Die Lobeshymne auf das Lotterleben in Leggings

Warum man das Homeoffice am besten in Jogginghose genießen sollte

Ach, wie schön es doch sein könnte. Wie schön die Ruhe in den Straßen, die Leere im E-Mail-Postfach und der Schaufensterbummel ganz ohne Kaufzwang in der Mittagspause. Das Leben ist so gut wie zum Stillstand gekommen. Für einige Beschäftigte mehr, für andere weniger, aber außerhalb von Krankenhäusern, Arztpraxen oder Supermärkten ist es in der Stadt sehr ruhig geworden.

Die Menschen sind zu Hause, da gehören sie gerade auch hin, und ich wäre gerade zu gerne Mäuschen, um einmal in alle Wohnungen und Häuser hineinzuschauen und zu sehen, was ihr da draußen, bzw. drinnen so treibt.

Was ich mir erhoffe zu sehen? Ganz viel Lotterleben!

Was ich damit meine? Morgens Pizza essen, in der Mittagspause eine Folge der neuen Serie auf Netflix schauen, ungeduscht am Schreibtisch sitzen und vor allem eines: endlich mal in Schlumpfklamotten aka Athleisure abhängen. Denn während viele da draußen gerade versuchen, auch im Homeoffice immer noch wie aus einem Editorial aus der Vogue auszusehen, plädiere ich dafür, dass man die Freiheit, sich morgens nicht schick anzuziehen, nutzen sollte! #stayhomestaylottrig sozusagen!

Denn jetzt überlegt doch mal ganz genau: Wann hattet ihr das letzte Mal die Chance ohne fette Erkältung oder hartnäckigen Infekt sieben Tage die Woche in Leggings und Jogginghose zu verbringen? Und das ohne schlechtes Gewissen? Richtig! Noch nie!

Lotterleben for life

Seit zwei Jahren arbeite ich im Homeoffice und ich bilde mir ein, schon etwas Erfahrung gesammelt zu haben. Über Tipps wie: „Zieh dich morgens an, dann arbeitest du effektiver“, kann ich mittlerweile nur noch lachen. Denn bitte legt mir die wissenschaftliche Studie vor, die das beweist. Solltet ihr keinen wichtigen Videocall mit dem Chef haben (oben hui, unten pfui), dann garantiere ich euch: In Jogginghose tippt es sich genauso schnell wie in Jeans, in einer Bluse kann man sich genauso schlecht konzentrieren wie in einem Hoodie, wenn ein gelangweiltes Kind die ganze Zeit neben dir „Maaaaamaaaa“ schreit. Dem Kind ist es im Endeffekt auch schnurzpiepegal, ob Mama oder Papa in Lotterlook oder im Anzug vor dem Bildschirm hocken, deine Homeoffice-Pläne wird es so oder so durchkreuzen.

Warum solltest du es in dieser Situation nicht also bequem haben?!

Nimm den Druck raus

Generell bin ich von dem Druck, den viele auf Social Media verbreiten, jetzt schon genervt. Im Homeoffice scheint der Leistungsdruck nicht abzuflachen, ganz im Gegenteil, ich habe das Gefühl, dass manche so gestresst sind, wie noch nie – und das liegt noch nicht mal an der ständigen Überwachung der altmodischen Chef*innen, die glauben, dass man zu Hause nicht effektiv arbeitet, sondern nur noch vor dem Fernseher abhängt, sondern vor allem an den ganzen Homeoffice-Tipps, die gerade im Internet kursieren.

Tue dies, um effektiv zu sein, zieh dich schick an, um dich besser zu fühlen, mach' jeden Tag Sport, damit du nicht zunimmst, weil du nicht mehr ins Fitnessstudio kannst, ernähre dich gesund, obwohl der Frust Lust auf Fastfood macht. Ach so, und negative Gefühle sind in der Instagram-Bubble natürlich auch nicht erwünscht. Angst? Lass und damit bloß in Ruhe! Einsamkeit? Warum facetimst du nicht einfach mal ein bisschen?

Irgendwie erinnert mich dieser ganze Homeoffice-Mach-das-Beste-draus-Druck an das Video, das erst vor kurzer Zeit online ging: „Be A Lady They Said“, gesprochen von Schauspielerin und Politikerin Cynthia Nixon. Jetzt klingt das ganze eher so:

Be in the home office they said. Work from home. Be efficient. Work harder to save your company. Be a good mother. Home school your kids. Don't be too strict. They have to learn every day. Have a good time together. Stay at home. Children need fresh air. You always have to be reachable in the home office. Treat yourself to breaks. Don't be lazy. Exercise every day. Don't gain weight. Support small businesses. Save your money. Be Charitable. Buy new expensive sweatpants made of cashmere. Dress up chic every morning. Don't spend too much money. Be positive. It's ok if you're scared. Make the best of every day. Be in home office they said.

Schluss damit! So eine Zeit werden wir in unserem Leben hoffentlich nie wieder erleben, darum mach nicht das Beste daraus, sondern leb einfach so, wie du dich fühlst. Genieß es, dass du das Haus nur für Spaziergänge und Joggingrunden verlassen kannst, trag im Homeoffice so bequeme Klamotten, wie du willst, starte den 10. Netflix-Marathon, lies das 20. Buch in dieser Woche und lerne endlich, wie man kocht – und das möglichst kreativ mit den Resten aus deiner Speisekammer.

Nichts muss, alles kann!

Leger in Leggings

Wenn ihr euch fragt, wie mein Homeoffice aussieht? Ich arbeite sicherlich nicht eine Minute weniger und träume davon, endlich mal mit dem Stricken oder Zeichnen loslegen zu können, aber hey, Beige schreibt sich nicht von alleine – aber ich sehe die meiste Zeit dabei ziemlich lässig lotterig aus. Bald sind all meine Yoga-Leggings in der Wäsche, ich habe noch nicht einmal ein Home Workout gemacht (ich mache sonst nur Reformer Pilates, auf der Matte Sport ist für mich eine Überwindung, ebenso wie Joggen), esse so viel Nuden wie schon seit Schulzeiten nicht mehr, meine Haut sieht aus wie die eines 14-jährigen Teenagers, an Make-up denke ich aber nicht mal.

Auch meine Haare sehen dank geschlossenen Friseuren nicht mehr ganz so frisch aus, aber auch das nehme ich gelassen und trage 24/7 Dutt. Jeden Tag möchte ich gerne Fotos für euch schießen, aber ich kann mich nicht dazu überwinden mich morgens zu schminken oder eine enge Jeans anzuziehen – und nach den Kilos Nudeln sitzt sie bestimmt enger, aber das ist mir sch**** egal!

Gerade geht es nicht darum, möglichst gut angezogen zu Hause herumzusitzen, sondern in der Zeit so zu leben, wie ihr euch fühlt. Habt ihr an einen Tag Angst und könnt das Bett nicht verlassen, dann ist das halt so. Am nächsten Tag wollt ihr rote Lippen und ein Kleid zum Spaziergang anziehen? Go for it!

Ach und P.S. Cashmere-Jogginghosen sind gar nicht so toll wie alle immer sagen, die pillen zwischen den Beinen nämlich verdammt doll!

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