Das große Business-Interview mit Franziska von Hardenberg

Die Gründerin von Bloomy Days und The Siss Bliss spricht Klartext: über eigene Ansprüche, viel Ehrgeiz und die richtige Unternehmensstrategie

Ich kenne nicht viele Frauen wie Franziska von Hardenberg, auch Franzi oder Sissi wegen ihres Instagram-Accounts genannt: Sie ist verdammt ehrgeizig, selbstbewusst und redet mindestens so schnell, wie sie erfolgreiche Unternehmen aufbaut.

2012 gründete sie Bloomy Days, Deutschlands erstes Online-Blumenabo, baut es mittels Crowdfunding und Investoren zu einem sehr erfolgreichen Unternehmen auf und schlittert 2017 plötzlich durch eine geplatzte Finanzierungsrunde in die vorläufige Insolvenz. Sie verkauft Bloomy Days an Fleurop und legt, vielleicht auch anfangs etwas unbewusst, mit ihrem Instagram-Account den Grundstein für ihr neues Business: The Siss Bliss. Denn in ihren Instagram-Posts fragen Franzis treue Followerinnen sie immer öfters nach ihren Goldketten, graviert mit den Namen ihrer Töchter. Und so wurde aus zwei Goldplättchen eine Firma, die heute wohl einen Tresor mit Goldbarren füllen könnte. Glück? Nein, wohl eher harte Arbeit.

Denn Franziska von Hardenberg tut nichts, was sie nicht auf ihrem Weg einen Schritt weiterbringt. Aus einem Etsy-Shop wurde eine eigene Website, aus dem Homeoffice ein großes Loft-Büro im Hinterhof in Berlin-Mitte, aus einer Solo-Selbstständigen eine Chefin mit mehreren Festangestellten. Hut ab! Was Franziska dabei von anderen Unternehmer*innen unterscheidet? Sie spricht offen über Zahlen, Ziele, Misserfolge und den harten Weg, den es braucht, um zu wachsen.

Genau deswegen habe ich sie in ihrem neuen The Siss Bliss Office besucht und mit ihr gesprochen. Wer darüber nachdenkt ein Unternehmen zu gründen, der muss dieses Interview lesen. Wer schon eines hat oder führt, auch! Denn von Franzis Einstellung kann man einfach nur lernen ...

Das Unternehmen ist im letzten Jahr ja noch einmal stark gewachsen, du hast jetzt mehrere Festangestellte. Wie kam's?

Ich habe 2018 mit The Siss Bliss angefangen und habe größtenteils alleine gearbeitet. Ich hatte Hilfe von Freelancer*innen, wollte aber eine ganz leane Kostenstruktur, um möglichst gut schlechte Monate abfedern zu können und kein so großes Risiko zu tragen. Ich muss auch sagen: Der Schritt für mich zu Festangestellten brauchte Zeit, diese Verantwortung wieder zu übernehmen. Ich bin jemand, der sehr sehr gerne vor sich hinarbeitet, aber ich schaffe mit Sicherheit nicht alles alleine. Das Freelancer-Setup war für die ersten zwei Jahre perfekt.

Dann sind wir letztes Jahr in den Lockdown gegangen und alles ist explodiert. In den ersten zwei Jahren Aufbauarbeit habe ich alles, was ich verdient habe, reinvestiert, hatte ein günstiges Büro und habe mir selbst wenig ausbezahlt. Letztes Jahr haben wir auf einmal in einem Monat den Umsatz verfünffacht. Ich dachte nur: „Das gibt es doch gar nicht!“ Jahrelang hatte ich immer so 20.000 Euro auf dem Konto und dann alles wieder down-to-zero und dann wieder von vorne. Und dann auf einmal habe ich letztes Jahr gedacht: „Ok, krass, jetzt ist es eine Firma.“

Und wie sahen dann deine nächsten Schritte aus?

Für mich war klar, dass ich mir spätestens jetzt einen richtigen Namen ausdenken muss, ein Corporate Design brauche und eine nachhaltige Gesellschaftsstruktur. Das war auch gar nicht mal so easy, denn ich hatte ja ursprünglich ein Einzelunternehmen gegründet. Das ist ja bekanntlich einfach: Du meldest ein Gewerbe an. Der Nachteil: Du musst deinen gesamten Profit versteuern und wenn du viel reinvestierst, kann man das steuerlich nicht so gut nutzen.

Also musste die GmbH her, richtig?

Genau, am 7. Mai 2020 habe ich die The Siss Bliss GmbH gegründet mit einer sinnvollen Struktur dahinter. Die Hardenberg Holding UG ist die Dach-Gesellschaft, die 100 Prozent Anteile an der The Siss Bliss GmbH hält. Das hat den Vorteil, dass, wenn das Unternehmen profitabel ist und Gewinne erwirtschaftet, man sie zu einem geringen Steuersatz in die Dach-UG schieben kann. Außerdem kann man aus der Dach-UG heraus wieder investieren oder Darlehen vergeben, das ist einfach ein schönes Vehikel. Und sollte man jemals vorhaben, dass Unternehmen zu verkaufen, hat man außerdem die Möglichkeitauch, den Kaufpreis erstmal in die UG zu schieben, um dass dann in Start-ups und Co. zu investieren oder eine neue Firma zu gründen. Entnimmt man Gewinne, entfallen die Steuern natürlich trotzdem, aber weil es mir so viel Spaß macht, mit Geld zu arbeiten, ist es für mich so eine sinnvolle Struktur.

„Ich mache halt einfach. Und ich glaube auch ehrlicherweise, dass das der Erfolg ist.“

Ist das etwas, was du bei deiner zweiten Gründung nach Bloomy Days anders gemacht hast?

Ja, solche Entscheidungen fällt man beim zweiten Mal immer besser. Beim ersten Mal möchte man einfach nur Kosten sparen und denkt sich: „Ach, das mache ich irgendwann später!“ Aber dieses Mal habe ich alles ordentlich von meiner Anwältin aufsetzen lassen. Am 1. Juni haben wir dann den Relaunch gemacht und das mit meiner ersten festen Mitarbeiterin, Henni, für den Kundensupport.

Musstest du das lernen, das Delegieren von Aufgaben?

Ich habe bis Mai 2020 noch fast alles Operative selbst gemacht: die Bestellungen an die Goldschmiede verteilt, die Abwicklung, den Kundensupport, alle Mails, Buchhaltung. Es ging irgendwann nicht mehr in einem reinen Freelancer-Setup. Dann kam Henni und danach habe ich gedacht: „Eigentlich brauche ich auch noch jemanden, der mir bei der Buchhaltung und allen kaufmännischen Aufgaben hilft.“ Ich habe das bei Bloomy Days nicht selbst gemacht und musste mich hier anfangs erstmal richtig reinfuchsen. Mit dem Wachstum und auch dem komplexeren Firmenkonstrukt wusste ich aber, dass ich auch hier Support brauchen würde. 

Liegt dir das alles denn? Oder gibt es auch Bereiche, die dir keinen Spaß machen?

Ich liebe es eigentlich total ordentlich, aber im Herzen bin ich auch ziemlich viel kreatives Chaos. Deswegen musste ich mich selbst so sehr disziplinieren, die ganze Buchhaltung ordentlich aufzusetzen und zu strukturieren. Ich hatte von Anfang an ein Steuerbüro, habe aber alle Rechnungen selbst überwiesen. Aber ich habe gemerkt: Es wird alles so groß, plus ich habe jetzt noch eine Holding, ich habe die The Siss Bliss GmbH und dieses Jahr noch eine andere Firma gegründet. Das ist alles so komplex, dazu noch mein Einzelunternehmen. Irgendwann war mir klar, ich brauche Hilfe. Und in Gesprächen mit Freundinnen habe ich gesagt: „Ich suche eigentlich so jemanden wie den Christian!“ Dann habe ich ihn einfach gefragt.

Erzähl mir doch mal mehr über Christian!

Christan, das war mein zweiter fester Mitarbeiter bei Bloomy Days und auch Co-Geschäftsführer. Mit ihm habe ich fünf Jahre dort zusammengearbeitet. Dann haben wir zwei Jahre nicht mehr zusammengearbeitet und dann habe ich ihn im Herbst angerufen: „Ich suche eigentlich jemanden wie dich. Ich weiß gar nicht, ob du weißt, was ich mache, aber vielleicht willst du dir das mal angucken. Du kannst dir ja mal überlegen, ob du vielleicht Bock hättest.“ Wir haben uns getroffen, drei Stunden geredet und gesagt: „Let's do it!“

Die ersten Monate hat er uns als Freelancer unterstützt, seit 1. April ist er fester kaufmännischer Leiter. Aber nach wie vor ist das ganze gesellschaftliche Thema zu 100 Prozent meins. Strukturell hat sich also nichts geändert.

Wie findest du das, ganz alleine als Chefin? Genießt du die Freiheit, alles selber zu bestimmen? Oder wünscht du dir manchmal jemanden, mit dem du gemeinsam wichtige Entscheidungen treffen kannst?

Wenn ich jetzt sagen würde, ich bin eine Woche nicht da, dann wüsste ich, dass der Laden läuft. Wir haben so tolle Leute gefunden und dieses Jahr einige Neue eingestellt und es ist egal ob Henni, die den Customer Support macht, Annika, die macht die Logistik, Ella macht den ganzen Social Content – jedem von denen vertraue ich zu 180 Prozent, weil ich merke, dass ich auch diese hart erarbeitete Freiheit, nicht immer da sein zu müssen, sehr genieße. Da brauchst du einfach ein Team, dem du zu 100 Prozent vertraust. Meine Themen sind ja tatsächlich eher sowas wie Business Development, neue Produkte entwickeln, Kooperationsgeschäft. Diese Dinge liegen eher in der Zukunft. Das kann mir schwer jemand abnehmen.

Also bist du die Strategin hinter allem?

80 Prozent des Tagesgeschäfts werden von meinem Team gecovert und ich mache so die letzten 20 Prozent plus noch 50 Prozent obendrauf, die das Unternehmen nach vorne bringen, genau.

Also fehlt dir kein*e Geschäftspartner*in?

Wenn ich mit jemandem zusammen gründen würde, ganz neu, dann ist für mich die größte Herausforderung die Abstimmung. Ich sehe das bei Freund*innen von mir, wo man sehr lange Zeit damit verschwendet, zu überlegen: Sollte, wollte, hätte man… Und das stundenlang durchkaut, anstatt es einfach zu machen. Ich mache halt einfach. Und ich glaube auch ehrlicherweise, dass das der Erfolg ist.

„Jetzt habe ich es bewiesen: Ich kann Firmen bauen, ich kann Marken bauen, ich kann das. Allein.“

Ist das auch der Unterschied zu Bloomy Days?

Bei Bloomy Days habe ich wirklich 80 Prozent mit Investorenpitches und Gesprächen, Reportings vorbereiten, Meetings planen, Finanzierungsrunden planen verbracht. Ich hatte gar keine Chance, das Thema nach vorne zu bringen, weil die anderen 20 Prozent waren Mitarbeiter-Feedback-Gespräche, Leute einstellen, Entwicklung … Ich konnte gar nicht operativ arbeiten. Ich war auch da Geschäftsführerin und Gründerin, alleine. Deshalb kannst du sowas auch nicht abgeben. Du kannst niemanden einstellen, der das so machen würde wie du. Insofern ist es hier schon eine enorme Freiheit und ich merke, dass mein Bauchgefühl gut war. Das ist echte unternehmerische Freiheit, dieses Vorantreiben. Und das macht mir auch schon mega Spaß. Christian und ich haben Anfang des Jahres eine Jahresplanung gemacht: „Wäre geil, wenn der Umsatz klappt. Aber wenn nicht, ist auch okay. Who the fuck cares? Hauptsache, wir sind auf einer Monatsbasis profitabel. Wenn wir das schaffen, ist doch alles cool.

Das ist ja eine ziemlich lässige Einstellung. Wie handhabst du es denn mit Zielen und Erwartungen?

Unser oberstes Ziel für 2021 ist: Kein Wahnsinn mehr. Christian und ich sind beide krasse Workaholics. Wir lieben das und sind beide wahnsinnig, im positiven Sinne. Wir haben uns bei Bloomy Days fünf Jahre richtig kaputt gemacht. Jetzt ist es Nine to Five. Instagram ist natürlich 24/7, der ganze Content und die Kooperationen. Wenn ich das ausrechnen würde, die ganzen Arbeitsstunden, ist das wahrscheinlich auf einem ähnlichen Level wie früher. Aber das fühlt sich ja für mich nicht nach Arbeit an. Das macht mir ja mega Bock. Ich habe nicht das Gefühl, ich muss das machen. Office-Stunden hatte ich aber noch nie so wenig wie jetzt und war trotzdem noch nie so erfolgreich wie jetzt. Das ist halt schon cool. Aber wir versuchen uns schon sehr zu disziplinieren und zu sagen, wir fangen erst um 9:30 an. Das hätte es bei Bloomy Days nie gegeben: Da waren wir spätestens um 8 Uhr oder 8:30 Uhr im Büro und vor 20 Uhr ist da abends keiner aus dem Büro gegangen. Hier ist um 18 Uhr Schicht. Wir versuchen, wirklich auch zu sagen: „Wir wollen vieles anders machen und uns selber disziplinieren. Wir sind selber unser schlimmster Feind.“

Tja, das kenne ich. Als Unternehmerin neigt man zum Overload. Ist das vielleicht auch der Grund, warum sich so viele nicht trauen, alleine zu gründen? Würdest du sagen, das ist ein Thema, was hauptsächlich Frauen betrifft?

Total! Ich glaube, ich bin mit diesem „Ich mache das alleine“ schon sehr alleine. Ich will das aber gar nicht als großen Vorteil darstellen, ich wollte am Anfang auch mit meiner Freundin gründen. Alle unsere Freund*innen haben damals gesagt: „Macht das nicht!“ Ich glaube bis heute, das wäre mega cool geworden. Weil wir uns einfach so gut kennen und verstehen. Ich habe im Moment schon wieder eine Idee, wo ich es cool fände, wenn sie mitmacht. Das muss ich ihr wohl nochmal pitchen.

Also siehst du nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile im alleinigen Gründen?

Es hat Vor- und Nachteile. Auf der Plus-Seite steht auf jeden Fall die Effizienz: keine Abstimmungen, vollkommen mein Bauchgefühl. Ich habe so oft dieses Bild von mir als einem Bulldozer, der einen Berg vor sich herschiebt. Der Nachteil ist „highest highs, lowest lows“: Wenn was richtig Geiles passiert, freust du dich auch nur alleine. Und wenn Scheiße passiert, kann es auch keiner nachvollziehen. Du bist halt immer in diesen Extremsituationen auf dich alleine gestellt. Das ist etwas, was ich bei Rückschlägen nicht so dramatisch finde: Die reizen mich. Und ich bin auch immer viel besser, wenn etwas nicht läuft, als wenn es läuft. Gerade in den positiven Momenten kann sich aber auch keiner mitfreuen und du kannst es auch selbst weniger wertschätzen. Deswegen würde ich, würde ich jetzt nochmal gründen, es gerne mit einem Freund oder einer Freundin machen. Jetzt habe ich es bewiesen: Ich kann Firmen bauen, ich kann Marken bauen, ich kann das. Und jetzt wäre es noch schöner im Team. 

So schön, dass du das jetzt sagen kannst!

Ja, da spielt die persönliche Historie auf jeden Fall eine große Rolle. Ich denke im Nachhinein, dass ich gegen viele Dinge, die bei Bloomy Days nicht gut gelaufen sind, hätte gegensteuern müssen. Ich habe sie passieren lassen und habe andere Leute entscheiden lassen und das war ein großer Fehler. Ich wollte mich damals auch nicht hinstellen und sagen: „Der war schuld!“ Das bringt im Nachhinein nichts. Ich wollte einfach wieder beweisen, dass ich eine krasse Unternehmerin bin und das kann. Das müsste man wahrscheinlich erstmal tiefenpsychologisch aufarbeiten. Deswegen wollte ich wahrscheinlich, wenn ich ehrlich bin, zwei Jahre niemanden an meiner Seite haben. Weil ich zeigen wollte, dass ich das kann. Allein.

Und das hast du ja auch in einer wahnsinnig schnellen Zeit.

Wir haben das gleiche Umsatzlevel wie bei Bloomy Days, wo wir bei Bloomy Days schon über drei Millionen Euro als Finanzierung in der Firma hatten und ich habe jetzt mit 500 Euro gestartet und alles allein finanziert. Als ich Siss Bliss gestartet habe, habe ich mir selbst versprochen, dass ich in fünf Jahren ein Buch schreiben will: „Von 500 Euro zu 5 Millionen Euro Umsatz in 5 Jahren“. Anders als bei Bloomy Days, wo es so war: mit 5 Millionen Euro Finanzierung down to zero. Wenn ich ehrlich bin, war das total getrieben durch dieses „Ich will der Welt beweisen, dass ich das kann und dass ich weiß, wie es geht“. Ich habe personelle Fehlentscheidungen getroffen, aber eigentlich weiß ich, wie es läuft. Das hat bisher zumindest glücklicherweise ganz gut geklappt. 

„Man muss auch mal sagen, dass ich meinem Vater erst im letzten Jahr das Geld zurückzahlen konnte. Ich habe immer wenig verdient.“

Mit wem besprichst du denn jetzt alle wichtigen Entscheidungen? Wer berät dich?

Im Daily Business bespreche ich viele Sachen mit dem Team. Wenn es um das ganze Thema Mentoring oder auch Business-Development geht, sind Lea Cramer und Verena Pausder meine engsten Vertrauten, bei denen ich weiß, da geht nichts raus. Die beiden sind echt Next Level: Wenn ich mit ihnen spreche ist es immer wieder life changing. Das ist eine Kunst, die die beiden beherrschen: Groß zu denken. Ich bin ja schon wahnsinnig, aber die beiden sind noch wahnsinniger. Das ist cool, dass wir so enge Freundinnen sind. Und ansonsten natürlich mein Mann, mein Freundeskreis und die Family,– bei allen weiteren Themen. Ich habe aber auch ehrlich gesagt selten Themen, die mich negativ bewegen. Ich bin sehr lösungsorientiert. Mich beschäftigt eine negative Instagram-Nachricht viel länger, also emotionale Dinge, als operative Business-Herausforderungen. Die kriegen meist schnell gelöst. 

Und wo hast du mal richtig geschwitzt? Welcher Schritt hat all deine Risikobereitschaft gefordert?

Unsere neuen Schmuckboxen! Ich habe sie letztes Jahr für 30.000 Euro bestellt und das war fast alles Geld, was wir hatten. Und ich habe gesagt: „Ich glaube da so sehr dran, dass das geil ist. Das macht niemand. Sie sollen auf jeder Kommode stehen, ich möchte den Kund*innen das perfekte Einkaufserlebnis bieten, noch besser als im stationären Handel, das ist meine Vision.“ 

Meine Idee war es, dass im Badezimmer oder auf der Kommode irgendwann ganz viele Boxen von The Siss Bliss stehen, die wunderschön aussehen, aber die man eben auch noch nutzen kann. Die limitieren wir auf ein Jahr und dann weiß man immer, in welchem Jahr sie gekauft wurden, je nach Farbkombi. Das finde ich so cool und ich hatte die Idee und dachte: „Das brauchen wir!“ Letztes Jahr saßen wir also dann also mitten im zweiten Lockdown ich so: „Okay, ich bestelle jetzt Schmuckboxen im Wert eines Kleinwagens!“ Das war wirklich ein Moment, wo ich gehofft habe, dass es gut geht. Andererseits muss ich sagen, das ist auch meine Erfahrung … das klingt jetzt vielleicht ein bisschen komisch, aber: Je mehr Geld man ausgibt, desto mehr kommt auch zurück. Das gilt jetzt vielleicht nicht für alle Bereiche, aber ich habe noch nie eine Investition bereut. Ich glaube daran, dass Geld in Bewegung bleiben muss. Das findet mein Mann nicht immer so gut. 

Wir arbeiten auch gerade wieder an einem neuen Produkt, da ist die Abnahmemenge sehr hoch. Deutlich höher, als wir uns momentan zutrauen würden. Aber es ist eben ein Produkt, das wir so gut finden und an dem wir so lange gearbeitet haben. Ich glaube, dass dieses Produkt uns wieder besser machen wird. Das ist genau wieder so eine Entscheidung. Und ich sage dann: „Lets do it.“ Und Christian so: „Ich muss erstmal rechnen.“ Das macht mir total Spaß und ich habe im positivsten Sinne keine Angst davor, Geld zu investieren. Die Schmuckboxen waren das größte Einzelinvestment, das ich in den letzten drei Jahren gemacht habe. Aber es war die richtige Entscheidung. Bis zu dem Moment wo ich mich gefragt habe, wo ich 5000 Schmuckboxen lagern soll…aber so kam ich dann zu unserem neuen Büro, also gibt es für alles immer eine Lösung und am Ende wird es meistens besser als vorher. 

Das war jetzt eine unerwartete Antwort!

Ja es gibt immer wieder Risiken und die muss man einfach eingehen. Das gehört dazu. So wie damals bei Bloomy Days: Da habe ich die Zusage bekommen für das Crowdfunding und hatte kurz vorher noch die GmbH gegründet. Und damals hatte ich noch zu meinem Vater gesagt: „Papa, ich muss mir 25.000 Euro leihen, um die GmbH zu gründen.“ Sonst hätte ich nirgendwo das Geld bekommen. Da dachte ich mir auch, mit 27 Jahren: „Bist du eigentlich total bekloppt? Das ist jetzt der fucking point of no return …“ Das sind Dinge, die muss man einfach mal gemacht haben, damit sie den Schrecken verlieren. Dann weiß man, wie es läuft. Aber wenn du sie zum ersten Mal machst, sind sie sehr angsteinflößend und lebensverändernd. 

Man muss auch mal sagen, dass ich meinem Vater erst im letzten Jahr das Geld zurückzahlen konnte. Ich habe immer wenig verdient. Es hat okay gereicht aber es war oft so, dass du 90 Stunden die Woche arbeitest für ein Gehalt, dass du nirgendwo akzeptieren würdest, wenn du angestellt wärst. Das war mein schönster Erfolg im letzten Jahr, dass ich meinem Vater das Geld zurückzahlen konnte, mit Zins und Zinseszins. Es war zwar nie ein Thema, aber es war für meinen Vater auch viel Geld. Das war mein großer Ehrgeiz, das zurückzuzahlen und das macht mich sehr froh, dass ich das konnte. 

Hinter glamouröser Instagram-Fassade denkt man ja oft, du lebst in Saus und Braus. Ich finde es gut, dass du so ehrlich sagst, die Realität aussieht.

Jetzt ist es zum ersten Mal so, dass ich mir teure Sachen leisten kann. Das konnte ich die letzten 15 Jahre nicht. Ich hatte nie Kohle übrig und genieße es jetzt natürlich. Kaufe mir viel zu viel teuren Scheiß, der auf Instagram schnell so aussieht, als hätte ich einen reichen Mann ... oder solche Vorurteile. Dafür habe ich aber 15 Jahre sehr, sehr viel gearbeitet und jetzt bin ich an einem Punkt, an dem es mir sehr gut geht. Aber das habe ich mir zu verdanken, niemand anderem. Deswegen ist es mir auch nicht unangenehm. 

Jede Frau, die erfolgreich ist und sich coole Sachen kaufen kann, feiere ich hart. Weil ich weiß, wie krass es ist und wie schwer es sein kann. Man weiß nie, was dahinter steckt, aber ich wünsche mir, dass wir alle aufhören – da sind Frauen insbesondere leider tatsächlich schlimm – andere zu beurteilen und zu verurteilen. Sondern einfach zu feiern, dass sich jemand etwas leisten oder kaufen kann. Vielleicht gehe ich damit auch manchmal zu transparent um, ich bin aber selber ein komplett unneidischer Mensch. Ich empfinde keinen Neid. Es könnte mir gar nicht egaler sein, was andere Leute haben oder besitzen. Das liegt aber bestimmt auch an dieser Hybris, dass ich denke: „Ich schaffe das auch, wenn ich das will!“ Das motiviert mich dann noch mehr.

Da hast du auch eine außergewöhnliche Instagram-Community, die dich für deine Erfolge feiert. Die meisten würden ab einer Anzahl von Luxus-Handtaschen sagen, du seist nicht mehr nahbar…

Aber da liegt der Unterschied: Die kaufe ich mir halt! Die meisten anderen kriegen die geschenkt. Ich versuche das sehr transparent zu machen, meine Follower auch mitzunehmen in den Entscheidungsprozess und sie daran teilhaben zu lassen. Der Verkauf von unserem Landhaus hat uns das Herz gebrochen, wir sind fast gestorben. Wir haben alles, was wir hatten vier Jahre lang reingesteckt und nun ist es fertig und wir lassen es gehen. Mein Mann meinte: „Wenn wir das geschafft haben und beim Notar sitzen, dann schenken wir uns eine Uhr zu Weihnachten.“ Und ich poste halt kein Bild mit #RolexGang und sage, dass ich mir das mal gegönnt habe. Sondern, dass es für uns ein krasses Symbol ist. Alles hat seine Zeit und das haben wir uns verdient. Wir haben nicht geerbt, wir haben uns alles selbst aufgebaut. 

Deswegen glaube ich, feiern es die Leute auch mehr, weil da sonst auch niemand drüber redet. Vielen ist das unangenehm. Dadurch entsteht dann auch dieser Neid. Ich bin aber jemand, der versucht, immer einen Blick hinter die Fassade zu ermöglichen und zu zeigen, wie hart der Hustle ist. Dass nichts selbstverständlich ist und dir nichts geschenkt wird.

Würdest du dich eher als Unternehmerin oder Schmuckliebhaberin bezeichnen? Dir könnte man wahrscheinlich auch einen Staubsauger in die Hand geben und es würde geil laufen…

Insbesondere als Frau ist es cool, etwas zu finden, was man richtig gerne macht. Wenn du etwas mit Leidenschaft machst, machst du es auch gut. Deswegen glaube ich, dass ich auch einen Staubsauger verkaufen könnte. Aber warum? Weil ich den besten Staubsauger der Welt bauen würde. Das ist halt wirklich so. Ich bin so nitty-gritty detailverliebt, dass ich jedes Produkt versuche in die Perfektion zu treiben und es nicht anbiete, wenn es in meinen Augen nicht perfekt ist. Das ist unternehmerisch meine größte Stärke.

Trotzdem glaube ich aber, dass es wichtig ist, ein Produkt zu finden, was einem gut gefällt. Ich wäre niemand, der eine SAAS-Bude (Anm. d. Redaktion: Software as a Service) baut. Ich bin sehr produktverliebt. Also sollte man gucken, wo man Unternehmertum und Leidenschaft miteinander kombinieren kann und wo die persönlichen Stärken liegen. Dann wird das auch gut.

Vielen lieben Dank, Franzi, für deine Ehrlichkeit und deine Zeit! Es war sehr lehrreich und inspirierend!

Dieser Artikel wurde durch PR-Samples unterstützt. Dieser Artikel ist Werbung, da er Markennennungen enthält.

  • Fotos Franzi
    Zuzu Birkhof

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