Der Beige Travel Guide für Italien: Comer See

Pizza, Pasta und Amore

von Lea Schramm

Pizza, Pasta und Amore – Italien erfüllt wirklich viele Klischees – und das sollte man feiern. Ich tat es dieses Jahr am Comer See, ein Fleck Erde der in seiner natürlichen Schönheit mit Kanada oder der Karibik mithalten kann. Nicht umsonst verbringt George Clooney dort jährlich die warmen Monate des Jahres. Ciao bella Italia

Kaum ein Reiseziel stand so lange auf meiner Liste, wie der Comer See. Wie auch Marie verliebte ich mich bereits 2019 in den Bodensee und seine traumhafte Umgebung. Nachdem ich dann dieses Jahr, während meines ersten richtigen Berliner Sommers alle Seen um die Stadt herum abgeklapperte, ist mir bewusst geworden, dass ich wirklich ein absoluter Seemensch bin und die Abkühlung im Stillgewässer fast – Achtung – mehr als einen Sprung in Mittelmeer genieße. 

Dieses Jahr entschied ich mich also endlich zum Comer See zu reisen und machte aus dem Trip eine Art Experiment, da ich die Reise mit einer brandneuen Freundin antrat. Marliesa und ich teilten im Frühling bei einem Boule-Rosé-Turnier mit gemeinsamen Bekannten die Leidenschaft für den Rosé (und nicht für Boule!) und kamen so ins Gespräch. Als ich sie nach ein paar Folgeverabredungen kürzlich an der Strippe hatte, wir über unsere Urlaubsplanung sprachen und ich teilte, wie gerne ich mal zum Comer See möchte, sagte Marliesa prompt, sie habe schon so lange Lust auf eine richtig gute Pasta und wann ich denn Zeit hätte. Ihre Spontaneität begeisterte mich und nur zehn Tage später trafen wir uns bereits am Flughafen Schönefeld.

Von da aus ging es nach Bergamo und mit dem Auto weiter zum Comer See. Dieser ist mit seinen 145 km² und einer Gesamtuferstrecke von 170 km der drittgrößte See Italiens und so groß, dass man sich für eine Ortschaft entscheiden muss. Wir entschieden uns für Menaggio im Westen und unternahmen von dort aus Ausflüge nach Bellagio und Como. Einen Mietwagen braucht man definitiv, innerhalb der Ortschaften kommt man aber gut zu Fuß voran. 

Die Gegend ist wunderbar um sich treiben zu lassen, am Morgen spontan den Tag zu planen und jedem Fleck, der einem gefällt, genug Zeit zu schenken. Rückwirkend kann ich, wie nach jedem Urlaub in Italien nur sagen, dass es für mich kaum ein Land gibt, über das so viele Klischees existieren, die sich immer wieder positiv bestätigen. Der erste Espresso nach Ankunft ist der Beste, die Italiener sind herzensgut und gastfreundlich bis in die letzte Pore und der Aufenthalt in dem traumhaft schönen Land versetzt oft in eine andere Zeit und stimmt einen grundsätzlich romantisch.

Mein bester Freund ist Italiener und lebt frei nach dem Motto „Un uomo senza pancia è come un cielo senza le stelle“, was übersetzt so viel heißt wie „Ein Mann ohne Bauch, ist wie ein Himmel ohne Sterne.“ Mein Urlaub am Comer See ließ es mich gut verstehen und zeigte mir einmal mehr, wie tief die Liebe der Italiener zu gutem Essen wirklich verankert ist. Wir hatten somit eine Woche erfüllt von unfassbar gutem Essen und vielen Bellini, ausgeglichen durch die schönsten Joggingrunden meines Lebens am See und lange Schwimmrouten. Trotz Urlauben an tollen Orten auf der Welt mit atemberaubender Natur wie Kanada oder Sri Lanka, war ich in dieser Hinsicht selten so fasziniert. Der Comer See ist so unglaublich schön, dass ich es kaum fassen konnte und überhaupt umgibt die ganze Gegend eine unglaubliche Aura. Ich kann eine Reise dorthin also wirklich nur empfehlen. Das Reiseexperiment mit neuer Freundin ist vollends geglückt! Jetzt aber genug geschwärmt, hier kommt mein Beige Travel Guide für den Comer See. 

Übernachten

Es gibt unzählige schöne Hotels am See, wobei man dafür jedoch etwas mehr Budget einplanen sollte. Außerdem ist die Auswahl wirklich sehr, sehr groß, weshalb wir uns für ein Airbnb entschieden. Dort wurden wir herzlich vom Gastgeber empfangen und konnten uns zudem im eigenen Garten etwas freier bewegen. Alternativ wurde mir oft das Boutique Hotel Garni Corona (welch eine Ironie..) empfohlen. Dort sind wir an einem Abend zum Apperitivo eingekehrt und waren sehr begeistert, vor allem die Lage ist toll. 

Restaurants

Ristorante del Porto Menaggio 

Das Ristorante del Porto ist stadtbekannt in Menaggio und jeder kennt jemanden, der irgendetwas mit dem Restaurant zu tun hat – egal ob als Fischer, Stammgast oder Barkeeper. Wir gingen hier während unseres Aufenthalts häufiger essen. Es gibt gute Pasta und frisch gefangenen Fisch, vor allem ist jedoch der unbeschreibliche Ausblick ein Traum! Die Portionen sind nicht riesig, für uns optimal, aber für den ein oder anderen vielleicht etwas zu sparsam.

Pronobis Como

Das Pronobis Como haben wir im Vorbeigehen entdeckt. Bis auf einen Tisch war die Terrasse vollbesetzt von freundlichen, schicken Italienern – ein gutes Zeichen! Die Lunchkarte besticht mit wenigen tollen und günstigen Gerichten. Zudem gibt es eine große Weinauswahl, die auch schon für Mittags etwas Leichtes bereithält. Die Kellner geben gerne Empfehlungen und wenn gewünscht auch Weinproben. Unbedingt draußen sitzen und die schicken Einwohner Comos beim Schlendern beobachten. 

Gelateria Giudi

Die Gelateria Guidi ist bekannt für das beste Eis in Como und ein in dritter Generation geführter Familienbetrieb, der jedoch gut mit der Zeit geht und mittlerweile fast alle Sorten vegan anbietet. Die Gegend um den Salon lädt herrlich dazu ein, sich ein Eis auf die Hand zu holen und damit durch die umliegenden Gassen zu schlendern. Dabei ist allerdings Schaufenster besichtigen angesagt, da die meisten Italiener kein Eis im Laden wollen.

La Fontana Bellagio

Bei unserem Ausflug nach Bellagio aßen wir abends im La Fontana. Die Karte ist groß und vielseitig, schaut man sich jedoch an den Nachbartischen um, sieht man, dass sich fast alle Italiener zwischen zwei bis drei Pastagerichten entscheiden. Wir taten es ihnen nach und hatten großes Glück. Die Pasta war ein Traum, die Dessertauswahl danach ebenfalls. Unbedingt einen Doppio (italienisch für doppelten Espresso) trinken! 

Conad

Für die Italiener Alltag – für uns das Paradies! Die Supermarktkette Conad hat verschiedene Frischetheken mit den leckersten Kleinigkeiten und wer sich in Spanien nach Tapas sehnt, sollte dies in Italien nicht weniger tun. Also: Unbedingt mindestens einen Abend Zuhause einplanen und idealerweise vorher die Einkaufsliste übersetzen, da die meisten Mitarbeiter kaum Englisch sprechen.

Sehenswürdigkeiten

Villa Carlotta

Die Villa Carlotta ist eine Sommerresidenz aus dem 18. Jahrhundert und beherbergt heute ein schönes Museum. Drum herum ist ein großer feiner Garten, der von einem mehrköpfigen Gärtner-Team täglich gepflegt wird und in dem alles blüht, was man sich vorstellen kann. Dazu gibt es einen tollen Buchladen, ein nettes Café und zum Verzehr von selbst mitgebrachtem Essen mehrere Picknickflächen. Tickets für die Ausstellungen sollte man vorbuchen, um auf der sicheren Seite zu sein.

Boot fahren

Ein weiterer Tipp für einen richtigen Tagesausflug ist es, ein Boot mit oder ohne Skipper zu mieten und somit den Tag auf dem See zu verbringen. Kleiner Tipp: Immer ordentlich Trinkgeld geben und die Handynummer von einem der Skipper sichern. So bekommt man manchmal auch spontan noch einen Slot, wenn es einen nochmal ans Wasser zieht, der Verleih aber gegebenenfalls schon ausgebucht ist. 

Drinks

Auch wenn es viele kleine Bars und Cafés um den Dorfplatz gibt, am liebsten gingen wir für einen Absacker ins Hotel du Lac, nicht zuletzt wegen dem unglaublich netten Personal. Hier bekommt man einen leckeren Campari Soda mit frischen Orangen aus dem Garten und kann der Live-Klaviermusik lauschen. Alles um den Dorfplatz ist übrigens auch sehr zum Leute kennenlernen zu empfehlen, wir kamen hier mehrfach mit netten Italiener*innen ins Gespräch.

Die Beige Map zum Herunterladen:

  • Fotos
    Lea Schramm

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