Auf den Feldern von Chanel

4 Wochen Erntezeit, 98 Jahre Tradition, 600g Rosen-Absolue – die Herstellung des Chanel No°5

Chanel No°5 gehört zu den zehn meistverkauften Parfums der Welt. Denn den Duft gibt es in seiner traditionellen Form schon seit 1921, als ihn der Parfümeur Ernest Beaux im Auftrag von Gabrielle Chanel kreierte. „Ein Parfum für Frauen mit dem Duft einer Frau“, das war seine Aufgabe. Noch 98 Jahre später riechen Frauen überall auf der Welt nach dieser Vision. Und seit genauso einer langen Zeit ranken sich Mythen um das Parfum und seine Traditionen. Ich lüfte jetzt alle Geheimnisse. Denn vor einer Woche begab ich mich zur Mairosenernte in die Chanel Bastide bei Grasse.

Angekommen in Grasse wird man von einem eisernen, herrschaftlichen Tor, sehr jungen, gut aussehenden Chanel Boys und einer Fahrradtour durch die Mairosenfelder begrüßt. Immer in der Nase: der süße Duft der Rose, die im Mai in voller Blüte steht. Grasse ist die Parfümhauptstadt der Welt. Im Mittelalter war der kleine Ort im Hinterland von Cannes besonders für seine Gerberei von Leder bekannt – und das versprüht bekannterweise einen eher nicht so schönen Duft. Der Gerber Galimard legte aus diesem Grund seine Handschuhe in duftende Blumenöle ein – die Herstellung von Parfums war geboren. Seit mehr als drei Jahrhunderten werden nun Pflanzen aus diesem Grund in Grasse kultiviert, der fruchtbare Boden und die idealen Klimabegebenheiten sind ein Traum für jeden Landwirt.

Dennoch herrscht während der Erntezeit ein reges Treiben auf den Feldern, ein wenig verschwindet das Laissez-Faire aus den Gesichtern der Französ*innen. Nur drei bis vier Wochen haben die Pflücker*innen Zeit, die Rosen vorsichtig von den Sträuchern zu ernten, denn die Blüte kann nur in geöffnetem Zustand gepflückt werden. Das alles geschieht auf dem Grundstück der Familie Mul in Pégomas auf 20 Hektar Feldern. Seit knapp hundert Jahren bezieht Chanel seine Rohstoffe für das Chanel No°5 aus Grasse, mit der dort ansässigen Familie hegen sie eine enge Verbindung, seit 1987 wird hier nur exklusiv für das französische Traditionshaus (und keine andere Luxusmarke!) angebaut und das von fünf Generationen geballtem Parfum- und Pflanzenwissen.

Von der Blüte zur Quintessenz

So beginnt er, der Wettlauf gegen die Zeit im Mai. Jeden Morgen, sobald die Sonne hoch über den Feldern steht und sich die Blüten im Anblick der Wärme geöffnet haben, gehen die Pflücker*innen durch die Felder und ziehen behutsam die Rosen von den Sträuchern. Die richtige Ausstattung, die es dazu braucht? Gummistiefel, Lederhandschuhe, die vor den Stichen der Bienen schützen und eine Schürze aus Leinen, die die Blüten nicht beschädigt. Kleine Matheaufgabe: Ein Kilogramm Rosen besteht aus 350 Blüten und pro Stunde erntet ein*e Pflücker*in fünf Kilogramm Blumen. Na, wie viele Blüten hat sie dann in ihren*seinen Händen gehabt? Richtig, bei einem Arbeitstag von acht Stunden sind das 14.000 Blüten.

Danach werden die Blumen gewogen und zur Anlage auf dem Gelände gefahren, wo sie gleich weiterverarbeitet werden. Denn das schlimmste, was bei der Parfümproduktion jetzt passieren kann, ist, dass die Blumen in der südfranzösischen Hitze verwelken. Danach werden die Blüten in einen großen Behälter gefüllt, fünf Schichten an der Zahl und übereinander gestapelt. Es folgen drei Bäder in einem Lösungsmittel, was auf hohe Temperatur erhitzt wird. Dabei sättigt sich das Mittel mit den Duftmolekülen der Mairose.

Die Blüten haben jetzt jeglichen Duft verloren und werden kompostiert. Im Kessel schlummert der eigentliche Schatz der Ernte: das Konkret. Es ist eine Wachssubstanz, die sorgsam aufbewahrt wird. Aus ihr kann, auf Anfrage des Parfümeurs des Maison Chanel, das Absolue gewonnen werden. So entstehen aus 400 Kilogramm Rosenblüten am Ende 600 Gramm Rosen-Absolue.

Doch dann ist nur der Schritt getan, den es zur Rose braucht und im Chanel No°5 sind noch zwei weitere Blüten aus Grasse enthalten: Neroli und Jasmin. Die starke pudrige Duftnote stammt von den Aldehyden, einer bestimmten chemischen Verbindung, die die Noten des Parfüms hervorhebt, länger haltbar macht und ihnen einen charakteristischen Geruch verleiht.

Einen Duft in Worte zu fassen, ist immer schwer. Wer Chanel No°5 kennt, weiß um seine Einzigartigkeit, jeder assoziiert damit eine Emotion. Er ist sehr floral, pudrig, opulent und schwer fassbar. Die Kopfnote besteht vor allem aus den Aldehyden, die nach wachsigen Rosenblättern, Orangen, Bergamotte und Linalool duften. Die Herznote offenbart den wahren Charakter: Jasmin, Rose, Maiglöckchen, Iris und Ylang Ylang. Ebenso enthalten sind noch der oben genannte Neroli, Veilchen und Tonkabohnen.

Allerdings sind nicht in jedem Parfümfläschen von No°5 die Mairosen aus Grasse enthalten. Bei der riesigen Produktion, schließlich kann man das Parfum in jeder gut sortierten Parfümerie auf der ganzen Welt finden, ist das natürlich nicht möglich. Das Extrait Parfum enthält als eines der letzten Parfums noch Jasmin und Mairose aus der Chanel-eigenen Produktion der Familie Mul. Das Eau de Toilette und das Eau de Parfum wurden erst 1986 von Jacques Polge kreiert und werden maschinell hergestellt.

Der Flakon wurde von Gabrielle Chanel persönlich entworfen und seither nur wenig verändert. 1921 wirkte er noch sehr viel breiter als heute, mit einem kleineren Flaschenhals und Korken, 1924 wurde der Korken schon deutlich vergrößert. Die Form spiegelt die Geometrie der Place Vendôme in Paris wider. Was ihn aber immer noch auszeichnet und weltweit einzigartig macht? Das Extrait Parfum wird bis heute von Hand mit einem Goldschlägerhäutchen luftdicht versiegelt.

Copyright: Chanel

Goldschlägerhaut wird aus der äußersten Hautschicht von Rinderblinddärmen gefertigt und sorgt dafür, dass das Parfum seinen Duft bis zu seiner Öffnung keinen Geruch einbüßt und luftdicht verschlossen ist. Kleiner Nebeneffekt: Fälschern des wertvollen Parfums schlägt man damit auch ein Schippchen. Denn die Technik zu erlernen dauert drei Wochen, danach brauch man noch sechs Monate, damit man in der Stunde 100 Flakons mit der aufwendigen Versiegelungstechnik verschließen kann. Gehalten wird die Darmhaut von einer speziellen Schnürtechnik, die dann mit einem Wachsiegel verschlossen wird.

Warum heißt das Parfum Chanel No°5?

Ernest Beaux, Entwickler des Parfums von 1921, er präsentierte Gabrielle Chanel verschiedene Duftserien und sie entschied sich für No°5. Als Beaux sie fragte, wie sie das Parfüm zu nennen gedenke, antwortete sie: „Ich lanciere diese Kollektion am fünften Tag des fünften Monats, die Fünf scheint mir Glück zu bringen.“ Bekannt wurde das Parfum dann nicht nur aufgrund von Gabrielle Chanel, sondern auch wegen seiner prominenten Trägerinnen: Marilyn Monroe war bekennender Fan, Andy Warhol hielt den Flakon in seinen Kunstwerken für immer fest und Catherine Deneuve, Lauren Hutton, Nicole Kidman, Vanessa Paradis und Audrey Tatou warben mit ihrem Gesicht dafür.

„Zum Schlafen trage ich nur einige Tropfen Chanel No°5“

Marilyn Monroe

Doch mit der Zeit verändert sich auch der Anspruch an einen Duft. Das Extrait Parfum wird immer eine untastbare Ikone der Parfümeurskunst sein, doch nach Jahren war es Zeit für einen neuen Duft. Mit Karl Lagerfelds Beginn bei Chanel stellte er auch eine neue Nase ein: Jacques Polge, der, wie oben schon genannt, das Eau de Parfum und das Eau de Toilette erschuf, sowie andere Duftklassiker wie Coco, Allure, Coco Mademoiselle und Chance komponierte.

Sein Erbe trat 2013 sein Sohn Olivier Polge an. 2015 kreierte er das Chanel No°5 von heute: No°5 L'Eau. Immer noch floral, aber deutlich frischer und jugendlicher. Das liegt an stärkeren Zitrusfrüchten, Vetiver und Zedernholz. So werden 98 Jahre Parfümgeschichte in die Moderne übersetzt.

WERBUNG: Für den Artikel wurden wir von Chanel auf eine Pressereise nach Grasse eingeladen.

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    Beige.de

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