Berlin Boogie

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Die Seventies sind diese Saison zurück – und zwar nicht nur in der Womenswear!

Marie und Felix feiern das Comeback mit Looks, die beweisen, dass sie Siebziger aus der Mottoparty-Schublade geholt werden müssen. Vergesst Flowerpower-Looks und macht euch bereit für jede Menge Business- und Everyday-Outfit-Inspiration!

Als ich Felix von meiner Idee erzählte, dass ich für unsere Revival-Themenwoche die Siebziger wiederaufleben lasse, war er nicht sonderlich beeindruckt. Kein Wunder, schließlich ist das Jahrzehnt sowohl in meiner Wohnung als auch in meinem Kleiderschrank mehr als präsent. Neulich auf einem Event wurde ich als „French Girl mit Seventies-Flair“ bezeichnet und ja, das war wohl einer meiner schönsten Momente 2022 bisher. Als ich Felix dann aber mit einem breiten Grinsen im Gesicht aufmerksam machte, dass ich ihn gerne in das Shooting einbeziehen würde, musste er erstmal kurz nachdenken – mehr dazu erzählt er euch aber gleich.

Seine Zweifel kam bestimmt daher, dass die Seventies auf den ersten Blick immer mit der Hippie-Bewegung gleichgesetzt werden. Dazu gehören dann wilde Prints, viele bunte Häkel-Mäntel und Kleider und jede Menge Peace-Symbole. Doch es gibt noch zwei andere Stilrichtungen der 1970er-Jahre, eine davon ist gut bekannt: Studio 54. Hier wird es im Gegensatz zu der Love-and-Peace-Bewegung sehr viel glamouröser, es funkelt, die Sandalen werden durch Plateau-Schuhe ersetzt, die müden Augen hinter riesigen Sonnenbrillen versteckt.

Tragbar? Ja, das sind diese beiden Stile zwar durchaus, aber doch eher begrenzt einsetzbar im Alltag. Und so machten wir uns auf die Suche nach Looks, die weitaus ruhiger, erwachsener und moderner waren. Der Business-Chic der Seventies war durchaus schwerer zu finden in der Recherche (jedes zweite Bild war ABBA), aber es gab ihn. Farah Fawcett, Bianca Jagger, Mick Jagger und Marvin Gaye in ihren Anzügen, gemusterten Hemden und eleganten Stiefeln zu sehen, bestärkte uns: Das Jahrzehnt muss definitiv zurück in viel mehr Kleiderschränke!

How to wear: Funky wird's durch die Kombi

Marie: Overall: Stella McCartney (Alternative), Sonnenbrille: Gigi Studios (Alternative) Felix: Jeansjacke: Sandro Paris, T-Shirt: Arket, Jeans: Sandro Paris, Kette: Missoma, Sonnenbrille: Ray Ban

Während Felix gleich über die Menswear-Looks aufklärt und allen Zögernden die Key-Pieces für Schlag-Beginner darlegt, steige ich mal bei der Womenswear ein. Anders als bei vielen Menswear-Brands, besonders in Sachen Highstreet, sind Schlaghosen, Häkel-Pieces und Plateau-Schuhen für die meisten Frauenkollektionen kein Novum mehr. Man denke da nur an die Chloé-Girls, an das fulminante Comeback von Gucci mit Alessandro Michele und das Revival der Pucci-Prints.

Marie: Kleid: Ulla Johnson (Alternative), Gürtel: Sézane, Creolen: Maria Black, Tragetasche: Nove, Felix: Hemd: Zara (Alternative), Hose: COS, Kette: Missoma

Wer auch im Business und auf dem Weg zum Supermarkt im lässigen Seventies-Farah-Fawcett-Vibe daherkommen möchte – und das ohne sich verkleidet zu fühlen – der muss eigentlich nur auf ein paar Key-Pieces setzen: Verbannt die kühlen Töne aus eurem Kleiderschrank und ersetzt sie mit Erdtönen und knalligem Orange. Die Hosen kauft ihr mit Schlag und lieber etwas weiter, statt auf knalleng setzt ihr auf fließende Stoffe. Bei Hemden wird der Kragen spitzer und ab sofort nicht mehr unter, sondern über der Jacke getragen und bei Sommerschuhen wirds bequem: statt kleinen Heels einfach auf Plateau setzen bzw. stehen. Alles in allem gilt die Regel: Lieber zu weit als zu eng. Klingt bequem – und das ist es auch!

Avanti in die Siebziger mit Felix

Marie: Kleid: Sandro Paris, Blazer: Rouje Paris, Schuhe: Aeyde, Tasche: Manjerica, Sonnenbrille: Yun Berlin, Felix: Lackjacke: Zara (Alternative), Hemd: Zara (Alternative), Hose: Zara (Alternative), Schuhe: Zara (Alternative), Sonnenbrille: Andy Wolf

Von der Geometrie der 60er-Jahre zur kokettierenden Sexiness der 2000er – Wir alle haben ein Lieblingsjahrzehnt, das den persönlichen Stil maßgeblich prägt. Und oft orientieren wir uns an jenen Jahren, die wir mit unserer Geburt knapp verpasst haben. Meine modische Intuition vermittelt mir seit jeher Stoffe, Formen und Proportionen, die auf 1,90 m am besten aussehen: die Bomberjacken, weiten High-Waist-Hosen und Sneakers der 80er-Jahre. So glaubte ich zumindest. Im Kontrast waren übergroße Krägen, Muster in Erdtönen und der Endgegner – die Schlaghose – in meinem Kleiderschrank undenkbar. Hippies, Naturverbundenheit und Disco Fever passen einfach nicht zu mir. Oder so dachte ich.

Hemd: Sandro Paris, Hose: Zara (Alternative), Sonnenbrille: Ace & Tate

Denn viel hat sich in den letzten Wochen und Monaten getan. Nicht nur erstrahlt Beige in neuem 70s-Glanz und feiert das Revival in diesem Editorial. Nein, ich habe bei der Vorbereitung zum Shooting an eine mir gut in Erinnerung gebliebene Männerkollektion denken müssen: Lemaire im Herbst 2020.

Nicht nur ist ihre Inspiration ab 1970 deutlich erkennbar, sie enthält außerdem alles, was ich sonst in meiner Kleidung suche. Fließende Stoffe, gelungene Taillierung und ungewöhnliche Farbkombinationen. Der perfekte Mix aus Alt und Neu. Und siehe da, plötzlich offenbaren sich unzählige Teile in meinem Kleiderschrank, die ebenfalls ihren Hut vor den 70ern ziehen. Ein besonderer Kragen hier, diverse Prints und Lederaccessoires dort. Wer hätte gedacht, dass ich unabsichtlich Sammler geworden bin?

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt: Key-Pieces für Seventies-Beginner

Marie: Häkeloberteil: Alexachung, Jeans: & Other Stories, Korb: Loewe, Clogs: & Other Stories, Sonnenbrille: Jimmy Fairly, Felix: Hemd: Zara (Alternative), Hose: H&M Studio, Schuhe: Zara (Alternative)

Was sind also Key-Pieces aus den Seventies, die sich auch für Anfänger eignen? Von mir, dem kürzlich Konvertierten? Den leichtesten Einstieg bietet mit Sicherheit der Ressortkragen. Und nicht nur an einem kurzärmligen Hemd mit Muster, besonders bei langen Armen macht sich der Kragen erst richtig gut. Mindestens drei Knöpfe auf! In die weite Hose gesteckt und mit passendem Gürtel zusammengeschnürt, steht die 70s-Silhouette. Farben in Erdtönen oder Cord in jeglicher Ausführung runden den Look authentisch ab.

Wer Bock auf mehr hat, sollte sich auffälligen Pullundern, Stickereien und Tie-Dyes zuwenden. Und wer richtig mutig ist, traut sich an den XXL-Kragen und selbstverständlich: die Schlaghose. Egal, ob Jeans, Wolle oder sogar Leder – je größer der Schlag, desto mehr kommen die (bewundernden) Blicke.

Ein Revival, das sich lohnt

Marie: Weste: Rouje Paris, Hose: Sandro Paris, Schuhe: Gucci (Alternative), Handtasche: Gucci, Felix: Hemd: Sandro Paris, Hose: COS, Schuhe: Zara (Alternative)

Die Männermode geht selten so weit wie die der Damen. Obwohl es keinen Grund gibt, sich 2022 noch an eine modische Geschlechterordnung zu halten, so hilft es dennoch, wenn Labels auch für Männer interessante Retro-Looks präsentieren. Besonders Referenzen, die außerhalb der eigenen Komfortzone erscheinen, lohnen sich für ein Kleidungsexperiment.

Wenngleich ich vor einem Jahr nie erwartet hätte, in Retro-Hemd samt blauer Schlaghose durch Mitte zu laufen, hat es sich in der Realität umso besser angefühlt. Das Spielen und Ausprobieren mit Trends der Vergangenheit öffnet nicht nur den persönlichen Horizont, es fördert mehr als alles andere Spaß und Verständnis der Gegenwart. Vieles war zwar schon mal da, trotzdem entsteht mit jedem Revival auch etwas Neues.

Und jetzt gibt es noch die richtige Playlist für jede Menge Retro Vibes:

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