Das ist unsere Masche: Häkelmode ist zurück!

Die Seventies feiern ihr Comeback: Diesmal nicht mit Schlag, dafür aber mit jeder Menge Maschen!

Handarbeitstechnisch geht es bei mir gerade richtig rund. Die fehlende Abwechslung und das ständige Zuhause sein haben bei mir dazu geführt, dass ich mich tatsächlich einem meiner verhasstesten Schulfächer, Handarbeit, wieder angenähert habe. Und seitdem kann ich nicht mehr aufhören Dinge, mit meinen Händen zu machen: seien es Interior-DIYs oder eben Stricken, Sticken und ja, demnächst auch Häkeln.

Jetzt stöhnt bitte nicht auf und klickt den Artikel zu voreilig weg, denn es geht hier weder darum, euch zum Häkeln zu überreden wie die nervige Großmutter oder Handarbeitslehrerin damals, noch zu sagen, dass nur Handgemachtes das Wahre ist. Manche Menschen haben einfach keine Lust aufs Selbermachen und das kann ich gut verstehen. Deswegen geht's hier nicht per se um Häkeln als Hobby, sondern vor allem um die Ergebnisse, die dabei herauskommen.

Denn nicht nur Handarbeitsfanatiker*innen wie ich haben Häkelmode, auf Englisch auch Crochet, für sich entdeckt, nein, auch High Fashion Brands und Designer*innen geben uns recht: Gehäkelte Maschen sind cool. Und wer doch Lust bekommt, die Häkelnadel zu schwingen, den kann ich nur ermutigen: Häkeln ist sogar viel einfacher als stricken!

Häkelmode auf den Laufstegen

Richtig gelesen. Dieser Artikel kommt nicht aus der Ecke „Ich will, dass es Trend wird, also tue ich so“, sondern „Das ist schon Trend, ihr habt es vielleicht nur nicht gemerkt“, was auch völlig okay ist. Dafür bin ich ja da! Denn schon in vielen Sommerkollektionen für das vergangene Jahr wurde in den Modeateliers der High Fashion Designer was das Zeug gehäkelt: Altuzarra machte klassische Seventies-Oberteile mit Blumenmuster, servierte aber auch komplette Looks so wie Maxi-Röcke mit zahlreichen Maschen, Marc Jacobs setzte das löchrige Material spärlicher als Hingucker ein, aber auch hier waren die Siebziger-Jahre-Vibes deutlich spürbar.

Und auch in den aktuellen Kollektionen der großen Brands hält sich der Trend: Dior schickte nicht ein oder zwei Häkel-Outfits auf den Laufsteg, sondern gleich dutzende, ebenso war das Abendkleid von Chanel Couture ein Highlight, was bei den Golden Globes von Schauspielerin Andra Day ausgeführt wurde. Häkelmode ist gekommen, um zu bleiben, das dürfte spätestens jetzt allen klar sein.

Die Geschichte vom Häkeln

Schaut man sich die Runway-Bilder genauer an, so fragt man sich schnell: Was ist der Unterschied zwischen Lochspitze und Häkelmode? Die Antwort darauf ist leicht: Von der Optik kann sich beides sehr ähnlich sein, es sind aber unterschiedliche Handarbeiten, die zu den Ergebnissen führen. Beim Häkeln werden aus einem Faden mit einer Häkelnadel Maschen erzeugt und miteinander verknüpft, Spitze kann auf die unterschiedlichsten Arten hergestellt werden, z.B. durch Klöppeln, bei dem Fäden nach einem bestimmten Muster verkreuzt oder verdreht werden.

Aber ja, sie haben schon etwas miteinander zu tun, denn Häkeln wurde als günstigere Variante zur traditionellen, handgemachten Spitze erfunden, der Ursprung liegt vermutlich in einer chinesischen Stricktechnik oder in der französischen Tambour-Stickerei. Viele Jahre hatte Häkelmode also mit dem Ruf zu kämpfen, nicht so wertvoll zu sein, wie andere Textilherstellungstechniken. Das änderte sich jedoch als Queen Victoria von England dem Häkeln den Adelstitel verlieh, als sie gehäkelte Spitze von irischen Frauen kaufte, die nach einer Hungersnot um ihr Leben kämpften. Die Königin lernte danach sogar selbst das Häkeln und fertigte Schals für Veteranen an!

In den 1920er- und 30er-Jahren wurden dann aus der Technik für Verzierungen ganze Kleidungsstücke! Komplett gehäkelte Abendkleider erblickten das Licht der Welt, ebenso wie der damals beliebte Glockenhut.

Anders als andere Trends verschwand die Häkelmode auch nicht im Krieg oder in den konservativen 50er-Jahren. Doch die Sixties waren das Jahrzehnt, als das Häkeln seinen Boom erlebte. In den Sechzigern wurden nicht nur Anziehsachen gehäkelt, nein, Kissenhüllen, Decken, Tischdecken, nichts war sicher vor den Häkelnadeln der Handarbeitsbegeisterten. Ende der 60er-, Anfang der 70er-Jahre wurde dann auch das „Granny Square“ auf Deutsch „Häkeln im Quadrat“, angesagt, also die bunten, psychedelischen Häkelmuster in vielen aneinander gehäkelten Quadraten, die wir alle kennen (und lieben!).

Seitdem gab es viele Häkel-Hochs und Tiefs … und gerade scheint häkelmäßig wieder ziemlich viel Sonne!

Ein bisschen Outfit-Inspiration

Outfit 1: Häkelpullover - Ulla Johnson // Hose - Sézane // Beret - H&M (ähnlich hier)
Outfit 2: Rollkragenpullover - H&M // Häkelrock - Vintage // Jacke - Carven // Tasche - Louis Vuitton // Stiefel - RAS // Beret - & Other Stories // Sonnenbrille - Yun Berlin

Ich hatte vor ein paar Wochen einen regelrechten Häkel-Wahn und habe das Internet durchforstet. Dabei habe ich, ganz ohne neu einkaufen zu müssen, die schönsten Secondhand-Schätze zu absurden Preisen auf Vestiaire Collective, Imparfaite Paris und Ebay gefunden. Ein bisschen musste ich schon suchen (denn gehäkelte Sachen sind manchmal auch alles andere als Fashion), aber ich bin fündig geworden. Zwei Strickjacken, eine Weste, ein Pullover, ein Rock und ein Sommeroberteil nenne ich jetzt mein Eigen und die Sammlung darf für die Sommermonate gerne noch größer werden. Auf meiner Wunschliste stehen noch Kleider, jedes einzelne Kleidungsstück von Rose Carmine und She Made Me (dazu lest ihr glech mehr) und ein Hut. Nicht alles davon will ich kaufen, den Hut traue ich mir selbst zu und ist mein nächstes Projekt!

4 Projekte, die sich bestens zum Einsteigen ins Häkeln eignen

© Wool And The Gang

  • Bei Wool And The Gang gibt es für jedes Niveau das passende Projekt. Auf meiner Wunschliste ganz oben und quasi schon bestellt ist der Malibu Pullover mit Zickzack-Muster, die wunderschönste Decke für Strand und Wohnzimmer und das kleine Top für den Sommer!
  • Sie haben nicht nur Strick-Sets, nein, bei We Are Knitters findet ihr auch Häkelsets. Meine Anfangsprojekte der Wahl wären ein Top mit Fransen, ein T-Shirt oder auch die süßeste Babydecke der Welt.
  • Auch bei Prym, DER traditionellen Marke für Handarbeiten gibt es wunderschöne Muster und Sets für Häkelmode. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Tasche für den Sommer?
  • Gannis Häkel-Beret ist gerade überall! Und klar, ich hab dazu auch eine Anleitung gefunden! Hier entlang!

6 Brands, die die Meister*innen des Häkelns sind

Immer noch nicht motiviert? Na gut, dann schaut doch mal bei diesen Brands vorbei. Die nehmen euch die Arbeit auf die beste Art und Weise ab und wow, ich wünschte, ich hätte jedes einzelne Teil für den Sommer im Kleiderschrank. Fast zu schön, um wahr zu sein ...

She Made Me

Ein ganz bestmmtes Häkelkleid von She Made Me steht schon seit sehr sehr langer Zeit auf meiner Wunschliste. Doch bis vor ein paar Saisons war es gar nicht so einfach, an die Designs des australischen Labels heranzukommen. Ein Glück haben jetzt aber fast alle großen Onlineshops verstanden, dass She Made Me ein absolutes Muss für den Sommer ist. Kein Wunder, dass She Made Me weiß, was wir im Sommer tragen wollen, sitzt das Label doch am Traumfleck Byron Bay. Chloe Dunlop, die Gründerin des Brands, findet ihre Inspiration auf der ganzen Welt: von Marokko bis Indien über Bali. Dort, auf Bali, Indonesien, lässt Chloe auch alle Designs per Hand fertigen, Massenware ist keiner der Styles.

Viele Stücke von She Made Me findet ihr auch weiter unten im Artikel in unserer großen Best-of-Auswahl!

Sea New York

Sea New York ist kein Häkellabel wie She Made Me, hat es mit seiner neuen Spring Summer Collection für diese Saison aber trotzdem in das Best-of verdient. Denn keiner macht Granny Squares so modern, stilvoll und feminin wie das New Yorker Label. Auf dem Moodboard der neuen Kollektion findet sich auch niemand Geringeres als Paul McCartney mit seiner Häkelweste, den ihr weiter oben im Artikel bei der Historie schon bestaunen konntet. Da hatten die Gründer Sean Monahan und Monica Paolini wohl den richtigen Riecher.

Rose Carmine

Rose Carmine ist meine absolute Lieblingsneuentdeckung und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass ich wirklich am liebsten jedes Teil von dem kleinen französischen Brand kaufen würde. Leider sprengt schon ein einziges Teil mein Budget, aber träumen darf man ja wohl noch! Sandrine Ganem möchte mit ihrem Label Strick- und Häkelmode für jede Generation anbieten. Und das liebe ich! Die Designs sind farbenfroh, optimistisch, verspielt und einfach traumhaft schön! Alle Teile sind komplett handgemacht (das erklärt auch den Preis) und werden per Pre-Order bestellt. Dabei kommen hochwertige Materialien wie Mohair, Wolle und Baumwolle eingesetzt! Ich spare ja schon!!!

Akoia Swim

Die Designs von Akoia Swim sind eher klein als groß. Dafür steht Nachhaltigkeit bei den klitzekleinen Bikinis und Häkelsets für den Strand ganz vorne. Auch Inka Williams und Reo Palmer, die Gründer, lassen alle Styles per Hand auf Bali fertigen und unterstützen so lokale Kunsthandwerkerinnen, die an einem Bikini bis zu sieben Tage arbeiten. Einen besonderen Fokus legen die beiden hier auf eine Mikroplastik freie Produktion, auf nachhaltige Verpackungen und auf organische Baumwollmaterialien. Die Farbstoffe sind alle von lokal angebauten Pflanzen. Verschickt wird nur zweimal in der Woche, um CO2 einzusparen und das Brand ist so auf dem besten Weg, bald CO2-neutral produzieren zu können. Daumen hoch!

Alanui

Alanui beobachte ich schon länger, allerdings ist das Label aus Italien ebenso eine echte Investition. Bekannt geworden sind die Geschwister Nicolo und Carlotta Oddi mit Cardigans aus den edelsten Materialien, oft Cashmere. Dann kostet so eine dicke, weiche und kuschelige Strickjacke aber auch schon mal knappe 2000 Euro. Dabei vereint alle Designs eins: Sie sind unisex, knopflos, haben einen Fransenrand und werden mit einem Gürtel geschlossen. Aif dieser Grundlage launcht Alanui jede Kollektion und entwickelt sie immer weiter. Und klar, auch Alanui ist kein typisches Häkellabel, aber in ihrer aktuellen Kollektion fließen immer wieder gehäkelte Styles ein, es gab auch schon Strickjacken mit Granny Squares in den vergangenen Kollektionen. Schaut mal auf Vestiaire Collective vorbei oder im Sommer- oder Wintersale, da kann man die luxriösen Styles oft etwas günstiger bekommen.

Namaste and Crochet

Namaste & Crochet hat sich dem Häkeln zu 100 Prozent verschrieben, das verrrät auch schon der Name. Dominique Cavillo, die Gründerin und Designerin hat das Handwerk von ihrer Großmutter und Mutter gelernt, mit den beiden hatte sie einen Crochet Club, von dem sie heute noch stolz erzählt. Im Shop gibt es nicht nur wunderschöne, handgefertigte Designs, sondern auch Muster für alle, die die ikonischen Styles des amerikanischen Brands nachhäkeln möchten. Dominiques Spezialität? Gehäkelte Brautmode. Das hebt die Hippie-Hochzeit nochmal auf eine ganz neue Dimension, oder?

Ob neu oder gebraucht: Die schönsten handgemachten Exemplare aus den Onlineshops

Dieser Artikel enthält Affiliate Links, mehr darüber erfährst du in unserer Datenschutzerklärung. Dieser Artikel ist Werbung, da er Markennennungen enthält.

  • Fotos Runway
    Vogue Runway
  • Fotos Marie
    Janine Sametzky

Kommentiere

Weitere Artikel werden geladen...