Tabuthema Tod – Warum wir lernen müssen, uns mit Sterben und Beerdigungen auseinanderzusetzen

Was passiert eigentlich mit unserem Instagram-Account, wenn wir sterben? Und wie gestalten wir unseren Tod nachhaltig? Ein Interview mit Evgeniya Polo von Emmora

Seit einiger Zeit schon möchten wir auf Beige etwas tun: Wir wollen über den Tod sprechen. Vielmehr müssen wir über den Tod sprechen – denn irgendwann betrifft er uns alle. Und zwar nicht erst dann, wenn wir selbst sterben, sondern viel früher: Wenn geliebte Menschen aus dem Leben gehen, ganz plötzlich und unerwartet oder aber nach langer Krankheit. Obwohl das Thema Sterben in unserem Leben so präsent ist, versuchen wir es oft ziemlich erfolgreich zu verdrängen: Wir reden nicht darüber, wir lesen nichts darüber und wir denken nicht daran. Heute möchten wir das ändern. Dafür haben wir uns Evgeniya Polo zur Hilfe geholt, die nicht nur Expertin auf diesem Gebiet ist, sondern auch für einen offenen Umgang mit dem Thema Tod plädiert.

Zusammen mit ihrer Co-Gründerin Victoria hat Evgeniya 2019 Emmora gegründet. Mittlerweile helfen die beiden mit ihrem mehrköpfigen Team bei der Organisation von Bestattungen, der Bewältigung von Trauer und dem vielschichtigen Austausch rund um das Thema Sterben. Mit ihrem Podcast „ende gut“ haben sie neben ihrem Magazin ein tolles Format ins Leben gerufen, das das Lebensende aus vielen verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet – sei es aus Sicht von Bestatter*innen, Angehörigen oder einer Trauerbegleitung.

Noch schöner ist es, dass Evgeniya uns im Interview alle drängenden Fragen beantwortet hat. Das waren ziemlich viele, denn kaum „durften“ wir mal über das Thema reden, sprudelten die Fragen nur so aus uns heraus. Wir haben mit ihr über die Idee zu Emmora, unseren digitalen Nachlass und ein nachhaltiges Ableben gesprochen.

Victoria und Evgeniya von Emmora © Nathalie Luna Schön

Hallo Evgeniya! Toll, dass du Zeit für unsere Fragen hast. Habt ihr durch Corona momentan besonders viel Arbeit?

Die Frage, ob unser Geschäft gerade ohne Ende boomt, erhalten wir dauernd. Wir haben tatsächlich momentan sehr viel zu tun. Das liegt aber vor allem daran, dass wir gerade deutschlandweit expandieren und nach und nach in immer mehr Städten Bestattungen durchführen. Da sich die große Anzahl der Corona-Todesfälle auf viele Bestattungsinstitute verteilt, merken wir davon nicht viel mehr als vorher. Was aber tatsächlich gestiegen ist, ist die Anzahl der Anfragen bezüglich Vorsorge.

Die Menschen beschäftigen sich also aktuell mehr mit ihrem eigenen Lebensende?

Auf jeden Fall. Viele möchten für die Zukunft planen oder Vorabinformationen einholen. Das lässt sich auch in den Google-Suchen während des letzten Jahres ablesen.

Welche Tätigkeit liegt dir bei Emmora besonders?

Es ist wirklich das Rundumpaket. Ich kümmere mich bei uns im Team primär um Marketing und Produkt und natürlich all die strategischen Themen zusammen mit meiner Co-Founderin. Und nebenbei organisiere ich natürlich Bestattungen, am Wochenende ist also Kundenkontakt angesagt.

Das klingt, als würdest du rund um die Uhr arbeiten…

Gestorben wird ja bekanntlich immer. Daher ist eine tägliche Erreichbarkeit Teil unseres Dienstleistungsspektrums. Innerhalb des Teams rotieren wir bestmöglich, damit wir alle mal ein paar Tage abschalten können. Aber wenn am Sonntag um 9 Uhr morgens jemand verstirbt, muss am Sonntag um 9 Uhr auch gehandelt werden. Auch dann stehen wir natürlich mit Rat und Tat zur Seite.

© Nathalie Luna Schön

Du hast eben das Stichwort „Marketing“ erwähnt. Wie vermarktet man denn den Tod?

Die Idee zu Emmora ist ursprünglich aus dem Bedürfnis entstanden, den Zugang zu Themen wie Tod, Lebensende, Bestattung, Trauer, einfacher und zugänglicher zu machen. Wenn man sich Websites oder Offline-Shops von Bestattungsinstituten anschaut, sind die im Kern oft schwarz-grau-weiß und relativ trist. Natürlich ist ein Abschied traurig, aber deswegen muss er ja nicht trist sein! Der Ansatz von Emmora ist es daher, den Tod als einen selbstverständlichen Teil des Lebens anzuerkennen und die vielfältigen und individuellen Möglichkeiten am Lebensende aufzuzeigen.

Wie kann man mithilfe digitaler Medien den Zugang leichter gestalten?

Das fängt auf jeden Fall bei Farben, bei Look and Feel, beim Wording und bei der Ansprache an. Wir wollen Menschen die erste Barriere nehmen, sich mit dem Sterben zu beschäftigen. Das ist auch der Grund, weshalb wir in unserem Podcast und in unserem Magazin über alle möglichen Themen rund um das Thema Tod sprechen. So ermöglichen wir es, sich dem Thema Step-by-Step anzunähern. Unser Design soll das unterstützen.

Wie kann ich mir den normalen Ablauf vorstellen? Ich rufe euch an, wenn jemand in meiner Familie verstirbt?

Das ist ganz unterschiedlich. Bei akuten Fällen werden wir in der Regel umgehend von den Angehörigen angerufen. Wenn jemand ganz plötzlich verstirbt, geht das oftmals mit deutlich mehr emotionalem und organisatorischen Stress einher. Wir sorgen in diesen Fällen für eine enge Betreuung und begleiten die Angehörigen Schritt für Schritt. Im besten Fall hat sich die Familie schon informiert, bevor die Person verstirbt. Oft ist abzusehen, dass sich ein Leben zu Ende neigt – etwa 70 Prozent aller Deutschen versterben in Institutionen. Also in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Hospizen.

Worüber kann ich mich denn im Voraus informieren?

Zum Beispiel über die Kosten einer bestimmten Bestattungsform: Es gibt zum Beispiel Baum-, Erd-, Feuer- oder Seebestattungen. Aber auch individuelle Wünsche können mit uns abgesprochen und in unserer Kundenkartei abgelegt werden. Dann genügt ein Anruf, sobald der Sterbefall eingetreten ist und wir übernehmen die Organisation der Bestattung. Natürlich ist auch ein Vor-Ort-Gespräch durch Emmora oder unsere Partner möglich.

Was passiert im Sterbefall zuerst?

Zuerst wird alles Notwendige erledigt: Der oder die Verstorbene wird abgeholt und in ein Kühlhaus gebracht, bis die Bestattung stattfinden kann – oder bis zur Kremation. In der Zwischenzeit erledigen wir alle Papiere und Formalitäten und besprechen uns mit den Familien bezüglich der Trauerfeier. In den folgenden zwei bis drei Wochen, je nach Bestattungsart, wird dann die Beisetzung organisiert. Viele Angehörige reagieren auf einen Todesfall sehr pragmatisch. Besonders in der ersten Phase. Das ganze Thema Trauer und emotionale Bewältigung tritt oft erst nach ein paar Tagen ein. Das liegt an der Schockreaktion im Gehirn: Man muss in dem Moment einfach funktionieren.

„Wer soll deine Google Drive Fotos bekommen? Welcher Song soll bei der Bestattung gespielt werden? Was soll in der Trauerrede über dich gesagt werden? Das sind alles Wünsche, die auf die Generation von heute abgestimmt sind.“

Organisiert Emmora die Bestattungen ganz allein?

Manche Bestattungen führen wir komplett in Eigenregie durch, andere mit lokalen Partner*innen. Wir sind in Berlin und Hamburg tätig, haben aber an anderen Orten tolle Partner, die alle Fragen persönlich beantworten können. Es ist sehr wichtig, dass es Ansprechpartner*innen vor Ort gibt.

Und wonach sucht ihr eure Partner*innen aus?

Uns ist Vielfalt wichtig. Trauerreden sind beispielsweise eine so persönliche Sache, da muss der zwischenmenschliche Kontakt stimmen. Wir versuchen daher, alle Geschlechter, Altersgruppen und Hintergründe abzubilden. Oft gibt es bei Trauerfeiern einen Organisten, der auf dem Friedhof angestellt ist und das klassische Trauerritual gut abdecken kann. Bei besonderen Wünschen können wir Trauermusiker*innen bieten, die Harmonika oder Akkordeon spielen. Wir können eine*n Sänger*in oder Tanzrituale anbieten. Bei uns findet man alles, was ein bisschen alternativer ist. Besonders jüngere Generationen wünschen sich weniger traditionelle Angebote.

Du sprichst den Generationsunterschied an. Sind bestimmt Wünsche vom Alter abhängig?

Am Ende ist und bleibt es individuell. Tendenziell wollen aber Menschen, die in hohem Alter versterben, eher klassische Abschiede. Diese Generation hat meistens gar nicht so schlecht vorgesorgt: Sie haben oft Geld beiseitegelegt oder ihre Wünsche bezüglich Grabstein und Friedhof kommuniziert.

Gab es auch schon mal skurrile Wünsche, die ihr nicht erfüllen konntet?

Wir lassen uns eigentlich immer etwas einfallen. Es ist aber das Bedürfnis vieler Menschen, die Asche der Verstorbenen nicht auf einem Friedhof beizusetzen, sondern in einer Urne zu Hause stehen zu haben oder im eigenen Garten zu begraben. In Deutschland ist das allerdings aktuell nicht erlaubt: Per Gesetz gibt es den Friedhofszwang, jeder Überrest muss also auf einem Friedhof oder einem Areal, das als Friedhof definiert wird, beigesetzt werden. Wir denken aber, dass sich das mit der Zeit lockern wird. Allein aus dem Grund, dass Friedhöfe immer voller werden, besonders in großen Städten.

Man kennt das man ja aus US-amerikanischen Filmen, in denen die Asche eigenhändig in der Wüste verstreut wird oder die Urne auf dem Kaminsims thront.

Genau, bisher ist das bei uns nicht möglich. Aber es gibt erste Ansätze: In Bremen gibt es einen Friedhof, auf dem die Asche auf einer gekennzeichneten Fläche verstreut werden darf, also nicht begraben wird. Für mich persönlich hat das einen sehr emotionalen Aspekt, die Asche der Luft und der Erde zu überlassen statt der Untererde. In der Hinsicht wird sicher in den nächsten Jahren noch viel passieren.

© Oliver Vonberg

Habt ihr denn bei Emmora schon alle vorgesorgt?

Auf Instagram haben wir mal eine Teamvorstellung gemacht. Eine der Fragen lautete: „Wie möchtest du bestattet werden?“ Darüber haben wir uns also zumindest alle schon Gedanken gemacht. Unsere Freund*innen und Familien wissen Bescheid. Finanziell vorgesorgt haben wir aber alle noch nicht.

Wie kommt das?

Die ganzen Möglichkeiten, finanziell vorzusorgen, beispielsweise durch eine Sterbegeldversicherung, stehen einem erst ab 40+ zur Verfügung. Das liegt daran, dass es sich um finanzielle Produkte handelt, die sich am Ende des Tages rentieren müssen. Was wir jüngeren Menschen anbieten können, ist unsere sogenannte Bestattungsverfügung. Mit der hat man die Möglichkeit, sich Gedanken über die eigenen Wünsche zu machen. Diese können wir dann hinterlegen. Wenn es aber um die Bezahlung geht, empfehlen wir, sich etwas mehr Zeit zu lassen. Kein Mensch kann eine gute Prognose darüber abgeben, wie die Sterbebranche von morgen aussieht und wie sich die Preise entwickeln.

Mit der Bestattungsverfügung kann ich also jetzt schon vorsorgen?

Planen kannst du schon jetzt und das empfehlen wir auch. Unsere Bestattungsverfügung umfasst Fragen wie: Welche Accounts hast du und welche davon sollen später gekündigt werden? Wer soll deine Google Drive Fotos bekommen? Welcher Song soll bei der Bestattung gespielt werden? Was soll in der Trauerrede über dich gesagt werden? Das sind alles Wünsche, die auf die Generation von heute abgestimmt sind. Man kann nicht früh genug anfangen, sich darüber Gedanken zu machen.

„Eine Bestattung kann und sollte unserer Meinung nach um einiges fröhlicher sein als der aktuelle triste Standard.“

Ich kann bestimmen, was mit meinem Instagram-Account geschieht, wenn ich sterbe?

Ja! Gerade unsere Generation sollte sich Gedanken um ihren digitalen Nachlass machen! Sicherheitstechnisch ist das ein schwieriges Thema. Wir müssen da in Richtung Blockchain denken, damit sensible Daten sicher hinterlegt werden können. Wir gehen mit einem ganz anderen Set an Daten-Nachlass aus der Welt als unsere Großeltern.

Wie kriegt man Menschen dazu, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen?

Es ist tatsächlich nicht einfach. In fröhlichen, aktiven Lebensphasen bewegt einen nicht viel dazu, sich über den Tod Gedanken zu machen. Auch in unserer Generation ist das Sterben noch ein ziemliches Tabuthema. Aber wir glauben, dass die Verantwortung gegenüber den Nahestehenden entscheidend ist und raten dazu, so viel wie möglich innerhalb der Familie zu kommunizieren, bevor Barrieren entstehen. Je bewusster man sich darüber ist, dass man irgendwann nicht mehr ist, desto bewusster kann man auch das Leben genießen.

Also einfach mal Mama fragen, wie sie beigesetzt werden will?

Fürs Erste gibt es auf unserer Seite eine kostenlose Checkliste zum Download, die jeden dazu animieren kann, sich Gedanken zu machen. Die kann man für sich oder für die Familie ausfüllen. Solche Formulare können auch dabei helfen, das erste Gespräch zu beginnen. Ein Leitfaden kann hilfreich sein, um nicht sofort vor verschlossenen Türen zu stehen.

Warum ist der Tod noch immer so ein großes Tabuthema?

Man darf nicht vergessen, dass er seit Jahrhunderten nicht wirklich thematisiert wurde. Es einen immer gleichen Prozess, wenn jemand verstorben ist. Dadurch ist gar nicht erst das Potenzial entstanden, über den Abschied zu sprechen. Erst in den letzten Jahrzehnten sind Themen wie Individualität, eigene Wünsche und neue Bestattungsformen in Erscheinung getreten. Ich glaube, dass sich bezüglich des Umgangs in der Gesellschaft noch viel tun wird.

Kann eine Bestattung auch lustig oder fröhlich sein?

Klar, eine Bestattung kann und sollte unserer Meinung nach um einiges fröhlicher sein als der aktuelle triste Standard. Zu einer Bestattung gehört klassischerweise eine Trauerfeier. Wenn man es schafft, in diese Feier schon coole Elemente oder besondere Rituale einzubauen, dann kann auch der Prozess der Beisetzung um einiges leichter sein.

Wie sähe das zum Beispiel aus?

Es muss keine Friedhofskapelle mit Orgelmusik und der Rede von einer*m Pastor*in sein. Stattdessen kann die Bestattung unter freiem Himmel im Wald stattfinden, wo die Lieblingslieder der verstorbenen Person gespielt werden. Dort können dann auch Elemente aus dem sogenannten „Leichenschmaus“ integriert werden, zum Beispiel ein gemeinsames Anstoßen.

Warum wird überhaupt so sehr getrennt zwischen einer traurigen Beisetzung und dem fröhlichen Beisammensitzen danach?

Das hat mit der Psychologie zu tun: Mit Bestattungen assoziieren wir etwas Ernstes, Trauriges. Ich habe schon häufig beobachtet, dass sich, kaum dass der Mensch unter der Erde ist, die Stimmung aufhellt. Der ganze Druck und die ganze Emotionalität sind dann ebenfalls begraben und man darf wieder lächeln. Beim Leichenschmaus, der traditionell Tag der Beisetzung stattfindet, ist dann wirklich ein Schalter im Kopf umgelegt: Die Menschen sind oft kaum wiederzuerkennen. Diese klare Trennung muss natürlich nicht sein. Ich bin absolut dafür, dass Trauerfeier, Beisetzung und Leichenschmaus einfach als Tag des Abschieds bezeichnet werden und man sich das Programm nach den eigenen Wünschen zusammenstellt.

Wie sieht es mit anderen Bestattungsformen aus? Die Rituale unterscheiden sich ja sehr stark.

In unserer Podcastfolge „Wie stirbt die Welt?“ reden wir über den Abschiedskult in verschiedenen Kulturen – da gibt es tatsächlich große Unterschiede. In Mexiko wird am Tag der Beisetzung getanzt, am wichtigen Feiertag „Día de los Muertos“ wird mit Masken und Feierei den Toten gedacht. Auch die Bestattungsarten unterscheiden sich überall auf der Welt enorm: Im Himalaya zum Beispiel gibt es kaum Erde, dort werden die Verstorbenen auf Felsen gesetzt und der Natur überlassen.

„Wir sollten uns fragen, ob ein fancy Mahagonisarg wirklich nachhaltig ist und ob wir diese Art Status zu unserem Abschied brauchen.“

Und in Deutschland?

Hier sind nur zwei Arten von Bestattungen erlaubt, die Beerdigung und die Kremation. Allerdings gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Asche beizusetzen: In einer Urne auf dem Friedhof, in Form einer See- oder Waldbestattungen. Außerdem gibt es Luftbestattungen, bei denen die Asche aus einem Flugzeug oder Heißluftballon verstreut wird. Es gibt auch die Möglichkeit, einen Teil der Asche zu einem Diamanten zu pressen.

Wärt ihr theoretisch offen für neuartige Möglichkeiten?

Irgendetwas muss ja mit dem Körper passieren. Es gibt in Schweden eine Frau, die sich eine neue Bestattungsart ausgedacht hat: Da eine Einäscherung überhaupt nicht nachhaltig ist, hat sie sich überlegt, den Körper mit Stickstoff runterzukühlen und dann so zu schütteln, dass er zu Granulat zerfällt. Dieses Granulat ist extrem zersetzbar, man kann es beisetzen oder verstreuen. Gesetzlich ist diese Methode noch nicht erlaubt aber ich fand die Idee total spannend, den Körper Volumen-technisch zu reduzieren.

Apropos Nachhaltigkeit: Wie kann ich denn so nachhaltig wie möglich aus dem Leben scheiden?

Eine Einäscherung ist nicht wirklich nachhaltig – da ist eine Beerdigung sehr viel klimaneutraler. Aber Nachhaltigkeit ist nicht nur ökologisch zu betrachten, sondern auch finanziell: Bestattungen sind teuer. Wir sollten uns fragen, ob ein fancy Mahagonisarg wirklich nachhaltig ist und ob wir diese Art Status zu unserem Abschied brauchen. Warum müssen wir eigentlich ein halbes Vermögen für eine Bestattung ausgeben? Ein ganz normaler Holzsarg oder ein Modell aus Papier, Pappe oder aus Korb tun es zum Beispiel auch.

Auch der obligatorische Sonntagsbesuch auf dem Friedhof ist für unsere Großeltern-Generation selbstverständlicher als für uns. Ändert sich in der Hinsicht auch etwas?

Das Thema Grabpflege ist oft nicht gegeben, wenn die Kinder, Enkel oder Urenkel überall auf der ganzen Welt verstreut sind. Einen festen Gedenkort zu haben, ist dann oft gar nicht mehr nötig. Außerdem kann man sich diesen Gedenkort auch selbst erschaffen, es muss nicht mehr unbedingt der Friedhof sein. Wir sehen einen großen Anstieg bei anonymen Beisetzungen, im Wald oder auf der See. Die Vorstellung, dass die verstorbene Person in der Nordsee ruht, kann auch schön sein.

Popkulturell ist der Tod auf jeden Fall präsent. Serien wie „Das letzte Wort“ oder „Der Tatortreiniger“ befassen sich auf lustig-ernste Art und Weise mit dem Thema. Wir dürfen also auch über das Sterben lachen?

Ob der Tod lustig sein und Spaß machen kann, ist eine schwierige Frage. Aber das Thema muss definitiv nicht nur traurig sein. Auch auf Bestattungen passieren skurrile oder witzige Dinge. Es ist total okay, seinen Emotionen freien Lauf zu lassen. Lachen erleichtert. Wenn man mit dem Tag des Abschieds lustige Anekdoten verbindet, bleibt er leichter in Erinnerung und wird positiver besetzt.

Und darum geht es euch bei Emmora?

Genau, wir wollen den Tod weniger negativ besetzen. Natürlich gibt es tragische Unfälle, an denen wenig Positives zu sehen ist. Aber das eigene Leben geht ja weiter und je besser man mit dem Verlust klarkommt, desto besser kann man auch das eigene Leben genießen. Am Ende des Tages haben wir keinen Einfluss auf den Tod. Umso wichtiger ist es, Formate zu schaffen und viel darüber zu reden.

Vielen Dank für das sehr interessante Gespräch!

Unser Beige-Serientipp zum Thema:

Und wer jetzt Lust bekommen hat, sich freier mit dem Thema Tod auseinnderzusetzen, der hört den Podcast von Emmora oder schaut Anke Engelke dabei zu, wie sie das Thema Trauerreden in „Das letzte Wort“ revolutioniert. Ganz große Empfehlung vom Team Beige!

Dieser Artikel ist Werbung, da er Markennennungen enthält.

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