Reisen in Zeiten von Corona – der Beige Reiseguide für Mallorca

„Wenn du das Paradies ertragen kannst, dann komm nach Mallorca!"

Von Lea Schramm

Mit diesem Satz soll die amerikanische Schriftstellerin Gertrude Stein ihrem britischen Kollegen Robert Graves das Urlaubsziel im Jahr 1929 empfohlen haben. Die Deutschen scheinen den Ruf bis heute ernst zu nehmen, auch wenn sich auf der Insel vieles verändert hat: 2019 reisten mehr Deutsche nach Mallorca, als die meisten Bundesländer in Deutschland jeweils an Einwohnern haben, nämlich 4,5 Millionen. Was macht Mallorca zu unserem beliebtesten Reiseziel?

Corona macht sich diesen Sommer in der Urlaubsplanung vieler bemerkbar. Reiseziele innerhalb Deutschlands sind beliebt, überhaupt einen Urlaub planen und auch antreten zu können wird dieser Tage wertgeschätzt wie nie zuvor. Eine gute Veränderung, hätten wir doch viele Privilegien der westlichen Welt sowieso schon lange viel mehr wertschätzen sollen: Nur drei Prozent der Weltbevölkerung sind 2019 geflogen und weniger als 20 Prozent haben überhaupt jemals schon ein Flugzeug betreten. Vor dem Hintergrund dieser Zahlen ist es mir noch unangenehmer als sowieso schon, dass ich mich als junges Mädchen aus einem gehobenen Düsseldorfer Stadtteil manchmal fast geschämt habe, wenn es für uns in den Sommerferien wieder „nur“ nach Mallorca ging. Meine Mitschüler assoziierten mit der Insel ein Saufparadies und jetteten mit ihren Familien daher an die Côte d’Azur, zur Algavre, an die Amalfiküste, nach Mykonos oder direkt nach Kalifornien. Mittlerweile hat sich immerhin rumgesprochen, dass Malle noch so viel mehr zu bieten hat als den Ballermann, die Reihe Best-of Sonnenbrand und Sangria aus Eimern. Aber was macht die Insel seit Jahren zu dem beliebtesten Reiseziel der Deutschen außerhalb ihres eigenen Landes? Und wie fühlt sich Urlaub in Zeiten von Corona an? 

Es ist diesen Monat 27 Jahre her, dass die Bild mit der - selbst für ihre Verhältnisse - unterirdischen Sommerloch-Geschichte, Mallorca solle deutsch werden, an den Start ging. Der Ausgangspunkt dieser Story war ein Zitat des ehemaligen CSU-Bundestagsabgeordneten Dionys Jobst, der eher ironisch formulierte, Mallorca sei ja nahezu eine Insel deutscher Einwohner und die Bundesregierung solle doch mal mit Spanien um den käuflichen Erwerb in Verhandlung treten. Gefundenes Fressen für das Boulevardblatt. Bis heute kam es (natürlich) nicht dazu und Mallorca gehört nach wie vor zu Spanien - zum Glück! Die damalige Debatte hatte jedoch das beflügelte Wort des 17. Bundeslandes Mallorca hervorgerufen. Der Begriff hält sich bis heute. Ich bin, was Mallorca angeht, schon ein alter Hase. Zu meiner Geburt hat meine Familie ein Grundstück im Landesinneren in der Insel erworben und seither reisen wir jedes Jahr in meine zweite Heimat - in den ersten Jahren noch sehr häufig, mittlerweile aufgrund der schlimmen, klimatischen Konsequenzen von Flugreisen nur noch zu sehr ausgewählten Zeitpunkten. Diesen Sommer trat ich nach längerem hin - und herüberlegen trotz Corona die Reise an und gönnte mir eine mehrwöchige Auszeit.

Kürzlich habe ich von einer spannenden Berechnung gelesen: Würden sich immer zwei Personen nebeneinander stehend einen Quadratmeter teilen, würde die ganze Weltbevölkerung auf die Insel Mallorca passen. Sehr sinnbildlich für die Größe der Baleareninsel (vielleicht auch für die Weltbevölkerung, je nachdem, wie man’s nimmt).  Feststeht: Wer schon mal dort war, weiß, wie vielseitige Mallorca ist. Die Baleareninsel besticht durch landschaftliche und kulturelle Highlights, ist ein Paradies für Sportler, weil das Land bergig und das Wasser wellig ist. Man hat fast das ganze Jahr über eine Garantie auf gutes Wetter und die Insel schnell und günstig zu erreichen. Ich als Halbspanierin untersuche natürlich jeden Landstrich auf Authentizität und möchte den Deutschen noch mehr aus dem Weg gehen, als sie sich wahrscheinlich selbst. Das geht bei uns im Landesinneren ganz gut. Unser Haus liegt in St. Maria, wo niemand ein Wort Deutsch spricht oder versteht. Andere Urlauber genießen es aber eben mehr, kurze Wege zu haben, anderen Menschen aus verschiedenen Teilen Deutschlands zu begegnen und gemeinsam heiße Strandtage und trinkfreudige Partynächte miteinander zu verbringen. (Nach und vor Corona) auch völlig O. K. und jedem selbst überlassen! Das ist nun mal das Schöne an der Insel: Durch ihre Größe und die vielen Facetten findet jeder sein Urlaubsglück. Das nicht sehr vorbildliche Verhalten einiger weniger am Ballermann vor ein paar Wochen wirft natürlich einen Schatten über den Mallorca-Sommer, ich habe meine Zeit fernab vom Trubel dort jedoch sehr genossen. Alles war leerer, etwas ruhiger als sonst und die Spanier haben sich in diesen wirtschaftlich schweren Zeiten über jeden Touri gefreut – auch das war nicht immer so. Hier kommen meine ultimativen Tipps für die Insel:

Wo Schlafen, Essen, Cafétrinken und Abenteuer:

Hotel Portixol

Auch wenn die Unterkunft bei mir immer gesetzt ist, gehe ich bei jedem Mallorca-Besuch mindestens einmal im wunderschönen Hotel Portixol essen und habe anlässlich einer Hochzeit auch mal dort übernachtet. Nah an Strand und Stadt, tolles Essen und unglaublich freundliches Personal! Doppelzimmer ab 240 Euro.

Rialto Living & Cafe

Wunderschöner Interieur Laden im Herzen von Palmas Altstadt. Rialto Living lädt zum Inspirieren lassen für die Einrichtung des Landhauses im nächsten Leben ein und bietet tolle Mitbringsel für die Liebsten Zuhause! 

La Cueva

Das La Cueva ist eines der letzten authentischen, spanischen Tapas Restaurants in Palma. Es wird bereits in der dritten Generation geführt und die Karte lässt keine Wünsche übrig. „La Cueva“ ist übrigens die Höhle – der Name passt also zu dem unterirdischen Gewölbekeller, in dem man die fantastischen Tapas serviert bekommt.

Living Dreams

Im Living Dreams treffen sich Interieur und Gastronomie. Der tolle Laden hat einen magischen Garten mit toller Lunchkarte.

Restaurant Ca na Toneta

Im Ca na Toneta zaubern die Schwestern Maria und Teresa sowohl traditionelle – als auch selbst kreierte Rezepte. Sehr besondere Stimmung, regionale Produkte und alles sehr mallorquinisch. Besonders zu empfehlen ist der Rosé „Sen Sual“.

Celler Sa Sini

Das Celler Sa Sini ist nicht unbedingt für gutes Essen bekannt, aber die Kuchen, welche die Besitzerin täglich selbst backt, sind ein Traum! Also ab auf die Terrasse und zu einem Café con Leche durch die besten Torten der Insel durchtesten.

Café und Salzgewinnungsanlage Flor De Sal

Die Besichtigung einer „Salzgewinnungsanlage“ klingt erstmal nicht sooo sexy, macht aber große Freude. Hier werden jährlich 10.000 Tonnen Salz produziert und schon von weitem sieht man die großen Salzberge. Das Flor de Sal begegnet einem überall auf der Insel (auch ein geeignetes Mitbringsel!) und im Café sitzt man sehr nett. Ländliche Atmosphäre!

Playa Muro

Mein Stammstrand – allein der Weg vom Parkplatz zum Strand besticht durch schöne Pinien und viel Grün. Der Strand selbst ist leer, sauber und erinnert an die Karibik.

Es Trenc

Die Bucht um Es Trenc ist Naturschutzgebiet und schon lange kein Geheimtipp mehr, was aber natürlich auch Gründe hat. Vor allem Off-Season lohnt sich ein Besuch. Türkises Wasser, ein bunter Mix aus Besuchern, schöne Beachbars.

Caló des Moro

Die Bucht Südosten Mallorcas bietet ein Naturspektakel mit idyllischem Badestrand und ist noch nicht allzu überlaufen.

Bootstour ab Portals Nous

In Portals Nous tummeln sich die Boote der Luxusurlauber, aber auch die der Mallorquiner, die ihren Lebensunterhalt mit Bootstouren verdienen. Die meisten verfügen über Bluetoothboxen für den richtigen Beachsound und Kühlboxen für eine gute Flasche Rosé. Eine Tour zu den schönsten Buchten ist mein absolutes Urlaubshighlight – jedes Mal! 

Bar Sa Punteta

Die Bar San Puteta ist die ursprüngliche Definition eines Beachclubs – eine Holzbude erfüllt von lockerer Stimmung mit bezahlbaren Drinks und direktem Meereszugang. Kein Schnickschnack, keine neureichen Partygäste!

Darf nie fehlen: die Beige-Map für euch zum Abspeichern!

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