Das Geheimnis der schwedischen Schönheit? – Das verrät uns Mats Johansson, der Gründer von L:A Bruket

Die Natur respektieren, von ihr lernen und aus ihr das Beste für den Menschen zu ziehen – nicht mehr und nicht weniger möchte das angesagte Pflegebrand aus Schweden

Von Ann-Charlott Karsten

Ob es außerhalb von Schweden irgendjemanden gibt, der den Brand-Namen von L:A Bruket korrekt aussprechen kann? Ziemlich unwahrscheinlich. Zum Glück hatte ich ein privates Teaching bei Mats Johansson, der das Beauty-Label vor fast zehn Jahren mit seiner Frau Monica Kylén gegründet hat. Und da der Gute seinen Job liebt, viel zu erzählen hat (alles unfassbar interessant!) und seine Visionen gerne teilt, wurden aus 15 angesetzten Minuten eine dreiviertel Stunde. Ich wage nach dem Talk zu behaupten, dass ich als halbwegs gewiefter Mensch nun nicht nur die korrekte Aussprache (*liiiabrüüükät*) beherrsche, sondern schwärme auch aus tiefstem Herzen über das Scandi-Brand: Alter Schwede, die sind so nice…

Wie fühlt es sich an, eine der coolsten Beauty-Marken ever gegründet zu haben?
Vielen Dank, dass du das sagst. Tatsächlich kneifen wir uns jeden Tag in den Arm, weil wir so ein tolles Feedback und Wertschätzung von unseren Kund*innen bekommen. Vor allem, weil wir bis vor ein paar Jahren niemals gedacht hätten, eine internationale Skincare-Brand zu gründen. Wir sind stolz auf das, was wir tun und wir sind glücklich, dass sich die Sichtweise auf das Thema Haut verändert – das hat bisher im Business gefehlt. Immer war die Rede von „Effekten“ und „Beauty“, auf eine sehr oberflächliche Art und Weise. Mit L:A Bruket repräsentieren wir gute Werte und vor allem Gesundheit. Wenn man gesund ist, verfügt man über eine natürliche Schönheit und strahlt diese auch aus.

Kannst du das genauer beschreiben?
Es geht um die richtige Balance im Leben. Es geht um Harmonie. Es geht darum, zufrieden zu sein und diese Zufriedenheit definiert sich durch so viel mehr als die Freude an materiellen Dingen. Wenn es um Lebensqualität geht, stelle ich außerdem gerne folgende Fragen: Wer begleitet dich auf deinem Weg? Was machst du beruflich? Was möchtest du der Welt zurückgeben?

Was wollt ihr denn – neben der Entwicklung neuer Produkte – zurückgeben? Setzt es euch unter Druck, euer Brand immer wieder neu erfinden zu müssen?
Nein, gar nicht! Wir arbeiten, weil es uns Spaß macht. Natürlich denken wir dabei immer an unsere Firma. Alleine in Schweden haben wir die Verantwortung für 35 Leute. Außerdem arbeiten wir mit 17 Distributoren und einer Fabrik zusammen. Im Großen und Ganzen geht es darum, etwas bewirken zu können. Wir geben unsere Philosophie weiter und sind passioniert, wenn es um Produktentwicklungen geht. Wir wollen mit unseren Produkten das „Next Level“ erreichen. Bedeutet: Wir schauen, wie weit wir es mit unseren natürlichen Inhaltsstoffen schaffen können, um mit synthetischen Inhaltsstoffen mithalten zu können. Damit will ich nicht sagen, dass synthetische Inhaltsstoffe grundsätzlich schlecht sind. Aber ich glaube, es sollte immer eine Alternative geben. Das ist die Challenge, der wir uns stellen.

Geht es bei diesem „Next Level“ auch um neue Märkte, die du für L:A Bruket spannend findest?
Wenn ein Markt bereit für das ist, was wir tun und unsere Ansichten teilt, dann müssen wir uns gar nicht positionieren oder Strategien entwickeln. Die Länder kommen auf uns zu, um unsere Produkte zu verkaufen. Ehrlich gesagt sind wir überhaupt keine guten Salesmen, sondern lieben das, was wir tun. Das zeigt sich auch, wenn wir direkt mit unseren Endkonsumenten sprechen: Wir präsentieren, was wir haben, promoten es aber nicht. Wir wollen nichts pushen. Da wir eine semi-industrielle Produktion haben, sind wir immer auf äußerliche Umstände angewiesen. Beispiel: Regnet es genug, damit wir an unsere Inhaltsstoffe kommen? Schließlich müssen die Kapazitäten unserer Produktion ganz natürlich mitwachsen. Wir können nicht einfach von heute auf morgen die Fabrik wechseln, weil wir die volle Kontrolle behalten wollen. Deshalb gehen wir alles ruhig an, was die Erschließung neuer Märkte betrifft – momentan bekommt man unsere Produkte eh schon in 50 Ländern.

Apropos neue Produkte – ab April gibt es Sheet-Masken von euch. Vor wenigen Jahren wurden die so gehyped. Wie stehst du zu Trendprodukten?
Trends sind wichtig, weil sie die Wünsche der Konsumenten spiegeln. Ich würde nicht sagen, dass unsere neuen Sheet-Masken Trend-Produkte sind – dafür sind wir definitiv zu spät (lacht). Wenn es um ein echtes Trendprodukt geht, würde ich sagen, dass unser Brokkoli-Samen-Öl eines ist. Beim Launch war es richtungweisend. Aber ich finde, dass jedes Produkt sein eigener Hero ist und aus gutem Grund in die Herstellung gegeben wurde. Beim Brokkoli-Samen-Öl war es zum Beispiel so, dass wir mit Superfood-Inhaltsstoffen spielen wollten und uns gefragt haben: Was können sie für die Haut tun?

Wenn wir schon bei Superfoods sind. Würdest du zum trendigen Sellerie-Saft greifen oder bleibst du lieber bei klassischem Kaffee?
Kaffee! Obwohl…ich würde wahrscheinlich beides trinken. Es geht um eine Ausgewogenheit und nicht darum, asketisch zu leben. Dabei fällt mir ein, ich würde Sellerie tatsächlich gerne in einem Produkt verarbeiten. Das könnte doch unsere nächste Challenge werden, oder?

Wie sieht es aus beim Thema Reisen aus? Bist du gerne unterwegs oder bleibst du lieber zu Hause?
Beruflich bin ich ständig unterwegs. Deshalb genieße ich es sehr, zu Hause bleiben zu können, aber ich könnte niemals ohne das Reisen leben. Nur zu Hause zu sein, bedeutet für mich Stillstand. In mir steckt so viel Neugierde, neue Menschen kennenzulernen und mir Dinge aus anderen Perspektiven anzuschauen. Mir tut es sehr gut, meine eigene Sichtweise hin und wieder mal im Ausland zu hinterfragen.

In der Beauty-Industrie ist immer viel Bewegung. Gerade, was das wichtige Thema Nachhaltigkeit betrifft. Was sind deine Wünsche für die Zukunft?
Mein Wunsch für die Beauty-Industrie und vor allem für Unternehmen ist ein noch stärkerer Fokus auf langfristige Werte und Ambitionen. Ich wünsche mir, dass noch mehr Firmen, wie wir, auf natürliche Inhaltsstoffe setzen. So lernt man, die Natur zu respektieren. Mit unserer Marke haben wir da definitiv eine Vorbildfunktion und zeigen erfolgreich, wie es funktionieren kann.

Du wirkst so unglaublich tiefenentspannt. Gibt es weitere Eigenschaften, die man sich von euch Schweden abgucken sollte?
Ich denke, dass Schweden sehr demütig und naturverbunden sind. Ich halte das für gute Eigenschaften. Wir sind nicht aggressiv – weder im Business, noch im Privaten. Das bringt auch mal Rückschläge mit sich. Neben Demut sind in Schweden Ehrlichkeit und Gesundheit super wichtig. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das damit zusammenhängt, dass bei uns so wenige Leute in einem so großen Land leben. Keiner muss kämpfen. Wir respektieren einander, weil wir alle genug Platz haben.

„Neben Demut sind in Schweden Ehrlichkeit und Gesundheit super wichtig. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das damit zusammenhängt, dass bei uns so wenige Leute in einem so großen Land leben. Keiner muss kämpfen. Wir respektieren einander, weil wir alle genug Platz haben.“

Dieser gegenseitige Respekt ist nicht nur in der realen Welt wichtig, sondern auch in der virtuellen. L:A Bruket hat einen Instagram-Account – was magst du an Social Media und was überhaupt nicht?
Social Media hat so viele verschiedene, interessante Gesichter. Ich mag Dinge lieber, von denen man länger etwas hat, als etwas, dem man nur kurze Beachtung schenkt. So sehe ich leider vieles, das in den sozialen Medien stattfindet. Wenn man Social Media als einzige Plattform für den schnellen und nicht seriösen Erfolg wählt, bin ich überhaupt kein Fan davon.

Dieses Jahr feiert ihr bereits euer zehnjähriges Bestehen. Was feiern wir in den nächsten zehn Jahren? Das oben genannte Sellerie-Produkt?
Haha, Quatsch! Für diese Entwicklung brauchen wir keine zehn Jahre. In zehn Jahren feiern wir, dass wir es geschafft haben, mit allen Märkten, mit denen wir bereits in Kontakt stehen, noch enger zusammenzuarbeiten. Wir werden unsere eigene Geschichte noch besser vermitteln können und in jedem Markt eigene Stores haben. Und wir wollen, dass uns so viele Menschen wie möglich, an der schwedischen Westküste besuchen kommen, um unseren Lifestyle kennenzulernen und ein Stück von unserer Lebensphilosophie mit nach Hause nehmen. Das wünsche ich mir.

 Guter Plan! Till dess, vänner. (*Bis dahin, Freunde)

Hier gibt es die anderen Kultprodukte des schwedischen Beautylabels:

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