Auf dem Radar: Das nachhaltige Berliner Label Ivy & Oak

Wir trafen Caroline Gentz, Gründerin und Geschäftsführerin, zum Gespräch

Caroline Gentz ist eine Frau, die vor keinem großen Namen zurückschreckt. Weder vor Zalando, wo sie als Designerin arbeitete, noch vor allen anderen Luxusbrands und Fast-Fashion-Ketten, denen sie mit ihrem Brand Ivy & Oak mächtig Konkurrenz macht – und das auf die nachhaltige Art und Weise. Vor drei Jahren gründete Caroline in Berlin ein faires Label mit dem Ansatz Kleidung zu entwerfen, die man weder aufgrund von schlechter Qualität noch von zu trendorientierten Designs schon nach wenigen Monaten oder gar Wochen wieder aus dem Kleiderschrank aussortiert.

Ganz im Gegenteil, die Mode von Ivy & Oak (dt. Efeu und Eiche) soll für die Ewigkeit gemacht sein. Sie passt sich dem Alltag (entspannte Freizeitmode, lässige Businesslooks) sowie den besonderen Momenten des Lebens an (Brautkleider, Umstandsmode) und ist damit nie inaktuell.

Dazu kommt, dass für sie Transparenz eine große Rolle spielt. Auf der Website lässt sich die Preiskalkulation für ein Abendkleid, ein Brautkleid und einen Mantel einsehen, 80 Prozent der Kollektionen wird in Europa gefertigt, alle CO2-Emissionen des Unternehmens werden kompensiert und viel in Klimaschutz investiert.
Wir haben mit Caroline gesprochen und hinter die Kulissen des Start-ups aus Berlin, das im Jahr mehrere Millionen Euro umsetzt – und damit als Vorbild für viele kleinere faire Labels dient –geblickt. Anlass war der heutige Launch der neuen Sustainable Capsule Collection. Was es damit auf sich hat, verrät Caroline selbst im Interview:

Was sind die Hürden, die man als nachhaltiges Label nehmen muss?

Als Erstes ist es wichtig, zu definieren was Nachhaltigkeit überhaupt für das Label bedeutet. Damit einher geht eine langfristige Vision mit konkreten Meilensteinen. Um diese Vision zu verwirklichen, braucht man den Buy In und Input von allen Beteiligten, wie Mitarbeitern, Zulieferern, Kundinnen und Investoren. Es geht nur in Zusammenarbeit, wenn alle mitgehen.

Konkret bin ich davon überzeugt, dass Transparenz essenziell für den positiven Wandel in der Mode ist. Um wirklich zu verstehen, wie der Fußabdruck eines Modelabels aussieht, muss man genau wissen, woher die Produkte und die Zutaten herkommen, wie sie hergestellt wurden und vor allem von wem. Nur so findet man heraus, wo die Hebel liegen, die wir bewegen müssen, um uns stetig zu verbessern. Das hört sich zwar selbstverständlich an, allerdings sind heutzutage die Lieferketten in der Modebranche (und auch in anderen Wirtschaftszweigen) unglaublich komplex und oft undurchsichtig. Es ist nicht immer einfach, hier Transparenz reinzubringen. Aber genau das ist die Voraussetzung, um nachhaltig zu wirtschaften.

Wie reagieren Kundinnen auf deine Preistransparenz?

Die Kundinnen sind in erster Linie überrascht, wie hoch die Mark-Ups der konventionellen Brands sind, die ihre Stücke meist für das 6-10-fache des Produktionspreises anbieten. Das ist vielen gar nicht bewusst, daher kommt unser kundenfreundliches Konzept natürlich sehr gut an. Wir fahren schlichtweg ein faireres Modell für alle.

Inwiefern unterscheidet sich eure Sustainable Capsule Collection von den anderen Kollektionen?

Bei Ivy & Oak haben wir schon immer Wert auf faire Produktion und nachhaltige Designs gelegt. Die Sustainability Capsule kombiniert nun nachhaltige, aber auch recyclebare Materialien, faire Produktion in Europa, kurze Transportwege und bewusstes Design. So sind beispielsweise unsere Maternity Styles auch tragbar, wenn die Kundin nicht schwanger ist. Wir wollen testen, wie wir unsere Designs noch langlebiger machen können. Außerdem wollen wir mit dieser Capsule auch sehen, wie unsere Kundin reagiert und in einen Austausch treten. Mode ist sehr persönlich und ein Weg, seine Werte nach außen zu tragen. Deshalb ist nachhaltige Mode immer multidimensional. Nicht nur die Haptik der Stoffe und der Schnitt, sondern das gesamte Konzept muss angenommen werden.

„Ich liebe Mode, aber ich schäme mich zum Teil für das, was in dieser Branche vor sich geht und welch negativen Einfluss Mode auf die Umwelt hat.“

Was glaubst du muss sich in der nachhaltigen Mode zuerst ändern: Angebot oder Nachfrage?

Angebot und Nachfrage müssen immer miteinander einhergehen. Ich habe Ivy & Oak damals klar auf eine Produktnachfrage hin entwickelt: stilvolle, zeitlose Mode, mit viel Liebe zum Detail, Begleiter für all die wichtigen Momente im Leben einer Frau. Preis Leistung musste stimmen, aber es musste auch meinen eigenen Werten und Ansprüchen gerecht werden.

Ich liebe Mode, aber ich schäme mich zum Teil für das, was in dieser Branche vor sich geht und welchen negativen Einfluss Mode auf die Umwelt hat. Die Produktion unserer Kleidung kann nicht ohne die kontinuierliche Auseinandersetzung mit Arbeitsbedingungen, Entlohnung, ökologischen Auswirkungen, Ressourcennutzung und Treibhausgasemissionen gedacht werden – um nur einige Beispiele zu nennen. Neben der Kundin und den Modeunternehmen, sind natürlich auch die Stoffhersteller, Produzenten in jeglicher Form, die Politik, die Bildungsinstitutionen, Investoren und andere Akteure wichtig.

Statt den Fokus also rein auf Angebot und Nachfrage zu legen, bin ich der Meinung, dass wir ein stärkeres systemisches Denken brauchen, um echten Wandel herbeizuführen. Ich denke hier konkret an innovative Geschäftsmodelle, ein erweitertes Konsumverständnis, neue Recyclingtechnologien und Investitionen in umweltfreundliche Produktionstechnologien, aber auch zwingend weltweit schärfere Gesetze. Die zentralen Fragen rund um Innovation in der Art der Entwicklung müssen bereits in die Ausbildung der nächsten Generation an Designern und Produktentwicklern fließen. Generell brauchen wir mehr Kooperation und Austausch zwischen den verschiedenen Akteuren.

Wie setzt du Nachhaltigkeit zusätzlich zu der Produktion in deinem Unternehmen um?

Teil unserer Philosophie sind langlebige Designs. Bereits in der Designphase eines Kleidungsstücks wird seine Lebensdauer bestimmt. Wir kreieren zeitlose Stücke aus hochwertigen Stoffen und in bester Verarbeitung, damit unsere Kundin sie lange und oft tragen kann. Das ist ein wichtiger Teil von nachhaltiger Mode. Auch wollen wir mehr und mehr weg von dem saisonalen Gedanken.

Wir setzen nicht auf Quantität, sondern auf Qualität. Unser Ziel ist es nicht, möglichst viele verschiedene Styles anzubieten, sondern Stücke, die vielseitig einsetz- und kombinierbar sind. Vor allem aber überzeugen wir durch hochwertige Qualität. Ein Kleidungsstück muss eine Frau länger als nur eine Saison begleiten können.

 Als Digital First Brand müssen wir uns außerdem mit den Umweltauswirkungen von Versand und Verpackung auseinandersetzen. Unsere Versandkartons, Hang- und Sicherheitsetiketten sowie unsere Polybags sind aus recycelten Materialien hergestellt und recyclingfähig. Außerdem versuchen wir hier neue Alternativen zu finden, um Verpackungsabfall zu reduzieren. Ein anderer Weg, um Emissionen einzusparen ist eine besonders ausführliche Informationsbereitstellung in unserem Onlineshop, damit unnötige Paketsendungen vermieden werden. Wir haben uns auch dazu entscheiden, die bisher unvermeidlichen CO2 Emissionen, die durch den Versand unserer Pakete und den Betrieb unserer Website entstehen, zu kompensieren. Hier fördern wir ein Projekt über die NGO Klimakollekte. 

Unsere Muster aus dem Entwicklungsprozess bieten wir günstig bei unserem jährlichen Sample Sale an und verteilen sie auch intern an Mitarbeiterinnen und Freundinnen. Kleidungsstücke, die wir nicht verkaufen, spenden wir an lokale Wohltätigkeitsorganisationen und das sind nur ein paar wenige Beispiele. Wir machen so viel und kommen gar nicht genug dazu es überhaupt mal zu kommunizieren. Für uns ist Nachhaltigkeit kein Marketing Gag.

Wie wichtig ist der stationäre Handel für ein junges Unternehmen wie euch?

Im Mai 2018 haben wir in Berlin Mitte unseren ersten eigenen Retailstore in der Münzstrasse, in der Nähe der Hackeschen Höfe eröffnet. Die Fläche entwickelt sich, trotz der eher kleinen Größe, ganz prächtig. Wir sehen unseren Channelmix zwar weiterhin klar online fokussiert, denken aber, dass wir der Kundin auch die Möglichkeit geben müssen, unser Produkt vor Ort kennenzulernen und anzuprobieren. Die Besonderheit unserer Qualität lässt sich online nur schwer kommunizieren. Dazu kommt, dass unsere Durchschnittskundin zwar 32 Jahre alt ist, wir aber eine unglaubliche Altersreichweite von 25-50 Jahre bedienen, also nicht nur die typische Online-Only Shopperin.

Wie siehst du den Stellenwert von Instagram für ein Modelabel?

Instagram war und ist für uns in erster Linie eine Plattform für visuelle Inspiration und News, ein wenig Behind the Scenes und ein schönes Tool für Kollaborationen.

Nach und nach entwickelt es sich natürlich auch für uns zu einem Verkaufskanal. Da unsere Kundin jedoch wie gesagt zwischen 25 und 50 ist, ist es für uns eine Herausforderung unsere Zielkundin hier ganzheitlich zu erreichen.

Was ist euer Bestseller?

Wir sind die Brand für den besonderen Moment. Das Kleid an sich ist unser wichtigstes Item im Sortiment.

 

„Die Zukunft gehört denen, die an die Wahrhaftigkeit ihrer Träume glauben.“

Was macht ein Kleidungsstück so zeitlos, dass wir es jahrelang in unserem Kleiderschrank behalten?

Der Schlüssel liegt darin eher schlichtes Design mit einem besonderen Twist und Detail zu verbinden und immer den Gedanken der Kombinierbarkeit zu wahren. Unser Angebot passt sich somit dem Leben der Kundin voll und ganz an. Egal ob im Office, beim Brunch mit der besten Freundin, ein Sommerfest bis hin zur Hochzeit.

Wie schaffst du es, dass deine „klassischen“ Designs wie Blazer oder Abendkleider nie langweilig wirken, aber dennoch nicht zu trendorientiert sind?

Wir folgen generell keinen Trends, sondern einem Gespür für Stil. Wir verstehen, was unsere Kundin sucht, und schaffen eine hochwertige Alternative zu Fast Fashion und eine günstigere Alternative zu überteuerten Luxus Brands. Unseren zeitlosen Designs fehlt es nie an spannenden Details und unsere Qualität und Preis Leistung ist unschlagbar. Unsere Kleidungsstücke sind langlebig.

Was ist der nächste konkrete Schritt für Ivy & Oak?

Wir haben noch eine große Reise vor uns und speziell was das Thema Transparenz betrifft, arbeiten wir auf Hochtouren daran auch unsere Kunden noch viel mehr mitzunehmen und miteinzubeziehen auf unserem Weg. Umdenken ist und bleibt unsere Devise. Des Weiteren werden wir unsere Direct to Consumer Strategie weiterverfolgen und stärken.

3 Dinge, die du in den letzten 3 Jahren gelernt hast?

Ich würde es ungern auf drei Dinge und ungern auf die letzten drei Jahre beschränken. Ich habe in den letzten Jahren so viel gelernt, dass ich ein Buch schreiben könnte, über Ziele, Ängste, Erfolge, Enttäuschungen, über was Mut oder Vertrauen für mich bedeutet und warum Hinfallen so wichtig ist. Ich teile jedoch gerne kurz und knapp eine mir sehr wichtige Weisheit: Die Zukunft gehört denen, die an die Wahrhaftigkeit ihrer Träume glauben.

Vielen Dank für das ausführliche Interview, liebe Caro!

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