Mehr bewusster Konsum – Wie Asmi Ayurveda uns dazu inspirieren möchte

Ein Gespräch mit Asmi-Ayurveda-Gründer Murali Nuir, wie wir mehr Dankbarkeit im Alltag üben können

Kennt ihr ihn, diesen latenten Stress? Kleine Dinge, die nie ganz gut gehen, mitgeschleppt werden, sich multiplizieren und stetig an einem zerren? Wartet man lang genug und unternimmt nichts dagegen, kann man das Adjektiv „klein“ mit „riesig“ ersetzen. Plötzlich macht sich ein Gefühl der Hilflosigkeit breit und spätestens bei der Autofahrt von Hamburg nach Berlin weint man hemmungslos.

Ungefähr so ging es mir in letzter Zeit. Von Ayurveda habe ich schon einmal gehört, vor allem im Zusammenhang von Rezepten, aber so wirklich greifbar war mir der Begriff nicht. Jetzt weiß ich nicht nur, was Ayurveda ist, sondern kann euch sagen, dass dieses Interview eines der besten Gespräche des Jahres war. Es war die Art von Gespräch, die mich am Ende selig in meinen Stuhl hat sinken lassen. Das Gespräch mit Murali hat mich sehr beeindruckt und meine Perspektive gerade gerückt. Nicht nur das: Nach dem Interview habe ich erst einmal eine Stunde geweint. Nicht aus Verzweiflung, sondern vor Erleichterung. Es hat sich in mir etwas gelöst. Vielleicht der Frust über das Weltgeschehen. Oder aber ich habe die Erkenntnis erlangt, dass ich es einfach nie allen recht machen kann. Und das ist auch vollkommen in Ordnung.

Asmi Ayurveda-Gründer Murali Nair ist im indischen Kerala aufgewachsen, dem Ursprungsort des Ayurveda. Er kennt sich nicht nur mit Ayurveda aus, sondern hat es von klein auf gelebt. Die Lebensart wird seit Generationen in seiner Familie weitergegeben. Und das merkt ihr gleich beim Lesen seiner Antworten.

Steigen wir doch gleich mal mit der Hauptfrage ein: Was ist Ayurveda?

Es ist eine Lebensphilosophie oder auch Lebenswissenschaft mit ganzheitlichem Ansatz. Dessen Ziel es ist, im Einklang mit sich, den Mitmenschen und der Natur zu sein. Zu dieser Balance gehört auch die Frage, wie ich der Natur etwas zurückgeben kann. Wir ernten etwas aus der Natur für uns und sollten sie pflegen und uns um sie kümmern im Gegenzug. Nicht, um einen Nutzen aus ihr zu ziehen; sie zu „bewirtschaften”. Das ist essenziell. Es geht darum, sich loszulösen von dem Konzept, dass wir etwas tun müssen, um etwas zu erhalten – nur auf Gewinn, Vorteil oder Belohnung aus sein. 

Ayurveda wird oftmals auf den Konsum reduziert, aber es geht hauptsächlich darum wie man konsumiert. Ein Beispiel: Meine Oma hat beim Reis kochen das stärkehaltige Wasser nicht weggekippt, sondern den Kühen der Nachbarn gegeben, da sie dies gern getrunken haben. Einfach um sich um diese Lebewesen zu kümmern, ohne etwas als Gegenleistung zu verlangen. Sie hat nicht im Traum daran gedacht, das Wasser einfach wegzugießen. Diese kleinen Dinge gehörten zu meinem Alltag. Die Basis war immer das Selbermachen von Produkten und so wenig wie möglich zu verschwenden.

Mit Asmi Ayurveda möchten wir modernes Ayurveda in schönem Design nicht nur anbieten, sondern leben. Mit den Traditionen von Ayurveda bin ich und auch die Marke fest verwurzelt, da es zu meiner Identität gehört. Diese ganzheitliche positive Wirkung auf den Körper möchte ich weitergeben. Nicht nur mit Produkten.

„Ich prophezeie, dass Ayurveda in zehn oder 15 Jahren genauso populär sein wird, wie es Yoga jetzt gerade ist.“

Welche Produkte bietet Asmi Ayurveda denn an?

Als Erstes haben wir drei medizinische Tees herausgebracht. Tee ist ein wichtiger Bestandteil im Ayurveda. Die traditionellen Rezepturen der Tees stammen aus Indien. Wir haben sie gemeinsam mit meiner Mama und unserem indischen Hausarzt konzipiert und für den deutschen Markt übersetzt.

Der Energise Tee ist ein schwarzer Tee mit erfrischenden Gewürzen wie Ingwer, Kardamom, Nelken. Den Tee haben wir auch mit Indischem Ginseng, auch als Ashwagandha bekannt, angereichert, um den Cortisolpegel zu senken und dem Hirn einen Energyboost zu geben. Der Relax Tee ist wohl der am europäisch-schmeckenste Tee (lacht). Die Mischung aus Kamille, Fenchel und Melisse schmeckt recht mild und wirkt beruhigend. Der Purify Tee basiert auf einem Rezept meiner Mama. Es sind Bio-Tulsiblätter enthalten, die gut für den Darm sind. Diesen Tee hat meine Mama früher für uns mit Zutaten aus unserem Garten gemacht. Moringa, Hibiskusblätter und Tulsi wirken entgiftend. Tulsi wird ganz viel im Ayurveda gebraucht. Vor praktisch jedem Hindu-Haus wächst eine Tulsi-Pflanze.

Wir arbeiten mit einer Hamburger Teemanufaktur mit 140-jähriger Tradition zusammen, die ethisch geernteten Tee vertreiben. Die Zutaten unserer Tees sind bio-zertifiziert und bei einzelnen Komponenten, wie dem schwarzen Tee wissen wir genau wo dieser herkommt, nämlich von einer Teeplantage aus Assam, an der Grenze zu Myanmar. Die Kräuter, Gewürze und andere Zutaten sind aus Deutschland und, soweit hier nicht verfügbar, aus Indien.

Es gibt nur drei Blechdosenhersteller in Europa, einer davon mit Sitz in Deutschland. Abgefüllt werden unsere Tees in Gütersloh in einer integrativen Werkstatt. Wir versuchen so nachhaltig zu produzieren, wie es nur geht und dabei einen Kreislauf zu erschaffen. Im März 2021 haben wir dann drei Parfüm-Öle herausgebracht.

Wieso Parfüm-Öle?

Damit wollten wir ein Ritual aus meiner Kindheit im europäischen Kontext einführen. Als Kinder wurden wir an bestimmten Wochentagen, die im Hinduismus bestimmten Göttern zugeschrieben werden, erst mit Öl massiert und sollten dann 30 Minuten lang nichts tun beziehungsweise das Öl einwirken lassen. Danach durften wir uns mit Linsenpulver abwaschen. Meine Großmutter hat in ihrer Küche die Öle mit viel Liebe, Sorgfalt und therapeutischen Kräutern aus unserem Garten angerührt. Das ganze Erlebnis – das Öl auf der Haut, der Duft der Kräuter, die Berührung unserer Familie und die Stille während der Einwirkzeit – ist nicht nur gut für die Haut, sondern lässt einen herunterkommen, ankommen. Dieses wohlige Gefühl wollte ich mit nach Deutschland transportieren.

Als Interpretation dieses Rituals sind die Parfüm-Öle entstanden. Auf Basis von Sesam- bzw. Mandelöl und Düften, die zu den jeweiligen Elementen passen, sollen unsere Body-Öle zur Selbstmassage anregen. Diese wenigen Minuten, die man in den eigenen Körper investiert, geben den Muskeln Entspannung und Entlastung vom anstrengenden Alltag und gleichzeitig schaltet man auch den Kopf ab. 

Ich durfte alle drei Öle, sowie die drei Tees testen. Die Tees haben es mir sehr angetan. Zwar bin ich leidenschaftliche Kaffeetrinkerin, aber Tees trinke ich vor allem nachmittags und abends sehr gern zum Entspannen oder aber am Wochenende. Bei einer Teesorte bin ich sehr wählerisch - nämlich beim Chai. Mein Papa hat immer den besten Chai der Welt gemacht und bis dato konnten keine europäischen Chai-Mischungen da rankommen. Der “Energise Tea” von asmi war da eine kleine Offenbarung. Beim Aufgießen des Tees war der Duft schon “richtig” und beim Trinken des Tees (immer mit einem Schluck Milch!) habe ich mich in meine Kindheit versetzt gefühlt. Erst kürzlich hat asmi auch Nachfüllpackungen der Tees herausgebracht, die etwas günstiger sind als die Dosen. 

Die duftenden Körperöle tun genau das, was Murali mit dem Produkt beabsichtigt hat: Ich habe mir viel Zeit beim Einmassieren der Öle genommen, was auch daran lag, dass sie nicht nur vom Hautgefühl sehr luxuriös sind, sondern etwas mehr kosten. Ich habe schon viele Körperöle getestet und diese gehören definitiv zu der luxuriösen Sorte. Sie sind sehr ergiebig, duften himmlisch und machen die Haut extrem geschmeidig.

„Ayurveda ist kein quick fix oder ein Allheilmittel, um sich schnell gut und gesund zu fühlen.“

Glaubst du, dass Ayurveda noch mehr „Mainstream“ wird?

Absolut. Ich prophezeie, dass Ayurveda in zehn oder 15 Jahren genauso populär sein wird, wie es Yoga jetzt gerade ist. Yoga, genau wie Meditation, gehören beide zur ayurvedischen Philosophie. Es sind einzelne Disziplinen oder Tools, die einem helfen, mit sich selbst ins Reine zu kommen, sich zu erden.

Unser Gehirn kann teilweise gar nicht mit dem technologischen Fortschritt, der stattfindet, mithalten und sehnt sich nach Ritualen oder Bräuchen, die uns Sicherheit und Geborgenheit versprechen, Halt im Alltag liefern. Und das erfüllt Ayurveda mit Handgriffen (wortwörtlich) wie z.B. der Selbstmassage, die wir mit den Body-Ölen in den Alltag einbinden möchte. So können wir die vielen Eindrücke besser einordnen und verarbeiten.

Ich habe letztens gelesen, dass es mehr als 30 Prozent Single-Haushalte in Deutschland gibt (Anm.d.Red.: 2019 lag der Wert bei 42 Prozent). Dabei ist der Mensch ein Herdentier und braucht die Verbundenheit zu anderen, um besser zurechtzukommen. Soziale Kontakte sind genauso Ankerpunkte für uns, wie es bestimmte Rituale sind. Es ist die Basis, die wir brauchen, um die vielen Reize einzuordnen und uns zu erden. Beides bietet Ayurveda.

Was hältst du von Marken, die ayurvedische Produkte verkaufen, aber selbst den kulturellen Hintergrund nicht haben bzw. leben wie du?

Solange diese Firmen fair, nachhaltig, sozial inklusiv – also den Vorstellungen der Ayurveda-Philosophie nach mit der Natur und den Menschen im Einklang – produzieren, habe ich da nichts dagegen. 

Was ich aber nicht mehr sehen kann, sind diese Ingwer-Kurkuma Shots (lacht). Viele werden als ayurvedische Tradition vermarktet, aber das hat eigentlich rein gar nichts mit den traditionellen Shots zu tun, die meine Mutter zubereitet. Zu Hause benutzen wir zum Beispiel Bittergurke, was bei Diabetes helfen kann. Es ist aber schwer, diese Produkte für den europäischen Markt zu entwickeln, da die Ressourcen nicht einfach zu bekommen sind und man wegen der Haltbarkeit schauen muss. 

Ayurveda ist kein quick fix oder ein Allheilmittel, um sich schnell gut und gesund zu fühlen. „Trink diesen Shot und dir geht es wieder gut”, so läuft das nicht. Man muss Geduld mit dem Körper üben und weniger auf Trends setzen, sondern auf langfristige Rituale, die den Körper und Geist stärken. Das wollte ich unbedingt auch in Asmi einfließen lassen: diese jahrhundertealte Tradition, die mich geprägt hat. Darin wurzelt die Marke.

Arbeitest du schon an weiteren Produkten für Asmi Ayurveda?

Ja, zum einen an echten, authentischen Ayurveda-Shots (lacht). Außerdem überlege ich, eine Art Ayurveda-Retreat hier in Deutschland anzubieten, wenn es die Situation wieder zulässt. Die Idee kam mir, als ich selber an einer 14-tätigen Schweige-Meditation in Indien teilgenommen habe. 14 Tage sind aber echt lang. Stattdessen möchte ich ein zweitägiges Retreat, also ein Wochenende, anbieten. Ohne Smartphones oder Reden. Dafür mit ayurvedisch-gerechtem Essen, Yoga und Meditation. Eine Sache ist mir dabei sehr wichtig: die Hingabe oder eher ein Bemühen über sich hinauszuwachsen und sich auf die Erfahrung einzulassen. Leider habe ich es selbst erlebt, dass Teilnehmer sich gegen das Schweigen wehren und somit das Erlebnis für andere verderben. Dabei bietet die Stille eine Gelegenheit, in sich selbst hineinzuhören und sich zu erden.

Vielen Dank für das tolle Interview, Murali!

Ich hab Murali gleich gesagt, dass er mich für das Retreat vormerken kann. Ich bin zwar eine echte Sabbelstrippe, wie meine liebe Grundschullehrerin immer sagt, aber zwei Tage sollte ich wohl schaffen, oder? Was sich so unkompliziert anhört, könnte sich dank meines hektischen Alltags zu einer echten Herausforderung entpuppen.

Die Tees sind bei mir im Dauereinsatz, denn sie lösen in mir ein Gefühl der Ruhe und Vertrautheit aus, animieren mich zum Innehalten und Dankbarkeit üben – und genau das ist es, wozu uns Ayurveda anregt.

Sagt doch mal, wie findet ihr Ayurveda und habt ihr schon Erfahrungen damit?

Dieser Artikel wurde durch PR-Samples unterstützt. Dieser Artikel ist Werbung, da er Markennennungen enthält.

  • Fotos Gründer Murali Nair / Bodyöle
    PR

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