Nachhaltig putzen – Ciao, Meister Proper!

Reinigungsmittel selber machen ist kein Zauberwerk. Mit ein paar Zutaten aus der Drogerie könnt ihr sie fast alle selbst herstellen.

Für alle, die ihr Leben umweltbewusster gestalten wollen, ohne eine ausgewachsene Plastikphobie zu entwickeln oder in Weltschmerz zu verfallen, habe ich für euch regelmäßig ein paar echt gute Tipps, um nicht nur Plastik zu vermeiden, sondern nebenbei auch noch ein bisschen Geld zu sparen. Super, oder?

Es entsteht zu viel Plastikmüll. So viel weiß inzwischen jeder. Bis 2050 werden mehr Plastikteile als Fische im Ozean schwimmen. Zwar ist Deutschland Recycle-Weltmeister – mit ungefähr 220 Kilogramm Plastikmüll pro Kopf im Jahr stehen wir aber auch an der Spitze Europas für Plastikproduktion. Und längst nicht alles davon wird recycelt, sondern landet auf Deponien und dadurch auch schnell im Meer, wenn der Wind gerade mal ungünstig steht. Wenn man bedenkt, was für eine kurze Lebensdauer Plastikverpackungen in den meisten Fällen haben, lohnt es sich wirklich, einmal nachzudenken, ob es das Objekt der Begierde (Nudeln, Äpfel oder Konserven) nicht auch lose oder in Gläsern oder Papierverpackungen zu kaufen gibt.

Denn die großen Konzerne sehen natürlich in ihrer dreifach verpackten und verschweißten Ware überhaupt kein Problem und verweisen lieber auf die Macht der Konsumenten, schließlich entschieden wir selbst, ob wir etwas in Plastik verpackt oder lose kaufen. Blöd nur, wenn die sieben verschiedenen Gurkenarten im Supermarkt allesamt in Plastik eingeschweißt sind.

Doch zum Glück stirbt die Hoffnung immer zuletzt. Es gibt einen Lichtblick am plastiküberschwemmten Horizont. Die Zero-Waste-Bewegung, die inzwischen weltweit Anhänger findet, wehrt sich gegen den Plastikwahn der Industrie und findet neue Wege und Mittel, um verpackungsfrei(er) zu leben. Sie hat Strohhalm, Einwegbecher und Plastikbesteck den Kampf angesagt. Und zwar so laut und vehement, dass Plastiktüten aus Supermärkten verschwinden, Strohhalme wirklich aus dem Sortiment genommen werden und der Kaffeejunkie, der seinen eigenen Kaffeebecher mitbringt, oft zehn Prozent auf das Getränk seiner Wahl bekommt. 

Wie wäre es zum Beispiel, bei ganz alltäglichen Dingen wie Putzmittel zu beginnen?

Klingt erst mal ganz schön unsexy und kompliziert. Wie zum Teufel soll man diesen beißenden, leicht süßlichen Chemiegeruch der gängigen Schrubbhilfen hinbekommen? Schließlich mag doch jeder das Gefühl, wenn sich nach einer ausgiebigen Putzsession die Haut von den Händen löst, oder? Die meisten von uns sind eben kein Walther White. Das Geheimnis dabei: das müsst ihr auch gar nicht sein! Unsere Badezimmer und Spülmaschinen, Fenster und Backöfen sind in Wirklichkeit nämlich gar nicht so dreckig und von Bakterien befallen, wie die Putzmittelindustrie uns glauben machen will. Den Job machen altbewährte (und längst nicht so giftige) Hausmittel genauso gut. Und das Beste daran: Zitronensäure, Waschsoda und Natron kriegt man in jeder gängigen Drogerie in Pappkartons verpackt.

Zitronensäure

Kann so einiges. Den Wasserkocher entkalken, die Toilette desinfizieren, die Wäsche weiß machen. Dazu müsst ihr einfach die auf der Verpackung des Zitronensäurepulvers genannte Verdünnungsformel mit Wasser anwenden. Ich mische immer gleich eine größere Menge an und fülle sie in eine Sprühflasche, so habe ich den Reiniger immer bereit. Auch hier ist keine besondere Lagerung nötig, einfach zu den anderen Putzmitteln stellen und im Zweifelsfall beschriften, damit ihr die Zitronensäure nicht mit der Salicylsäure verwechselt. 

Aber Vorsicht bei Aluminium, das reagiert mit Zitronensäure und verfärbt sich. Auch der Kontakt mit Fliesenböden sollte vermieden werden, da Zitronensäure den Fugenmörtel brüchig macht.

Essig (Allzweckreiniger)

Für Böden jeglicher Art und empfindliche Oberflächen ist Essig genau das Richtige. Auch hier ist die Anwendung kinderleicht. Ihr solltet allerdings bedenken: Ich spreche hier von Tafelessig. Essigessenz hat eine viel höhere Konzentration und muss daher noch entsprechend verdünnt werden. 

Ihr mischt also zwei Tassen Wasser mit einer Tasse Essig. Wer den Geruch von Essig nicht ausstehen kann, fügt noch ein paar Tropfen vom liebsten ätherischen Öl hinzu. Das darf wirklich alles sein. Lavendel wirkt zum Beispiel beruhigend, Orange belebend und Ylang Ylang baut Stress ab. Et Voilà! 

Und wer außerdem noch auf Weichspüler verzichten will, kann einfach ein wenig Essig ins Weichspülerfach der Waschmaschine geben. Die Wäsche stinkt danach nicht, versprochen! Weichspüler belastet erwiesenermaßen die Umwelt, enthält Weichmacher und Mikroplastik. Das ist – gelinde gesagt – der Endgegner aller Meereslebewesen, die das aus Versehen verschlucken. Die Partikel sind nämlich winzig klein (klar, deswegen mikro) und mit bloßem Auge kaum zu erfassen. Sie gelangen durch Peelings, Duschgele und eben auch Weichspüler in unser Abwasser und können auch nach mehrmaliger Reinigung nicht gänzlich daraus entfernt werden.

Scheuermilch

Mein persönlicher Putzmittel-Holy-Grail (sagt man das eigentlich nur in der Beautybranche?) ist selbstgemachte Scheuermilch. Sie lässt Schmutzränder in Dusche, Badewanne oder Waschbecken verschwinden und Armaturen wieder wie neu blitzen. Oh je ... jetzt verfalle ich doch in den Werbesprech von Antikal, Meister Proper und Biff. Aber es stimmt und die Formel für das selbstgemachte Wundermittel könnte nicht einfacher sein:

Ihr nehmt einfach 2-3 Teelöffel (Kaiser-)Natron (für Fortgeschrittene auch im Unverpackt-Laden zum Selbstabfüllen erhältlich), einen Spritzer Spülmittel und Wasser. Wenn ihr euch jetzt fragt, woher ihr das Spülmittel unverpackt bekommt, das geht am einfachsten im Unverpackt-Laden. Da der aber leider noch nicht an jeder Ecke steht, kann man zumindest auf umweltfreundlichere Verpackungen umsteigen. Die Verpackungen von Frosch-Putzmitteln sind zum Beispiel allesamt aus wirklich recyceltem Plastik (das ist ein teures Verfahren, weswegen es nicht viele Firmen machen), andere Öko-Putzmittel-Hersteller setzen auf Polyethylen und Polypropylen, die immerhin am leichtesten zu recyceln sind und keine giftigen Stoffe bei der Verbrennung freisetzen. Oder sie stellen Plastikverpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen, wie zum Beispiel Zuckerrohr her. Ihr könnt sonst auch einfach beim Putzmittelhersteller eurer Wahl anfragen, woraus ihre Verpackungen bestehen. Natürlich kann man auch Spülmittel selbst machen, das ist mir aber bisher noch nicht gelungen, weshalb ich mich da mit Tipps lieber bedeckt halte.

So, weiter im Text. Am besten ist es, wenn die Masse am Ende sämig ist. Es ist aber nicht schlimm, wenn sie etwas wässrig geraten ist. Dann könnt ihr entweder mehr Natron dazugeben oder beim Putzen darauf achten mit dem Schwamm genug von der sich unten absetzenden Masse aufzunehmen. Die Menge reicht für ein gesamtes Badezimmer, ja, wirklich! Wenn ihr nicht gleich die ganze Scheuermilch verbraucht, könnt ihr sie einfach antrocknen lassen und bei Bedarf mit ein bisschen Wasser neu anrühren und weiter verwenden. Eine besondere Lagerung braucht es nicht, ich stelle mein Gemisch immer auf das Fensterbrett im Bad, um nicht zu vergessen, dass ich noch einen Rest übrig habe.

Natürlich gibt es noch viel mehr Rezepte. Wie zum Beispiel das oben genannte für Spülmittel. Ihr könnt aber auch Waschmittel selbst machen oder Fensterreiniger. Vielleicht ist ja gerade eins eurer Putzmittel leer. Bevor ihr das gleiche wieder kauft, googelt doch einfach mal, ob ihr es nicht auch selbst machen könnt. Wer auf den Geschmack gekommen ist, sollte sich das Buch „Fünf Hausmittel ersetzen eine Drogerie“ vom Smarticular Verlag anschaffen. Wenn ich gerade schon vom Holy Grail der Putzmittel gesprochen habe, so ist das ganz bestimmt die dazugehörende Holy Bible.

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  • Foto
    Janine Sametzky

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