Die Papa-Kolumne Teil 7: Weihnachten mit Kevin, Mariah und Stampf

Was Dennis Rodman, Jesus und Würstchen mit Kartoffelsalat gemeinsam haben

Ach ja, Weihnachten. Eigentlich eine schöne Sache. Mariah, Kevin und Jesus. Das X-Mas-Dreamteam. Meins jedenfalls. So wie Jordan, Rodman und Pippen. Aber anstatt Chicago gibt's eben Schnee – oder bisher eher Matsch. Der Vergleich hinkt? Mir Wurst. Apropos Wurst: Würstchen und Kartoffelsalat, das heilige Dinner-Dreamteam. Das gab es in meiner Kindheit am Heiligabend jedes Jahr. Man war eben bescheiden.

Sobald es draußen kalt wurde, fragte ich meine Eltern, wann denn der Weihnachtsmann nun endlich komme. Weihnachten war für mich DIE Zeit des Jahres. Ich liebte es. Die Vorfreude hat mich jährlich fast aufgefressen. Omas und Opas kamen zu Besuch und spielten mit mir, dem glücklichen Einzelkind. Sie schliefen aber nicht bei uns, ab einem bestimmten Alter schläft man wohl lieber zu Hause im eigenen Bett. Warum, weiß ich nicht, gebt mir noch ein paar Jahre.

Eine schöne Abwechslung zur morgendlichen Routine

Nun habe ich selbst Kinder. Meine Große ist mittlerweile fast fünf Jahre alt und die Kleine gerade anderthalb. Für meine Große ist Weihnachten ein Highlight und den Mann in Rotweiß gibt es auch noch. Einen Kevin kennt sie bis jetzt nur aus der Kita, Mariah nur von Spotify. Und Jesus? Das Baby aus dem Stall? Kennt sie. Papa Josef und Mutter Maria ohne „H“ auch. Die Kleine hat Weihnachten noch nicht so ganz verstanden. Sie stammelt manchmal etwas von einem Weimann oder einem Schneemann und sie liebt all ihre Adventskalender. Ja, ganz richtig, wir haben mehrere. Zu viel Verwandtschaft. Einer ist natürlich schon komplett geleert, wir ließen es zu, da wir in dem Moment keinen Stress, sondern lieber die Ruhe genießen wollten. Wir haben noch einen Schoko-Adventskalender und einen Musik-Adventskalender, der unser Highlight ist. Denn der versüßt uns den morgendlichen Stress am allermeisten. Abgebildet ist ein Haus, drinnen und draußen sind alle über beide Ohren am Grinsen, rote Bäckchen leuchten im Schnee, die perfekte Illusion. Norman Rockwell hätte es nicht besser malen können. Die Fenster dieses Hauses fungieren als Türchen des Kalenders. Öffnet man die Türchen und drückt dann auf das Innere, ertönen Weihnachtslieder. Dann wackeln meine Mädels mit ihrem Arschi und stampfen auf dem Boden rum – eine willkommene Abwechslung zum morgendlichen Zähneputzen, dem Anziehen und dem Wechseln der Windeln. Am besten immer dann, wenn man eigentlich schon den Schneeanzug angezogen hat und gerade zur Türe hinaus will. Jeden Morgen sind die beiden ganz gespannt, was sich wohl hinter den Türchen verbirgt. Echt süß. Nur die Kleine versteht nicht so richtig, warum es jeden Tag nur eins sein soll. Deswegen wird der Kindermilch-Kalender nach dem Öffnen wieder versteckt, was immer von kurzem Geschrei begleitet wird. Aber gut, ist ja ihr erster Kalender.

„In meiner kindlichen Naivität dachte ich damals immer, alle Menschen dieser Erde hätten an Weihnachten frei.“

Letztes Jahr war sie gerade einmal ein halbes Jahr alt und hatte noch nichts übrig für den ganzen Zirkus. Aber der Tannenbaum war schwer angesagt, also die Lichter und die Kugeln. Ständig wollte sie in Höhe des Baumschmucks gehalten werden und alles betrachten, das ging irgendwann auf die Arme. Na ja, wenigstens konnte sie noch nicht in den Baum klettern wie eine Katze. Dieses Jahr sieht das schon anders aus. Aus diesem Grund gibts es wahrscheinlich nur einen Mini Bäumchen im Topf. Meine Freundin muss am Vormittag außerdem arbeiten, aber am Heiligabend werden uns meine Eltern besuchen. In meiner kindlichen Naivität dachte ich damals immer, alle Menschen dieser Erde hätten an Weihnachten frei. Immerhin ist es ja der Geburtstag des Erlösers ... also, wenn das kein Grund ist.

Es wird, ganz traditionell, Kartoffelsalat mit Würstchen geben. Ein Essen, das bei den Kids gut ankommt. Erstaunlicherweise sind die beidenn beim Essen auch eher bescheiden. Wenn ich so drüber nachdenke, gilt das auch für ihre Wunschlisten. Meine Große wünscht sich ein Playmobil-Müllfahrzeug. Ziemlich fett, wie ich finde, denn wer mich kennt weiß, dass ich mal Müllmann werden wollte und auch heute noch großer Fan der Berliner Stadtreinigung bin. Mehr Coolness geht meiner Meinung nach nicht. Mit meiner Großen muss ich diese Jahr außerdem unbedingt Kevin allein zu Haus schauen. Der Film ist für mich Tradition. So, wie Schwein in Wurstform mit Erdäpfel in Majo. Es erinnert mich an eine Zeit, in der für mich die Welt noch in Ordnung war. In der Jordan, Rodman und Pippen für die Bulls spielten. Und Mariah nur mich zu Weihnachten wollte.

Warum ist Weihnachten immer so schnell wieder vorbei?

Jetzt hab ich’s! Ich werde dieses Jahr an Weihnachten die Heizung voll aufdrehen. Dann werde ich mein Rodman Tank Top überstülpen, mir Tradition in Form von Wurst und Kartoffelbrei reinspachteln, mir Kevin allein Zuhaus anschauen und mit den Girls Müllabfuhr spielen! So feiert man angemessen den Messias. Am ersten Weihnachtsfeiertag gehts dann zum Brunch zur anderen Omi und zur Tante und ihrem reizenden Freund – und das ist nicht sarkastisch gemeint, er ist echt cool. Wir werden hoffentlich wieder über Randsportarten philosophieren. Dieses Jahr vielleicht über Curling.

Am zweiten Feiertag kommt dann die andere Tante mit ihrem reizenden Freund vorbei. Und ja, auch der ist wirklich dufte. Da gibts dann eine Runde Gangsterrap und irgendein Schüsselgericht. Ich habe echt Glück mit meinen Schwägern. Tja und dann ist Weihnachten auch schon wieder vorbei. Irgendwie ging das damals nicht so schnell, oder? Ich ertappe mich sehr oft dabei, wie ich während der Feiertage in Erinnerungen schwelge. Dann werde ich etwas sentimental. So richtig schaffe ich es irgendwie nicht, erwachsen zu werden. Obwohl Erwachsene ja oft über damals sprechen. Vielleicht ist das ja auch erwachsen und ich bin es also doch? Auf jeden Fall schlafe ich dieses Jahr lieber zu Hause. Meinen Mädels wünsche ich, dass sich Weihnachten noch ganz lange wie ganz lange anfühlt.

Frohe Weihnachten!

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