Afghanistan: Was wir tun können, wie wir helfen können!

Ein kleiner Guide für alle, die ihre Sicherheit, Reichweite und Privilegien für andere nutzen wollen

Für die Lage in Afghanistan reichen meine Worte nicht mehr. Erschreckend, angsteinflößend, furchtbar, tragisch, katastrophal. Ja, letzteres wird es wohl am ehesten zutreffen. Nachdem die Bundeswehr nach dem Terroranschlag am 11. September 2001 20 Jahre lang versucht hatte, das Land von den Taliban zu befreien, verlassen Ende Juni die letzten deutschen Soldaten der Bundeswehr das Land. Am 1. Mai hatte der Abzug der NATO-Gruppen offiziell begonnen. Als eine seiner letzten Amtshandlungen als amerikanischer Präsident, hatte Trump veranlasst, dass alle US-Truppen aus Afghanistan abgezogen werden sollten.

Die Folge? Die Taliban haben ganz Afghanistan und in der letzten Nacht eben auch die Hauptstadt Kabul und den Präsidentschaftspalast eingenommen und die Macht übernommen. Präsident Ghani ist vermutlich nach Taschkent, Usbekistan, geflohen.

Was das für die Bevölkerung bedeutet? Mitarbeiter*innen der ausländischen Botschaften, internationale Ortskräfte, Oppositionsgegner*innen, Politiker*innen, ja, eigentlich jeder der eine freie Meinung vertritt, sich für den Westen eingesetzt oder mit westlichen Streitkräften zusammengearbeitet hat und der der dort vorherrschenden gesellschaftlichen Norm nicht entspricht, sprich Feminist*in, queer oder karitativ tätig war, ist jetzt in akuter Lebensgefahr. Vergeltungsmorde sind an der Tagesordnung, Frauen und Mädchen werden zwangsverheiratet und in die Sexsklaverei abgeschoben.

Eine humanitäre Katastrophe, wie man sie sich aus seinem sicheren Zuhause nur schwer vorstellen kann. Da die deutsche Regierung aber durch den Abzug der Truppen und jetzt auch den mangelnden Hilfsmaßnahmen für Bevölkerung und deutsche Staatsangehörige maßgeblich an der Machtübernahme der Taliban beteiligt ist, sollte unser Verantwortungsbewusstsein besonders groß sein. Erst heute Morgen wurden Rettungsmaßnahmen gestartet. Ob und wie sie jetzt noch gelingen sollen, da der Flughafen von Kabul anscheinend unter Beschuss steht, ist fraglich.

Es wird also Zeit, zu handeln! Jede kleine Tat zählt!

Diese Organisationen sind auf eure Spenden angewiesen

  • Visions for Children: Die Organisation setzt sich seit Jahren für schulische Bildung in Afghanistan ein, nachdem die Taliban 1996 Bildung für Frauen verboten und die Madrasa, eine religiöse Schule, zum Standard erklärt wurde. Mit einer Spende unterstützt ihr nicht nur die Erhaltung des schulischen Betriebs, sondern sichert auch den Lebensunterhalt für alle Mitarbeiter*innen, die dort arbeiten. Hier könnt ihr spenden!
  • Afghanischer Frauenverein e.V.: Die humanitäre Hilfsorganisation setzt sich schon seit 1992 für den Wiederaufbau und Frieden in Afghanistan ein. Ihr Fokus liegt dabei auf Kinder und Frauen. Hier könnt ihr spenden!
  • Afghan Steeet Kids: Durch die Taliban mussten viele Familien ihre Wohnungen verlassen und leben jetzt auf der Straße. Das Projekt von ProKinJU e.V. sammeln spenden für diese Menschen in Not mit Zelten, Decken, Kleidung etc. Hier könnt ihr spenden!
  • Charmaghz Library: Charmaghz bringt mit mobilen Bibliotheken Bildung zu Kindern nach Hause. Dort werden Kinder auch angehalten, systemkritisch zu denken. Mittlerweile haben sie auch mobile Kinos, die Aufklärungsarbeit leisten. Hier könnt ihr spenden!
  • Afghan Scouts: Die afghanischen Pfadfinder*innen kümmern sich in Flüchtlingscamps um die Menschen, sammeln lebensnotwendige Gegenstände und Medikamente. Hier könnt ihr spenden!
  • Omar Haidari: Omar ist Student, aber vor allem Menschenrechtsaktivist. Mit seiner Kampagne sammelt er Geld für drei Organisationen: Rashid Khans Foundation, Srow Zar Children und Afghan Cricket Association. Ein Besuch seiner Arbeit auf Instagram lohnt sich auf jeden Fall zur Aufklärung! Hier könnt ihr spenden!
  • Asiyah: DIE NGO, gegründet von Nilab Taufiq, packt vor Ort Notfhilfe-Pakete für die Bevölkerung mit Lebensmitteln, Haushaltswaren und Versorgung für Säuglinge. Hier könnt ihr spenden!

Hier findet ihr noch eine weitere Liste mit Spendenmöglichkeiten!

Aufmerksamkeit auf die Situation in Afghanistan lenken und sich informieren!

  • Afghanische Diaspora: Das Netzwerk setzt sich für deutschsprachige Afghan*innen ein und leistet wertvolle Aufklärungsarbeit!
  • Seebrücke: Die Seebrücke ist eine internationale Bewegung aus der Zivilbevölkerung. Sie fordern sichere Fluchtwege und eine Entkriminalisierung der Seenotrettung!
  • Sea-Eye e.V.: Die Seenotrettung setzt sich für Geflüchtete im Mittelmeer-Raum ein und setzt sich auch jetzt dafür ein, dass Menschen auf Afghanistan sicher das Land verlassen können. Hier könnt ihr die Petition unterschreiben!
  • Waslat Hasrat-Nazimi: Die afghanische Journalistin klärt auf ihrer Seite auf, berichtet über die Lage und ist auch die Initiatorin der afghanischen Diaspora!
  • Emran Feroz: Der österreichisch-afghanische Journalist schreibt für Medien wie Deutschlandfunkkultur, die NY Times und das Foreign Policy Mag. Auf seinem Instagram-Account leistet er Aufklärungsarbeit!

Wählen gehen!

Dass wir uns in dieser Situation wiederfinden, zeigt einmal mehr, dass wir im September den richtigen Parteien unsere Stimme geben müssen. Einzig die Grünen und die Linke haben sich im Bundestag für die afghanischen Ortskräfte eingesetzt und wollten schon am 23. Juni mit einem Antrag die „großzügige Aufnahme afghanischer Ortskräfte“ einführen. Die Koalitionsfraktionen und die AfD lehnten ab, die Linke stimmte zu und die FDP enthielt sich.

Mit eurem Wahlzettel könnt ihr also beeinflussen, welche politischen Entscheidungen unser Land in der nächsten Regierungsperiode trifft.

Wenn ihr noch mehr Hilfsorganisationen, Spendenmöglichkeiten oder Bildungsmöglichkeiten, Aktivist*innen kennt, dann kommentiert gerne oder schickt sie per DM auf Instagram. Dieser Beitrag wird laufend ergänzt!

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