde das Label auch für seine Duftkerzen und Raumdüfte bekannt. Das Zuhause als Möglichkeit seine eigene Persönlichkeit nicht nur in Möbeln, sondern auch in Duft und Stimmung auszudrücken, dieses Potenzial erkannte Diptyque als eines der ersten Labels.

Und neben all den kommerziellen Aspekten an Weihnachten, pflegt Diptyque seit Jahren eine Tradition: Mit ihren ikonischen Weihnachtskollektionen, die in Kooperation mit bedeutenden Künstler*innen entworfen werden, erzählen sie Geschichten, sozusagen Märchen für Erwachsene. Denn wer eine Diptyque-Duftkerze an Weihnachten verschenkt, der verschenkt nicht nur einen persönlichen Duft, die einzigartige und unverkennbare Verpackung im Glasflakon, sondern auch ein Produkt, das es so nie wieder geben wird. Denn alle Weihnachtskollektionen sind streng limitiert und – wie alle limitierten Produkte von Diptyque – besonders auf dem asiatischen Markt beim Sammlern schwer begehrt.

Nachdem Diptyque letztes Jahr mit seiner Kollektion die Legende des Nordens erzählte, widmet sich das Brand dieses Jahr dem Glück – und den Symbolen, die es bringen sollen. Außergewöhnlich an der Kollektion ist, dass dieses Jahr zum ersten Mal kein französischer Künstler eingeladen wurde, das Packaging zu designen. Dieses Jahr viel ihre Wahl auf einen Deutschen – und zwar niemand geringeren als Olaf Hajek.

Olaf Hajek ist einer der bekanntesten deutschen Illustratoren, der mit seinen organischen, phantasievollen und kunstvollen Bildern schnell international erfolgreich wurde. Neben der Zusammenarbeit mit Diptyque hat er schon mit Rohleder eine Home Collection designt, für Ahlens, ein schwedisches Kaufhaus illustriert und ganze Schaufenster gestaltet und in einer Mall in Seoul eine Zirkuswelt zum Leben erweckt. Seine Illustrationen sind einzigartig, folkloristisch, märchenhaft und unabhängig von Trends, Zeit und Nationalität. Das macht ihn besonders. Ich habe den Künstler in Berlin, ganz in der Nähe seines Ateliers im neuen Diptyque Store in Mitte getroffen und mit ihm über seine neue Kollektion für Diptyque gesprochen. Denn was ich mich davor gefragt habe: Wie passt Kunst und Konsum zusammen? Ich glaube ich verrate nicht zu viel, wenn ich jetzt schon mal sage: Das passt sehr gut zusammen. Warum, das erfahrt ihr jetzt im Interview:

Was bedeutet dir Weihnachten?

Bei der Kollektion geht es darum, nicht das Klischee von Weihnachten zu zeigen. Es geht mehr um die Idee von Festlichkeiten, Wärme, Harmonie und einem Gefühl, willkommen zu sein. Weihnachten ist eine Zeit, in der man zusammenkommen sollte. Aber natürlich hängt dieses festliche Gefühl auch davon ab, wo man lebt. Hier in Europa bedeutet Weihnachten ja oft Gemütlichkeit, aber ich habe auch schon in Ländern auf der anderen Seite der Welt gelebt, da habe ich Weihnachten komplett anders erlebt.

Wonach riecht Weihnachten für dich?

Weihnachten ist eine Zeit, in der man eh generell mehr riecht, wo man schwerere Parfums benutzt, wo mehr Sinne angesprochen werden wollen, auch bei einem Zuhause. Im Sommer riecht man ja vor allem die Natur und wenn es dann kalt und grau wird, will man, dass es Zuhause gut duftet. Ich koche im Winter gerne und trinke auch mehr Tee, ich liebe die winterlichen Gewürze.

Wie passen Kunst und Duft zusammen?

Das passt doch super zusammen. Meine Kunst soll ja schließlich auch eine Arbeit sein, die alle Sinne anspricht. Und auch beim Erschaffen sind alle Sinne wichtig. Die Textur, die Idee und natürlich auch der Geruch, wenn man mit unterschiedlichen Materialien arbeitet. Kunst und Duft? Das ergibt zusammen Harmonie. Das sieht man auch bei der Zusammenarbeit von mir und Diptyque.

Wie kann man sich deinen Schaffensprozess mit Diptyque vorstellen? Hast du zuerst an den Kerzen geschnuppert und dann drauf los gemalt?

Nein, die Kerzen gab es da noch nicht. Wir haben zusammen die Idee entwickelt, unter anderem auch, wie die Kerzen riechen sollen, welche Inhaltsstoffe wir gerne verwenden möchten und die Zutaten haben dann auch meine Illustrationen inspiriert. Die Idee der Kollektion ist Glück und Glücksbringer, die man in der ganzen Welt (er)kennt. Es geht nicht nur um unsere europäische Idee von Glück, auch in Asien sollte man die Symbole auf den ersten Blick verstehen. Der Duft spiegelt sich in den Illustrationen wider und andersherum auch, deswegen sind viele Kräuter und Pflanzen enthalten, es ist ein internationales Produkt.

War dir das bei der Zusammenarbeit besonders wichtig? Von Anfang an in die Produktion miteinbezogen zu werden?

Ja, ich kannte Diptyque schon vor unserer Zusammenarbeit und es ist ein wunderschönes Brand. Jede*r Künstler*in träumt davon, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Es gibt nämlich nicht viele Produkte, auf die man künstlerisch so viel Einfluss nehmen kann. Normalerweise trifft man sich mit dem Kunden einmal, dann vielleicht nochmal ein Skype Call, danach läuft alles nur noch per Mail. Bei dieser Kooperation war ich mehrmals in Paris, wir hatten viele Meetings in Berlin, es war alles sehr persönlich. Das war mir sehr wichtig.

Verrückt, all dieser Aufwand nur für ein Produktdesign. Wie wichtig ist das Packaging heutzutage? Wie würdest du das einschätzen?

Ich denke, dass es heute super wichtig ist. Natürlich sage ich das auch als Künstler. Oft ist die Verpackung ja kunstvoller gestaltet als das Produkt. In diesem Fall kommt natürlich auch eine wunderschöne Kerze aus der Verpackung, aber auch das war ein langer Prozess. Wie kann man gezeichnete Illustrationen auf eine Kerze bringen? Brauchen wir spezielles Glas? Welches Papier verwenden wir dafür? Das war ein Prozess, der über ein Jahr gedauert hat und alle haben sich wahnsinnig viel Mühe gegeben. Bei dieser Kollektion wirkt die Kerze auch alleine, ohne ihre Verpackung.

Diptyque ist für seine aufwendigen Weihnachtskollektionen bekannt. Warum geben sich die Brands gerade bei den Weihnachtsprodukten immer so viel Mühe? Warum umgibt diese Kollektion alljährlich eine solche Magie?

Wir leben in einer Welt, in der auch das Thema Konsum eine Rolle spielt, Weihnachten ist dafür ja auch ein wichtiger Faktor, um ehrlich zu sein. Wenn jemand Geld ausgibt, dann umso lieber für eine besondere Kollektion, um es zu verschenken. Das ist die kommerzielle Seite. Aber Weihnachten ist natürlich auch eine Zeit, in der man viel Zeit zu Hause verbringt und dort eine andere Atmosphäre kreieren möchte als das restliche Jahr. Weihnachtsprodukte spielen bei diesem Aspekt eine große Rolle, denn sie spenden Licht, Harmonie und Wärme.

Ist es deswegen auch so wichtig, eine Geschichte rund um das Produkt herum zu erzählen?

Die Idee hinter jeder Kollektion von Diptyque ist, eine Geschichte zu erzählen, das liebe ich. Ich liebe auch die Geschichte, die hinter den Glücksbringern steht. Alles Dekorative hat hier auch einen tieferen Sinn und eine Bedeutung. Das macht es interessant. Es ist nicht nur reine Dekoration.

Du spielst bei deiner Arbeit viel mit Fantasie, Diptyque ebenso. Ich habe ganz oft das Gefühl, dass Fantasie aber etwas ist, was wir immer mehr verlernen, weil wir in den Medien immer mehr Bilder präsentiert bekommen und uns nichts mehr vorstellen müssen. Wie siehst du das?

Für mich ist Fantasie unglaublich wichtig. Ich ziehe aus ihr meine Inspiration. Ich liebe Unperfektes, Sachen, die nicht richtig sind. Und manchmal zeigt Social Medie eine glatte Schönheit, ohne hinter die Kulissen zu schauen. Man versteht nicht mehr: Ist das jetzt echt? Wir müssen uns einfach die Zeit nehmen, durchatmen und einen zweiten kritischen Blick hinter den Vorhang werfen. Viele Menschen wünschen sich heutzutage, eine Bedeutung im Produkt zu finden.

„Jeder muss an etwas glauben und braucht Hoffnung. Märchen sind nichts anderes als Fantasie, Inspiration und Kreativität.“

Die Weihnachtskollektion erzählt jedes Jahr ein Märchen. Warum brauchen wir Erwachsene das auch manchmal?

Jeder muss an etwas glauben und braucht Hoffnung. Märchen sind nichts anderes als Fantasie, Inspiration und Kreativität. Wir müssen uns schon jeden Tag mit der Realität auseinandersetzen. Leider verlernen viele Menschen, wie du gerade gesagt hast, zu fantasieren. Kaum jemand kann sich noch die Charaktere in einem Buch vorstellen. Ich kann mir hingegen immer alles bildlich vorstellen. Aber jetzt gibt es Netflix, Leute können sich immer das anschauen, was sie sehen wollen. Die Tage sind vorbei, wo man sich nach einem Fernsehprogramm richten musste. Heute sind wir überfordert, weil wir alles haben können. Menschen müssen wieder lernen, sich Dinge vorzustellen. Das wäre gesund.

Zurück zur Kollektion. Apropos Glücksbringer. Welches ist dein Lieblingssymbol?

Die kleinen Tiere, die überall auf den Produkten auftauchen. Auch sie sind ein Zeichen des Glücks, wenn man das so sagen kann. Jedes Element, die Farben, die Pflanzen, die Symbole bedeuten mir etwas. Aber wenn du mich zwingst, mich zu entscheiden, ist es der kleine Tiger. Ich liebe die Vorstellung eines Tieres, das stark und schön zugleich ist.

Deine Kunst steht im starken Kontrast zum angesagten Minimalismus. Wie stellt man sicher, dass man sich selbst immer treu bleibt?

Wenn man seinen Stil gefunden hat, denkt man, man kann sich entspannen. Kann man aber nicht, weil es immer weiter geht, man immer weiter machen muss, sich weiterentwickelt und sich selbst auch nicht wiederholen möchte. Das Geheimnis ist, dass ich immer an meine Arbeit geglaubt habe, ohne mich zu sehr von Trends beeinflussen zu lassen. Und das Lustige daran ist, dass ich deswegen immer en vogue war. Ich habe immer gearbeitet, ich illustriere jetzt seit 27 Jahren und habe von Anfang an davon gelebt, heute natürlich besser als gestern.

Es gab immer neue Richtungen in der Kunst: digitale oder Mode-Illustrationen zum Beispiel, aber ich bin meinem Stil immer treu geblieben. Ich kann dir dafür keinen Grund sagen, aber ich war noch nie von Trends abhängig. Okay, vielleicht liegt es an meiner Fantasie, aber vielleicht auch an der Internationalität meiner Werke.

Wie können Werke denn international sein?

Egal, wo auf der Welt Leute meine Kunst sehen, sie empfinden alle das gleiche. Ich habe eine große POC-Fangemeinde, aktuell eine Anfrage von einem südkoreanischen Dichter, dessen Cover ich gestalten soll, ich habe eine brasilianische Telenovela gemacht, Ausstellungen in Afrika gehabt und auch für viele afroamerikanische Magazine gearbeitet. Ich liebe, dass Kunst eine universelle Sprache ist.

Zurück zu den Trends. Es gibt immer Leute, die dem Trend folgen und ihren Stil anpassen, aber genau das ist hart für sie, weil sie immer hinterher hetzen und nie vorne mit dabei sind. Ich illustriere nicht digital, ich zeichne alles per Hand. Wenn ich das Artdirektoren erzählen, gucken sie mich ungläubig an.

Was ist der Vorteil, wenn du alles per Hand zeichnest?
Ich kann nichts ändern. Ich kann nicht einfach von Grün auf Blau. Wenn man mit mir arbeitet, weiß man, dass man nicht die Macht hat, etwas zu verändern. Ich mache das von Beginn an klar. Ich kenne das von anderen Künstler*innen, die digital arbeiten. Die beschweren sich immer, dass der Kunde alles ändern will, bei mir geht das einfach nicht. Das müssen alle akzeptieren, besonders der Kunde.

Bei der Kollektion dreht sich alles um Wünsche. Was wünschst du dir gerade?

Interessante Frage, wenn man die meisten Menschen nach ihren Wünschen fragt, dann wissen sie ja nicht, was sie antworten sollen. Keiner will sagen: Ich will reich und schön sein. Ich glaube, die Antwort hängt immer von der Situation ab, in der man sich gerade befindet. Ist man glücklich? Für mich ist das Wichtigste, dass ich gesund bleibe und meine Kreativität behalte. Diese beiden Dinge in Kombination wären für mich das perfekte Leben. Ich möchte mir nichts Unglaubliches wünschen, sogar Gesundheit ist ja etwas, was man nicht geschenkt bekommen kann, aber sie ist so wichtig. Die einfachsten Dinge im Leben sind meistens die wichtigsten im Leben.

Vielen Dank für das offene und sehr inspirierende Interview, lieber Olaf!

Alle Produkte der Weihnachtskollektion im Überblick:

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  • Fotos
    Diptyque & Olaf Hajek

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