Der Travel Guide für Kroatien: Die Ruhe Mitteldalmatiens

Der Geruch von Kiefern, das Zirpen von Zikaden und eine Küste direkt an der Bergkette Biokovo: Mitteldalmatien hat neben einer wunderschönen Landschaft vor allem Ruhe und Entspannung zu bieten.

Während meine Freunde im Kindesalter mit ihren Eltern nach Rhodos, Mallorca oder in die Toskana flogen, um nach den Ferien von Clubtänzen zu berichten, packte mein Vater den Kofferraum unseres Autos in Tetrismanier voll – in den Sommerferien ging es für uns nun einmal nach Dalmatien, das war schon immer so. Hier, im Heimatort meines Vaters, ist es still, die wenigen Nachbarn kennen sich seit Jahren, unterhalten sich am Straßenrand, der nicht einmal einen Bürgersteig vorzuweisen hat. Im Dorf oben am Berg gibt es vor allem Ruhe, neben Automotoren jault vereinzelt nur ein Hund auf.

Seit Jahren komme ich nun schon nach Brela, früher mit der Familie, heute mit meinem Freund. Natürlich, für mich ist es ein Stück Zuhause und dennoch lege ich den Ort jedem ans Herz, mit dem ich über das Thema Urlaub spreche. Wer die Ruhe sucht, um sich vollends zu entspannen und auf Szeneclubs mit wilden Partynächten verzichten mag, der dürfte nach einer Auszeit in Brela ebenso ins Schwärmen verfallen, wie ich. Für den Einstieg habe ich die schönsten Ecken Mitteldalmatiens in einem kleinen Guide zusammengetragen.

Brela – Gornja Brela

Der „obere“ Teil Brelas, ein Stückchen Hinterland am Berg, sieht von Tourismus nicht sonderlich viel, ist aber dennoch ziemlich sehenswert. In den Berglandschaften wohnen hier noch einige wenige Menschen, die Wein und Schnaps verkaufen, Apartments anbieten und zum Teil Land mit Obst und Gemüse bebauen. In einem der kleinen Abschnitte wuchs mein Vater auf, das Haus steht noch immer, unsere Wohnung ist ein Anbau. Auf einem Platz neben der Kirche treffen sich ältere Männer abends zum Boule spielen, in der Konoba Roko gibt es draußen wie drinnen gutes Essen im gemütlichen Ambiente. Gleich davor steht in den Sommermonaten ein Obst- und Gemüsestand. Wer nach Brela kommt, der sollte sein Obst- und Gemüse ohnehin an einem dieser Stände kaufen (vorzugsweise nicht am Strand, denn dort ist es teurer). Es wird von Privatleuten angebaut, ist frisch und schmeckt oft besser, als die Ware aus Supermärkten.

Brela – Donja Brela

Der „untere“ Teil Brelas liegt an der Küste und birgt das Herzstück und gleichzeitig das Wahrzeichen, den berühmten Felsen. Der angrenzende Strand Punta Rata ist ein mindestens ebenso häufiges Motiv auf Postkarten, wie der mit Kiefern bewachsene Felsen. Im Jahr 2004 wurde er von Forbes zu einem der zehn schönsten Strände weltweit gekürt – noch immer ist man hier stolz darauf. Für mich ging es von klein auf an diesen besonderen Strand, von Jahr zu Jahr konnte ich so beobachten, wie er immer voller wurde. Wer nicht in einem der Hotels oder Ferienwohnungen wohnt, sollte es während der Hauptsaison meiden, am Wochenende hierherzukommen. Der Strand ist maßlos überfüllt, denn neben Urlaubern kommen dann auch Einheimische ans Meer.

Neben Punta Rata gibt es dennoch viele weitere Strandabschnitte und kleine Buchten, an denen es sich fast genauso schön liegen lässt. Kostenlose Parkplätze gibt es hier seit einigen Jahren schon nicht mehr. Wer nah an den Strand fahren möchte, muss mittlerweile 20 Kuna (etwa drei Euro) pro Stunde zahlen. Ein langer Spaziergang in Richtung Felsen führt entlang an Buchten und zwei bis drei Cafés. Geht man in die andere Richtung, führt der Weg in das Zentrum, wo es neben Restaurants, Imbissbuden und Cafés (das Eckcafé Mačić bietet leckeren Kaffee und eine tolle Aussicht) auch den Hafen gibt. Läuft man weiter, kommt man nach einem längeren Fußmarsch in den nächsten Ort.

Baška Voda

Wer abends oder auch am Tag nach ein wenig mehr Trubel sucht, aber dennoch nicht in eine größere Stadt fahren möchte, dem dürfte das Angebot in Baška Voda ausreichend sein. Neben einer Reihe an Strandbars finden sich hier auch Restaurants und kleine Plätze inklusive Livemusik. Nun ist Kroatien nicht gerade für Pizza bekannt, im Bistro Karlo gibt es allerdings sehr leckere Pizza aus dem Steinofen und einen schönen Ausblick. Baden lässt es sich hier an einigen Strandabschnitten zwar auch, allerdings ist die Straße nur wenige Meter entfernt. Jeden Abend findet hier außerdem ein Markt statt, auf dem allerlei Krimskrams, Kitsch und Süßes angeboten wird.

Makarska

Die erste größere Stadt nähe Brela umsorgt Besucher mit einem gemütlichen Zentrum, auf dessen Marktplatz regelmäßig Konzerte stattfinden. Oftmals sind die Plätze der umliegenden Cafés dann so voll, dass sich kein Sitzplatz mehr findet, doch auf der Steintreppe der Kirche lässt es sich mit einem Eis fast genauso gut aushalten. Wem nach der Musik noch etwas nach Schlendern ist, kann den Hafen gen Strand entlang laufen, vorbei an Lokalitäten und Eisdielen. Am Ende des Hafens beginnt ein Markt, über die Jahre haben sich hier neben dem Angebot an Lavendelöl und Muschelketten vor allem Souvenirshops angesammelt. Es mag nicht mehr den Charme von früher haben, ein schöner Zeitvertreib ist es dennoch. An den Enden der Reihen finden sich diverse kleinere Restaurants, oftmals als Fastfood ausgezeichnet. Neben Fisch und Fleisch gibt es hier meist Pommes, gegrilltes Gemüse, Pizza oder Nudeln.



Makarska ist trubeliger, viele junge Leute verbringen hier ihre Urlaube, denn es gibt deutlich mehr Möglichkeiten, zu feiern. Mythen sagen, die Buba Beach Bar sei großartig. Am Strand zu Clubmusik zu tanzen, mag für manche im Sommer dazu gehören. Wer doch lieber die Stille sucht, kann das im Muschelmuseum tun. Es ist recht klein und liegt etwas versteckt, sehenswert sind die Funde dennoch allemal.

Zadvarje

Zadvarje ist der nächstgrößere Ort und schließt an Gornja Brela an. Neben einer Tankstelle gibt es hier einen kleinen Supermarkt. Anschauen sollte man sich hier allerdings vor allem den Markt, der jeden Dienstagmorgen stattfindet. Es werden hauptsächlich Lebensmittel wie Käse, Fisch sowie Obst und Gemüse angeboten, außerdem gibt es eine Reihe von Ständen mit Körben und Werkzeug. Parallel läuft direkt nebenan ein Viehmarkt, auf dem Bauern ihre Tiere handeln. Ab und zu gibt es auch Leute, die Hundewelpen aus dem eigenen Wurf verkaufen – sie werden hier zumeist als Wachhunde gehalten. Bekannt ist Zadvarje aber vor allem für seinen Wasserfall und die Schlucht, die man von einem Aussichtspunkt sehen kann. Auch gibt es hier ein Wasserkraftwerk, welches Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem der größten in Europa zählte. In besonders heißen Sommern lohnt es sich außerdem, einen Ausflug zum Fluss Cetina zu machen und sich etwas herunterzukühlen. Für abenteuerliche Menschen wird hier Rafting angeboten.

Split

Die zweitgrößte Stadt Kroatiens hat nicht nur eine wunderschöne Altstadt, sondern auch den Diokletianpalast zu bieten. Den ließ der gleichnamige römische Kaiser für seine letzten Lebensjahre erbauen. Später diente der Palastkomplex als eine Art bewohnte Festung. Die engen Gassen und den Keller dürfte der ein oder andere aus Game of Thrones kennen – mittlerweile werden hier sogar ganze Touren zu den Drehorten angeboten. In den kleinen Gängen der alten Stadtmauern finden sich außerdem Geschäfte, Restaurants und Bars. Oftmals ist es hier etwas ruhiger, als in den Lokalitäten am Hafen. Neben der traditionellen Küche gibt es seit einiger Zeit auch immer mehr Angebote, die verschiedene Varianten für Vegetarier anbieten. Frischen Fisch, Obst und Gemüse gibt es auf dem Fischmarkt sowie dem Gemüsemarkt gleich neben dem Diokletianpalast.

Šibenik

Schmale Gassen und romantische Häuschen: Šibenik lädt zum Flanieren und Besichtigen ein. So gibt es neben der Kathedrale des Heiligen Jakobs diverse Festungen zu sehen. Insbesondere die Festung St. Michael bietet einen wunderschönen Blick über den Hafen, das Meer und naheliegende Inseln. Am mittelalterlichen Klostergarten kommt man beim Hinauf- und Hinabsteigen vorbei und kann sich bei einem Kaffee entspannen. Wer beim Essen lieber einen Ausblick auf die Kathedrale hat, kann versuchen, einen der wenigen Randtische des Restaurants Pelegrini zu ergattern, notfalls mit einer Reservierung.

Imotski, Roter und Blauer See

Imotski ist eine kleine Stadt Richtung Inland, deren Besuch sich vor allem wegen ihrer zwei Seen, beziehungsweise Dolinen (sogenannte Sinkhöhlen) lohnt. Der rote See ist eine der größten Einsturzdolinen weltweit und erhielt seinen Namen aufgrund der rötlichen Felswände. Während man diesen nur von oben betrachten kann, lässt es sich im blauen See sogar baden. Ist der blaue See ausgetrocknet, wird auf dessen Grund traditionell ein Fußballspiel ausgetragen. Kleiner Tipp: Zwar besteht der Weg nach unten mittlerweile zumeist aus Schotter, für das letzte Stückchen sollte man jedoch trotzdem Schuhe mit festem Halt tragen.

Krka Nationalpark

Wer nicht bis zum Nationalpark Plitvice fahren möchte, kann sich bereits im Krka Nationalpark Wasserfälle anschauen, über die langen Pfade und Holzwege spazieren und traditionelle Wassermühlen besichtigen. Es lohnt sich, ein Lunchpaket einzupacken, doch auch vor Ort gibt es zwei Stellen, an denen Snacks und Getränke angeboten werden. In der Hochsaison sollte man allerdings mit langen Schlangen und kleineren Staus an beliebten Stellen rechnen: Besonders der Bereich vor dem größten Wasserfall sowie die direkt anliegende Holzbrücke sind beliebt. Fun Fact: 
In den 60er Jahren wurden hier Teile der Winnetou-Filme gedreht.

Allgemeine Tipps

- Wer nach Brela und Umgebung kommt, der sollte dies entweder mit dem Auto tun oder sich vor Ort ein Auto mieten, denn öffentliche Verkehrsmittel gibt es hier wenige. 



- Obst und Gemüse werden reichlich an kleinen Ständen am Straßenrand von Privatleuten angeboten und sind meist frischer und günstiger als in Supermärkten.



- In Kroatien gilt noch immer die eigene Währung Kuna und Lipa. Wechselstuben findet man aber zur Genüge.



- Die kroatische Küche besteht vor allem aus Fisch und Fleisch, Vegatarier müssen insbesondere in Restaurants in kleinen Orten auf ausschweifende Mahlzeiten verzichten. Pizza oder Nudeln findet man jedoch trotzdem immer. 



- Statt auf Sandstrände setzt man hier auf Kies, weshalb das Wasser stets kristallklar ist. Wer Probleme hat, auf den Steinen zu laufen, sollte sich für seinen Urlaub aber dennoch Schwimmschuhe zulegen.

  • Fotos
    Julia Carevic

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