Die Papa-Kolumne Teil 5: Lange nicht gesehen! Warst du im Urlaub?

Ein Textsprint durch acht Monate Elternzeit

Letzte Woche ging ich das erste Mal wieder arbeiten – nach acht Monaten Elternzeit. Viele Kolleg*innen wollten natürlich wissen was ich während dieser langen Zeit so gemacht hatte. Gerade die, die keine Kinder haben, hatten irgendwie eine falsche Vorstellung von Elternzeit. Denn wie Urlaub, wie manche es nannten, hat es sich nicht gerade angefühlt. Nicht immer jedenfalls. Aber ich fange lieber mal weiter vorne an.

Ein Jahr vor der Geburt meiner zweiten Tochter arbeitete ich für sechs Wochen in Südkorea. Es war teilweise sehr hart für mich so lange von meiner damals einzigen Tochter, der älteren der beiden, getrennt zu sein. Kinder haben zwar kein richtiges Zeitgefühl, wissen also nicht genau, wie lange man weg war. Sie verstehen aus diesem Grund jedoch auch nicht, wann man wiederkommt. Können also ein „Ich bin gleich wieder da“, nicht einordnen. Gerade abends vermisste ich sie während meiner Zeit in Asien sehr, wodurch mir bewusst wurde, dass ich noch ein weiteres Kind möchte.

Diesmal war klar: Die Elternzeit wird aufgeteilt

Glücklicherweise erging es meiner Freundin zu Hause genauso wie mir. Gesagt getan und am 18. Juli 2018 wurde meine zweite Tochter geboren. Bereits während der zweiten Schwangerschaft waren wir uns schnell einig, dass wir die Elternzeit unter uns aufteilen werden. Hälfte-Hälfte. Bei unser ersten Tochter hatten wir drei Monate zusammen, die meiste Zeit davon machten wir Urlaub in Italien. Dieses Mal sollte es anders werden, mehr Alltag. Denn meine Freundin konnte sich nicht vorstellen noch ein Jahr zu Hause zu verbringen. Ich konnte mir das sehr gut vorstellen, OK kein ganzes Jahr, aber ein halbes auf jeden Fall. Die ersten Monate nach der Geburt vergingen wie im Flug. Tagsüber ging ich arbeiten, meine Große war in der Kita und meine Kleine und ihre Mama waren zu Hause. Gerade mit zwei Kindern geht irgendwie alles noch schneller. Man hat kaum Zeit nachzudenken. Man funktioniert einfach nur. Tag für Tag. Woche für Woche. Von Juli bis Januar. Das ist weder schlecht noch gut, denke ich. Es ist wie es ist. Man kann es nicht richtig einordnen, dazu fehlt ebenfalls die Zeit. Schwuppdiwupp war ein halbes Jahr rum und der Anfang meiner Elternzeit begann.

Die begann ich aber nicht ganz auf mich alleine gestellt, denn wir hatten eine Art Übergangsphase eingeplant. Die Kleine sollte nicht von jetzt auf gleich den halben Tag ohne ihre Mama verbringen müssen. Wir verbrachten ein paar Tage in einem Familienhotel in Nordbrandenburg oder im südlichen Mecklenburg-Vorpommern ... ich muss gestehen, dass meine Erinnerungen hier schwimmen. Aber ich denke, es war Brandenburg. Das Leben dort ist anders. Entspannter irgendwie. Eigentlich sind Familienhotels nicht so mein Ding, ähnlich wie Spielplätze. Doch es war wirklich schön. Meine Große ritt auf Ponys durch den Wald, tobte im Schwimmbad bis sie ganz blau war, ließ sich schminken und genoss das Kinderbuffet. Wir taten es ihr gleich. Immer später am Abend, wenn die Kleinsten ins Bett mussten, saßen die Väter mit ihren älteren Kindern im Kaminzimmer, in dem sich glücklicherweise auch eine Bar befand. Schön im Jogger und mit Latschen. Ich musste mich kaum anpassen. Erstaunlicherweise waren ein, zwei Vatis echt angenehme Zeitgenossen. Besonders Jürgen! Oder Jochen? Also, lieber „J“, wenn du das hier liest, sei gegrüßt.

Viel zu schnell hieß es: Papa allein zu Haus'

Leider war unsere gemeinsame Zeit schon bald vorbei und es hieß: Papa allein zu Haus. Als ich die beiden den ersten Morgen alleine fertig machen musste, war ich zugegeben schon nervös. Frische Wäsche, Zähne putzen, Popel aus Augen und Nase entfernen, Gesicht waschen, Haare kämmen und eincremen. Und das alles mal zwei. Und wenn ich gerade eine der beiden fertig machte, machte die andere bestimmt irgendeinen Mist, den ich dann gleich wieder beseitigen durfte. Mich selbst musste ich ja auch irgendwie straßentauglich machen. Das gelang mir nicht immer. Musste ich dann aber auch weniger lange machen, als ich erwartet hatte, denn bereits nach wenigen Tagen saß ich mit zwei kranken Kindern zu Hause. Großartig. Wobei ich sagen muss, so schlimm war es nicht. Wir mussten ja nicht raus, wir trugen tagsüber Schlafanzug, aßen Kekse auf dem Sofa, tranken Saft und glotzten TV. Geht schlimmer. Beide wurden schließlich wieder gesund und ich groovte mich langsam in mein tägliches Business ein. Morgens klappte es immer besser und wir benötigten immer weniger Zeit.

„Ich fühlte mich wieder wie ein Kind.“

Wenn die Große in der Kita war, gingen wir anderen beiden viel spazieren, machten Besorgungen, schliefen mittags, saugten zusammen die Bude, hingen Wäsche auf oder räumten den Geschirrspüler aus. Ich gab ihr Brei und Milch, badete sie und und und. Manchmal holten wir dann Nachmittags das Schwesterchen ab, wenn meine Freundin mal wieder in der Berliner S-Bahn festsaß. Was den Urlaub anging, folgten noch ein langes Wochenende mit Freunden in Nordbayern und das Osterwochenende mit der Familie meiner Freundin im brandenburgischen Friesack. Wir lebten einfach so in den Tag hinein. Wie schön manchmal alles ist. Dann kam endlich der Sommer und wir waren fast nur noch draußen. Ob im Volkspark, auf der Plansche oder einfach nur auf dem Balkon im Planschbecken. Und am Wochenende in die Datsche, Rasensprenger und Grill an und gut gehen lassen. Zum Geburtstag meines Vaters fuhren meine Eltern mit mir und meinen Kleinen eine Woche lang an die Ostsee. Das klappte wider Erwarten ziemlich gut. Ich fühlte mich wieder wie ein Kind. Wie eins, das mit seinen kleinen Schwestern und Mami und Papi im Urlaub ist. Plötzlich hatte ich nur noch sehr wenig Verantwortung, ich brauchte kein Geld mehr und baute Burgen im Sand. Doch die Realität holte mich schnell wieder ein, denn kurz nachdem wir wieder zu Hause waren hatten wir alle Mann Magen-Darm. Bei vier Leuten und einem Badezimmer ziemlich uncool. Die Waschmaschine lief eine Woche lang durch, Tag und Nacht. Aber auch das ging vorbei.

Das Gefühl für Zeit ging komplett verloren – dafür war keine Zeit

Dann im Juli feierte meine Kleine ihren ersten Geburtstag. Ich kann es immer noch kaum glauben, wie schnell die Zeit vergangen ist, wenn ich heute darüber nachdenke und dann fühle ich mich alt. Früher kamen mir sechs Wochen Sommerferien wie eine halbe Ewigkeit vor und die letzte Woche hatte ich immer Torschlusspanik. Ich muss sagen, als es in Richtung Eingewöhnung ging, erging es mir ähnlich wie damals. Irgendwie hatte ich das Gefühl ich hätte die Zeit noch besser nutzen können. Aber dafür war irgendwie keine Zeit. Und wenn ich mir all die Bilder anschaue, die in dieser Zeit entstanden sind, dann ist doch jede Menge passiert. Meine Kleine lernte krabbeln, läuft nun, isst das, was wir essen, brabbelt ohne Punkt und Komma, bewundert ihre große Schwester für alles und geht inzwischen auch zur Kita.

Ich gehe seit zwei Wochen wieder zur Arbeit. Acht Monate hatte ich Elternzeit. Es war nicht immer einfach, aber mit dem jetzigen Abstand betrachtet war es einfach eine sehr schöne Zeit, der ich zugegeben etwas wehmütig hinterher trauere. Auf Arbeit ist es so, als wäre ich nur ein paar Wochen weg gewesen. Alles irgendwie beim Alten – und das ist irgendwie gut so. Es vermittelt ein Gefühl von Sicherheit, wenn sich nicht alles ständig ändert. So eben, wie damals in Brandenburg. Ja, es war Brandenburg.

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