Ein Trend mit sieben Siegeln

Früher Zeichen von Spießigkeit, heute Trend: der Siegelring wandert vom kleinen Finger in die Vogue

Ok, ich gebe zu, dass dieser Trend vielleicht langsam nicht mehr als ein solcher bezeichnet werden kann, sondern eher als ein modisches Essential. Notwendig ist so ein Siegelring zwar ebenfalls nicht, außer ihr schreibt noch regelmäßig Briefe, habt ein Tintenfass aus dem Schreibtisch und versiegelt diese vor dem Verschicken, weil ihr der Deutschen Post nicht traut, schön anzusehen ist er aber allemal. Und unisex noch obendrein. Doch woher kommt der Siegelringtrend eigentlich, welche Brands haben die schönsten Modelle und welche Materialien gibt es? Das zeige ich euch jetzt:

Die Geschichte des Siegelrings

Bevor es Personalausweise, Linkedinprofile und Instagramaccounts gab, brauchten Leute etwas, mit dem sie sich identifizieren konnten – Fotografien waren schließlich noch lange nicht erfunden, die Maler nicht immer die besten – woher sollte man sonst wissen, welchen Grafen man da vor sich hat? Die einfache Lösung: Siegelringe. Ein Zeichen von Zugehörigkeit, Autorität und Macht.

Denn einen Siegelring brauchte nur der, der Dokumente zu versiegeln hatte. Lesen und Schreiben war keine Selbstverständlichkeit, sondern war nur denen vorbehalten, die entweder die richtige DNA besaßen oder den Sack voll Geld. Davon hatte die Oberschicht aka der Adel mehr als genug.

Wie das mit "elitären“ Besitztümern immer so ist, wollte die Unterschicht natürlich das haben, was die Oberschicht hatte und zack, auf einmal ploppten überall Familienwappen auf. Schnell schloss sich auch die Ivy League an und die elitären Hochschulen in Amerika kreierten ihre eigenen hochexklusiven Siegelringe. Dieser wird Klassenring genannt und zeigt das Schulwappen, das Abschlussjahr und die meist sportliche oder künstlerische Aktivität, in der der Absolvent besonders gut war.

Auf welchem Finger trägt man den Siegelring?

Zunächst einmal: Tragt den Ring doch einfach dort, wo ihr ihn schön findet. Ich finde Vorschriften doof und jeder kann 2020 machen, was er will. Da der Siegelring aber ein traditionsreicher Trend ist, möchte ich euch mitgeben, was Bräuche sagen. Die meisten von uns werden Siegelringe noch vom Opa kennen, der ihn meist auf dem kleinen Finger trug. So wie er machten das viele Menschen, denn Siegelringe am kleinen Finger galten lange Zeit als schick – bis man aus schick snobby wurde. Eigentlich trägt man den Siegelring wegen seiner Funktion (Briefe zu verschließen) am Ringfinger und zwar so, dass das Gegenüber die Gravur lesen kann und nicht ihr selbst.

Die verschiedenen Styles der Siegelringe

Klassischer Siegelring mit Monogramm oder Wappen

Ich gehe mal davon aus, dass der Großteil von euch kein eigenes Familienwappen hat. Ich leider auch nicht, schade! Aber kein Grund zu verzagen, auch ohne Elite-Ausbildung dürfen wir uns mit Siegelringen schmücken. Kreative denken sich ein Wappen oder auch ein anderes Motiv aus, klassischer ist da das Monogramm. Auch ein ganz netter Liebesbeweis, wie ich finde…

Minimalistischer Siegelring

Noch minimalistischer als das Monogramm ist da der schlichte Siegelring mit glatter Oberfläche. „Nein, der ist nicht graviert, ja, das soll so“, müsst ihr vielleicht mehreren Menschen einer anderen Generation erklären, ich finde den Siegelring ohne Siegel aber eigentlich am stärksten von der Aussage: kein Name, keine Familie, keine Herkunft, einfach nur der Ring selbst. So wird aus einem ehemaligen Statussymbol ganz schnell: „Ich hab das alles nicht nötig.“ Wer sich hier absetzen will, spielt mit Größe, Material und Form, denn da gibt es, wie ihr oben seht, ganz unterschiedliche Modelle.

Siegelring mit Edelsteinen oder Diamanten

Mehr ist mehr. Bei Schmuck ist das definitiv auch meine Devise. Wer sich gegen einen klassischen und einen minimalistischen Siegelring entscheidet, dem steht die Welt offen. Ob Brillanten, Edelsteine, Perlmutt oder sogar alles kombiniert, Individualität wird hier ganz groß geschrieben. Meine persönlichen Favoriten sind ja klassisch mit Diamanten besetzt (siehe unten links der Ehering meiner Träume), mit bunten Opalen oder einem kleinen Stern mit eingefasstem Diamant.

Die coolsten Brands für Siegelringe

Tom Wood

Lange Zeit glaubte ich, dass Tom Wood ein amerikanischer Designer mit Sitz in Los Angeles ist. Überraschung! Hinter dem Label Tom Wood steckt eine Frau, nämlich Mona Jensen, die 2013 das Brand in Norwegen gründete. Ich war also auf dem absoluten Holzweg. Die Gute kann nicht nur Siegelringe, in den ist sie meiner Meinung nach sogar DIE Meistern, sondern auch ziemlich tolle Mode für Mann und Frau. Wo ihr das Label außerhalb des World Wide Webs finden könnt? Zum Beispiel im Bon Marché in Paris, im Dover Street Market in London, im Soto Store in Berlin, im The Listener in Frankfurt am Main und im The Store vom Soho House in Berlin. Nix wie hin da!

Margova

Über Margova muss ich euch (hoffentlich) nicht mehr viel erzählen, denn Denitza zählt zu den Designgrößen Deutschlands und ist mittlerweile schon seit fünf Jahren dabei. Inspiriert wird die geborene Bulgarin und Wahl-Berlinerin bei ihren Designs meist von Erbstücken. Gefertigt wird dann per Hand, mit Vintage oder recyceltem Gold in 14 Karat. Der Siegelring gehört mittlerweile zu DEN ikonischen Designs von Denitza Margova.

Missoma

Missoma, DER britische Onlineshop für qualitativen und bezahlbaren Modeschmuck, tauchte bei mir erst so richtig durch die Kooperation mit Lucy Williams auf. Seitdem kann ich mir meine Schmucksammlung aber nicht mehr ohne die Designs vorstellen, denn trotz des sehr bezahlbaren Preises haben die Stücke eine unfassbar gute Qualität. Schwitzen, Wasser, Sonne, Meer – das alles machen sie bei mir seit Jahren problemlos mit. Hut ab! P.s. Bald launcht die neue Kooperation von Lucy Williams mit dem Titel: „1987“.

Maria Black

Was Lucy Williams für Influencer ist, ist Maria Black für Schmuckdesigner. Die Dänin ist seit Jahren on top of the game. Mit klassischen und doch trendigen Designs beweist sie, dass man seine DNA als Label nicht ständig verändern muss, um lange erfolgreich zu sein. Ihre Inspiration findet sie dabei in David Bowie, dem Haus ihrer Großmutter und fernen Kulturen. Klappt ziemlich gut, ist ziemlich unisex und ziemlich cool!

Laura Lee Jewellery

Laura Lee entdeckte ich bei einer London Reise vor bestimmt sechs Jahren und kaufte mir schon dort einen kleinen Siegelring mit meinem Monogramm, ich Trendsetter. Nein, jetzt mal ehrlich. Die britische Designerin ist schon seit 1985 im Business und damit ein Urgestein der Siegelringe. Das alles begann, als sie von ihrem Vater Pailletten bekam und ihre erste Kette fertigte. Wenn ihr in London seid, schaut unbedingt im Covent Garden in ihrer Boutique vorbei.

Holygoldy

Franziska von Hardenberg kennt ihr ja alle bestimmt von ihrem Unternehmen Bloomy Days. Mittlerweile wird das Unternehmen von Fleurop weitergeführt, aber Sissi hat, so empfinde ich es jedenfalls, wenn ich ihre Insta Stories sehe, ihre wahre Passion gefunden: Holy Goldy. Hier bot sie anfangs vor allem personalisierten Schmuck in Echtgold an, mittlerweile sind aber auch wunderwunderschöne Ringe mit im Programm, die sie zusammen mit einem traditionellen Familienunternehmen in Pforzheim, der Schmuckstadt in Deutschland, fertigt. Ihr Siegelring mit Stern steht seitdem sie ihn launchte auf meiner Wunschliste – im Sparen muss ich noch ein wenig besser werden, dann klappt es vielleicht!

Yvonne Leon

Yvonne Leon stammt aus einer Schmuckfamilie – arbeitete zunächst aber als Moderedakteurin und Stylistin. Auf Flohmärkten und in der Schmuckschatulle ihrer Oma entdeckt sie dann ihre Liebe für Vintage Schmuck – und gründet daraufhin ihr eigenes Label. Bekannt sind vor allem ihre Siegelringe in Herzform aus bunten Edelsteinen und mit Diamanten, aber ihr solltet auch ganz dringend einen Blick auf die Ohrringe werden, ich sage nur Krebse – die finde ich so toll!

Saskia Diez

Wenn ich an deutsche Schmuckdesigner denke, dann fällt mir sofort Saskia Diez ein. Die Münchner Designerin hat es mittlerweile sogar auf Net-A-Porter geschafft, nicht schlecht! Sie fertigt vor allem in München, Pforzheim und Werne und das hauptsächlich mit recycelten Materialien. Mittlerweile sind ihre feinen Designs echte Klassiker – und doch erfindet sie sich jede Saison neu. Es bleibt spannend!

Wolf Circus

Der wirklich einzige Nachteil an Wolf Circus? Man muss mit Zoll rechnen, wenn man etwas vom Label aus Kanada bestellt. Dort wird alles handgefertigt mit Materialien wie recyceltem Sterling Silber oder recyceltem Bronze, was im Nachhinein dann mit 14 Karat Gold beschichtet wird. Die Siegelringe des Labels sind aufgrund ihrer zeitgeistigen Motive einzigartig, es lohnt sich also, den Weg zum Zollamt auf sich zu nehmen.

Weitere Modelle, die auf unserer Wunschliste stehen:

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