Die besten Horrorfilme und Gruselserien auf Netflix und Amazon

Weil heute Halloween ist, aber auch für alle anderen 364 Tage im Jahr.

Ich gehöre zu der nerdigen Sorte Mensch, die am liebsten jeden Abend einen Horrorfilm gucken würde. Ja, auch alleine, sogar lieber alleine. Erstens kann ich es nicht leiden, wenn die Person neben mir mich alle drei Sekunden fragt, was als nächstes passiert und zweitens möchte ich mich auch den schlechtesten B-Movies ohne Scham hingeben. Öfter schon habe ich überlegt, warum es ausgerechnet Gruselfilme und Crime-Storys sind, die ich so sehr liebe, wenn ich doch im richtigen Leben so ein nerviger Gutmensch bin. Ich denke, dass dieses „richtige Leben“ genau der Punkt ist. Sich zu gruseln, zu ekeln und zu fürchten macht niemandem Spaß ... wenn es real ist. Doch auch die schlimmsten Horrorfilme kann man sich immer mit dem Wissen im Hinterkopf angucken, dass es da um Schauspieler*innen handelt, umgeben von einem Filmteam, die dem Skript eines Drehbuchs folgen – nicht um echte Menschen. Wenn ihr dennoch zu den Leuten gehört, die das Gesehene in Albträumen verarbeiten, nun, dann ist das hier heute nicht euer Lieblingsartikel. Als endlose Pragmatin kann ich nach dem Genuss eines Gruselfilms erster Güte ohne Probleme nachts in den Kellerverschlag meines Mietshauses gehen oder mit dem Hund um den stockfinsteren Block.

Was mich allerdings juckt ist das wirklich endlose Suchen nach guten Gruselfilmen im Netz. Ich rede hier von legalen Streams, wohlgemerkt. Denn auch mit einem Netflix-Abo und als Amazon-Prime-Kundin artet die Suche oftmals in einen stundenlangen Scroll-Marathon aus, der nicht selten mehr Lebenszeit frisst, als der anschließende Spielfilm. Und das ist mein persönlicher Horror.

Schluss mit dem endlosen Scroll-Marathon durch die Streaming-Dienste!

Doch damit ist jetzt (wenigstens für euch) erst mal Schluss. Sharing ist bekannterweise caring und aus diesem Grund lasse ich euch von meiner Erfahrung und vergeudeten Lebenszeit auf der Suche nach adäquatem Horror profitieren. Seit etwa einem Jahr haben es auch Serien auf mein Radar geschafft, ein Format, dem ich im Zusammenhang mit nervenaufreibendem Grusel lange nichts zugetraut habe. Welche Serie diesen Change of Mind hervorgerufen hat, werdet ihr im Laufe meiner liebevoll kuratierten Auswahl lesen.

Natürlich ist meine Auswahl hier aber begrenzt – sonst säßen wir morgen noch hier. Es gibt, neben den Filmen und Serien, die ich vorstelle, noch zahlreiche andere Kracher sowohl auf Amazon, als auch Netflix. Seht es mir also nach und fühlt euch herzlich eingeladen, die Liste in den Kommentaren nach eurem Gusto zu vervollständigen. Also, womit fangen wir an? Ich würde sagen, mit Netflix.

Meine Top 6 Horrorfilme und -serien auf Netflix

The Ravenous

Der kanadische Film The Ravenous hat berechtigterweise auf mehreren internationalen Filmfestivals ordentlich Preise abgesahnt. Nach einer Katastrophe wurden, wie sollte es anders sein, große Teile der Bevölkerung ausgelöscht. In der kanadischen Provinz Quebec findet sich auf dem Land eine Gruppe der letzten noch lebenden Bewohner*innen zusammen. Gemeinsam suchen sie Schutz und versuchen, zu überleben. Doch das Essen ist knapp und die überall umher wandelnden Zombies stellen nicht nur eine ständige Gefahr da, sondern scheinen irgendwie einem höheren Plan zu folgen ...

Don't Breathe

Die drei Teenager Money, Alex und Rocky aus Detroit verdienen sich ein Zubrot, indem sie in die Häuser der Nachbarschaft einbrechen und allerlei Wertsachen klauen und verkaufen. Ein Tipp bringt sie auf den Kriegsveteranen Norman, der angeblich 300.000 Dollar in seinem Haus versteckt halten soll und aufgrund seiner Blindheit als einfaches Opfer erscheint. Gesagt, getan. Während ihres Einbruchs muss das kriminelle Trio jedoch feststellen, dass ihr blinder Gegenspieler alles andere, als hilflos ist und es beginnt ein nervenzehrendes Katz-und-Maus-Spiel im nächtlichen Haus des alten Mannes.

Mit schlichten Mitteln wird hier ein spannender Thriller geliefert, der vom Anfang bis zum Ende fesselt. Vielleicht auch euch?

Train to Busan

Die Koreaner haben es in Sachen Thriller faustdick hinter den Ohren, das wissen die meisten spätestens seit Old Boy. Doch auch neue Werke kommen mit originellen Drehbüchern zu bekannten Themen um die Ecke. So auch der Zombiefilm Train to Busan, der so rasant, schnell und gnadenlos ist, dass man stellenweise fast nicht mehr hinterherkommt.

Gemeinsam mit seiner Tochter fährt Seok-woo im Schnellzug nach Busan, als sich wie aus dem nichts eine tödliche Infektion ausbreitet, die alle Infizierten zu blutrünstigen Zombies macht. Wozu auch sonst? Die obligatorische Gruppe Überlebender, in der sich Seok-wook und seine Tochter befinden, stürzt von einem Drama ins nächste, während die Welt komplett verrückt geworden zu sein scheint. Zu Recht wurde der Film schon als „28 Days Later auf Crack“ bezeichnet. Wenn ihr es rasant mögt, solltet ihr ihn auf jeden Fall anschauen.

The Invitation

Mein kleiner Überraschungshit diesen Sommer auf Netflix. The Invitation ist nicht nur klasse, weil man sich eineinhalb Stunden lang Logan Marshall-Green angucken kann. Der im Stil eines Kammerspiels gehaltene Thriller überzeugt ebenfalls durch einen stimmigen Spannungsaufbau und greift das (im Horror beliebte) Sujet von Gast und Gastgeber gekonnt auf. Will und seine Freundin Kira werden von Wills Ex-Freundin Eden zu einer Dinnerparty eingeladen. Will hat lange nichts von ihr gehört und er und Kira sind reichlich irritiert ob der plötzlichen Einladung. Die Lust auf dieses Event hält sich also in Grenzen, aber was will man machen.

Beim Dinner sind weiter alte Freunde geladen und es baut sich langsam die Handlung um die geladene Gesellschaft auf und wird immer unheimlicher, während der Plot mysteriöser und die Charaktere verschrobener und verdächtiger werden – bis zum großen Knall am Ende. Na dann, guten Appetit.

Shadow of Truth

Shadow of Truth ist zwar kein Horrorfilm, sondern eine Dokumentation. Doch die Geschehnisse und Ungerechtigkeiten, die hier skizziert werden, hätte sich kein*e Drehbuchautor*in schlimmer ausdenken können. Die Dokumentation behandelt dem Mord an der damals 13-jährigen Israelin Tair Rada, die im Jahr 2006 brutal in der Toilette ihrer Schule ermordet wird. Schnell wird der Gärtner Roman Zadorov festgenommen und für den Mord an dem Mädchen verurteilt. Shadow of Truth widmet sich der Überzeugung, dass der ukrainische Immigrant damals zu Unrecht für den Mord verurteilt wurde und selbst ein Opfer der gnadenlosen Mühlen von Polizei und Justizsystem ist.

Shadow of Truth hat einen Donnerhall vor allem in den israelischen Medien ausgelöst und wird als Making a Murderer aus Nahost bezeichnet. Spannend, fesselnd und absolut aufreibend!

You're Next

The Purge meets Agatha Christie. Die Familie Davidson wollte eigentlich in größerer Runde den Hochzeitstag der Eltern in ihrem großzügigen Landhaus feiern. Doch schon beim ersten gemeinsamen Abendessen wird klar, dass dieses Wochenende tödlich enden wird. Eine Gruppe Tiermasken tragende Eindringlinge macht sich nämlich daran, Familie Davidson nach und nach zu eliminieren. Diese weiß sich jedoch zu helfen wird dabei höchst kreativ – ob es am Ende hilft? Müsst ihr schon selbst herausfinden.

Natürlich gibt es noch viele andere, wirklich sehenswerte und gute Gruselfilme auf Netflix. Hier kommen noch ein paar Empfehlungen im Schnellmodus: Das Spiel – eine Frau, ihr Ehemann und ein schief gelaufenes, erotisches Wochenende. The Ritual – vier Männer im verfluchten Wald. Human Centipede II – nur für die wirklich Harten (ich habe mich bisher auch nur an Teil I getraut). Véronica – 70 Prozent der Netflix-Zuschauer*innen haben angeblich vor dem Ende abgebrochen. Hounds of Love – krankes Pärchen entführt in den 80ern ein nicht so hilfloses Mädchen.

Meine Top 6 Horrorfilme und -serien auf Amazon Prime

The Terror

Ich gebe zu, ich habe in der Einleitung ein wenig geflunkert. Die AMC-Serie The Terror hat mich noch wochenlang verfolgt. In der Serie begleiten wir die Crews der beiden Expeditionsschiffe HMS Terror und HMS Erebus auf ihrer 1845 gestarteten Forschungsreise ins Nordpolarmeer. Ziel ist es, die Nordwestpassage erstmals in ost–westlicher Richtung zu durchsegeln, um einen schnelleren Seeweg nach Asien zu finden. Im September 1946 frieren beide Schiffe im Polarmeer fest und das ist auch der Moment, in dem die Hölle auf Erden über die Besatzung und die beiden Kapitäne hereinbricht.

Die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten, was eventuell der Grund ist, warum mich die Serie so mitgenommen hat. Trotz unnötigerweise eingestreuter Fantasy-Handlungen ist The Terror eine Serie, die durch ihre brutale Realität schockt. Die Bilder, die gute und perfekt eingesetzte Musik und die schauspielerischen Leistungen machen The Terror für mich zu einer der gruseligsten Mehrteiler, die ich seit Langem gesehen habe.

So finster die Nacht

So finster die Nacht von Tomas Alfredson schafft es gleichzeitig unglaublich gruselig und unglaublich zart zu sein. Die Handlung spinnt sich um die kindliche Zuneigung zwischen dem zwölfjährigen Außenseiter Oskar und dem geheimnisvollen Mädchen Eli, das plötzlich in der Nachbarschaft auftaucht. Im Laufe der Handlung wird klar, dass es sich bei Eli und eine Vampirin handelt. Die Umstände von Elis, nennen wir es mal Zustand, werden zusehends problematischer, schließlich braucht sie menschliches Blut zum Überleben. Und auch Oskar weckt immer wieder ihren Appetit ...

So finster die Nacht ist Coming Of Age, Arthouse-Film und Horror in einem und setzt sich dank der unheimlich guten Schauspielleistung der beiden Kinder, die ruhigen, unaufgeregten Bilder und die stringente Handlung noch lange im Kopf fest. Der Film wurde unnötigerweise im Jahr 2010 neu verfilmt – da ich mich dem Remake bisher verweigert habe, kann ich euch leider keine Information über dessen Tauglichkeit geben.

mother!

Mother! hat mich wirklich atemlos zurück gelassen. Darren Aronofsky ist ja nicht für seine Zurückhaltung bekannt (Requiem for a Dream, anyone?), bei Mother! geht er aber noch mal einige Schritter weiter. Ein Dichter wohnt gemeinsam mit seiner Frau in einem traumhaften, großen Landhaus, welches sie mit viel Liebe renoviert. Plötzlich tauchen ungebetene Gäste auf. Vom Dichter werden die extrem aufdringlichen Eindringlinge mit scheinbar offenen Armen empfangen, wärend die Frau, genannt Mutter, sich mehr und mehr in die Enge gedrängt fühlt.

Das Kammerspiel explodiert im Laufe der Geschichte in einem fast uneträglichen Gefühl von Beklommenheit, Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein, das auch vor den Zuschauern*innen nicht Halt macht. Die Allegorie von Aronofsky wird relativ deutlich, ich möchte sie hier aber nicht vorweg nehmen. Das Ende ist vermutlich auch einer der Gründe, warum sich an Mother! die Geister scheiden. Wer Michelle Pfeiffer gerne mal aus tiefster Seele hassen möchte, sollte sich den Film anschauen.

When Animals Dream

Der dänische Horrorfilm When Animals Dream greift das Sujet des Werwolf-Mythos auf. Ähnlich wie bei Alfredsons „So finster die Nacht ist der Film eine Genremischung aus Coming of Age und Thriller. In fast poetischen Bildern erzählt er die Geschichte der Verwandlung der jungen Marie, die an der Nordküste Jütlands in einer Fischfabrik arbeitet. Nachdem sie die erniedrigenden Einstands-Rituale mitmachen musste, bleibt sie dennoch eine Außenseiterin unter den Arbeitskollegen*innen. Nur zu dem ebenfalls introvertierten Daniel entsteht so etwas wie eine Freundschaft.

Eines Tages entdeckt Marie eine Hautveränderung an ihrem Oberkörper. Diese Verwandlung schreitet bald weiter voran und Marie verwandelt sich in eine Gestalt, die die Dorfgemeinschaft scheinbar schon immer gefürchtet hat.

Antichrist

Aus der Reihe „Filme, nach denen man Therapie braucht“, kommt hier ein Meisterwerk von Lars von Trier, das eigentlich schon jetzt ein echter Klassiker ist. Nach dem tödlichen Unfall des gemeinsamen Sohnes fährt ein Ehepaar, das über den ganzen Film hinweg namenlos bleibt, in eine abgelegene Hütte in dem Wald Eden (Hint! Hint!). Da Sie den Tod des Sohnes nicht verkraften kann, möchte Er, Therapeut, seine Frau bei der Trauerverarbeitung unterstützen und im Wald therapieren. Die Handlung gipfelt in einem äußerst brutalen, expliziten und blutigen Finale, welches dem Film den Stempel „Skandal“ verpasste. Gesehen haben sollte man ihn aber unbedingt. Alleine schon, weil Charlotte Gainsbourg und Willem Dafoe einfach eine unvergleichliche, schauspielerische Leistung abliefern.

Nocturnal Animals

Der Film von Designer und Regisseur Tom Ford ist kein Horrorfilm im klassischen Sinne, aber geht nicht weniger an die Nerven – und verpackt die grausame Handlung in derart ästhetische Bilder, das man am Ende komplett überwältigt ist. Die Galeristin Susan erhält aus heiterem Himmel den Roman „Nocturnal Animals“, den er ihr gewidmet hat. Die Handlung des Buches beschreibt die brutale Entführung und Ermordung der Tochter und Ehefrau eines Mannes namens Tony Hastings. Susan ist erschrocken von der brutalen Handlung, liest das Buch aber weiter und taucht immer mehr in den Roman ein.

Der Vollständigkeit halber kommen nun auch hier noch einige Filmtipps auf Amazon Prime im Schnellverfahren: I Spit On Your Grave – eine Genugtuung für alle, die rachsüchtig sind. Blair Witch Project – DER Found-Footage-Klassiker schockt noch immer. The Collector – zwei Kriminelle ist einer zu viel. Racoon Valley – ein Indie-Überraschungshit, in dem fast kein Wort fällt. Ansonsten ist Amazon immer gut für Klassiker á la The Fog (Carpenter!) oder Halloween.

  • Gifs
    The Shining, The Ring, Halloween

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