Die Instagram Challenge – Die Umzugskolumne Teil 4

Wie finde ich meinen Wohnungsstil?

Nach dem letzten Teil der Wohnungskolumne bekam ich ein paar besorgte Anrufe: Ob es mir denn gut gehe, was mit der Wohnung alles schiefgeht und ob wir die Beziehungskrise überwinden können. Ich kann euch beruhigen, es geht mir gut, es gibt keine Beziehungskrise (nur Müdigkeit und Erschöpfung auf beiden Seiten) und die Wohnung wird! Ja tatsächlich, wir kommen mit unseren Baustellen gut voran, ein paar Probleme konnten wir lösen. Auf der anderen Seite machen ausgepackte Umzugskartons Platz für Einrichtungsideen, auf einmal ist die Wohnung luftig und leer und möchte mit Möbeln gefüllt werden – doch was kaufen? Worauf sparen? Wie soll alles überhaupt aussehen? Was mich sonst in Form einer Stilkrise halbjährlich ergreift, spielt sich jetzt in Sachen Interior ab. Mein größter Feind und bester Freund in einem: Instagram. Aber kommen wir erstmal zu Lösungen, statt zu mehr Problemchen.

Der Kleiderschrank

Gerade erst hatte ich all meine Kleidung sorgfältig aussortiert, aufgehängt und geordnet, da musste ich den ganzen Schrank schon wieder ausräumen. Der Grund? Wir haben endlich einen Tischler gefunden, der unsere Pax-Wand in einen maßgefertigten Wandschrank bis unter die Decke verwandelt. Dazu mussten jedoch alle Schränke abgesägt und mit speziellen Möbelfüßen auf unseren ultra schiefen Boden angepasst werden. Heißt: Ausräumen, auf den Boden legen, ganz viel Staub verursachen und die Bude voll mit Klamotten und Schuhen. Nach einem Tag Arbeit war das jedoch geschafft, wir durften wieder alles einräumen – dabei hätte ich schon wieder aussortieren können, aber ich habe mich selbst gebremst, der Marie-Kondo-Wahn nimmt langsam Überhand – und jetzt haben wir noch zwei Tage vor uns. An einem Tag werden die weiteren Pax-Schränke abgesägt und auf die schon vorhandenen Teile gesetzt, am anderen dann die lackierten Türen und bestellten Griffe angebracht. Ich freue mich schon so wahnsinnig, wenn die Kleiderschränke endlich geschlossen sind und nicht mehr zustauben – wie könnt ihr nur damit leben, ihr Offene-Kleiderschrank-Fans? Na ja, hier läuft's also.

Was uns jetzt noch fehlt ist eine schöne lange Kleiderstange, am liebsten in Messing, für Jacken und Mäntel. Habt ihr Tipps? Am liebsten würde ich ja die aus dem KaDeWe oder dem April First Store klauen!

Die Küche

Auch hier war endlich ein Ende in Sicht, wir hatten uns für die schönste Küche der Welt von Reform entschieden, da kam der verhängnisvolle Anruf: Die Farbe geht aus dem Programm, neiiiiin! Mein Gesicht hättet ihr mal sehen sollen. Da an der Farbe auch Material und Arbeitsplatte hing, stehen wir jetzt also quasi wieder am Nullpunkt. Doch ich bin mir sicher, dass wir eine gute Alternative bei Reform finden werden, nur muss ich lernen, von meinem ursprünglichen Wunschbild abzurücken. Kompromiss ist hier das Zauberwort.

Gleichzeitig müssen wir dann, wenn wir endlich die Farbe der Küche wissen, noch eine Entscheidung treffen. Was mit dem Spritzschutz machen. Steinplatte scheint zu aufwendig, Fliesenspiegel zu teuer, Metallschutz optisch nicht passend. Auch hier setze ich wieder auf euch und eure grandiosen Ideen, die mich schon öfters gerettet haben. Was habt ihr für Erfahrungen: Elefantenlack? Wie teuer ist ein Fliesenspiegel? Was gibt es noch für Alternativen?

Die Instagram Interior Challenge

Nach vier Wochen sind wir jetzt so weit: Nur noch drei Umzugskartons stehen in der Wohnung, davon kommt eine in den Keller und zwei warten auf den fertigen Kleiderschrank im Schlafzimmer. Was das bedeutet? Wir haben Platz! Platz für Ideen, Träume und Möbel. Das Problem? Komplette Überforderung.

Instagram ist voll von den schönsten Interior-Accounts, von der Berliner Altbauwohnung bis hin zum New Yorker Loft findet hier jeder sein Pendant und seine Traumwohnung. Überall sieht man die schönsten Wohnungen, neue Designermöbel und Wohntrends, von denen man vorher noch nie etwas gehört hat. Das führt dazu, dass ich mir täglich Dinge in den Listen auf Instagram abspeichere, Produkte screenshotte und meinen Freund mit Inspirationen mehrmals täglich bombardiere. Was mir dabei ein bisschen verloren gegangen ist? Mein Geschmack.

Denn auf einmal zweifle ich an den Dingen, die ich schon habe, möchte alles neu kaufen, sofort in einer instagrammable Wohnung wohnen, dabei weiß ich gar nicht mehr, was mir von diesen ganzen Instagram Trends wirklich gefällt und was sich durch häufiges Auftauchen im Feed wie eine Gehirnwäsche in mein Ästhetikempfinden gemogelt hat.

Was ist nur ein Trend, der mir nur ein paar Wochen gefallen wird und was ist eine Investition, die ich jahrelang lieben werde? Und muss man Möbel überhaupt mit diesem Druck kaufen, dass sie einem für immer gefallen können? Geht das überhaupt, schließlich verändert sich unser Geschmack ja auch immer wieder, findet neue Kurven und Geschwindigkeiten, verfährt sich auch mal und macht ganz manchmal auch einen U-Turn.

Fragen, die ich mir in letzter Zeit immer wieder stelle. Mag ich Farbe – oder möchte ich lieber in einer beige-weißen Welt leben? Mittlerweile habe ich Angst, Bilder oder Regale an die Wand zu nageln, weil ich die Entscheidung bereuen könnte. Gleichzeitig möchte ich aber nach vorne preschen, Dinge machen, die sich keiner traut und in einer Wohnung leben, die auf Instagram einzigartig ist. Diese Entscheidungsprozesse allein sind schon schwierig genug, es wird nicht gerade einfacher durch einen Partner, dem alles auch gefallen soll und durch ein begrenztes Budget.

Denn na klar, ich habe natürlich kein unendlich großes Budget für Möbel, es müssen Prioritäten gesetzt und Träume langsam verwirklicht werden. Im Moment kämpfen wir mit Rückenschmerzen dank zu weicher Matratze, haben einen so alten Fernseher, dass wir quasi nichts mehr empfangen können und einen viel zu kleinen Esstisch. Aber das alles sind nur Kleinigkeiten, denn wir haben schon so viel geschafft und wollen auch organisch wachsen.

Eine Wohnung sofort komplett einzurichten mag nämlich vielleicht sehr instagramfreundlich sein, aber es ist auch die einfachste und faulste Variante. Stattdessen muss man erstmal Wege kennenlernen, Bedürfnisse auskundschaften und sich an Räume und Wände gewöhnen. Nachher baut ihr genau dort die Essecke, wo ihr immer von der Sonne geblendet werdet, stellt euer Sofa dorthin, wo ihr gar keinen Anschluss für den Fernseher habt und die Pflanzen an einen viel zu dunklen Ort. Manche Dinge kann man im Voraus einfach nicht wissen, man lernt sie erst durchs Leben vor Ort. Und Dinge erst zu kaufen, einfach nur um die Lücke zu füllen, macht weder euch, noch euren Geldbeutel, noch die Umwelt glücklich. Aber das musste ich auch alles erst jetzt lernen.

Und so habe ich mich für diesen Weg entschieden: Ich scrolle weiter täglich durch Instagram, auf der Suche nach der perfekten Lösung für einen Esstisch, mit dem Ziel, das perfekte Bett zu finden oder Stauraum, der sich harmonisch ins Wohnbild einfügt. ABER: Ich speichere alles ab, kaufe nichts sofort. Keine Impulskäufe, dafür sind Möbel einfach zu teuer. Stattdessen habe ich mir so eine Wunschliste angelegt, über die ich immer wieder schaue und dann aussortiere. Und nach Wochen, Monaten und auch Jahren, weiß man dann, was einem auch langfristig gefällt – oder was nur ein Trend der Sozialen Medien war.

Wollt ihr im nächsten Teil der Kolumne vielleicht mal einen Blick in meine Wunschliste werfen?

Dieser Artikel ist Werbung, da er Markennennungen enthält.

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