Die Papa-Kolumne Teil 6: Saturday Daylife

Saturday Nightlife? Nicht mehr als Papa! Doch Niels erlebt dafür Samstags tagsüber sehr viel

Guten Abend. Oder guten Morgen. Oder Mahlzeit. Kein Plan, wann ihr das hier so lest. Bei mir ist es gerade Mittwochabend 20:09 Uhr. Ich liege im Schlafzimmer. Zwei Meter weiter liegt meine Kleine. Sie schläft seit fünf Minuten. Der perfekte Zeitpunkt, um was zu Papier zu bringen. Irgendwann muss ich das ja machen. Mein Tag in Kurzform: Kinder zur Kita bringen , danach zur Arbeit düsen, achteinhalb Stunden Arbeit, inklusive eine Stunde Pause, ab nach Hause düsen, duschen, Abendbrot mit den Görls, Stündchen spielen und zum krönenden Abschluss 45 Minuten Einschlaffight mit dem Minime.

Wie das aussieht? Also das Schlafzimmer arschdunkel. Das Kind bekommt die Milch, trinkt sie mit einigen Unterbrechungen durch Daumenspielereien am Saugnapf. Dann entscheidet sie sich noch etwas auf mir herumzuklettern. Zuerst liegt nur der Kopf auf meinem Bauch, kurz darauf liegt sie komplett auf mir. Dann rollt sie sich von mir herunter, um das Einschlafen etwas weiter weg zu versuchen. Das wird aber für nicht gut befunden. Also fragt sie sich im Dunkeln, wo ich denn wohl bin. Das höre ich an ihren Lauten, die sie macht. Irgendwann versteht man jedes Geräusch des Kindes, wie eine Walmutti. Sie findet mich wieder. 

Wahrscheinlich wegen meinem lauten Augenrollen. Ich rolle hardcore, sodass meine Pupillen an den unteren Teil meines Gehirns klatschen. Wie ein Rollo, das man einfach volle Granate nach oben schnallen lässt. Dieses Geräusch ist ihr vertraut, wie dem Rest meiner Familie. Es ist mein Walgesang. Also krabbelt sie wieder auf mich drauf und fängt an mein Gesicht zu inspizieren. Zeigefinger ins Auge. Zeigefinger ins Ohr. Hej cool ein Ohrläppchen. Yeah mit Ohrring dran. Ein lautes Aua dringt aus ihrem Mund. Sie denkt wohl, dass ein Ohrring Aua heißt, denn des Öfteren, wenn sie daran rumspielt, ist das mit Schmerzen meinerseits verbunden. Deswegen die Assoziation mit dem Aua. So klug das Kind. Aktion Reaktion. Dann fummelt sie noch ein bisschen an meinem frisch rasierten Gesicht rum, auch sehr angenehm. Dann schleppt sie sich erneut für einen kurzen Abstecher runter von mir. Sie wuselt noch etwas allein im Dunkeln herum. Da frag ich mich oft, was bitte tut sie da? Sucht sie jemanden? Dann kurze Stille. In meiner Fantasie schläft sie jetzt. Aber nein. Sie türmt sich noch einmal auf, um sich mit voller Wucht auf meine Weichteile zu stürzen. Stille. Augenrollen und ein unterdrückter hoher Ton der mir durch meine zugespitzten Lippen entweicht füllen den Raum. Wie ein Walvati. Ich drehe sie richtig rum und sie schlummert auf mir ein. Geschafft. So ist mein Mittwoch.

„Aber wenn sie über die Stränge schlagen werden sie gewaschen und freundlich des Tisches verwiesen. Als würde man in einer Eckkneipe nach einer Tofubocki mit Rasenmähersoße fragen.“

Das Wochenende ist meistens sehr schön. Es beginnt mit einem relativ entspannten Frühstück. Meistens bereite ich das vor. Das mache ich sehr gerne. Ich genieße die wenigen Augenblicke allein in der Küche. Kaffee kochen, Brötchen in den Ofen schieben, dem Radio lauschen und erstmal auf mein Leben klarkommen. Denn kurz darauf geht der Trubel los. Der beginnt meistens mit dem Sättigungsgefühl eines Kindes. Damit einher startet das Spiel mit dem Essen oder irgendein anderer Blödsinn, den das andere Kind feiert und wie bei einer Polonaise mit einsteigt. Das lassen wir dann ein Stück weit zu, denn auch wir haben das Bedürfnis unserem Körper Nahrung zuzuführen. Aber wenn sie über die Stränge schlagen werden sie gewaschen und freundlich des Tisches verwiesen. Als würde man in einer Eckkneipe nach einer Tofubocki mit Rasenmähersoße fragen. Nachdem wir dann den Tisch von klebrigen Essensresten befreit haben, geben auch wir uns der Körperhygiene hin. Toll. Bald gibt es dann für die Kinder Mittag. Echt jetzt. Der Tisch ist manchmal gerade sauber, schon will wieder jemand essen. Ohne Witz. Wie ein Kreislauf, den man nicht durchbrechen kann. Außer man isst auswärts.

Das taten wir letztes Wochenende. Aber nur meine Große und ich. Es gab Popcorn. Im Kino. Wir sahen „Playmobil“, den Film. Er handelte von einem Geschwisterpaar, das durch einen Schicksalsschlag in die Welt der Playmobil Figuren katapultiert wurde. Das Ganze passierte natürlich in New York. In New York geschah ja schon so einiges. Aliens, Flutwellen, Eiszeiten, ein einsamer Kevin und eben Verwandlungen in Spielfiguren. Einfach magisch diese Stadt. Nach dem Kino sammelten wir die anderen beiden ein und dann ging es ab zum Shoppen. Aber nicht Glitzer Glitzer, nee nee. Hausschuhe für die Kita und Hygieneartikel. Jetset. Aber dann gab es Futter im Foodcourt. Denn es war wieder Fütterungszeit. Meine Große entschied sich Gott sei Dank für Burritos. Ich liebe sie. Also meine Tochter und Burritos. Auch meine Kleine schaufelte ordentlich rein, mithilfe von Nachos ergatterte sie all das was im roten Körbchen zurückblieb. Ich war so stolz. Zur Belohnung gab es noch ein Frozen Yoghurt. Aber nur zwei Toppings. Kinder sollen sich ja gesund ernähren. Den Joghurt aßen wir übrigens auf dem Boden sitzend zwischen zwei Läden. Die Blicke der Leute waren eine Mischung aus Neid und Mitleid. Ich kenne diese Blicke, sie sind mir sehr vertraut. Die beiden waren mega glücklich und wir waren es auch. Auf dem Nachhauseweg ging es noch kurz in den Netto zwischen Jannowitzbrücke und Kino International. Ich mag die Ecke. Nix high life. Blumenladen, Gelnägel und Dauerwelle, guter Döner mit Rotkäppchen aus kleinen Flaschen und eben der Netto. Am Kino International hing das Filmplakat des neuen „Joker“ in Übergröße. Echte Malerei. Der Wahnsinn.

Ich hoffe, ich schaffe es den Film im Kino zu sehen. Aber wenn nicht, ist es auch ok. Ich würde mich immer wieder für das Nachoschaufeln entscheiden. Und für das Sodbrennen danach.

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