Bluse lieber ungewöhnlich! Die vielen Gesichter eines Klassikers

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Klassische, weiße Blusen hatten es bei mir nie leicht. Als Kleinkind war es das erklärte Hobby meiner lieben Omi, mich in möglichst rüschige und kratzige Modelle zu stecken und mit mir über den Gießener Markt oder zu stundenlangen Geigenkonzerten zu gehen. Erleichterung versprachen wenige Jahre später kleine Spitzenkrägen, die ich zu den Secondhand-Jerseysweatern vom Grundschulflohmarkt tragen konnte. Eine kleine Mogelpackung, die man damals so hinnahm, für die ich heute allerdings, wenn gut umgesetzt, einiges über die Ladentheke wandern lassen würde.

Als Teenager waren weiße Blusen bei mir so unten durch wie Asphalt. Sorry, aber ich war cool, linksalternativ, leicht punkig und anti – da hatte eine weiße Bluse keinen Platz. Mehrere Jahre konnte ich auch nach meiner modischen Entgleisungsphase dem Thema Bluse (und auch Hemd) aus dem Weg gehen. Bis ich einen Cateringjob neben meinem Studium in Düsseldorf annahm. Das permanente Gefühl, verkleidet zu sein in Kombination mit dem unrühmlichen Ende meiner Karriere im Service eines 5-Sterne-Restaurants im Düsseldorfer Medienhafen, hatten die Fronten dann ein für allemal verhärtet. Die Bluse, das Hemd und ich? Wird nimmermehr passieren. So dachte ich ...

Das kleine Blusen-Einmaleins für den Sommer 2020

Inzwischen sehe ich das natürlich etwas anders. Sleeke aufgeklärte Looks mit XXL-Hemd und weit geschnittenen Wollhosen wandern ebenso in mein Instagram-Favoriten-Album wie verspielte Looks mit weißen Blusen mit übergroßem Kragen oder kräftigen Puffärmeln. Hier und da verfalle ich noch in alte Muster und verhalte mich socially awkward, sobald ich in einer besonders schicken Bluse unter Leute trete. Dass ich aber auf dem komplett richtigen Dampfer bin, haben die SS2020 Fashion Shows von Cecilie Bahnsen, Chanel oder Marc Jacobs bewiesen. Labels wie Maison Cleo, Rejina Pyo, Isabel Marant und Ganni machen ohnehin dauernd Lust auf weißes Gerüsch, Puffärmel und große Krägen.

Was hinter welchem Trend steckt und wo es die besten Teile gibt (die euch sicherlich lange begleiten!), das verrate ich euch heute! Stylingtipp für alle Looks: Sky is the limit. Macht, was euch gefällt!

Kragen-Akrobaten

Ein gigantischer Kragen an einer weißen Bluse? Begleitet uns zugegeben schon einige Saisons. Aber wie sagt man so schön? Warum etwa ändern, wenn es gut ist. Und diese großen Krägen, die zugespitzt, rechteckig und quadratisch oder rund daherkommen, die sind sehr gut.

Ich habe mich durch mein kleines Modelexikon recherchiert und die historisch korrekte Bezeichnung für diese Art Kragen gefunden: Golilla Kragen bzw. Tellerkragen. Ihn haben wir seit Anfang des 16. Jahrhunderts den Spaniern zu verdanken, wo der große Kragen zu Kirchen- und Amtstrachten gehörte. Super, unsere erste Amtshandlung lautet nämlich: aufstocken!

Für Mucki-Arme

Viele assoziieren Puffärmel gerne mit den 80er-Jahren. Als Frauen mit breiten Schultern und Powerdressing modisch ihre Plätze in einer von Männern dominierten Arbeitswelt behaupteten. Tatsächlich reichen die voluminös geschnittenen Arme an Blusen, Hemden und Kleidern aber noch weiter zurück. Im 16. Jahrhundert verbreitete wiederum die spanische Mode, also die modischen Einflüsse der Kleidung des spanischen Königshauses, die zunächst plusterigen Schultern. Gegenreformation nennt man den eher einengenden Kleidungsstil, dem sich die Damen damals unterordnen mussten.

Zum Glück sind uns bis heute nur die aufgepufften Ärmel erhalten geblieben, denn die garantieren absolute Bewegungsfreiheit und Superwoman-Gefühle!

Schluppengebunden

Die genauen Ursprünge der Schleife am Kragen konnte ich nicht finden. Vermehrt trat dieser Stil aber gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf. Vielleicht inspiriert vom Beffchen? Was auch der Ursprung, die Schluppenbluse hält sich wacker und wird immer exzentrischer. Super lange Bänder, überproportionale Schlaufen, Materialmixe ... alles geht. Die Modelle, die ich für euch gefunden habe, sind da sogar noch ausgesprochen brav. Aber wir können uns ja leider nicht alle eine Chanel-Bluse in die Einkaufstasche packen.

Alles, außer gewöhnlich

Hier gibt es weder großartige Vorbilder noch Regeln. Der Fantasie wird freien Lauf gelassen. Asymmetrie, ineinander verschlungene Webarten, einarmig. Es ist alles dabei und ich möchte jetzt nicht sagen, dass ich es dann beim restlichen Look etwas entspannter aka schlichtes Denim, angehen würde. Aber das wäre tatsächlich mein einziger Stylingtipp. Man lässt sich doch allzu gern von der Welle der Begeisterung davon tragen und bereut es später, wenn man aussieht wie ein Törtchen.

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