Felix Haas

Ist es überheblich, sich im eigenen Profiltext als signifikant, bemerkenswert und geliebt zu beschreiben? 

Oh.

Ich bin in Bremen geboren und aufgewachsen, doch eigentlich wollte ich diesen Text nicht so traurig einleiten. Passiert ist es trotzdem, genau wie mein Pottschnitt in der 4. Klasse. Während meiner Schulzeit erlebte ich das starke Gefühl der Unzugehörigkeit und Fremdheit, wie wahrscheinlich jeder schwule Junge (auch die mit schöner Frisur). In Bremen gab es zudem keine attraktiven Menschen, geschweige denn schwule attraktive Menschen. Dementsprechend war ich der späteste Spätzünder aller Zeiten und hatte meinen ersten Kuss mit 19. Doch das war gut, denn so entstand meine Motivation, das norddeutsche Kaff zu verlassen und was aus meinem Leben zu machen. 

Direkt nach dem Abi machte ich mein erstes ernsthaftes Praktikum bei zwei großen Architekturbüros in Shanghai und lernte, dass Praktika dazu da sind, dir Negativszenarios der Arbeitswelt zu veranschaulichen. Als ich etwas später in Berlin für den Bachelor angenommen wurde, packte ich die Highlights meiner Kleinstadt-Garderobe und zog nach Mitte an die U8. Neben meinem Sprachstudium an der günstig gelegenen FU veröffentlichte ich erste Artikel und dachte mir, dass ich doch was Kreatives machen sollte. An der FU konnten einige meiner Profs keine Computer bedienen (kein Scherz), von hier aus wäre also absolut jeder Lebensweg kreativ und futuristisch gewesen. Ein Gutes hatte die Zeit in Dahlem jedoch: Mit etwas Glück und dem gottgegebenen Talent, bei Bedarf wie eine amerikanische Touristin sprechen zu können, ergatterte ich mir ein Stipendium an der Berkeley in Kalifornien. Dort lernte ich, dass sich selbst Student*innen an Ivy League-Universitäten fragen, ob “Hittlurr” noch lebt und dazu nur bedingt das Kleine 1x1 beherrschen. Eines Abends in San Francisco konnte ich als Einziger in der Runde die Bar-Rechnung von 88+33=121 addieren. Needless to say, ich hatte einen Einser-Durchschnitt. 

Zurück im Land der sozialen Sicherungssysteme habe ich zwei Jahre lang Events organisiert und an den Bars der großen Berliner Clubs (Yes, auch im Berghain) gearbeitet. Zwischendurch habe ich Artikel in der Business Punk veröffentlicht oder “Prenzlberg” bei Notes of Berlin definiert. Um nicht im Club 27 zu enden, sattelte ich dann doch auf ein Master-Studium und den klassischen Nebenjob in einer Beratung um. Der Master in Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der UdK ist mittlerweile fast fertig und die Spuren des Nachtlebens durch intensive Gesichtspflege nahezu verschwunden. 

Nun ist Frühlingsbeginn, ich freue mich auf die neuen Projekte bei Beige und frage mich nach wie vor: Is it just them oder bin ich wirklich so gut im Kopfrechnen?

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