10 Halloween-Kostümideen inspiriert von Hieronymus Bosch

Ob Riesenerdbeere oder Menschenfresser*in: Mit unseren von Boschs „Garten der Lüste“ inspirierten Kostümideen wird jeder Fetisch bedient

Für mich sind die Wochen um Halloween die schönste Zeit des Jahres. Punkt. Allen Halloween-Muffeln und Grumpkins zum Trotz, überlege ich mir jeden Oktober innovative und gruselige Snack-Ideen (Würstchenfinger mit Ketchup-Blut sind so 90s, ey), google schaurig-schöne Verkleidungen und gucke eine ungesunde Menge Horrorfilme.

Bei den diesjährigen Vorbereitungen kam mir – und das erst nach Jahren des Kunstgeschichtsstudiums – eine zündende Idee: Von bekannten Kunstwerken inspirierte Halloweenkostüme. Die darauf folgenden Stunden durchforstete ich mit einer Extraportion Eifer das Internet nach schaurigen Inspirationen. Auf Anhieb bot sich niemand besser an als der niederländische Maler Hieronymus Bosch. Eines seiner bekanntesten Gemälde ist „Der Garten der Lüste“, das der aktuellen Forschung nach zwischen 1490 und 1500 entstanden ist und seit vielen Jahren im Museo del Prado in Madrid hängt.

Bosch reiht sich mit seiner dreiteiligen Darstellung in eine lange Riege von Künstler*innen ein, die sich mit dem Thema Paradies und Fegefeuer auseinandersetzen. Zu lesen ist das Bild in einer genau vorgegebenen Abfolge: Zusammengeklappt zeigen die Flügel des Werkes die Entstehung der Welt, die von Gott (in der oberen linken Ecke abgebildet) erschaffen wird. Klappt man die Außenflügel auf, erhält man Einsicht auf den Mittelteil und kann das Gemälde nun wie ein Buch von links nach rechts studieren. Auf dem linken Flügel sehen wir das Paradies: Adam und Eva wurden von der kleinen Schlange, die sich bereits verdächtig ins Bild schlängelt, noch nicht in Versuchung geführt. Der Mittelteil des Werkes zeigt uns in mannigfaltiger Ausführung die zahlreichen Eskapaden, denen sich die Menschheit hemmungslos hingibt. Rechts schließlich sind das Leid und die Qualen dargestellt, die die Sündiger*innen als Konsequenz ihrer Taten in der Hölle erwarten. Vereinfacht gesagt: Mensch ist gut, Mensch gerät in Versuchung, Mensch wird verdammt.

Obwohl der „Garten der Lüste“ hinreichend untersucht wurde, wirft er Kunsthistoriker*innen noch immer zahlreiche Rätsel auf. Viele Fragen können bis heute nicht eindeutig geklärt werden: Kritisiert Bosch den Sündenfall oder zelebriert er ihn? Wann genau ist das Werk entstanden? Und wollte der Künstler die Realität oder eine fantasievolle Traumwelt abbilden? Aufgrund der fantastischen, surrealen, teilweise erschreckenden Darstellungen ist der „Garten der Lüste“ zur ikonischen Darstellung von Paradies und Verdammnis geworden. Perfekt also für eine Menge schauriger Halloween-Inspiration.

Falls ihr noch auf der Suche nach unheimlichen Kostümen für die anstehende Halloween-Party seid, haben wir für euch 10 Ideen gesammelt, die euer Grusel-Game mit einer Prise Kunstfakten aufwerten. Los geht’s:

Für Biegsame: Das Balance-Ei

Relativ wenig Requisite braucht ihr für dieses Kostüm, genauer gesagt benötigt ihr lediglich ein Ei, das ihr den kompletten Abend lang auf eurem Rücken balanciert. Im „Garten der Lüste“ kann das Ei als Symbol der Reinheit und Keuschheit gedeutet werden, mit der hier offensichtlich relativ sorglos umgegangen wird. Wenn nicht für das Kostüm, wird man euch definitiv für eure akrobatische Ausdauer bewundern. Menschen mit Rückenproblemen sollten allerdings lieber auf eine Verkleidung zurückgreifen, die weniger Körpereinsatz erfordert.

Für Verliebte: Die Kuschel-Muschel

Um eine der zahlreichen irdischen Ausschweifungen abzubilden, hat Hieronymus Bosch zwei Menschen dargestellt, die sich in einer halb geschlossenen Muschel vergnügen. Getragen wird die Konstruktion von einem nackten Mann, der den Betrachtenden einen vielsagenden Blick zuwirft. Ihr gehört auf Partys zu denjenigen, die sich irgendwann zusammen aufs Klo oder in ein wenig benutztes Zimmer verziehen? Euch ist der Trubel im Nachbarraum oder die genervte Schlange vor der Toilettentür total egal? Dann ist dieses Kostüm perfekt für euch.

Für Atheist*innen: Die Schweine-Nonne

In der unteren rechten Ecke seines Werkes hat Hieronymus Bosch ein fast menschlich anmutendes Rüsseltier gemalt, das dem Mann neben sich liebevoll das Ohr abschleckt. Bekleidet ist das Schwein mit einer Nonnenhaube. Je nach Veranstaltung kann euch dieses Kostüm viel Zustimmung einbringen, aber auch für reichlich Diskussionsstoff sorgen. Eine kirchenkritische Haltung nehmt ihr, ähnlich wie Hieronymus Bosch, mit dieser Verkleidung auf jeden Fall ein. Das im Bild gezeigte Schmusen ist natürlich optional – ihr solltet euch aber eine Person suchen, die mehr Begeisterung für eure Avancen zeigt als der von Bosch gemalte Herr.

Für Musikalische: Das Popo-Tattoo

Falls ihr nicht zu schüchtern seid, eure musikalischen Fähigkeiten zum Ausdruck zu bringen, haben wir genau das Richtige für euch: Hier ist ein Mensch dargestellt, der von einer überdimensionalen Laute erschlagen wurde. Auf einem Buch unterhalb seines Körpers und auf seinem Hinterteil sind eindeutig Noten zu erkennen, die allerdings mit unserem heutigen Notensystem nicht viel gemeinsam haben. Dennoch haben sich einige Expert*innen daran gemacht, das Musikstück zu entschlüsseln. Herausgekommen ist ein eigenartig schönes mittelalterliches Lied, das selbstverständlich auch auf zeitgenössischen Instrumenten eingespielt wurde.

Für Ambitionierte: Der Baummensch

Bei dieser Darstellung hat Bosch sich wirklich selbst übertroffen: Der sogenannte Baummensch ist kreideweiß und besitzt Gliedmaßen aus Baumstämmen, die in kleinen Booten balancieren. Sein fast schon psychedelischer Körper bietet die Behausung für eine feuchtfröhliche Kneipenszene, auf seinem Kopf balanciert ein riesiger Dudelsack. Auch diese Kreatur ähnelt einem riesigen, ausgehöhlten Ei, augenscheinlich eine beliebte Darstellung des Malers. Wie auch immer ihr dieses Kostüm realisiert – wir hätten gerne Fotos!

Für Hungrige: Menschenfresser*in

Diese vogelähnliche Kreatur hat Bosch beim gleichzeitigen Verschlingen und Ausscheiden von Menschen gemalt. Die Kleidung und der vornehme Toilettenstuhl lassen auf eine adlige Herkunft des Fabelwesens schließen. Wenn ihr euch am Buffet so richtig den Bauch vollschlagen wollt, ist diese Kostümierung die perfekte Entschuldigung für eure Völlerei. Amphoren an den Füßen und ein Topf auf dem Kopf sind die passenden Accessoires für einen genussreichen Abend.

Für Verspielte: Der niedliche Hase

Mit diesem Kostüm trefft ihr genau den Nerv der Zeit: Irgendwie gruselig und irgendwie süß wirkt dieses Häschen, das einen kleinen Klingelbeutel um die Hüften trägt. Diesen Kniff solltet ihr unbedingt imitieren: Vielleicht habt ihr ja Glück und jemand wirft die ein oder andere Münze hinein. Im unmittelbaren Umkreis des Hasen kann man ein Backgammon-Spiel und einen Würfel entdecken, mit denen Bosch wohl auf den lasterhaften Hang zur Spielerei hinweisen wollte. Euer favorisierter Platz auf der Party sollte also beim Schere-Stein-Papier oder Kartenspiel in der Küche sein.

Für Aufmerksamkeitsliebende: Die Erdbeere

Der Name „Der Garten der Lüste“ wurde Boschs Gemälde tatsächlich erst nachträglich verliehen, zur damaligen Zeit war eine Benennung von Kunstwerken nicht unbedingt üblich. Der erste schriftlich vermerkte Name lautet frei übersetzt „Erdbeerbild“, da ungewöhnlich viele der roten Früchte auf dem Kunstwerk zu entdecken sind. In diesem Ausschnitt sehen wir eine nackte Menschenmenge, die sich an einer überdimensionalen Erdbeere labt. Mit dieser Verkleidung habt ihr nicht nur einen klaren Niedlichkeitsbonus, ihr könnt euch außerdem den ganzen Abend lang auf Händen tragen lassen.

Für Bescheidene: Das Kriechtier

Wer auf dem etwa 2 x 4 Meter großen Wimmelbild genauer hinsieht, kann die unzähligen, kleinen Kreaturen entdecken, die Bosch an verschiedenen Orten platziert hat. Hier sehen wir einige Fabeltiere, die aus dem Wasser an Land kriechen. Ob ihr euch bei eurer Kostümwahl für die dreiköpfige Echse, ein froschähnliches Tier oder das noch halb im Ei versteckte Wesen entscheidet, bleibt euch überlassen. Echte Hardliner bleiben den ganzen Abend in ihrer Rolle und kriegen die Party nur aus der Froschperspektive zu Gesicht.

Für Mutige: Nackte Eisläufer*in

Bosch beweist auf dem rechten Flügel seines Gemäldes, dass die Hölle nicht zwangsläufig mit Feuer in Verbindung gebracht werden muss: Auch klirrende Kälte kann Ausdruck von Höllenqualen sein. Wenn euch am 31. Oktober siedend heiß einfällt, dass ihr euch noch um kein Kostüm gekümmert habt, stellt das kein Problem dar. Sollten alle Stricke reißen, bleibt euch immer noch der blanke Skandal. Nackt und nur mit Schlittschuhen bekleidet, macht ihr auf jeden Fall von euch reden.

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