Das Beauty-Verhör mit Judith Springer

Wir sprechen mit der Gründerin von Fine über Holistic Beauty, ihre Hautpflege-Routine und darüber, was Kunst mit Schönheit zu tun hat

Beauty-Trends kommen und gehen, was immer in unserem Bad bleibt, ist Deo. Es gehört vielleicht zu den alltäglichsten Beauty-Produkten, ebenso wie Zahnpasta oder Duschgel, und wird wirklich universell benutzt: ob jung oder alt, egal welches Geschlecht oder welche Hautfarbe, alle benutzen morgens ein Deodorant.

Dieses Produkt zu revolutionieren, das hat sich Judith Springer, die Gründerin von Fine Cosmetics, zur Aufgabe gemacht. Anfangs steht sie noch in der heimischen Küche und tüftelt am perfekten, natürlichen Deo ohne Aluminium, jetzt, ein paar Jahre später, ist ihre Marke zu DEM Brand für natürliches Deodorant geworden.

Ihr Ansatz ist dabei eine schlichte, aber einprägsame Ästhetik, die eine Reminiszenz an alte Apotheker-Flaschen sind und ein einfacher Ansatz: Basic at its best – nur die besten Inhaltsstoffe und Produkte, die der anscheinend nie gesättigte Beauty-Markt noch braucht. Überflüssiges Tamtam? Nein, danke!

In den letzten Jahren hat Judith ihr Sortiment auch um Gesichts- und Körperpflege erweitert, führt jetzt auch befreundete Brands im eigenen Onlineshop. Interessant finde ich aber vor allem ihre holistische, ja fast schon meditative Einstellung gegenüber der Beauty-Welt. Man merkt: Judith hat einfach sehr viel Erfahrung, weiß, was sie und ihre Haut brauchen und muss nicht mehr jedem Trend hinterherrennen. Und genau deshalb habe ich sie zum Beauty-Verhör gebeten.

In diesen Zeiten eine wichtige Frage, die man nicht unterschätzen sollte: Wie geht es dir gerade?

Mir geht es fantastisch! Sowieso seit der Pandemie täglich immer besser, weil ich es zum Anlass genommen habe, noch mehr nach innen zu gehen, mich noch mehr aufs Wesentliche zu konzentrieren.

Wie haben sich die letzten anderthalb Jahre in der Pandemie für dich angefühlt?

Wie gesagt, gut. Nach ein paar Tagen der Unsicherheit, habe ich für mich klar festgestellt, dass es Sicherheit nur in mir gibt, und dass alles sowieso immer im Fluss ist. Angst ist schlecht für das Immunsystem, weshalb ich bzgl. Corona damit auch ganz schnell wieder aufgehört habe. Nachrichten schaue ich schon seit Jahren nicht mehr, lese auch keine Zeitungen, das bringt mich nur aus der von mir angestrebten Neutralität raus. Mit Beginn der Pandemie habe ich stattdessen angefangen, zweimal am Tag zu meditieren und nicht mehr nur einmal, was mich gleich wesentlich weiter vorangebracht hat. Für meine Firma ist das Ganze eine Berg- und Talfahrt, aber auch hier muss man das ganze mit einem größeren Panorama betrachten – dann relativiert sich vieles, und gehört dann doch wieder nur zur üblichen Dynamik.

Was hast du beruflich vor Fine gemacht?

Direkt nach dem Abitur habe ich Jura studiert, nach dem ersten Staatsexamen aber aufgehört, weil ich gemerkt habe, dass es doch nichts für mich ist. Ich bin dann nach New York gegangen und habe dort in mehreren Galerien gearbeitet bevor ich in Berlin dann mit einem Aufbaustudium angefangen habe. Danach habe ich zum Thema Kunst und Stadtentwicklung promoviert und anschließend bis kurz vor Fine als Kuratorin gearbeitet, meinen eigenen Ausstellungsraum gehabt. 2015 bin ich dann auch noch Yogalehrerin geworden.

„Ich habe einfach gemacht und war extrem im Moment. Ich konnte es mir damals erlauben zu sagen, wenn es den Bach heruntergeht, habe ich es jedenfalls probiert.“

Was haben Kunst und Beauty gemeinsam?

Ich werde oft gefragt, was Schönheit für mich ist, auch Schönheit in der Kunst. Für mich ist es Harmonie und Balance. Das betrifft nicht nur Kunst und Beauty, sondern eigentlich alles Lebensbereiche – ganz allgemein die Natur. Das ist das faszinierende und unbeschreiblich spannende daran. Das Streben danach und die Erfüllung.

Inwiefern hat dir dein Wissen als Yoga-Lehrerin und Kuratorin bei der Gründung deines Unternehmens geholfen?

Alles meine Unternehmungen und mein Wissen sind natürlich in Fine eingeflossen. Kunst und Yoga verbindet sehr viel. Für mich ist das das Streben nach Balance, nach Harmonie. Die Suche nach dem Punkt, an dem nichts ist und alles fließt. Diesen Punkt in der Kunst zu finden, ist unglaublich spannend und vor allem sehr befriedigend und aufregend. Im Yoga bedarf es, jedenfalls für mich, einer viel größeren Disziplin und Anstrengung an diesen Punkt zu kommen. Hier darf ich mehr das Loslassen lernen. Alles Qualitäten, ohne die Fine nie das geworden wäre, was es jetzt ist. Ich hatte außerdem vorher schon andere Unternehmen gegründet, war also in Übung und konnte wunderbar aus vorher gemachten Fehlern lernen.

Was hast du dir bei der Gründung von Fine einfacher und was schwerer vorgestellt?

Ich habe mich ganz bewusst frei von Vorstellungen gemacht und habe gar nicht an Morgen gedacht. Ich habe einfach gemacht und war extrem im Moment. Ich konnte es mir damals erlauben zu sagen, wenn es den Bach heruntergeht, habe ich es jedenfalls probiert. Und tatsächlich lief eigentlich alles sehr leicht und einfach.

Kannst du für alle, die Fine noch nicht kennen, einmal die Besonderheit deines Unternehmens zusammenfassen?

Fine repräsentiert konsequente, luxuriöse Naturkosmetik, hocheffektiv, super nachhaltig und absolut ehrlich. Made in Germany und designt in Berlin. Mit einem Schwerpunkt liegt auf Ästhetik.

Warum funktionieren die Fine Deos so gut?

Alle Inhaltsstoffe sind antibakteriell, hier vor allem die ätherischen Öle. Das Natron bildet ein basisches Milieu, in dem Bakterien es schwer haben, denn sie bevorzugen saure Milieus. Die gesamte Rezeptur ist so angelegt, dass der Schutz möglichst lange hält ohne deine Haut zu strapazieren.

Wie trägt man Deo am besten auf? Was für Fehler kann man machen?

Viele Leute benutzen zu viel, unter dem Motto viel hilft viel. Dabei reicht eine maximal erbsengroße Menge in der Regel vollkommen aus. Ich persönlich bevorzuge den Stick, da muss ich mir danach nicht die Finger waschen. Den Spatel habe ich noch nie benutzt, ich habe ihn vor allem ergänzt, da viele Kund*innen danach gefragt haben.

„Ich habe nie eine Maske gehabt, bei der ich richtig deutlich Ergebnisse sehen konnte und die das auch in den Inhaltsstoffen reflektiert hat.“

Mittlerweile machst du auch Gesichts- und Körperpflege. Wie kam es dazu?

Mein Motto ist grundsätzlich, dass ich nur Produkte auf den Markt bringe, der eh schon voller als voll ist mit unendlich vielen Produkten, die es so noch nicht gibt und die ich gerne hätte. So sind auch die Gesichts- und Körperprodukte entstanden. Ich habe nie eine Maske gehabt, bei der ich richtig deutlich Ergebnisse sehen konnte und die das auch in den Inhaltsstoffen reflektiert hat. Also musste meine Wirkstoffmaske her. Da man normale fetthaltige Masken nicht um die Augen herum auftragen soll, wegen der kriechenden Öle, musste also noch eine Augenmaske her. Und da viele Texter*innen befanden, dass so ein Augenprodukt auch für den Tag hermüsse, kam also noch das Daytime Radiance Eye Serum dazu.

Die Bodyseren habe ich kreiert, da ich mir immer ein Gesichtsöl mit einem Feuchtigkeitsserum in der Hand gemischt habe und es auf mein Gesicht aufgetragen habe. Dieses Gefühl auf der Haut liebe ich! Und ich habe mich gefragt, warum es so etwas nicht auch für den Körper gibt? Gesagt getan. Entstanden sind diese drei Seren für den Körper, die in ihrem Formulieren so hochwertig sind, dass sie eigentlich Gesichtspflegeprodukte sein könnten.

Was für Produkte erwarten uns als Nächstes? Wovon träumst du?

Ich habe ein paar Produkte im Kopf, noch nichts Konkretes aber. Wahrscheinlich werde ich die Körperpflege noch etwas erweitern, um luxuriöse Selfcare-Momente noch weiter auszudehnen und möglich zu machen.

Was ist dein persönlicher Lieblingsduft?

Natürlich die Kopfhaut meiner Kinder (vor der Pubertät), Sonnenhaut, frisch gemahlener Kaffee, der Bart meines Mannes... das „übliche“ also. Was Kosmetika angeht, habe ich keine Favoriten, ich liebe aber z.B. die Düfte (neben meinen eigenen) von Namari Skin und May Lindstrom.

Wie wichtig ist dir Nachhaltigkeit im ganzen Unternehmen?

Absolut zentral und wichtig! Ich versuche stetig Prozesse neu zu überdenken und in Richtung Nachhaltigkeit zu optimieren. Seit kurzem biete ich an, dass leere Gläser an uns zurückgegeben werden können, die wir dann wieder in den Produktionsprozess eingliedern. Alle unseren Verpackungen sind plastikfrei und wo es geht recycelt. Wir bringen Kartons von zu Hause zum Wiederverwenden mit ins Büro. Wir fahren ausschließlich mit dem Fahrrad oder dem ÖPNV ins Büro, nutzen Ökostrom, fahren mit der Bahn zu Geschäftsreisen, sind bei einer nachhaltigen Bank und so weiter und so weiter... Unsere Hauptproduktionsstätte ist an sich NCS zertifiziert, das heißt, dass hier auch in der Produktion strenge Nachhaltigkeitsstandards angesetzt und erfüllt werden müssen.

Was willst du in Zukunft noch verbessern?

Wo immer es die Möglichkeit gibt, Verpackungen noch nachhaltiger zu gestalten, wir werden es umsetzen. Ich bin offen und halte mich über Neuerungen auf dem Laufenden.

Verwendest du selbst auch nur Naturkosmetik?

Ja, ausschließlich. Ich habe mal bei Haarprodukten Ausnahmen gemacht, aber mittlerweile kann ich künstliche Gerüche kaum noch ertragen. Fällt also auch weg.

Was sind Momente, in denen du deinen Job so richtig liebst?

Ich liebe meinen Job eigentlich immer. Aber natürlich, wenn ich Mails von begeisterten langjährigen Kund*innen bekommen, die mir ihr Herz ausschütten und voll des Dankes sind. Das ist wundervoll, dafür bin ich ebenfalls zutiefst dankbar!

Das Beauty-Verhör beginnt:

Schönheit kommt ja bekanntlich auch von innen. Inwiefern ist da was dran und was tust du, um deine innere Schönheit zu boosten?

Das kann ich nur unterstreichen, Ausstrahlung ist alles, das innere Licht zum Strahlen zu bringen! Aber auch Mitgefühl, Liebe, Güte etc. sind alles Charakterzüge einer schönen Person. Ich tue etwas dafür, indem ich mich täglich, stündlich, minütlich um mein inneres Wohl kümmere, den Tag in Freude lebe, viel meditiere und täglich Yoga übe. Meine neuste Entdeckung ist Gaga Dance, das integriere ich ebenfalls gerade – Freude pur! Dazu lebe ich schon seit Jahren vegan und ernähre mich seit über einem Jahr nach Anthony William, womit ich sehr gut fahre und mich rundum wohlfühle.

Welches Thema wird in der Beautybranche noch viel zu selten behandelt?

Das ist schwer zu sagen, gefühlt ist ja alles schon mal dran gewesen. Ich würde mir mehr holistische Ansätze wünschen und noch mehr Innovation im Naturkosmetik-Wirkstoff-Bereich.

Wie sieht dein Everyday-Look aus? Worauf kannst du auch an einem Sonntag auf der Couch nicht verzichten?

Meine tägliche Beautyroutine, zu der auch alle zwei bis drei Tage eine Gesichtsmaske (vor allem sonntags) gehört, lasse ich nie aus. Bei mir gibt es eigentlich nie Sonntage auf der Couch. Aber selbst dann würde ich mich schminken, jedenfalls die Basics (Concealer, Browgel und Mascara). Das mache ich in erster Linie, weil es mir einfach jeden Tag unglaublich viel Freude bereitet. Schon als Kind habe ich mich unglaublich gerne angemalt.

Welches Beauty-Produkt hast du immer in deiner Handtasche?

Eigentlich keins, ich habe es immer wieder probiert, da viele es ja so machen und ich immer mal wieder Täschchen dafür geschenkt bekam. Aber irgendwie nutze ich Beautyprodukte nicht zwischendurch. Neuerdings trage ich aber einen Lippenpflegestift von Dr. Hauschka und eine Handcreme mit mir rum. Und tatsächlich benutze ich sie hin und wieder.

Was ist dein Holy-Grail-Produkt?

Natürlich eins meiner Deodorants, ohne die ich nie aus dem Haus (oder Badezimmer) gehen würde. Ich bin zu 100 Prozent von meiner Overnight-Mask überzeugt, sie ist ein Phänomen! Ich liebe darüber hinaus den Honey Mud von May Lindstrom. Wie du siehst, fällt es mir schwer, nur ein Produkt auszuwählen... es gibt so viele tolle Sachen!

Der wichtigste Beauty-Tipp, den du je bekommen hast?

Schlaf auf dem Rücken, das zaubert Dekolleté- und Augenfalten weg.

Was ist totaler Irrglaube?

Was ich gelernt habe in den fünf Jahren Fine: Jeder Mensch ist vollkommen anders, jeder ist sein eigenes Universum. Wenn man das unterbricht, kann man eigentlich nicht sagen, dass es einen Irrglauben überhaupt gibt. Wenn die betreffende Person da ganz fest dran glaubt, dann ist es für sie auch stimmig – was für jemanden anderes fatal sein könnte. Von daher habe ich aufgehört, diese oder irgendeine Wertung in diese Richtung abzugeben.

Wie stehst du zum Begriff Anti- oder auch Better-Aging?

Jemand, den ich sehr schätze, sagte mal, wer Probleme mit dem Alter hat, hat Probleme mit Reife. Das finde ich sehr treffend! Altern ist etwas Wundervolles, ich möchte nicht nochmal Teenie oder Anfang 20 sein! Sowieso wünsche ich mir, dass in unserer Gesellschaft das Alter nicht so negativ konnotiert ist, wie es eben ist. Natürlich gehen deshalb für mich Begriffe wie Anti- oder Better-Aging eigentlich nicht. Pro-Aging sollte es heißen!

„Ich bin der Überzeugung, dass für oder gegen alles ein Kraut gewachsen ist.“

Bei welchem Produkt hast du noch keine nachhaltige, natürliche Alternative gefunden? Bzw. Bei welchem Produkt greifst du immer noch auf herkömmliche Inhaltsstoffe zurück?

Von den Produkten, die ich momentan nutze, keins. Ich bin der Überzeugung, dass für oder gegen alles ein Kraut gewachsen ist.

Was ist deiner Meinung nach der nächste Beauty-Trend?

Luxuriöse Home-Spa-Momente und die entsprechenden Produkte werden eine größere Rolle spielen.

Wie sieht deine Beauty-Routine aus? Wie oft wechselst du Produkte?

Morgens benutze ich momentan (ich wechsle häufiger) zum Reinigen Kokon von Namari (ein Lieblingsprodukt), zum Tonen den Radiance Booster Mist von Amly (ich liebe ihre Sprays), dann mische ich das Hydration Booster Serum von A.Florence Skincare mit meinem momentanen Lieblingsgesichtsöl von Costa Brazil. Für die Augen unser Daytime Radiance. Anschließend (hier wechsle ich am häufigsten) das Vitamin-C-Serum oder den Moisturizer von A.Florence und abschließend den Tinted Moisturizer mit SPF von Josh Rosebrook (auch ein absoluter Favorit).

Abends nutze ich als erstes Nektar Reinigungsöl von Namari, anschließend für die zweite Reinigung Kokon. Gefolgt vom Daily Acid Toner von Josh Rosebrook. Dann den Hydrating Accelerator von Josh Rosebrook. Anschließend mische ich wieder ein Gesichtsöl mit einem Feuchtigkeitsserum oder ich benutze unsere Overnightmaske so oder dünn als Nachtcreme. Manchmal kommt drüber noch der Balm von Fifty7.

Was ist das unterschätzteste Beautybrand?

A. Florence Skincare (aus UK), Amly (ebenfalls UK) und Namari Skin (Schweiz). Es gibt so viele tolle Beautyprodukte und Brands, einige meiner Lieblingsmarken habe ich angefragt und verkaufe sie auch auf meiner Fine-Website unter „Friends Produkte“. Im Shop habe ich stets zu jedem Produkt geschrieben, wie ich es benutze und wie es am besten in eine Routine passt. Dabei sind auch die Pflegeprodukte von Amly und Namari Skin.

Mit welchem Brand würdest du für dein Leben gern zusammenarbeiten bzw. eine Kooperation mit Fine eingehen?

Ich liebe RMS (habe alle Produkte!) und Kjaer Weis finde ich auch ganz toll. Und natürlich Josh Rosebrook, ein Genie. Das wäre fein!

Vielen Dank für das tolle Interview, liebe Judith!

Alle Favoriten von Judith in der Übersicht:

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