Blau, blau, blau sind alle unsere Hosen

Ein Herbst ohne Jeans? Undenkbar! Doch diese Saison erobern neue Formen und Schnitte unseren Kleiderschrank

Bye bye, Bare Legs! Wer jetzt noch kurze Hosen trägt, der ist a) ein Fan von hautfarbenen Strumpfhosen und damit offiziell kein*e Freund*in mehr (Spaß!) oder b) sehr kälteresistent. Für mich ist jetzt jedenfalls die Zeit angebrochen – Tage mit 28 Grad bilden die Ausnahme – an denen ich mich morgens mit erwachsener Vernunft gerne in Strumpfhosen zwänge und ins Büro meine übliche (und sehr hässliche) alte Strickjacke über den Schreibtischstuhl hänge, damit sie mich jederzeit wärmt.

Corona sei dank sind hier im Beige Office auch alle sehr lüftungsmotiviert, was dazu führt, dass ich, während ich diesen Artikel schreibe, gerade mit den Zähnen klappere – und das trotz Sonne und 20 Grad Außentemperatur. Lange Rede, kurzer Sinn: Der Herbst ist da, wir können es nicht mehr leugnen.

Das hat aber für Umwelt und Mode nicht nur Nachteile, sondern birgt auch gewisse Chancen. Zum Beispiel die verwaisten Jeans mal wieder aus dem Kleiderschrank kramen, die Strickpullover in die Schubladen einsortieren (Mottenschutz im Schrank nicht vergessen!) und sich endlich in Boots keine Blasen mehr laufen.

„I wish I had invented blue jeans. They have expression, modesty, sex appeal, simplicity — all I hope for in my clothes.“

Yves Saint Laurent

Nachdem wir Jahrzehnte in Bootcut-Jeans verbrachten und danach komplett den Röhrenjeans verfielen, sind mittlerweile hochgeschnittene Straight Leg Jeans die Norm, ganz zu meiner Freude, denn das ist auch mit Abstand mein liebster Schnitt. Dass das jetzt nach mehreren Jahren langweilig wird, kann ich gut verstehen. Umso mehr freue ich mich darüber, im Herbst auch andere Modelle auf der Straße zu sehen.

Ihr wünscht euch auch mehr Abwechslung an den Beinen? Dann habe ich hier ein paar Outfit-Inspirationen inklusive herbstlicher Playlist für euch zusammengestellt. Einige Looks habe ich so genau im Kleiderschrank, bei anderen arbeite ich noch daran ...

P.s. Klickt einfach auf die Looks und ihr gelangt direkt zu allen Onlineshops!

Bootcut

Bootcut, ach, was haben wir dich vermisst. Ich kann mich noch gut an meine erste teure Markenjeans in der Schule Anfang der 00er-Jahre erinnern, es war eine Levi's Bootcut-Jeans, die ich so oft, lange und gerne trug, dass sie irgendwann am Hintern, am Knie und im Schritt riss. An drei Stellen! Das habe ich danach bei keiner anderen Jeans mehr geschafft. Doch wie das so oft mit der ersten Liebe ist, nach einer Zeit der Unzertrennbarkeit kam die Kontaktsperre … und ich schwor der Schlaghose ab.

Mittlerweile habe ich mich an ein weißes Modell herangetraut und muss zugeben, dass mir die Schuhwahl noch etwas schwerfällt, aber jetzt im Herbst und Winter sind spitze Boots wahrscheinlich der perfekte Partner!

Ballon-Jeans

Ballon-Jeans. Ja, klingt erstmal nicht wirklich sexy, sondern eher nach Pampas-Po. Ich hatte auch lange Zeit meine Aversion, obwohl sich diese doch eher gegen die (schrecklichen) Jodpur-Hosen meines Freundes richteten, wie sich herausstellte. Denn die Ballon-Jeans, die gerade Instagram erobern, haben wenig mit den schlimmen Karottenjeans der 80er-Jahre oder klischeehaften Entdecker*innen in Indien zu tun. Stattedessen sind sie super bequem, sehen lässig aus, lassen Platz für den ein oder anderen zu großen Mittagssnack und im Winter kann man im Notfall sogar eine Strumpfhose darunter tragen – auch wenn ich mich dagegen so lange wie es geht wehre und lieber friere.

Jetzt spulen wir aber nochmal kurz zurück: Der Trend 2020 kam von DEM Denim-Hersteller schlechthin: Levi's launchte nämlich Anfang des Jahres die Balloon Leg Jeans. Was man dazu kombiniert? Shoe-wise sind euch keine Grenzen gesetzt, wer auf den Oversized-Look steht greift neben der lockeren Jeans auch auf ein großes Oberteil zurück, alle anderen setzen eher auf figurbetonte Shirts.

Paperbag

Paperbag. Was hat der neue Jeanstrend denn bloß mit einer Papiertüte zu tun. Das habe ich mich auch lange Zeit gefragt, die Antwort ist aber eigentlich ganz simpel: Der Schnitt in der Taille erinnert an eine zusammengeknüllte Papiertüte. Was die Paperbag-Jeans eigentlich ist? Eine viel zu große Jeans, die in der Taille von einem Gürtel oder einem Gummizug zusammengehalten wird. Die Beine sind eher locker, manchmal auch ballonartig geschnitten, bei den Waschungen gibt es keine Grenzen.

Ausreden, dass die Jeans aufträgt? Will ich nicht hören! Denn auch hier findet jeder garantiert das richtige Modell für seine Körperform und Vorlieben. Der Trend ist bei der High Street eingeschlagen wie eine Bombe, dementsprechend gibt es gerade viele günstige Modelle, bei denen man preiswert mal ausprobieren kann, ob das Modell einem steht. Anprobieren ist bei Jeans schließlich immer ein Muss!

Wide leg

Aber nicht nur die 80er-Jahre feiern ihr Comeback, nein, auch die Neunziger lassen uns einfach nicht in Ruhe – wie man an Lederblazern und Mänteln, klobigen Schuhen, Tattoo-Ketten und Shackets erkennen kann. Ein weiteres Highlight, was uns jetzt wieder beehrt? Wide Leg Jeans. Und nein, ich meine damit nicht Seventies-Flares, sondern die Jeans, die tiefer geschnitten sind und ab den Oberschenkeln extrem weit werden. Ganni hat den Trend auf den Punkt abgeliefert!

Was man dazu kombiniert: Natürlich alle 90er-Trends zusammen! Es kann also gar nicht trashig genug sein, wer mag und einen Knöchelbruch riskieren möchte, kramt die Buffallos wieder raus, alle anderen beschränken sich vielleicht auf Sneakers und einen Lederblazer. Vollendet den Look: Space Buns. Wer eine helle Jeans wählt und dazu Pastellfarben kombiniert, wirkt gleich ein bisschen freundlicher!

Utility Denim

Oh nein, bitte nicht! Vor der Rückkehr des Military-Trends fürchte ich mich ja ehrlich gesagt ein bisschen, auch wenn die ersten zarten Vorboten mir eigentlich (erschreckenderweise) ganz gut gefallen. Utility-Jeans, was ist das? Das sind Jeans, die möglichst viele Taschen aufgenäht haben (sozusagen die Anglerweste für coole Twens mit integrierter Handytasche). Trägt vielleicht ein bisschen auf, erst recht, wenn man die Taschen voll stopft, macht mir aber gar nichts!

Stattdessen versuche ich alle Camouflage-Assoziationen zu verdrängen und sehe vor meinem inneren Auge J.Lo, wie sie das Jacquemus-Ensemble aus Cashmere mit den Gummibootss von Ganni und ganz viel Goldschmuck kombiniert, und freue mich sogar ein klitzekleines bisschen, dass Slvrlke das Revival der 90er-Jeans so stilvoll gelungen ist!

Denim-Dungarees

Okay, ich gestehe: Ich bin süchtig nach Latzhosen. Ich trage, während ich diese Zeilen gerade tippe, auch ein weißes Modell aus Cord. Kein Kleidungsstück fühlt sich so sehr wie ich an, nie habe ich Probleme die Overalls zu kombinieren, stattdessen ergeben sich die Outftis morgens vor dem Kleiderschrank quasi von selbst. Im Sommer kann man die Latzhosen, die die unterschiedlichsten Schnitte und Styles haben können, perfekt mit kleinen Blusen kombinieren, im Winter ist ein Strickpullover der beste Partner für kalte Tage.

Welches Modell fehlt mir noch in meiner Sammlung? Mal sehen, also ich habe schwarzen und weißen Cord, ein klassisches Jeansmodell (und ein Back-up falls die Lieblingslatzhose reißt), eine hellblaue und eine knallrote Jeans! Was gerne noch dazu kommen darf? Eine weiße Latzhose mit durchgängiger Knopfleiste und weitem Bein – so richtig Seventies-like!

Schon in Herbststimmung? Dann kommt hier die richtige Playlist für gemütliche Tage:

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