Bücher, die uns durch die Quarantäne retten! Folge 2: Felix

Hamstern Sie jetzt: Bücher sind das neue Klopapier! Oder die neue Handseife. Oder die neuen Nudeln. Felix stellt euch seine Favoriten für die Literatur-Quarantäne vor.

Gibt es eigentlich etwas Schöneres, als unsere Gesellschaft in vermeintlichen Krisensituationen zu beobachten? Der Enthusiasmus, mit dem Klopapier, Handseife und Nudeln gehamstert, Küchenrolle, Duschgel oder Reis jedoch links liegen gelassen werden? Der wichtige Blick, mit dem der Krankenhaus-Mundschutz in der U-Bahn angelegt wird, um die umliegenden offenen Chirurgie-Patient*innen vor den eigenen Bakterien zu schützen? Oder natürlich das billige Instrumentalisieren eines Grippe-Virus, um mal wieder Geflüchteten die Schuld am Weltuntergang in die Schuhe zu schieben.

Doch all die Aufruhr bringt auch etwas Gutes mit sich: Endlich Homeoffice, so viel ich will. Endlich Atteste per Telefon. Und endlich Zeit zum Lesen!

Zu Hause bei Professor Emeritus

Ich selbst bin studierter Germanist, weshalb es auf den ersten Blick einleuchtet, dass meine Wohnung dem dunkel möblierten und mit Büchern zugestopften Büro eines Philosophie-Professors gleicht. Kennt man mich jedoch, weiß man, dass ich so gut wie nie ein Buch lese. Kaufen tue ich sie gerne, insbesondere auf dem Flohmarkt, wenn mir das Cover gefällt. Schön sehen sie auch aus, wenn sie im Regal stehen, auf dem Tisch liegen oder auf dem Nachttisch. Aber 500 Seiten lang die gleiche Idee rauf und runter gebetet zu bekommen, finde ich als certified Millenial einfach unerträglich. Who’s got that kind of attention span?!

Doch welcher Umstand eignet sich besser, um konzentriertes Lesen neu zu lernen, als eine gepflegte Quarantäne-Verordnung der Bundesregierung? Fangen wir also an mit den Bücherstapeln, die sich mir beim Durchgehen meiner Maison ins Auge fielen und die ich ernsthaft vorhabe zu lesen.

Wann werde ich endlich Bildung erfahren?

Haufen eins besteht aus Büchern, die ich noch aus Uni-Zeiten hier liegen habe und die ich endlich mal anständig lesen möchte. Durch mein gottgegebenes Talent, auf gut Glück ein Buch aufzuschlagen und dort ein anständiges Zitat für meine Masterarbeit zu finden, kenne ich die meisten nicht wirklich. Dazu kommt der aktuelle Bestseller von Sibylle Berg, „GRM Brainfuck“. Darin: ein Überwachungsstaat-Endzeit-Szenario in Großbritannien. Nach Aussage meines Freundes ist das Buch noch düsterer als ihre sonstigen Werke. Von denen ich tatsächlich einige in voller Länge gelesen habe. Ob und in welchem Ausmaß man die eigene Depression in der Zwangs-Quarantäne literarisch vertiefen möchte, sollte man sich allerdings vorher überlegen.

Dann wäre da eine Spezialausgabe des Vitra Design Museums zum Thema Robotik im Haus der Zukunft. Vorgestellt werden unterschiedliche Haushaltshelferchen, die es bereits gibt oder die gerade entwickelt werden. Für besonders innovativ befand ich den Zahnseidenroboter sowie die Gesichtswaschanlage. Wer auf sonderbare Sexroboter steht, wird in diesem Buch ebenfalls fündig. Wenig Text, viele Bilder. Enjoy!

Hauptsache, die Farben sind schön

Und weiter geht’s! Da wäre noch der Stapel farblich abgestimmter Trash-Texte auf meiner Fensterbank, including Highlights wie „Baustelle Blödmann - Und morgen bringe ich ihn um“ von Sonya Kraus oder das systemkritische Meister*innenwerk „Hochgefickt“ von der allseits bekannten wie geliebten Nathalie Bergdoll. Manchmal kaufe ich solche Büchlein gerne vom 1-Euro-Grabbeltisch und vergesse dann, sie tatsächlich mal anzuschauen. Das werde ich nun nachholen. Vielleicht.

Speaking of Grabbeltisch: Auch für die aussortierte Literatursammlung meines Professors bin ich mir nicht zu schade. Besonders, wenn Schweine auf einem Cover zu sehen sind. „HITZE - Abenteuer eines Amateurs als Küchensklave, Sous-Chef, Pastamacher und Metzgerlehrling“ ist wohl die absolute Verkörperung eines jeden UdK-Seminars und demnach ein direktes Hineinschnuppern wert. Als Ergänzung gibt es verschiedene Ausgaben des Kunstforum-Magazins aus den 90ern und 2000ern. Die Titel-Begriffe „Selbstdarstellung“ und „Ironie“ habe ich bisher nie gehört, würde sie aber gerne in meine nächste Selfie-Strecke einbauen.

Bleiben noch die nach Farbe sortierten Werke der überintellektualisierten Wichtigkeit. Für alle Kunstuni- oder Soziologie-Student*innen ist „Risikogesellschaft“ von Ulrich Beck sicherlich ein Must-have. Der gute Ulrich beschreibt und kritisiert darin unseren zeitgenössischen Konsumismus, gesellschaftlichen Wandel und die massenhafte Individualisierung. Klingt wirklich interessant, allerdings auch sehr erschöpfend. Nach jeder Seite brauche ich vermutlich eine 30-minütige Pause. Zeit genug dafür dürften wir in den kommenden Wochen aber wohl haben. Der Rest des Stapels enthält außerdem Kracher wie „Gemeinwohl und lokale Macht - Honorationen und Armenwesen in der Berliner Luisenstadt im 19. Jahrhundert“ oder „Gendertronics - Der Körper in der elektronischen Musik“. Ok.

Hoffen wir nun, dass meine Buch-Tipps oder zumindest dieser Artikel euch die kommenden Tage und Wochen etwas verschönern mögen. Nutzt die Zeit, um euch auszuruhen, zu schlafen und vorher genügend Snacks im Supermarkt einzukaufen. Team Beige is standing by, um euch weiterhin mir Quarantäne-Content der Extraklasse zu versorgen.

Au révoir!

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