Zusammenziehen? Ja! 24/7 Quarantäne? Oh weh!

8 Tipps für mehr Harmonie für alle (unfreiwilligen) Wohngemeinschaften in diesen Ausnahmezeiten

Die Scheidungszahlen in Wuhan sind explodiert. Drei Wochen aufeinander sitzen, auf engstem Raum, mit einem unbekannten Virus im Nacken, das geht an vielen eben nicht spurlos vorbei. Es ist ein Ausnahmezustand, der uns noch bevorstehen könnte. Ich versuche bisher erfolgreich, mich nicht von Panikmache oder Sorgen auffressen zu lassen. Klar, auch ich verbringe inzwischen dank Homeoffice und Social Distancing viel mehr Zeit in meiner Wohnung. Und obwohl ich sie sehr liebe, sie glücklicherweise auch relativ groß und hell ist und obwohl man ja nach wie vor das Haus verlassen darf: Ich kann sehr gut nachvollziehen, wenn den Menschen schon jetzt, nach wenigen Tagen, die Zimmerdecke auf den Kopf fällt.

Nun ist auch noch mein Freund bei mir eingezogen. Eigentlich wollten wir diesen Schritt erst im Juni in Angriff nehmen. Nach sechs Jahren Beziehung wohlgemerkt. Wir lassen uns eher Zeit bei so einschneidenden Schritten und kultivieren gerne in aller Ruhe unsere Spleens. Covid-19 sei Dank muss unsere Beziehung jetzt also den vorgezogenen Härtetest durchstehen. Ohne Zeit zur mentalen Vorbereitung. Hefte raus, Klassenarbeit! Ups. Ich bin absolut gar nicht vorbereitet und hoffe sehr, dass wir die Sorte Paar sind, das sich nach mehrwöchiger Einschlusszeit lachend an den „verrückten Ausnahmezustand“ zurückerinnert und mit reichlich Insider-Jokes aufwarten kann. Die Alternative wäre nämlich, dass wir für den Rest unseres Lebens kein Wort mehr miteinander wechseln.

Ob man nun an das Konzept Ehe glaubt, in einer Beziehung ist oder in einer Wohngemeinschaft lebt: Ich habe acht nicht immer ernst gemeinte Tipps für euch zusammen geschrieben, mit denen ihr die gemeinsame Quarantäne und sogar den Lockdown übersteht, ohne euch nach Tag sechs schon an die Gurgel zu gehen.

1. Pippi-Langstrumpf-Zeit: Ihr macht eure Regeln

Man muss kein regelmäßiger Kirchgänger sein, um die Idee mit Gottes Zehn Geboten ganz gut zu finden. Sie sind eine Art erster Code of Conduct und quasi ein Ur-Verfassungsentwurf. Und wenn unsere unmittelbare Gesellschaft plötzlich nur noch auf zwei Menschen zusammenschrumpft, liegt es doch auf der Hand, dass man diese Gelegenheit nutzt, um an einem Strang zu ziehen und sich innerhalb kürzester Zeit ein richtig verschrobenes Verhalten anzutrainieren.

Einigt euch also auf einen gemeinsamen Fahrplan, auf sieben, zehn oder zwölf goldene Regeln, die das Zusammenleben einfacher machen. Seht es als Chance, endlich mal nach eurer Flöte zu tanzen. Pippi-Langstrumpf-Zeit! Happy-Hour beginnt um Eins. Netflixen? Mindestens zwei Stunden am Stück, nach oben kein Limit. Im Bett wird verkehrt herum geschlafen und es gibt Schokolade zum Frühstück.

Euer Haushalt, eure Regeln. Lasst uns alle so richtig schön verschroben und spleenig aus dieser Sache herauskommen.

2. Hier Spaß, da Ernst

Kein Tier macht dorthin, wo es schläft. Heißt im übertragenden Sinne in Zeiten von Quarantäne: Teilt die Wohnung in Spaß und Arbeitszonen ein. Im Schlafzimmer wird nicht gearbeitet. Im Wohnzimmer wird nicht geraucht. In der Küche wird nicht geschlafen. Das erleichtert nicht nur das Zusammenleben, sondern ist erwiesenermaßen auch gut für den Kopf. Orte mit festen Bedeutungen und Aufgaben machen es uns nämlich einfacher, abzuschalten, uns zu konzentrieren oder ohne Gedanken an Pflichten ein Glas Wein zu genießen. Gerade, wenn ihr jetzt nach wie vor einen festen Arbeitsalltag im Homeoffice hinter euch bringen muss, ist es wichtig, imaginäre Grenzen zu ziehen. Gleichzeitig hilft es all jenen, die nun gezwungenermaßen etwas „schwimmen“, Struktur sicherzustellen.

Wenn eure Wohnung wirklich sehr klein ist, dann versucht z.B. am Abend alle Arbeitsutensilien (Mac, Notizbuch, iPad, Stifte) in eine Kiste und somit aus eurem Blickfeld zu räumen, um abzuschalten. Und denkt an eure Bürozeiten! Die haben auch im Homeoffice Bestand!

3. Stick to your routines!

Die goldene Regel in allen Lebenslagen, aber jetzt umso mehr: Tut jeden Tag einfach so, als würdet ihr zur gewohnten Zeit das Haus verlassen. Ich stehe jeden Tag um halb sieben / sieben Uhr auf, füttere meinen Hund Martha und gehe dann eine Runde mit ihr durch den Park. Wieder daheim, trample ich so laut durch die Wohnung, dass Julian aufwacht, gehe dann duschen und setze mich mit einem großen Pott Kaffee mit Hafermilch an meinen Mac.

Ich gebe allerdings zu, es gibt eine Routine, die ich abgelegt habe: Ich ziehe mich nicht mehr an. Also ich sitze nicht nackt am Schreibtisch, aber ich ziehe mich nicht richtig an. Sehe ich nicht ein. Wofür? Warum soll ich mich mit Jeans und Bluse an meinen Esstisch setzen, wenn es auch die supersofte Yogahose und ein XXL-Sweater sein können? Ich verliere dadurch nicht einen Funken Selbstachtung, keine Sorge. Ich denke im Gegenteil eher darüber nach, den Look endgültig alltagstauglich zu machen und einfach den Rest meines Lebens nur noch in Sportkleidung zu verbringen. Jane Fonda wäre stolz auf mich.

4. Der Sündenbock – findet ihn

Bester Tipp aus diesem Internet: Egal was, ihr wart es nicht. Erfindet eine dritte (oder vierte) Person, die Schuld ist. Bei uns ist es kein imaginärer Mensch, sondern einfach Martha. Wofür hat man schließlich Haustiere? Martha hat inzwischen einiges auf dem Kerbholz. Gestern hat sie den Wein leer getrunken. Am Tag davor ihre Schuhe nicht ausgezogen und den ganzen Flur dreckig gemacht. Sie hat vergessen Bananen zu kaufen und sich selbst zweimal gefüttert und am Sonntag das Internet zerstört beim Versuch, es neu aufzusetzen. Eben hat sich Julians frischgepressten Saft ausgetrunken und nur scheiß Rotwein gekauft. Danke, Martha, für nichts.

So ein unnützes Tier, wirklich.

5. Zeit für Dinner-Dates!

Feste Essenszeiten während der Quarantäne? Versucht es. Ich weiß, es ist unheimlich verlockend, schon morgens eine Pizza in den Ofen zu schieben, Snack auf Snack folgen zu lassen und alle kulinarischen Regeln über Bord zu schmeißen. Und ich weiß, ich habe gesagt, ihr sollt eure eigenen Regeln aufstellen. Ich spreche hier auch nicht davon, diese soziale Auszeit als EURE Chance zu nutzen, ein vermeintlich besserer Mensch zu werden (ihr seid so super, wie ihr seid). Aber verabredet euch dennoch ein- bis zweimal am Tag zum gemeinsamen Essen. Muss ja kein Festmahl sein. Handy weg, Nachrichten aus. Wenn ihr euch nichts zu sagen habt, weil ihr schlicht und ergreifend nichts erlebt habt und euch ohnehin den ganzen Tag sehr, dann spinnt zusammen herum, was ihr als Erstes machen wollt, wenn die Welt wieder normal funktioniert. Top Tipp: Schaltet eure Freunde per Zoom oder Houseparty dazu und macht ein echtes Festgelage daraus! Warum nicht jeden Abend?

6. Marie Kondos große Stunde (wieder)

Corona-mari: Wenn man in Quarantäne gefangen ist und aus Langeweile beginnt, die eigene Wohnung aufzuräumen.

Kennen wir gerade alle. Hier wurden bereits zwei Wände gestrichen und heute kommt die Küche dran. Ich habe meinen Kleiderschrank zweimal ausgemistet und werde mich in den kommenden Tagen meiner Schandkiste unter dem Bett und der Horroschublade des Küchentischs widmen. Danach ist dann der Keller dran. Hilft ja nichts. Ich habe außerdem alle Blumen umgetopft, Räume re-arrangiert und endlose Wunschlisten in sämtlichen Interior-Shops angelegt. Wir saugen und wischen auch gefühlt jeden Tag. Man könnte unser Badezimmer als steril bezeichnen. Mein 1000-Euro-Tipp gegen dicke Luft: Räumt alles, was ihr benutzt habt, danach direkt auf. Geschirr wir direkt gespült oder in die Spülmaschine geräumt. Jacken aufgehängt. Bücher ins Regal. Betten gemacht, Wäsche direkt aufhängen und in den Schrank ... you get the drill.

7. Besorgt euch Kopfhörer

Während ich zum Schreiben sehr gerne Bossanova oder The Offspring höre (hat sich so eingebürgert), bevorzugt Julian das Best-of Iron Maiden. Passt nicht so gut zusammen. Da wir gerade außerdem extrem unterschiedliche Arbeitsrhythmen haben und Bürozeiten und Netflix-Binge-Watch jeden Tag aufeinanderprallen, werden unsere Kopfhörer zu echten Lebensrettern. Bei keiner Reise habe ich die Noise-Cancelling-Funktion meiner Marshall Headphones so sehr zu schätzen gewusst, wie jetzt gerade zu Hause.

Super auch, wenn eine Person schlafen, die andere aber Droste lauschen will. Oder wenn, wie bei uns, eine*r True Crime Podcast liebt, der*die andere aber lieber „Die Drei ???“ hört.

8. Versucht, dankbar zu sein

Ihr müsst gerade nicht mehr tun, als mit dem Arsch daheim zu bleiben, um heldenhaft zu handeln. Ihr habt Essen, ihr habt Internet. Ihr habt vielleicht gerade keinen Job, aber ihr könnt Hoffnung haben, dass es wieder besser wird. Ich möchte bei Gott keine Probleme kleinreden, die uns hier individuell das Leben gerade schwer machen. Ich weiß, dass viele Existenzen bedroht sind, dass viele kleine Unternehmen am Rande der Insolvenz stehen oder schon aufgeben mussten. Mir sitzt täglich eine jetzt arbeitslose Existenz gegenüber und auch bei mir kann jeden Tag dieser Anruf kommen, der mir meinen relativ sicheren freien Job nimmt.

Aber wir werden niemals um Leben und Tod kämpfen müssen und werden, so gut es möglich ist, vom sozialen Netz in Deutschland aufgefangen. Und, am allerwichtigsten: Wir stehen das gemeinsam durch! Es ist für viele ein kleiner Trost, aber vielleicht ein Funken Hoffnung für das, was kommt, wenn der Scheiß hier endlich vorbei ist.

DISCLAIMER: Wir wollen ein Thema, was viele Menschen gerade beschäftigt, auf amüsante Weise behandeln, um in diesen Zeiten mit etwas Comic Relief zur Seite zu stehen. Dieser Artikel soll das Thema häusliche Gewalt in keinem Falle verharmlosen.

Du hast häusliche Gewalt erlebt oder es ist zu häuslicher Gewalt in deinem Umfeld gekommen? Hier findest du Hilfe:

Hilfetelefon - 08000 116 016

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