Möbeldesign – Made in Berlin #1: Objekte unserer Tage

In unserer vierteiligen Reihe stellen wir euch die Masterminds hinter den tollsten Berliner Interior-Brands vor

Warum reden alle eigentlich immer nur über Mode aus Berlin, wenn es doch so viele tolle Möbeldesigner*innen in der Hauptstadt gibt, dass man sie an zwei Händen schon gar nicht mehr abzählen kann? Zeit, da mal genauer hinzuschauen! In meiner kleinen Reihe „Möbeldesign – Made in Berlin“ stelle ich euch in den kommenden Wochen die Masterminds hinter den tollsten Interior-Brands aus der Hauptstadt vor. Den Anfang machen heute die sympathischen Jungs von Objekte unserer Tage! Das Label wurde 2015 gegründet und überzeugt mit nützlichen Möbeln wie Tischen, Stühlen, Barhockern, Betten oder Spiegeln in zugänglichem und dennoch zeitlosem Design und Mut zur Farbe.

Ein wuchtiger Plattenbau im Herzen Berlins ist das Paradebeispiel sozialistischer Architektur. Das sogenannte „Haus des Reisens“ beherbergte bis zur Wende auf 18 Etagen die Hauptdirektion des Reisebüros der DDR. Schön ist es wahrhaftig nicht – jedenfalls nicht von außen. Wer das Haus jedoch betritt, am Portier vorbeigeht, in einen der vier Aufzüge steigt und empor fährt, beginnt zu verstehen, was es mit dieser „Plattenbauromantik“ auf sich hat. Schlichte, schon fast nüchterne Innengestaltung und, je höher man kommt, eine Aussicht über Berlin, die ihresgleichen sucht.

Ich habe mich für unsere Interview-Reihe in das Haus des Reisens begeben und bin in eine andere Welt eingetaucht. Die Berliner Möbelmarke Objekte unserer Tage hat sich in der wuchtigen Platte den Traum eines eigenen Flagshipstores erfüllt, der gleichzeitig auch irgendwie Büro ist und sich perfekt zum Runterkommen eignet.

Es regnet in Strömen als ich das gigantische Loft von Objekte unserer Tage betrete, dennoch ist der große, mit halbdurchsichtigen Latexvorhängen unterteilte Raum von Licht durchflutet. Kein Wunder, schließlich bestehen drei Seiten aus Fensterfront. Zweidrittel von Objekte unserer Tage, Anton Rahlwes und Christoph Steiger (beide komplett in Schwarz), empfangen uns mit Kaffee am Tisch Meier und ich fühle mich direkt wie bei einem lockeren Gespräch in einer WG-Küche (nur mit mehr Platz und Licht und ohne das dreckige Geschirr in der Spüle). So jung und so erfolgreich? Klar, dass ich die beiden nach dem Erfolgsrezept von Objekte unserer Tage ausgefragt habe!

Hallo ihr beiden. Stellt euch und Objekte unserer Tage doch einfach mal vor.

Anton: Das waren zunächst David {Spinner} und ich. Wir haben zusammen Produktdesign in Potsdam studiert und waren frustriert, da wir während des Studiums an zahlreichen spannenden Projekten gearbeitet haben, die aber immer sehr theoretisch geblieben sind – es wurde selten wirklich etwas umgesetzt. Schließlich haben wir gemerkt, dass das ohne Eigeninitiative nie passieren wird und hatten auch relativ schnell die Idee einer eigenen Möbelmarke. Dann haben wir dich ziemlich schnell auch ins Boot geholt (guckt Christoph an und lacht).

Woher kennt ihr euch?

Anton: Wir kennen uns vom Feiern, aus dem Berliner Club about:blank. Christoph ist der einzige BWLer, den ich je in meinem Leben getroffen habe.

Christoph: Ich fühle mich geehrt!

Anton: Wir wussten, dass wir ohne Marketing nicht weit kommen und Christoph war sehr offen für das Projekt und ist Design-interessiert.

„Wir wollen deutschem Möbeldesign ein junges Gesicht geben.“

Wann war das genau?

Christoph: Im Februar 2015 haben wir die GmbH gegründet, haben aber ungefähr ein Jahr davor schon an dem Projekt gearbeitet. Ich damals parallel zu meinem anderen Job, Julian und David haben noch studiert.

Was macht Objekte unserer Tage aus und woher stammt die Idee für euren Namen?

Christoph: Wir produzieren alles nachhaltig in Deutschland und legen Wert auf Qualität. Unsere Lieferwege sind so kurz wie möglich. Auf Objekte unserer Tage kamen wir, da wir einerseits einen Namen wollten, der unsere Herkunft widerspiegelt, daher auf Deutsch. Andererseits sollte er aber nicht systematisch klingen.

Anton: Der Name & Other Stories war lustigerweise ein Vorbild, wir wollten auch etwas Poetisches vermitteln, weg vom analytisch Deutschen. Gleichzeitig war unsere Idee auch von Anfang an, dass wir deutsche Gestaltung im Möbelbereich wieder beleben, beziehungsweise ihr ein junges Gesicht geben wollten.

Christoph: Das Wort „Objekte“ klingt wertvoller als das Wort „Möbel“. Objekte drückt für uns aus, dass es die Besitzer*innen lange begleitet. „Unserer Tage“ zeigt das Zeitgemäße und wir finden die Abkürzung OUT klasse.

Und eure Möbel, beziehungsweise Objekte, haben Familiennamen.

Christoph: Genau, es sind die häufigsten deutschen Familiennamen. Wobei es inzwischen einige Ausnahmen gibt. Wir haben jetzt Yilmaz dabei, da es der häufigste türkische Nachname in Deutschland ist. Und der Lounge Sessel heißt Takahashi.

Was macht eure Möbel besonders? Euch hat ja etwas gefehlt, wie habt ihr mit euren Designs diese Lücke gefüllt?

Anton: Es hat lange gedauert, bis wir zu einer Formsprache und Identität gekommen waren. Von Anfang an haben wir die Mischung aus Qualität und Innovation verfolgt. Wir arbeiten fast nur mit Familienbetrieben zusammen, die schon mehrere Generationen existieren. Die Kombination bei uns: Junge Menschen, die in Berlin wohnen, die das Kosmopolitische als Inspiration nehmen, das ist eine spannende Mischung, die für uns auch Generationen verbindet. Wir probieren viel Neues aus und versuchen unsere Möbel zu entkontextualisieren. Gleichzeitig erschaffen wir langlebige und klassische Objekte.

Ihr produziert in Deutschland und nutzt kurze Lieferwege: Woher kommen eure Rohstoffe und wo genau werden sie verarbeitet?

Christoph: Ein Großteil unserer Objekte wird aus Holz gefertigt. Davon kommt das meiste aus Österreich und Kroatien, hauptsächlich Esche. Holz wird in Nordbayern verarbeitet, Stahl am Bodensee und bei München. Das Unternehmen, das unser Holz verarbeitet, wird inzwischen in dritter oder vierter Generation geführt und hat dementsprechend große Erfahrung. Sie hatten glücklicherweise auch den Mut und die Lust mit unserem Dreier-Freak-Team aus Berlin zusammen zu arbeiten (lacht).

Dieses Netzwerk aufzubauen stelle ich mir sehr schwer vor. Wie lange hat es bei euch gedauert und wie seid ihr vorgegangen?

Anton: Das war ein langer Prozess, mit dem wir schon im Gründungsjahr begonnen haben. Wir haben die Designs entwickelt und haben nach Angeboten zur Herstellung gefragt. Die vielversprechendsten Betrieben haben wir dann besucht. Es war eine regelrechte Deutschlandtour, da wir unheimlich viele Produktionsstätten angeguckt haben.

Außerhalb der Fakten, die auf der Hand liegen: Warum lohnt es sich, in Designmöbel zu investieren?

Christoph: Es ist für mich eine subjektive Entscheidung, ob man Lust hat in Designmöbel zu investieren oder nicht. Ich muss mich in meinen Möbeln wiederfinden und das fällt mir bei Produkten, die nicht von der Stange sind, leichter. Es ist auch schön, sich ganz bewusst für ein Möbelstück zu entscheiden und eine Wand erst mal leer zu lassen, bevor man einen Lückenfüller kauft.

Anton: Es ist auch nützlich, langfristig zu denken. Nicht nur danach zu fragen, wie sich unsere Generation bestmöglich ausstatten kann, sondern auch die Lebenszyklen mit einbeziehen. Ich habe zum Beispiel nicht viele neue Dinge in meiner Wohnung, aber viele Sachen, die ich geerbt habe. Und das ist auch unser Ansatz: Möbelstücke können und sollen weitergegeben werden. Es geht nicht darum, mit Mitte zwanzig schon eine top eingerichtete Designermöbel-Wohnung zu besitzen.

Was macht für euch gutes Design aus?

Anton: Das Design muss nah am Menschen sein, aber auch neue Wege gehen. Wenn hier eine gute Balance gefunden wird, ist es für mich perfekt.

Gibt es eine Möbelikone, die du gerne entworfen hättest?

Anton: Da komme ich wieder auf ein geerbtes Stück zurück: den Bofinger Stuhl aus den Sechzigerjahren. Der war damals ein echtes Design-Alien und wirkt auch heute noch sehr futuristisch. Es war einer der ersten stapelbaren Stühle, super solide und für draußen und drinnen. Man schaut den Stuhl heute noch an und denkt „abgefahrene Form“. Trotzdem sitzt es sich perfekt darauf und es ist ein totaler Alltagsgegenstand und wertet jeden Kontext auf.

„Auch wenn es von außen so aussieht: Unser Weg war alles andere als gerade. Heute würden wir vieles anders machen.“

Wie viele neue Objekte entwickelt ihr denn pro Jahr im Schnitt?

Anton: Da verfolgen wir keine feste Agenda. Wir haben hier im Showroom zwei Objekte, die von unserem Praktikanten entwickelt wurden, was den Zyklus dann zeitweise beschleunigt hat. Ansonsten kommen neue Designs, wenn jemand gerade große Lust hat oder eine Notwendigkeit sieht, das Sortiment zu ergänzen. Gerade sind wir dabei die gut laufenden Objekte zu Familien auszubauen. Das gehört übrigens auch zu gutem Design: relativ einfach eine stimmige Produktfamilie entwickeln zu können. Daran sieht man, ob von Anfang an konsequent gedacht wurde.

Welches sind eure Tipps für junge, aufstrebende Designer*innen?

Christoph: Auch wenn es von außen so aussieht: Unser Weg war alles andere als gerade. Heute würden wir vieles anders machen. Wir sind da ziemlich unbedarft herangegangen, wussten aber, wo wir hin möchten und hatten eine konkrete Idee. Wir wollten mit einer kompletten Kollektion starten, damit wir mit den anderen mithalten können. Darauf haben wir hingearbeitet und so arbeiten wir noch immer: Wir setzen uns ein Ziel und auch, wenn der Weg nicht immer klar ist, so haben wir doch das Ergebnis vor Augen. Vor allem war es sehr viel Arbeit.

Anton: Man kann es sich nicht bequem machen und sich dann wundern, warum nichts passiert. Ich möchte auch nicht ins Leistungsgesellschaftshorn blasen, aber es funktioniert ohne Arbeit einfach nicht.

Fühlt ihr euch denn wohl in der deutschen Möbelbranche?

Christoph: Ja, sehr. Gerade in Berlin besteht ein tolles Netzwerk. Was das Netzwerken angeht haben uns aber etwa die Dänen einiges voraus. Die Design-Portfolios der Dänen sind zwar viel näher aneinander, aber trotzdem bekommt man den Eindruck, dass sie sich gegenseitig stark pushen. Auf diese Weise haben sie dänisches Design zu einer eigenen Marke gemacht, die sehr gut funktioniert und sehr präsent ist.

Anton: Mit einer starken Industrie dahinter.

Wer weiß, was in Deutschland dank kreativer Köpfe wie euch noch alles passiert. Vielen Dank für eure Zeit und das schöne Gespräch!

Hier geht es zum Onlineshop von Objekte unserer Tage. Den Flagshipstore findet ihr in der Alexanderstraße 7, 10178 Berlin.

Dieser Artikel ist Werbung, da er Markennennungen enthält.

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