Alles andere als leise: Das Comeback der Clogs

Warum die Holzschuhe unsere Garderobe erobern und unsere Nachbar*innen uns dafür hassen

Klonk Klonk. Nein, das ist nicht der Anfang eines Kinderreims, sondern das Geräusch, das der neueste Schuhtrend macht. Denn ab jetzt wollen wir kein Flip Flop oder Klacker Klacker mehr hören, sondern den Boden mit dem wuchtigen Sound von Holzschuhen erschüttern. Wie alles in der Mode, ist auch dieser Trend nicht wirklich neu, sondern eher ein Revival oder Comeback – und hey, diesmal ist es ausnahmsweise sogar mal bequem. Zumindest für die Träger*innen, denn alle anderen müssen mit den Dezibel, die durch den Schuh erzeugt werden, wohl oder übel leben.

Welch anderer Fashion Trend beeinflusst seine Umwelt wohl so sehr? Klar, wenn die Arbeitskolleg*innen Neonfarben trägt, kann unser menschliches Auge das auch schlecht ignorieren, aber so wirklich stören tut es doch nicht. Anders jedoch die Clogs-Träger*innen. Hier hilft nur technisches Equipment oder das gute alte Ohropax aus der Apotheke, anders wird man das Schuhbeben leider nicht los. Kostenlos mitgeliefert mit Clogs kommt dafür der unfreiwillige Peilsender, denn verschwinden oder nähern kann man sich nicht mehr unauffällig.

Was Clogs über die Träger*innen aussagen? Sie sind mutig! Laut! Unabhängig und gehen ihren Weg, egal wie holzig er ist! Es sind Menschen, die sich ihre Cowprint-Hosen bei Humana suchen, ihre Sonnenbrillen-Sammlung dank vergessener Modelle in Restaurants und Bars erweitern und die gesamte Kollektion von Paloma Wool im Kleiderschrank hängen haben. Offene Clogs Träger*innen im Stil von Dr. Scholl hingegen stehen auf Schlagjeans, sind immer gehetzt auf dem Weg, ihre Kinder von der Schule abzuholen und fahren kleine, alte Autos – im großen Stil, aber mit winzigem Kofferraum. Doch so schick wie er heute daherkommt, war der Clog nicht immer.

Nein, weder in Holland noch in Schweden feiert der Holzschuh seine Herkunft, er ist eigentlich ein kühler Engländer. Doch fame wurde der Schuh erst als Arbeiterschuh auf den Feldern der Niederlande, als sogenannter Holzschuh. Die ältesten Modelle, die Archäologen fanden, stammen übrigens aus Amsterdam und Rotterdam und sind schätzungsweise aus den Jahren 1230 und 1280. Comeback ist also gar kein Begriff für das Wiederaufleben dieses jahrhundertealten Trends, ja, man könnte schon fast von Auferstehung sprechen.

Warum die Holzschuhe damals schon so beliebt waren? Holz war günstig. Die Herstellung einfach. Pappelholz im Block, und dann wurde geschnitzt, was das Zeug hielt. Als Obermaterial wurde meistens Leder benutzt, dass an der Sohle einfach festgenagelt wird. Mit den günstigen Arbeiterschuhen haben die Modelle von heute allerdings nichts mehr zu tun.

Was bleibt? Der gesunde Effekt. Abrollen ist mit der starren Holzsohle nicht so einfach, deswegen werden beim Gehen und dank des Festhaltens der Zehen mehr Muskeln benutzt. Sport machen und dabei gut aussehen? Clogs machen es möglich!

In den wilden Siebzigern erlebten Clogs ihr erstes Comeback und wurden in jeglicher Form, meist aber schlicht in Naturfarben, manchmal auch bemalt, zum Mode-Must-have. Naturverbunden, bodenständig, zurückhaltend und ein bisschen öko, genau danach sehnten sich die wilden Kinder der Seventies. Zu Abba ließ es sich darin bestens tanzen, ebenso protestieren – und das egal ob von Mann oder Frau.

Und jetzt, 2020, sind sie wieder zurück. Ist es Zufall, dass sie sich das Jahrzehnt des Klimakampfes ausgesucht haben? Bestimmt nicht! Zurück zu alten Traditionen und einem minimalistischen Lebensstil, da passt der Clog bestens rein mit seinen Naturmaterialien. 2016 war Gucci mit Alessandro Michele schon Vorreiter und produzierte die ersten Luxusclogs der Welt, Celine folgte, Dior launchte seine Clogs unter dem Namen „Diorquakes“ und auch Isabel Marant zog nach.

Diese Art von Schuh ist, trotz großes Logos und überteuerten Preisen, nicht für den Mainstream gemacht, weil sich dem die Schönheit des Clogs nicht immer erschließt. Es ist die Art von Schönheit, die Frauen wie Chloé Sevigny und Alexa Chung zu schätzen wissen, die Kund*innen von Christian Louboutin aber die Nase rümpfen lassen. Gartenschuhe, Bauerntreter? Der Clog hat viele Namen, die er nicht verdient. Aber vielleicht ist es auch gut so, dass nicht alle Menschen den ugly Schuhtrend verstehen, denn dann wäre er ja nicht mehr ugly, sondern einfach nur normal. Christian Louboutins Worte zum Clog-Trend: „Ich liebe flache Schuhe. Aber ich rede nicht von Clogs, verstanden? Keine Clogs, bitte! Wenn man das Geräusch hört, wenn jemand sich nähert, der High Heels trägt, dann hat man sofort eine Vorstellung von der Person. Und wenn man Clogs hört, was stellt man sich dann vor? Einen Esel.“ Ähm. Nö. Christians Meinung ist mir an dieser Stelle einfach mal schnurzpiepegal! Ich bin gerne ein clogstragender Esel.

Zeit, jemanden das Mikro vor die Nase zu halten, der Ahnung von Clogs hat. Zum Beispiel der Gründerin von No.6, DEM Clogs-Brand aus New York. „Unsere Kundinnen waren Frauen, die in Downtown mit Crocs an den Füßen herumgelaufen sind und ohne Make-up im Gesicht, die Mode ironisch verstanden haben. Jetzt haben wir Kundinnen, die vor acht Jahren noch Uggs getragen haben und deren Eltern Clogs für die Gartenarbeit in ihrem kleinen Landhaus tragen.“ Oh oh, hat der Clog also doch Potenzial zum It-Schuh?

Ja, vielleicht. Denn eine Sache garantiert der Clog doch ganz sicher. Man ist vom Boden (der Tatsachen) ganz weit entfernt, kann sich mit so ein bisschen Holz an den Füßen aus einer Millionenstadt wie Berlin oder New York mal eben in ein Landhaus träumen und Naturverbundenheit da spüren, wo eigentlich gar keine ist.

Clogs sind die umweltfreundlichen Dad-Sneakers. Und noch sind sie nicht beim Mainstream angekommen! Also seid schnell und lebt das #cloglife. Es ist laut, aufregend und alles andere als abgehoben!

Die Klassiker

Offene Clogs

Dieser Artikel enthält Affiliate Links, mehr darüber erfährst du in unserer Datenschutzerklärung. Dieser Artikel ist Werbung, da er Markennennungen enthält.

  • Fotos
    Vogue Runway

Kommentiere

Weitere Artikel werden geladen...