Zwei Männer, eine Beauty-Vision – Das Interview mit den Gründern von Woodberg

Wer schön sein will, muss dranbleiben. Das wissen auch Christian Jüttner und Armin Pourhosseini

von Ann-Charlott Karsten

Zwei Männer, eine Beauty-Vision. Mit ihrem Shop Woodberg haben Christian Jüttner und Armin Pourhosseini nicht nur einen realen, sondern auch einen virtuellen Schönheitstempel erschaffen. Alles Naturkosmetik, alles qualitativ hochwertig und alles von den beiden Gründern höchstpersönlich getestet. Kein Wunder also, dass die beiden waschechte Organic-Beauty-Profis sind. Ihr könnt von Glück reden, dass ich mich nicht vom fein ausgewählten Sortiment habe ablenken lassen, denn so konnte ich Christian und Armin ein paar Beauty-Geheimnisse entlocken.

Ihr verkauft Beauty-Produkte für sie und ihn. Wie wichtig ist es, dass Männer andere Kosmetik verwenden als Frauen?

Grundsätzlich sind wir gar nicht der Auffassung, dass es wichtig ist, dass Männer andere Produkte verwenden sollten als Frauen. Sie haben einfach andere Präferenzen. Nichtsdestotrotz haben die meisten Männer in der Regel Haare im Gesicht oder eine Hautbeschaffenheit, die Haarwachstum zulässt. Und diese wird entweder rasiert oder eben nicht. Somit benötigen Männer angepasste Produkte, wie zum Beispiel Cremes mit Aftershave-Eigenschaften oder Reiniger, die auch im Bart funktionieren. Oder sie brauchen Produkte, die es schaffen, die oft vernachlässigte Reinigung – ein Thema, das bei Männern im Vergleich zu Frauen seltener konsequent praktiziert wird – auszugleichen. Es gibt nach wie vor auch viele Männer, die den Anspruch haben, dass sich ihre Beauty-Praxis nicht vermeintlich weiblich anfühlt. Weder geruchlich, noch optisch, noch anwendungsspezifisch.

Was sollte man also konkret beim Schönheits-Shopping berücksichtigen?

Beachten sollte jede/r, dass sie/er auf die eigene Haut abgestimmte, effektive Produkte kauft, die guttun, aber auch gleichzeitig keinerlei Schäden verursachen. Weder für einen selbst, noch für die Umwelt.

Welche Fehler kann man dabei im besten Fall vermeiden?

Wir finden es schlimm, wenn man Cremes, Lotionen oder Seren kauft, die halb angebrochen ignoriert und dann weggeschmissen werden, weil sie beispielsweise nicht zum gewünschten Ergebnis geführt haben oder aus anderen Gründen nicht zur Anwendung kommen.

„Unser Ziel ist es, das Online-Erlebnis so zu formen, dass es im Vergleich zum Offline-Kauf nur wenige Unterschiede gibt.“

Ihr verkauft ausschließlich Naturkosmetik. Welche Unterschiede muss man in der Verwendung eurer Produkte zu herkömmlichen Drogerie-Marken machen?

Auch in Drogerien gibt es Naturkosmetik mit guten Inhaltsstoffen. Oft ist es nur so, dass die bekannten Drogeriepreise auch nicht ohne Grund zustande kommen. Meist durch eine geringe(re) Dosierung eben dieser (oft preisintensiveren) Wirk- und Inhaltsstoffe. Aus unserer Sicht ist es daher richtig, wenn man sagt, dass hochwertige Naturkosmetikprodukte effizienter sind und oft auch besser wirken können. Daher wird hier deutlich weniger Produkt benötigt.

Wie seid ihr ursprünglich bei Naturkosmetik gelandet? Gab es ein Schlüsselerlebnis?

Hochwertige Naturkosmetik ist für uns ein emotionales Thema. Wenn es sich um noch nachhaltigere Produkte handelt, dann trifft das schon lange genau unsere Rezeptoren. Eine bestimmte Doku hat vor langer Zeit ihr Übriges getan. Seitdem haben wir keine Lust auf Massenware, in der es einzig um Gewinnmaximierung geht. Wir haben Freude an kleinen Firmen, die mit Leidenschaft hinter ihren Produkten stehen. Klar, auch die wollen natürlich ihr Geld verdienen – aber mit gutem Gewissen und Überzeugung, dass ihre Produkte kompromisslos gut sind!

Warum ist Woodberg eigentlich kein reiner Männershop geworden? Habt ihr euch das Know-how für die Frauen-Produkte selber angeeignet oder hattet ihr da weiblichen Support?

Uns macht es einfach mega Spaß, auch Frauenprodukte zu testen und Frauen online oder im Ladengeschäft zu beraten. Ein Highlight ist, wenn man Frauen oder Männern etwas mitgibt, das letztlich zu einer starken und schnellen Verbesserung führt und man die Freude und Begeisterung bei den Kunden weckt. Das positive Feedback bekommen wir auf jeglichen Kanälen zurück. Und da wollen wir so viele Menschen wie möglich erreichen. Wieso 50 Prozent ausschließen, wenn gerade diese 50 Prozent oft sogar noch mehr Lust auf Pflege und alles, was dazugehört, haben? Wir haben in der Vergangenheit Foundations, Nagellacke und Frauenparfums auf unserer Haut ausprobiert. Mittlerweile sind wir in der Firma gewachsen und die restlichen Teammitglieder sind Frauen, die uns tatkräftig zur Seite stehen. Die müssen uns oft sogar aus unserer Blase bei Produktschwärmereien wieder auf den Boden holen und sagen: „Jungs, das Produkt sieht zwar stark aus, da ist auch gutes Zeug drin, aber in der Anwendung ist es einfach nicht so geil und unpraktisch.“ Das ist für uns natürlich Gold wert und sorgt immer wieder für Spaß im Büro.

 Zum oben genannten Stichwort Feedback? Steht ihr im Regen Austausch mit euren Kunden?

Das Feedback ist das Wasser auf unseren Mühlen. Wir bekommen viel Liebe und versuchen diese zurückzugeben, indem wir nicht geizen, stets kulant sind und uns viel Zeit nehmen.

Wie viel Zeit investiert ihr ins Testen neuer Produkte? Was probiert ihr selber aus, bevor es in den Verkauf gehen?

Ausnahmslos alles!

Und wer geht dann experimentierfreudiger ans Einkaufen?

Definitiv Frauen.

Stellt ihr Unterschiede im Kaufverhalten eurer Kunden fest?

Frauen kaufen meistens für sich ein, aber auch häufig für ihre Männer – Partner, Bruder, Sohn, Vater – und das ohne konkreten Anlass. Männer kaufen fast ausschließlich für sich und ab und zu mal ein Geschenk für Frauen. Da verlassen sie sich komplett auf unsere Beratung. Frauen haben oft konkretere Vorstellungen von Geschenken.

Welche Produkte eignen sich, um sie im Bad mit dem Partner zu teilen?

Es gibt generell sehr viel, das man sich im Bad teilen kann. Bei Kosmetik muss man sich nur Duft-technisch auf einer Ebene treffen. Wenn man sich einig ist, geht natürlich der Rasierhobel oder noch moderner, der Leaf Razor, die Deo-Creme, alle möglichen Seifen, sogar Bodylotions. Es gibt auch Zahnbürsten, bei denen man nur den Kopf austauschen muss – wobei man dann nicht gleichzeitig nebeneinander bürsten kann, was ja irgendwie schade ist…

Stimmt! Sagt mal, auf welche Produkte könntet ihr persönlich nie verzichten?

Für die Haare definitiv Styling-Creme und Shampoo. Beim Gesicht setzen wir auf Reiniger, Gesichtsöl, Peeling, Toner und Creme. Bei der Körperpflege könnten wir niemals auf ein Duschgel oder eine Seife verzichten, die uns bei der Verwendung nicht einfach nur sauber macht, sondern auch in eine besondere Duftwelt beamt. In einen Wald, eine Sauna, an eine Küste oder direkt unter einen Nadelbaum. So macht das Aufstehen deutlich mehr Spaß. Ach, und ein funktionierendes, natürliches, Aluminium-freies Deo ist auch wichtig. Das darf wirklich nie fehlen!

Über welche Wege stoßt ihr auf neue Marken für den Shop?

Über unseren Briefkasten, Empfehlungen unserer Kunden, Urlaube in anderen Ländern und auch viel über Instagram.

Gibt es Duftbrands, die ihr im Moment feiert?

Aktuell ist das genau unsere Leidenschaft. Wir sind super tief drin im Duft-Game und haben eine große Pipeline an neuen Duftbrands, die nach und nach in den Shop wandern. Wir haben uns so viele spannende Nischenparfums zugelegt, dass wir uns für den Store extra ein neues Möbel bauen lassen müssen, weil wir nicht mehr mit dem Platz ausgekommen sind. Von all den Parfums sind unsere heimlichen Favoriten die Düfte von 19-69 (Nineteen Sixty Nine), Wiener Blut und Naomi Goodsir und D.S. & Durga.

 

„Leider ist es immer noch so, dass super viele, sogar nachhaltig produzierte, Kosmetik nicht gerade zeitgemäß verpackt und versendet wird.“

Und an welchen anderen Brands seid ihr gerade dran?

Es sind leider viel zu viele, die wir gerne hätten und mit denen wir bereits schreiben: Kosås Cosmetics, Youth To The People, Kerosene Fragrances, Libertine Fragrance oder etwa French Girl.

Gibt es für euch auch Naturkosmetik No-gos?

Leider ist es immer noch so, dass super viele, sogar nachhaltig produzierte, Kosmetik nicht gerade zeitgemäß verpackt und versendet wird. So werden beispielsweise schöne und umweltfreundliche Glastiegel in dicken Plastikschutzverpackungen gepuffert und an uns geschickt, was aus unserer Sicht ein absolutes No-Go ist. Wir sprechen dann in der Regel zeitnah mit dem Versender. Das ist entweder der Hersteller selbst, eine Distribution oder auch ein Lagerdienstleister und so hoffen wir, etwas erreichen zu können. Das hat jetzt schon des Öfteren funktioniert. Auch die Plastiktuben und Tiegel werden nach und nach von den Herstellern ersetzt und gegen nachhaltigere Lösungen, wie Zuckerrohr, Glas, oder Zellstofflösungen ausgetauscht.

Wir haben noch gar nicht über eure Rollenverteilung in der Firma gesprochen. Welche Regelungen habt ihr da?

Es ist ein gesunder Mischmasch aus allem. In einigen Punkten gibt es klare Rollenverteilungen, andere Themen muss jeder beackern. Je nach Verfügbarkeit und Laune. Manche „Strafaufgaben“, also Dinge, die gemacht werden müssen, aber nicht gerne in Angriff genommen werden, verteilen wir dann untereinander fair und regelmäßig. Aber wir versuchen, uns immer mehr nur noch mit den schöneren Themen zu beschäftigen und suchen nach fadenscheinigen Begründungen, um Aufgaben abgeben zu können. Ein bisschen Egoismus haben wir uns manchmal verdient, finden wir…(lachen)

Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?

Wir wollen das Frauenthema mit natürlichen Produkthighlights im dekorativen Bereich erweitern. Foundations, Highlighter, Lippenstifte. Hier sind wir fleißig am Testen und haben bereits Favoriten. Zudem wollen wir das Onlinethema weiter ausbauen und die Beratung immer mehr in den Vordergrund stellen – nicht nur die Produkte an sich.

Welches Geschäft findet ihr spannender? Online oder Offline?

Das kann man so leider nicht beantworten. Es ist reizvoll, durch das Online-Geschäft mit der ganzen Welt in Kontakt zu kommen. Genauso reizvoll ist es, lange, eingehende, aufschlussreiche Gespräche mit Kunden vor Ort führen zu können, die ein direktes und ehrliches Feedback geben können. Unser Ziel ist es, das Online-Erlebnis so zu formen, dass es im Vergleich zum Offline-Kauf nur wenige Unterschiede gibt. Wir beraten online eingehend und stehen mit Kunden, die etwas wissen möchte, so eng in Kontakt, wie im Store. Somit ist es schon sehr ähnlich mittlerweile. Online gibt es natürlich häufig den Unterschied, dass ein Medium wie Telefon, E-Mail oder Instagram-Chat dazwischengeschaltet ist. Wir hoffen, dass beide Geschäfte irgendwann noch mehr miteinander verschmelzen können.

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    Woodberg

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