Das Beauty-Verhör mit Hanna Schumi

Ausgequetscht, ausgefragt und gelöchert – In unserer neuen Interview-Reihe bitten wir echte Beauty-Expert*innen zu Tisch und entlocken ihnen alle Geheimtipps- und Tricks

Die Beauty-Branche ist eine verrückte Industrie. Sie ist voller Wundermittel, Versprechen und spielt mit vielen Ängsten von Menschen: dem Druck der Schönheit und mit der darauffolgenden Akzeptanz der Gesellschaft. Klar, die Modeindustrie ist keinen Deut besser, das will ich damit gar nicht sagen, trotzdem habe ich oft das Gefühl, dass sie einem nicht so offen wie die Schönheitsindustrie verspricht, dass man mit dem Tragen eines Kleidungsstückes bzw. dem Auftragen eines Produktes, zu einem besseren und schönerem Mensch wird. Kleidung gibt dir im besten Fall ein gutes Gefühl, aber Pflege muss etwas verändern, deine Haut reiner, faltenfreier und makelloser machen.

Lange Zeit wurde nicht hinterfragt: Was ist in den Produkten enthalten? Wie werden die Rohstoffe gewonnen? Und was richtet der ganze Druck mit den Konsument*innen an, die sich von Produkten Wunder erhoffen? Ein Glück hat sich mit der steigenden Nachfrage und einem kritischeren Konsumverhalten aber auch viel verändert. Wir wollen wissen, was wir uns da auf die Haut auftragen und warum wir eigentlich immer alle vermeintlichen Makel sofort beseitigen müssen.

Und wir möchten wissen, wie es ist, in einer Branche zu arbeiten, die damit spielt, sich immer weiter zu verbessern, schöner und jünger zu werden. Deswegen startet heute die neue Reihe, das Beauty-Verhör, auf Beige, bei dem wir echte Expert*innen in Sachen Schönheit, Pflege und Kosmetik zum Interview bitten und alles aus ihnen herauskitzeln: Ob echte Geheimtipps, überschätzte Produkthypes, unterschätzte Labels oder auch den Einfluss des Berufs auf das Privatleben und ihr Selbstbild – wir nehmen kein Blatt vor den Mund.

Als erste musste sich Hanna Schumi, erfahrene und langjährige Beauty-Bloggerin und -Redakteurin in Hamburg, dem Verhör stellen. Ich kenne Hanna nun schon länger persönlich und schätze nicht nur ihre professionelle Meinung, sondern auch ihre positive Lebenseinstellung und ihren Humor. Es fühlte sich also weniger nach Verhör an, als nach dem leidenschaftlichen Ausfragen einer Freundin. Das Talent der geborenen Österreicherin liegt darin, genau dieses positive Gefühl – ihr Lebensmotto ist „Enjoy who you are“ – multimedial an ihre Follower zu überliefern. Wer einen doofen Tag hat, der sollte ganz schnell mal auf ihrem Instagram-Account vorbeischauen, danach ist die schlechte Laune sicher verflogen und man geht mit jeder Menge Mut und Motivation zurück in den Alltag.

Das Schönste? Was Hanna seit 2012 mit ihrem ersten Blog Foxycheeks, nach dem Relaunch 2019 jetzt hannaschumi.com, in die Welt hinausbloggt, kann man seit Oktober letzten Jahres auch hören: in ihrem neuen Podcast „Gepflegte Gespräche“, in dem Hanna selbst andere Beauty-Experten trifft und mit ihnen diskutiert. Der erste Beauty-Podcast Deutschlands, Hanna, ich bin mächtig stolz auf dich! Und lasse dich jetzt am besten auch mal zu Wort kommen...

„Beauty und Schönheit ist innen und außen, ist Gesicht und Körper, ist Sonne und Schatten.“

Hanna, du bist schon so lange Beauty-Bloggerin. Was sind die Momente, in denen du deinen Job so richtig liebst – und was sind die Momente, in denen du ihn verfluchst?

Meinen Job liebe ich immer. Ich erinnere mich noch gut an meine Zeit in der Festanstellung, in der ich damals morgens und abends an meinem Blog, damals Foxycheeks, gearbeitet habe. Damals habe ich mir bei jedem Post gedacht: Genau das möchte ich machen, nichts anderes. Ich liebe es, selbstständig zu arbeiten, das war mir ehrlich gesagt gar nicht so klar, und mir die Zeit selbst einzuteilen. Das ist aber gleichzeitig das, was ich manchmal auch auf eine Art verfluche, weil ich so gerne arbeite und es so leidenschaftlich gerne mache, dass es zu viel wird. Aus einem Wochenende arbeiten werden zwei, aus einer Nachtschicht in engen Zeiten schnell mehrere. Wenn man das noch nicht erlebt habt, kann man wohl schwer nachvollziehen, was ich meine. Aber ich bin ja für alles, was mich, meinen Job und meine Person betrifft, alleine zuständig: Content, Mails, Vorbereitung der Buchhaltung (den Rest habe ich vernünftigerweise abgegeben), Kontakt mit meinen Leser*innen (z.B. in den Kommentaren und persönlichen Nachrichten auf Instagram), Vorbereitung von neuen Ideen und Plänen, Job-, Geld- und Vertragsverhandlungen, Akquise, Fotos. Bei letzten hilft mir die Hamburger Fotografin Yelda Yilmaz. Ohne sie hätte ich schon oft die Flinte ins Korn geworfen…

Sich jeden Tag mit Schönheit zu beschäftigen, ist das Fluch oder Segen?

Segen. Ich bin in einer absolut privilegierten Situation – in allen Hinsichten. Ich darf mich jeden Tag mit diesem Thema beschäftigen und sehe es als meine Aufgabe, anderen Frauen Mut zu machen. Schönheit hört nicht im Gesicht auf, was leider oft ein Irrglaube ist, wenn man den Begriff „Beauty“ hört. „Machst du also was mit Make-up?“ – das höre ich oft, wenn man nicht genau weiß oder versteht, was ich mache. Beauty und Schönheit ist innen und außen, ist Gesicht und Körper, ist Sonne und Schatten. Deshalb webt sich in meine Arbeit automatisch so viel ein – es ist nicht hinter der Lippenstiftempfehlung Stopp. Hautprobleme, medizinische Aspekte – das geht auch über zu Seelenheil, die Balance im Leben, das Ganzheitliche. Und wenn man sich damit befassen darf, weiter geben darf, dann ist das immer Segen.

Du hast in den letzten Monaten viel Veränderung durchlebt und z.B. deinen Blog gerelauncht. Bist du ein Mensch, der Veränderungen liebt? Oder schiebst du sie gerne auf?

Sagen wir es so: Manche Veränderungen sind gewünscht und passieren von selbst, manche Veränderungen brauchen Bedenk- und Umsetzungszeit und so manch eine Veränderung ist ungeplant. Letztere sind, so denke ich, niemals ohne Sinn. Nichts passiert ohne Grund, so möchte ich glauben, so hat es mir mein Leben immer wieder gezeigt. Ich hatte ein Jahr voller Veränderungen und das hat mich ordentlich durchgerüttelt, aber mich auch dahin gerüttelt, wo ich mich jetzt hinbewege.

Es gibt Jahre, so sagte eine Freundin mir mal, da lebt man herrlich bequem und es passiert nicht viel und es gibt Jahre, da verändert sich alles so drastisch und extrem, dass man gar nicht zur Ruhe kommt. Während dem Veränderungsprozess ist alles anstrengend und unruhig, vielleicht auch unsicher und unschön. Wer wählt das schon freiwillig? Wichtig ist zu erkennen, wo die eigene Wahrheit liegt, dann lässt sich alles leichter ertragen. Dann weiß man, wofür man die holprige, neue Straße gewählt hat und liebt vor allem, wenn man wieder in der Sonne angekommen ist.

Was war die wichtigste Erkenntnis, die du im letzten Jahr gewonnen hast?

Dass es auch mal ganz nach unten geht. Ganz ganz tief. Wenn das Business-Coaches oder Therapeuten sagen, dann klingt das immer so easy. Ganz à la: No rain no flowers. Aber in Wirklichkeit ist der Regen sehr sehr dunkel und die Zeit im Dunklen kann kaum aushaltbar sein. Die Realität ist härter, tragischer und unangenehmer als jeder schlaue Spruch, jedes Instagram-Quote, auch wenn die wirklich guten dir auch wirklich Mut und ein wenig Kraft schenken können. Ich war in diesem Jahr ganz unten, ich weiß, wovon ich spreche. Ich war privat so weit unten, dass es mich auch beruflich runtergezogen hat, mir alle Kreativität, Kraft und Inspiration geraubt hat. Das kann man irgendwann nicht mehr verstecken, will ich auch gar nicht, aber mein Privates möchte ich schützen, deshalb habe ich nicht offen drüber gesprochen.

Ich kann nur sagen: Eine Trennung kann einen umhauen, egal wer Schluss macht. Und ich habe mich in diesem Jahr nicht nur einmal getrennt. 2019 war ein Umbruchjahr für mich, voller Entscheidungen und Adieus, voller Neuanfängen und Hellos. Ich bin einmal durch die Waschstraße des Lebens gegangen und erst jetzt, wo es wieder richtig bergauf geht, verstehe ich, warum ich ganz ganz unten sein musste, damit ich jetzt weiter gehen kann.

„Ich bin von Natur aus ein positiver, optimistischer Mensch und das vermittele ich gerne in meinen Texten und meiner Arbeit. Empowerment nennt man das wohl.“

Bist du jetzt glücklich?

Glücklich sein ist ein kurzer Zustand. 2019 habe ich nicht viel davon erlebt, ich erwähnte bereits, dass es ein sehr anstrengendes Jahr war. Ich tippe diese Zeilen aber mit einer ganz besonderen neuen Leichtigkeit an meinem neuen Schreibtisch und bin ganz happy und beseelt, wie schön jetzt gerade alles ist. Ich liebe mein neues Zuhause und ich habe wieder so viele Ideen. 2020 – ich komme!

Wie schaffst du es, auf Instagram so positiv zu sein?

Oh, wirke ich so? Wenn ja, freut es mich sehr. Instagram ist immer die Bubble, die man hat, weil Instagram so viel größer ist, als man denkt. Ich habe mir diese bewusst gewählt und folge keinen Accounts mehr, die mir ein schlechtes Gefühl geben oder mich kognitiv in den Vergleich zwingen. Ich bin von Natur aus ein positiver, optimistischer Mensch und das vermittele ich gerne in meinen Texten und meiner Arbeit. Empowerment nennt man das wohl – ich nenne es: Positiv zieht Positives an. Ich möchte meinen Followern mit jedem Bild, jeder Zeile sagen: Enjoy who you are. Das ist einfach mein liebstes Motto.

Schönheit kommt ja bekanntlich auch von innen. Inwiefern ist da was dran und was tust du, um deine innere Schönheit zu boosten?

Im vorletzten Jahr habe ich wieder mit Ballett angefangen und ich habe mich wieder erinnert, wie sehr mich das Tanzen erfüllt und ausfüllt. Nach dem Tanzen strahle ich, als ob ich den besten Highlighter tragen würde! Aber das Strahlen kommt einfach von innen, weil mich die Bewegung so glücklich macht. Das habe ich umgekehrt bemerkt, als ich damit kurz wieder aufgehört habe – witzigerweise wegen zu viel Stress. Es ist wirklich nicht leicht sich bei Überlastung um sich selbst zu kümmern, auch wenn uns das immer propagiert wird. Das ist bei guter Ernährung ja nicht anders! Genau die sieht man einem aber auch an und ich habe im letzten Jahr wieder gesehen wie wichtig es ist, das nicht schleifen zu lassen. Gute Ernährung ist Schönheit von innen.

Viele Blogger sind mittlerweile komplett auf Instagram umgeschwenkt. Warum glaubst du an das Medium Blog und wie sieht die Zukunft für Blogger*innen aus?

Die Printmedien haben es gerade schwer, die Buchbranche hat schon bessere Zeiten gesehen und auch die Online-Medien, ob Magazin oder persönlicher Blog, waren im letzten Jahr arm dran: Die Zahlen bei allen genannten Publikationen sind nach unten gegangen. Man fragt sich: Lesen die Leute gar nicht mehr? Was ist mit all den Texten, die wichtig sind für unsere Gesellschaft – ob politisch, persönlich oder weiter bildend? Fakt aber ist: Gelesen wird immer, nur sind wir alle bequemer geworden. Headline reichen oft, wie in den Nachrichten, die Details sehen sich nur noch wenige an. Informationen werden schnell aus Facebook oder Instagram gezogen und selbst da litt 2019 der Feed, weil die Stories so allmächtig geworden sind. Und dennoch glaube ich so stark an das Medium Blog, aber nur, wenn es einen Mehrwert für die Leser*innen gibt.

Die Zukunft der Blogger*innen liegt, meines Erachtens, im Service und in einer Arbeit voller Tipps, Sinn und Qualität. Das war eigentlich immer so, nur sind ganz viele von sinnbefreiten Oberflächlichkeiten weggespült worden und am Ende trennt sich die Spreu vom Weizen. Die Leser*innen sind kritischer geworden und ich begrüße das sehr. Die ewige Konsumhuldigung ist vorbei – es wird Zeit für echte Authentizität. Die ist übrigens nicht immer glatt und angenehm. Klar, ich schaue mir auch gerne die neue Mode an, neue Produkte, Reisetipps etc., aber ich merke selbst ziemlich schnell, ob es da noch mehr gibt, ob reflektiert wird, ob auch andere Themen angesprochen werden. Kritische Themen, unangenehme Themen – gepaart mit ehrlichen Zeilen und Meinung. Ohne der wird es in Zukunft nicht gehen.

Apropos Blog. Viele können sich unseren Alltag nicht vorstellen. Wie verdienen wir Geld? Hand aufs Herz: Lebst du von hannaschumi.com? Oder machst du nebenbei auch noch andere Projekte, von denen man als Follower primär gar nichts erfährt?

Ich lebe seit vier Jahren 100 Prozent von hannaschumi.com und meiner gesamten sichtbaren Arbeit damit. Ob Blog, Instagram oder Podcast. Ab und an gibt es auch mal weniger sichtbare Dinge wie ein Vortrag bzw. eine Speaker-Position bei einem Panel, die aber oft auch unbezahlt sind. Wenn es die Zeit zulässt, schreibe ich auch mal für andere Print- und Online-Magazine, was aber nie heimlich passiert. Ich bin immer stolz darauf auch für andere Medien zu schreiben und teile meine Arbeit dann auch auf meinen Kanälen. 

Vor kurzem hast du deinen Beauty-Podcast gelauncht, den ersten auf dem deutschen Markt. Ist Beauty hören nicht eigentlich total absurd?

Beauty hören funktioniert total super! Denkt mal dran, wie man sich mitreißen lässt, wenn eine Freundin z.B. von einem Produkt erzählt, das für sie gut funktioniert! Klar – die Verpackung ist aktuell wichtiger denn je, weil sie in uns so viel triggert, aber Beauty ist eben nicht nur Produkte verkaufen, Beautyprodukte toll finden – und genau das möchte ich mit meinem Podcast „Gepflegte Gespräche“ erreichen. Es sind DIE Gespräche mit Expert*innen, denen ich in der Branche in den letzten zehn Jahren immer wieder gelauscht oder sie selbst geführt habe. Stimmen von Frauen und Männern, die eine starke Meinung und unheimlich viel Wissen haben, von denen man für sich etwas lernen kann. Eine kleine Verlängerung spiele ich über meine Kanäle, damit Personen, Produktnamen oder Tipps auch noch mal in Ruhe aufgerufen werden können, aber der Hauptteil, das eigentliche Gespräch, funktioniert, wie ich finde, ganz fantastisch nur übers Hören. 

Wie suchst und findest du deine Gäste für den Podcast? Hast du vielleicht einen kleinen Hint, auf was wir uns in der nächsten Folge freuen können?

Die Gäste suche und finde ich zufällig oder ganz bewusst und immer da, wo es bei meinen eigenen Gesprächen spannend wird. Oder ich kenne jemanden und weiß: Super interessant, der/die kann gut sprechen, erzählen und hat eine Story. Wenn das für mich spannend ist, dann auf jeden Fall für alle Zuhörer*innen! Gleich Anfang Januar kommt z.B. die Folge mit Judith Springer von Fine, die so viel mehr ist, darstellt und lebt als ihre fantastischen Naturkosmetik-Deos. Diese sind ja erst entstanden, weil Judith so vieles in ihrem Leben einfach macht. Davon erzählt sie, was auf Beauty-Ebene sehr spannend ist. Wir sprechen natürlich auch über Inhaltsstoffe und über das Schwitzen generell, aber auch vielschichtig interessant, weil Judith eine großartige Persönlichkeit ist. Ein kleiner Hint fürs nächste Quartal: Ich hoffe, dass Helena, die Illustratorin hinter den Cover-Illus, bald eine Parfüm-Flasche zeichnen und „Molecule“ darauf schreiben wird. Geza Schön stand von Tag Eins auf meiner Wunschliste und ich wünsche mir, dass wir uns spätestens im Tonstudio kennenlernen.

Neuer Blog, Podcast, was kommt als Nächstes?

Jetzt erst mal ganz viel Content! Und dann habe ich viel Neues geplant. Aber das behalte ich mal lieber für mich.

Das wahre Beauty-Verhör beginnt:

Welches Thema wird in der Beautybranche noch viel zu selten behandelt?

Selbstbewusstsein. Beauty ist eben mehr als nur Make-up, mehr als die Counter, die man in den Kaufhäusern sieht. Und sogar auch mehr als Hautprobleme und Hautpflege. In Amerika gibt es eine Beauty-Bewegung, #skinpositivity, die wirklich beachtlich ist. Unter dem Hashtag zeigen sich Frauen und Männer mit ihrer nackten Haut – vor allem auch mit krassen Hautzuständen wie starker Akne. Man muss mich damit nicht abfinden, man muss damit nicht happy sein – aber es ist doch total okay so zu sein! Ähnlich wie in der Body-Positivity-Message, geht es in der Hauptsache darum, sich zu lieben – no matter what. Mit Akne, mit großen Poren, mit Rosazea… Es kann sich alles verändern, aber man selbst bleibt, der Selbstwert bleibt. Das alles taucht in der Werbung nicht auf, nicht mal große Poren werden wahrhaftig gezeigt! Ähnlich wie bei dem patriarchalischen Bild der Frau in der Werbung, das erst langsam umgeworfen wird, ist es doch in der Beautybranche so, dass Bilder wieder gefeaturet werden, die wir lange nicht hinterfragt haben, obwohl sie nichts mit unserer Realität zu tun haben. Das Ergebnis: Ständiger Vergleich, mangelndes Selbstbewusstsein. Es wird Zeit, dass diese Themen mit verwoben werden, weil, ich wiederhole mich, hinter den Produkten einfach kein Punkt geschrieben werden darf.

Wenn du ein neues Produkt zugeschickt bekommst: Wonach entscheidest du, ob du es testet. Du hast ja auch nur ein Gesicht…

Ach, das ist manchmal eine Sache von Markensympathie, weil ich schon etwas von der Brand kenne, eine Frage von Wirkstoffen (alles mit Vitamin C finde ich erst mal sehr sehr interessant) oder Produktgruppen. Enzympeelings, Augencremes, Deos und jegliches Make-up finde ich immer einen Test wert. Und natürlich alles was nach Glow und Feuchtigkeit schreit! Mei, ich bin auch nur ein ganz normaler Beauty-Nerd...

Welches Beauty-Produkt hast du immer in deiner Handtasche?

Einen zarten Lippenstift oder einen stark getönten Lippenbalsam. Genau das sind die Lip Fetish Lip Balms von Pat McGrath und ich bin süchtig nach ihnen! Kann man ohne Spiegel auftragen und zaubert sofort das gewisse Etwas ins Gesicht. Aktuell habe ich zwei Farben, aber ich wünsche mir mehr mehr mehr!

Der wichtigste Beauty-Tipp, den du je bekommen hast?

Denke an das GROSSE Gesicht. Gesichtspflege hört nicht beim Kinn auf. Unbedingt auch an Hals und Dekolleté denken und ebenso bedenken, dass sich unsere Haut als Kopfhaut fortsetzt.

Was ist totaler Irrglaube?

Dass Masken unsere Hautprobleme retten – und zwar noch über Nacht. Gesichtsmasken wirken oberflächlich und können weder Akne, noch stark trockene Haut über Nacht wahrhaftig retten. Selbst Reinigungsmasken – und ich bin ein Riesenfan dieser Produkte – sind kein Allheilmittel gegen unreine Haut. Regelmäßig angewendet, können sie zum Beispiel Talg ganz gut regulieren, sind aber auch nur in Kombi zu einer ordentlichen Pflege bzw. einem Regime als sinnvoll zu sehen. Gute Reinigung, Peelings, ständige Feuchtigkeitspflege und on top Masken als Goodie – so macht es Sinn. Falten wegzaubern oder „plötzlich wieder toll aussehen“ schaffen sie dann aber doch nicht. Das wäre ja zu schön!

Hand aufs Herz: Cleane Inhaltsstoffe oder Wirkung auf den Punkt?

Finde ich natürlich beides super und manche Marken bekommen es auch gut hin beides zu machen. Meine Frage zu dieser Frage wäre aber wohl: Was heißt CLEAN? Clean Beauty ist kein geschützter Begriff und bedeutet für jeden etwas anderes: Reine, zertifizierte Naturkosmetik, naturnahe Inhaltsstoffe oder chemische Formulierungen ohne xy. Dieser Wert xy ist aber auch wieder für jede Brand und jeden Konsumenten selbst zu bestimmen.

Ich selbst liebe Wirkstoffkosmetik, weil ich erstens eine zu Unreinheiten neigende Haut habe und mit der reinen Naturkosmetik hier nicht happy werde und zweitens, weil der Anti-Aging-Effekt, oder nennen wir in Pro-Aging-Effekt, mit Wirkstoffen aus dem Labor einfach größer ist. Für mich gibt es, wird ordentlich produziert und sind die Wirk- und Inhaltsstoffe hochwertig, kein Argument dagegen. Mir ist immer wichtig zu vermitteln, dass es nicht diesen oder jenen Weg zu 100 Prozent gibt und dass es nur stresst, zu versuchen eine Richtung strikt einzuschlagen. Eine Leserin schrieb mir mal nach der Podcast Folge No. 2 (das Gespräch mit Julia Keith von Beautyjagd): „Danke, ich bin so erleichtert. Ich habe krampfhaft versucht einen Weg zu gehen und verstehe überhaupt nicht warum, nachdem ich das Gespräch gehört habe.“ Das liegt einfach an unserer Gesellschaft: Wir versuchen immer Gruppen zu bilden, Einstellungen zu bündeln und eine Absolution in den 100 Prozent zu finden. Ein Veganer, der zum Geburtstag Käse auf der Pizza isst? Ohne darauf zu antworten: Ich finde es wunderschöne, wenn jeder seinen Weg findet. Das Thema Hautpflege ist so komplex und individuell – hier passt einfach kein Schuh dem anderen. Die Reise zur Antwort auf seine Fragen kann aber auch sehr viel Spaß machen und ich wünsche mir, dass viele ihren Entdecker-Sinn freischalten und loslegen.

Was ist deiner Meinung nach das überhypteste Produkt auf dem Markt?

Boy Brow. Meine Güte, ich möchte gerne die Hände über dem Kopf zusammen schlagen! Es gibt SO viele gute Augenbrauen-Mascaras da draußen, so viele, die mindestens genauso gut sind (z.B. das Brow Gel von Milk Make-up oder Gimme Brow – der Klassiker von Benefit) und sogar einige wenige, die noch besser performen als Boy Brow (z.B. das Brow Gel von Hourglass). Was haben alle mit dem Glossier Ding?!

Und was wird absolut zu Recht gehypt?

Das BHA Peeling von Paulas Choice. Es ist klar und effektiv, es ist simpel und so gut. Das schätzend tausende Anwender*innen und ich verstehe warum! Peelings sind schwer zu durchblicken, wenn man sich nicht auskennt, aber Paulas Choice hält es simpel und transparent. Und selbst wenn man nicht versteht, was eine Betahydroxysäure macht: Das Ergebnis spricht für sich. Die Säure geht den Verhornungen einer zu unreinen neigenden Haut an den Kragen, entfernt sanft Hautschüppchen und klärt die verstopften Poren. Danke, Salicylsäure! Und Danke, Paulas Choice – ich kenne so viele Menschen, die darin ihren Gamechanger gefunden haben.

Wie sieht deine Beauty-Routine aus? Wie oft wechselst du Produkte?

Meine Beauty-Routine ist irgendwas zwischen fix und flexibel, aber hat doch ständige Komponenten: Eine gute Reinigung, effektive Peelings aller Art, Feuchtigkeitspflege/Hyaluron und ein paar Wirkstoffe, die meistens in Seren verbaut sind (Vitamin C, andere Anti-Oxidantien, Kollagenfördernde Stoffe oder spezielle Peptide) und ein paar Masken. Ich wechsele meine Produkte und auch die Marken nach Lust und Laune, weil ich mittlerweile ganz gut fühlen kann, was die Haut braucht. So ein Hautgefühl braucht eine ganze Weile und muss auch nicht jeden Tag anders sein. Wenn ich Produkte mag, kaufe ich diese natürlich auch nach oder verwende eine Creme bis zum Ende.

„Es gibt keine Make-up-Trends mehr und ich finde es ehrlich gesagt total toll. Alles kann nichts muss!“

Du bist ein großer Fan von professionellen Facials und Treatments. Wie viel Geld investierst du monatlich in dein Aussehen?

Ich habe das große Glück, dass ich immer mal wieder von Instituten zu Probe-Facials eingeladen werden. Wenn ich es dann SO toll fand, komme ich aber gerne wieder – das beste Zeichen, wenn ihr mich fragt. Jana von Reviderm in Hamburg bin ich, auch wenn ich viele Male „fremdgegangen bin“, über die Jahre immer treu geblieben. Es ist wie eine schöne offene Beziehung: Jana weiß, dass ich beruflich auch andere Facials ausprobieren möchte, dass ich auch darüber schreibe und immer wieder auch für Neues offen bin. Am Ende komme ich aber immer wieder zurück. Eine Ausreinigung plus Mikrodermabrasion kostet 115 Euro und ist jeden Cent wert. Empfehlenswert ist eine Hydrolage, eine durchfeuchtende Gipsmaske für 45 Euro, im Anschluss. Danach sehe ich so gut und frisch aus – man kann nicht glauben, dass ich gerade bei der Kosmetikerin war!

Was ist deiner Meinung nach der nächste große Make-up Trend?

Da kommt nicht mehr viel, wenn ihr mich fragt. Wir haben alles einmal durch, es werden nur noch Schwerpunkte verschoben. Es gibt keine Make-up-Trends mehr und ich finde es ehrlich gesagt total toll. Alles kann nichts muss! Es wird alles getragen oder eben nichts, viel Lippe oder viel Eyeshadow und wer mag: Beides. Frau, Mann, Mensch. Dann ist alles erreicht.

Was ist das unterschätzteste Beautybrand?

Mir fallen sofort drei Brands aus drei völlig unterschiedlichen Richtungen ein: Santaverde, weil viele nicht wissen, dass der Wasseranteil in den Produkten zu 100 Prozent aus Aloe Vera Saft besteht und das für die Haut, besonders wenn sie trocken oder unrein ist, einen enormen Benefit haben kann. 

Dann noch: It Cosmetics. Sieht alles etwas gimmicky aus, aber die Produkte sind einfach sooo gut. Mein Favorit ist die CC Cream, die schon viele kennen, aber es lohnt sich eben noch ein bisschen weiter zu stöbern…

Außerdem noch das Make-up von By Terry. Das Packaging lädt einfach nicht ein, sich alles mal anzusehen, ja, muss ich zugeben, aber neben dem grenzgenialen Concealer, weiß Terry de Gunzburg einfach, wie gutes Make-up geht. Selten, dass ich da mal was nicht richtig gelungen finde! Lasst euch also nicht von dem Lila abschrecken und taucht mal in die By Terry Welt ein – es lohnt sich!

Früher war ein Besuch bei Sephora das höchste der Gefühle. Gibt es heute noch etwas, was bei dir beautytechnisch die gleiche Vorfreude auslöst wie ein Sephora-Besuch in den guten alten Zeiten?

Ja, Selfridges in London. Das Kaufhaus ist immer so weit vorne, was neue Brands, aktuelle Lieblings-Marken und Mini-Treatments angeht, dass es ähnlich spannend ist wie ein Sephora-Besuch. Den finde ich übrigens in den USA immer noch toll, auch wenn es einige Produkte mittlerweile auch hier zu finden gibt. Dennoch: Viele Brands gibt es nur in Amerika und da bin ich dann natürlich doch etwas aus dem Häuschen, wenn man die Texturen und Farben vor Ort ausprobieren kann. Zum Beispiel Tatcha, Supergoop und Josie Maran, bei der Pflege, oder Bite Beauty in puncto Make-up. Pat McGrath Labs gibt es ganz neu auch in London, wo ich in besagtem Kaufhaus auch ein wenig ausgerastet bin. Das zeigt mir nur: Man wird gesättigter, aber meine Beauty-Liebe wird immer brennen.

Auf welchen Produktlaunch in Deutschland wartest du? Welches Produkt aus dem Ausland lässt du dir immer mitbringen?

Ich werde vergeblich warten, denn das Produkt, das ich sehr schätze und liebe und leider hier nicht bekomme, ist das „Baby Facial“ von Drunk Elephant. Die gehypte Marke gibt es mittlerweile auch bei Space NK und Cult Beauty zu bestellen, aber die tatkräftige Peelingmaske mit unschlagbaren 25 Prozent AHA- und BHA-Anteil ist mit dieser Ausführung in Europa nicht zugelassen. Deshalb finde man online die komplette DE Range, aber sucht das Peeling vergeblich. Ebenso vergeblich: Ein Dupe. Ich habe noch nichts getestet, das ich so effektiv und dennoch so gut verträglich empfunden haben wie das Sukari Baby Facial. Also muss ich es mir auch weiterhin aus den USA mitbringen lassen…

Mit welchem Brand würdest du für dein Leben gerne zusammenarbeiten?

Mit Chanel Beauté werde ich im kommenden Jahr enger zusammen arbeiten – ein absoluter Traum, weil ich ein riesengroßer Chanel-Fan bin – ob Skincare oder Make-up. Das ist ja schon in der Pipeline, also möchte ich noch eine Marke nennen, die ich unheimlich schätze und mir wirklich alles vorstellen könnte, weil es in meinen Augen ein „perfect match“ ist: Hourglass. Luxuriöses Make-up on point, mit so wundervollen, alltagsechten, erwachsenen Farben und sensationellen Texturen. Großer großer Fan!

Skincarewise würde ich natürlich gerne mit den Lieblingen arbeiten, die es in Deutschland noch nicht gibt: Drunk Elephant, Tatcha, Kate Somerville. Und Fresh! Die Marke entdecke ich gerade total für mich und da wäre eine Zusammenarbeit natürlich ein Traum!

Vielen Dank für dieses wahnsinnig ausführliche und ehrliche Interview, liebe Hanna, es war ein echter Beauty-Schmaus mit dir!

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