Der Beige Food Guide für Tel Aviv

Schon klar: Hummus ist Life. Aber da ist noch so viel mehr!

Shalom, ich bin wieder da! Und ich lüge nicht, wenn ich sage, dass Hummus meinen Körper formte. Während meines 5-tägigen Aufenthalts in Tel Aviv vergangene Woche stand das inoffizielle Nationalgericht aus pürierten Kichererbsen sehr, sehr weit oben auf meiner Hitliste. Meine Schätzungen gehen auf locker über zwei Kilo, natürlich mit dazugehörigem Pitabrot. Fasten my ass ... man lebt nur einmal! Und Hummus? Is life, klar! Wer von euch jedoch schon mal die Metropole im Nahen Osten besucht hat, weiß: Tel Aviv hat kulinarisch noch viel mehr auf dem Kasten!

Besonders alle Vegetarier und Veganer können hier endlich mal so richtig aus dem Vollen schöpfen und müssen beim Blick ins Menü nicht verstohlen auf die letzten Loser-Seiten blättern, um aus den üblichen drei Varianten von Reis mit Scheiß zu wählen. Ja, Essen gehen ist, nicht nur in der zweitgrößten Stadt Israels, ein endloser Spaß. Natürlich nur so lange, bis man die Rechnung auf den Tisch gelegt bekommt. Garniert mit einem süßen Lächeln und dem unmissverständlichen Hinweis, dass die zehn Prozent Trinkgeld definitiv NICHT in der Kalkulation berücksichtigt wurden. Denn auch das stimmt: Tel Aviv wird seinem Ruf, eine eher kostspielige Stadt zu sein, gerecht. Es ist aber alles nur halb so schlimm, wie es Israel-Besucher*innen nach ihrem Urlaub gerne berichten. Ja, der Alkohol schlägt mehr zu Buche, als hier in Deutschland. Aber mal ehrlich: Wo tut er das nicht, außer an Orten, an denen sich die Menschen denn auch entsprechend verhalten? Auch die Geiz-ist-Geil-Mentalität der Deutschen fristet, global gesehen, ein eher einsames Dasein. Qualität hat eben ihren Preis und wer den nicht bereit zu zahlen ist, sollte sich ernsthaft fragen, wo die eigenen Prioritäten liegen.

Das mal ausgesprochen, freue ich mich, euch heute wenigstens virtuell auf eine kulinarische Reise durch mein Tel Aviv mitzunehmen und euch die Orte zu zeigen, die nach meinem inzwischen vierten Besuch hier auf meine Best-Of-Liste gewandert sind.

Von Haute Cuisine bis Streetfood: Alles dabei, alles zum Hinknien!

In Tel Aviv verhält es sich nicht viel anders, als in allen angesagten Metropolen dieser Welt: Die Hotspots finden sich fast ausschließlich in zwei Stadtteilen, was das Vorankommen und Erkunden denkbar einfach gestaltet. Während sich in Berlin das kulinarische Abenteuer auf Kreuzberg, Neukölln und Mitte konzentriert, sind es in Tel Aviv die Bezirke Florentin und Neve Tzedek, die mit innovativer Küche und spannenden Konzepten überzeugen. Ein, zwei Ausreißer finden sich aber natürlich auch in meiner Liste. So, ich hoffe, euer Magen knurrt schon ordentlich, denn jetzt geht es endlich los!

Wo gibt es den besten gebackenen Knofi? Wo solltet ihr lieber reservieren? Wo könnt ihr mit ein wenig Know-How ein paar Schekel sparen? Und wo treiben sich die Cool-Kids der Stadt herum? Nach diesem Artikel wisst ihr nicht alles, aber mehr. Natürlich findet ihr alle Spots, wie immer, ordentlich zusammengefasst in einem Beige City Guide zum Abspeichern.

Joz Ve Loz

Das Joz Ve Loz liegt an der Grenze vom Levinsky Markt in Florentin. Das Restaurant gibt es bereits seit über 15 Jahren und es überzeugt vor allem mit seinem grünen, überdachten Innenhof, in dem man gemütlich sitzen kann. Die Gerichte sind orientalisch, mit französischem / mediterranem Flair. Sprich: klassische Gerichte treffen auf edel zubereiteten Fisch und leckere Süßspeisen. Das Prinzip lautet, wie in Israel üblich: Teilen! Es gibt zahlreiche, unheimlich leckere Gerichte, die man, wenn möglich, alle probieren sollte. Idealerweise bestellt ihr, was Karte und Geldbeutel hergeben und esst nonstop, während immer neue Gerichte auf euren Tisch gestellt werden.

Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die Fischgerichte sowie die gebackene Knoblauch-Knolle, die so groß war wie meine Hand und beim Eintauchen des Brotes quasi zerlaufen ist. Hmmm ...

Plant pro Person mit Getränken lockere 40 Euro ein. Das ist übrigens der Durchschnitt, mit dem ihr arbeiten könnt. Wer sicher gehen möchte, reserviert lieber einen Tisch.

Dalida

Das Dalida war eine der leckersten Stationen. Wären wir jedoch nicht während der Happy Hour dort gewesen, wäre es für mein Empfinden zu überteuert gewesen. Zwischen 17 und 19 Uhr zahlt man hier nur den halben Preis (ausgenommen sind Getränke und Nachtisch) und ich würde euch auch wärmstens empfehlen, dieses Zeitfenster zu nutzen.

Wenn ihr Glück habt, sitzt ihr im unheimlich schon beleuchteten und gemütlichen Glashaus im Hinterhof. Die Küche ist ein Mix aus Streetfood mit mediterraner Note. Es gibt gefüllte Blini, karamellisierten Feta, Linguine mit Krabben oder Rote Beete Carpaccio. Die Portionen sind relativ klein, weshalb ich Fressneidern empfehle, mit maximal einer Person zu teilen. Diese Tatsache macht das Dalida dann auch kostspieliger, als andere Restaurants. Aber die Qualität und das Ess-Erlebnis sind es Wert, hier während der Happy Hour vorbeizuschauen.

Unbedingt reservieren!

Romano

Eyal Shani, der Chef des Romano, ist in Tel Avivs Kulinarik-Szene kein unbeschriebenes Blatt. Neben dem Romano gehören ihm auch beide Dependancen des Miznon, das HaSalon und Abraxas North (wo ich überall leider noch nicht war!), sowie das schon legendäre Port Sa'id, zu dem ich später komme. Das Romano liegt im ersten Stock des geschlossenen Hinterhofs vom Teder FM in Florentin (auch hierzu später mehr). Das Publikum ist super hip, die Karte wechselt täglich und die kleinen, vielseitigen Speisen sind zum Reinlegen. Gesalzener Joghurt mit Knoblauch, gebackene Aubergine, Fisch-Kebab ... Alles für durchschnittlich zehn Euro pro Gericht.

Hier bekommt ihr wirklich spannendes Essen und guten Wein für verhältnismäßig faires Geld und in cooler Atmosphäre. Ab Mitternacht werden die Tische weggeräumt und das Romano wird zum Club, in dem man bis Sonnenaufgang zu bester elektronischer Musik tanzen kann.

Einer meiner Highlight-Spots während meines Besuchs!

Teder.fm

Das Teder FM liegt direkt unter dem Romano, im gemütlichen, geschlossenen Hinterhof. Um hineinzukommen müsst ihr, wie auch bei einem Besuch im Romano, auf der Derech Jaffa Street durch eine unscheinbare, weiße Metalltüre gehen – und schon seid ihr mittendrin. Das Teder FM startete ursprünglich als Pop-Up Radiostation (reinhören!) und ist nun unter dem Romano sesshaft geworden. Da es hier aber die ganze Nacht über fantastische Pizza aus dem Ofen von Eyal Shani gibt, habe ich es großzügigerweise in diese Liste aufgenommen.

Hier kann man die Nächte durchtanzen, Locals kennenlernen, Pizza futtern und zu moderaten Preisen Drinks bekommen, bis die Sonne aufgeht. Teder FM und Romano sind definitiv meine neuen Favoriten in Tel Aviv – auch, wenn ich damit sicherlich keine Pionierin bin.

Shaffa Jaffa

Für mich ist das Shaffa Jaffa im alten Tel Aviv aka Yafo, ein Muss bei jedem Besuch. Eigentlich handelt es sich hier nur um ein gemütliches, ein bisschen shabby angehauchtes Café in einer kleinen Seitenstraße, was eigentlich so gar nicht meinem Geschmack entspricht. Nach einem Spaziergang am Meer entlang und in das Herz Yafos kann man hier aber einfach wunderbar sitzen, Café oder ein Bierchen schlürfen und dabei sein Brot abwechselnd in cremigen Hummus und leckeres Shakshuka tunken und dabei die Leute beobachten.

Wäre das Shaffa Jaffa in Berlin, es wäre mit seinen kleinen Blümchen in den Vasen und den vielen jungen Eltern definitiv in Prenzlauer Berg verortet. Das ist aber nicht schlimm, wirklich, haha. Geht bitte hier hin und gönnt euch ein ausgedehntes, spätes Frühstück!

Ich habe bisher übrigens nur und ausschließlich das Shakshuka in mich hineingestopft, weshalb ich zur restlichen Karte absolut keine valida Aussage machen kann. Nun gut ...

Port Sa'id

Ich muss gestehen, dass ich das Essen des Port Sa'id nur vom Sehen kenne. Mehrere Stunden haben wir hier an einem der zahlreichen Tische gesessen, den drei DJs beim Auflegen der größten Plattensammlung Tel Avivs zugeschaut, gequatscht und dabei dem Essen hinterher gesabbert, das an uns vorbei getragen wurde. Es gibt, wie auch im Romano, orientalische Gerichte mit exotischen Ausreißern (der French Toast!). Das Menü hat eine gut kurierte Auswahl an Fisch- und Fleischgerichten, sowie vegetarischen Spezialitäten. Auch hier gilt: Sharing is caring und ihr solltet versuchen, so vielseitig wie möglich zu bestellen.

Reservieren kann man hier übrigens nicht. Es bleibt euch also nur übrig, euch in die Reihe wartender Tel Avivi-Hipster einzureihen und auf einen schnellen Platz zu hoffen. Die Wartezeit lässt sich mit den hervorragenden Drinks und der guten Musik aber leicht überbrücken.

Cafe Kaymak

Das Café Kaymak war ein absoluter Glückstreffer. Eigentlich stromerte ich nämlich über den Levinksy Market auf der Suche nach dem Saluf & Sons. Trotz Google Maps und Pfadfinder-Background hatte ich jedoch keinen Erfolg und landete schließlich im Kaymak (übrigens gegenüber gelegen, soviel zu meinem Orientierungssinn).

Es gibt keine englische Karte (immer ein gutes Zeichen!) und neben den Suppen und Reisgerichten überzeugte mich schließlich ein Gericht mit gegrilltem Gemüse, Hummus mit Brot und in Weinblätter gewickelten Reis. Das Essen war fantastisch, der Preis ebenfalls. Als hätte sich in der Küche des Streetfood-Spots ein Sternekoch versteckt.

Ich bin noch immer begeistert von diesem nonchalanten Luxus und werde beim nächsten Besuch auf jeden Fall wieder kommen.

Meshek Barzilay

Im Meshek Barzilay war ich bei meinem letzten Besuch in Tel Aviv und spreche daher aus guter, wenn auch etwas älterer Erfahrung. Das eher schickere Restaurant in Neve Tzedek ist die richtige Adresse, wenn euch nicht der Sinn nach Hipster-Spot steht und ihr bereit seid, etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Das Restaurant überzeugt mit einer vegetarischen Karte, deren Gerichte ausschließlich mit Zutaten von Bio-Zulieferern gekocht werden. So weit, so gut, so Berlin.

Die Einrichtung ist sehr gemütlich und modern, der überdachte Hinterhof ist ruhig und die Weinkarte erlesen. Der richtige Ort für Liebesbekundungen, Geburtstagsüberraschungen mit Stil oder um sich einfach mal einen schönen Abend zu gönnen.

Food Bar Ochel

Obwohl ich bei meinem jetzigen Besuch etwas enttäuscht war, möchte ich euch die Food Bar Ochel auf dem HaKarmel Market nicht vorenthalten. Denn sie ist, inmitten des super touristischen Markts, eine kleine Oase. Wer hier den großen kulinarischen Wurf erwartet, wird sicherlich enttäuscht werden. Aber für relativ kleines Geld kann man seinen Hunger beim Schlendern über den täglich geöffneten Markt stillen und zieht zufrieden weiter.

Die Karte wurde etwas zugunsten Streetfood lastigerer Gerichte abgeändert und ich habe meinen Blumenkohl in Rote-Beete-Soße vermisst. Dafür war das Fisch-Kebab und die Brote mit den drei Dips (mega leckerer Knoblauch-Öl-Dip, frisches Pesto und scharfes Chili) überdurchschnittlich leckerer und die Limo erste Sahne. Fällt für mich unter die Kategorie „kann man ruhigen Gewissens machen, wenn man mit seinem Magen in den nächsten Stunden nichts besseres vorhat.“

Einfach die Hauptstraße durch den Markt Richtung Promenade nehmen und die Augen offenhalten, irgendwann werdet ihr linker Hand fündig ... oder auch nicht. Ha.

Ein paar allgemeine Tipps für euren Aufenthalt in Tel Aviv

1. Versucht, wenn es sich vermeiden lässt, nicht an Shabbat anzureisen. In Tel Aviv selbst ist der jüdische Ruhetag nicht so spürbar, wie etwa in Jerusalem. Aber vom Flughafen und durch die Stadt kommen ist ein Pain. Vor allem, da die Taxifahrer*innen um eure Not wissen und den Taximeter gerne mal ausgeschaltet lassen.

2. Tretet in den Kontakt mit den Locals. Die jungen Tel Avivis sind nett, offen und sprechen natürlich fast alle Englisch. Lasst euch Tipps geben, trinkt zusammen, habt eine schöne Zeit. Deutsche Zurückhaltung ist hier fehl am Platz!

3. Achtung bei Busfahrten: Tickets können nicht mehr beim Fahrer gekauft werden, stattdessen benötigt ihr eine Trägerkarte (ähnlich der Oyster-Card in London), die ihr mit Guthaben aufladet. Wie und wo genau das möglich ist, habe ich selbst nicht immer verstanden. Aber auf Nachfrage war Hilfe schnell zur Stelle!

4. Geht zu Fuß! Die Stadt ist kleiner, als sie aussieht und fast alle Wege lassen sich wunderbar laufen. Auf diese Weise lernt ihr die Stadt auch viel besser kennen

5. Tel Aviv ist eine sehr sichere Stadt und ihr braucht auch als Frau meiner Meinung nach keine Angst haben, wenn ihr nachts alleine unterwegs seid. Dennoch: handelt so, wie ihr es auch Deutschland tun würdet und meidet dunkle Gassen, Betrunkene oder einsame Gegenden.

6. Traut euch und probiert auch kleine Imbisse und Streetfood aus. Das Schlimmste, was passieren kann, ist ein bisschen flotter Otto. Viel wahrscheinlicher ist, dass ihr euren neuen Lieblings-Pita-Spot entdeckt.

7. Schaut aufs Geld, aber seid nicht knauserig. Tel Aviv ist teurer, als die meisten deutschen Städte. Doch anstatt dauernd die Schekel zu zählen, fahrt lieber mit einem etwas größeren finanziellen Puffer los und genießt euren Urlaub.

8. Macht mal rüber nach Jerusalem! Die Egged-Busse fahren stündlich am Busbahnhof. Die Fahrt dauert etwa 50 Minuten und kostet 16 Schekel, als lockere vier Euro.

9. Plant bei der Abreise Puffer am Flughafen ein, aber nicht zu viel. Wir haben getestet: Je mehr Zeit ihr bis zum Abflug habt, umso länger werdet ihr befragt und ggf. durchsucht. Es hat noch niemand seinen*ihren Flug nach Hause verpasst und selbst in der Sicherheitskontrolle könnt ihr ohne Angst darauf hinweisen, wenn euer Flieger demnächst abhebt. Die Sicherheitskräfte sind streng, aber sie sind keine Fieslinge.

Die Beige Food Map für Tel Aviv zum Abspeichern für euch:

  • Fotos:
    Beige

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