Die Chroniken von Na ja – Mamma mia!!

Mutterwerden ist fast wie ein zweiter Job. Lisa bringt heute ein wenig Licht ins Freelancer-Eltern-Antragschaos

Wachstumsschmerzen. Resilienz. Endspurt. Dieses Jahr hat freilich genug Futter für Motivations- und Selbstfindungscoachings für die nächste Dekade geliefert und ich habe den leisen Verdacht, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum dieser Krise nicht mit einer 2020 endet.

Doch heute soll es gar nicht (nur) um dieses besondere Jahr gehen, aber so ganz lässt sich das Thema sogar bei einer Kolumne, die sich eigentlich um das heitere Dasein als Selbstständige (oder Solo-Selbstständige, wie es seit, ja, Corona, so schön heißt) dreht, nicht ausklammern. Ich möchte euch heute vor allem einen Einblick geben in die Hürden und Chancen, die man als schwangere Freelancerin so vor die Füße geworfen bekommt. Es ist nämlich so, dass man es zeitweise fast mit einem zweiten Job zu tun hat: Zukunftsplaner:in nenne ich es mal liebevoll.

Am Anfang war der Überblick

Schwanger, juhu! Geld, oh weh! So ungefähr war meine Gefühlsachterbahn in den ersten drei bis vier Monaten. Man ist nämlich einerseits unfassbar viel mit sich und dem eigenen Körper beschäftigt, muss andererseits aber auch einen klaren Verstand behalten. Denn mit dem positiven Test steckt man schon drin im Orga-Hamsterrad. Und klar, dazu gehört zu einem sehr, sehr großen Teil das Finanzielle. Und glaubt mir, das ist nicht nur wichtiger, sondern auch dringlicher als die Einrichtung eines Kinderzimmers.

Da mir, wie ihr wisst, eine Urpanik in Sachen Finanzen und ein fieser Ehrgeiz innewohnen, begann ich also bereits im Spätsommer, mich mit allem zu beschäftigen, was zur Gleichung „Schwanger + Kind + Finanzen“ gehört. Basis-Elterngeld, Elterngeld Plus, Mutterschaftsgeld, Krankenkassenbonus, Berechnungsgrundlagen, Beitragspflichten und -befreiungen und so weiter. Es ist ein Bürokratie-Monster aber ich würde auch lügen, wenn ich sagte, dass mir die Herausforderung keinen Spaß gemacht hätte. Mein Learning vorab: Auch als Freelancer:in ist man in Deutschland sehr gut und fair abgesichert – man muss sich aber eben um einen Haufen Kram zeitgleich kümmern. Aber das sind wir ja eh gewohnt, ne?

Langzeitplanung ohne Plan

Ein ganz neues und unheimlich erquickendes Thema für mich: Elterngeld. An sich ist es für Selbstständige ziemlich eindeutig geregelt. Man braucht allerdings vor allem eines: einen Plan. Und den habe ich schon ohne Kind nicht. Ich weiß noch nicht mal, was ich morgen alles machen werde (außer alle fünf Minuten auf Toilette gehen).

Freelancer:innen haben die gleichen Ansprüche auf Elterngeld, wie Menschen in einem Angestelltenverhältnis. Die Höhe des Elterngeldes orientiert sich dabei an dem vergangenen Nettoeinkommen – und zwar nicht der letzten zwölf Monate, sondern des letzten Steuerjahres - und kann zwischen 300 und 1.800 Euro liegen. Nun war 2020 für viele Selbstständige eher bescheiden. Hier kann fairerweise das ganze Jahr ausgeklammert und das Nettoeinkommen von 2019 als Berechnungsbasis herangezogen werden. Bei so viel Flexibilität blieb mir kurz die Spucke weg – aber nur so lange, bis ich den Plan für das Elterngeld vorgelegt bekam. Julian und ich müssen im Prinzip vor der Geburt schon wissen, wie wir uns die Elternzeit auf- und einteilen wollen. Ich möchte hier gar nicht so sehr ins Detail gehen, aber wir brauchen im Prinzip eine Wahrsagerkugel. Ich empfehle wirklich allen werdenden selbstständigen Eltern, sich beim Jugendamt beraten und sich alles erklären zu lassen. Ich habe mir alle Fragen vorab notiert und die Dame hinter der Plexiglasscheibe schamlos gelöchert und fühle mich jetzt informiert und verzweifelt zugleich. Immerhin!

Vor dem Elterngeld kommt aber noch das Mutterschaftsgeld, das euch wiederum eure Krankenkasse ab Mutterschutz bis zwei Monate nach der Geburt zahlt. Während des Mutterschutzes seid ihr außerdem Beitrags-befreit bei eurer Krankenkasse. Achtung: Der Anspruch auf Mutterschaftsgeld hängt von eurer Krankenversicherung ab. Gesetzlich oder privat und ein Krankengeldanspruch machen hier u.a. den Unterschied. Steht euch Mutterschaftsgeld zu, beträgt die Höhe 70 Prozent des Durchschnittseinkommens der letzten drei Monate. Fragt am besten direkt bei eurer Krankenkasse nach und klärt es vorab. Ihr wollt ja sicher nicht bis zu den Presswehen im Homeoffice ackern, oder?

Von Fristen und Motivationsschüben

Mein Übereifer in Sachen Vorbereitung hat sich inzwischen selbst in den Schwanz gebissen. Denn ich habe mich so zeitig um alles gekümmert, dass ich teilweise Anträge viel zu früh einreichen wollte und nun zwischen lauter Papierstapeln sitze und die Hälfte dank Schwangerschaftsdemenz schon wieder vergessen habe. Olé!

Der Workload der letzten Monate plus a tiny little thing called Alltag haben ihr Übriges dazu beigetragen, dass ich mich zwischen den Jahren sicherlich einige Stunden nochmal mit dem ganzen Thema auseinandersetzen werde müssen. Ich glaube, auch mein Steuerberater macht drei Kreuze, wenn ich nicht mehrmals in der Woche mehr bei ihm anrufe und mir bei persönlichen Termine meine Finanzbuchhaltung für 2020 vor orakeln lasse. An dieser Stelle: DANKE!

Tatsächlich hat mich das ganze Thema noch mal richtig motiviert. Ich habe selten auch gegen Ende des Jahres noch mit so viel Elan rangekoffert wie in diesem Jahr und gerade nach diesem Jahr bin ich manchmal selbst erstaunt, woher mein Akku noch immer den Saft nimmt. Jeder Artikel, jedes Projekt, das ich ja unter anderem neben Beige noch auf dem Tisch liegen habe, sehe ich als Investition für das kommende Jahr. Gleichzeitig fällt es mir schwer, mich mit dem Gedanken anzufreunden ggf. ein, zwei oder mehr Monate wirklich mal nichts zu tun, außer eben Muttersein. Ich kann einfach nicht nichts tun. Das werde ich lernen müssen.

Und an diese Aufgabe möchte ich mit ebenso viel Ehrgeiz gehen, wie an alle beruflichen Projekte, die ich in meiner Selbstständigkeit bisher gewuppt habe. Ja, Ehrgeiz. Ich kann mich nicht fallen lassen, ich muss das mit Plan machen, sorry. Aber es ist OK, so bin ich eben.

Noch Fragen? Löchert mich gern!

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