Das Beauty-Verhör mit Johanna Barna

Ausgequetscht, ausgefragt und gelöchert – In unserer neuen Interview-Reihe bitten wir echte Beauty-Expert*innen zu Tisch und entlocken ihnen alle Geheimtipps- und Tricks

Anfang dieses Jahres startete auf Beige unsere neue Interview-Reihe: das Beauty-Verhör. Hier nehmen wir uns Profis zur Brust und reden mit ihnen offen, ehrlich und ausführlich über die Vor- und Nachteile der Industrie, die mit unserem Verlangen nach Perfektion spielt. Als Erste musste Beauty-Bloggerin Hanna Schumi unserem Verhör Stand halten, heute bitten wir eine andere Expertin zu Tisch: Johanna Barna. Die Hair- und Make-up-Artistin aus München kam über Umwege in die Schönheitsindustrie und ist eine echte Rebellin. Von großen Markennamen lässt sie sich nicht verführen – und schon gar nicht von irgendwelchen Werbeversprechen oder Produktlügen.

Nur, weil eine Marke oder ein Produkt gerade angesagt sind, lässt sich Johanna nicht einfach um den Finger wickeln. Sie entschlüsselt lange INCI-Listen schneller als James Bond einen Hinterhalt und hat große Ziele: mit Clean Beauty nicht nur die Beautybranche zu verändern, sondern auch die Haut von ihren Klient*innen. Sie selbst nennt sich Beauty Advisor und nach diesem ausführlichen Fragebogen kann ich das nur bestätigen: Johanna, du bist ein echter Beauty-Guru!

Wer also ein paar Produkttipps in Sachen Organic Beauty braucht, erfahren möchte, welche natürliche Alternative es gerade zu Shellac gibt und welcher Inhaltsstoff laut Johanna aus dem völlig falschen Grund gehypt wird, bleibt jetzt dran! Macht euch eine Tasse Tee und genießt Johannas Weisheit!

Wie bist du zu deinem Job gekommen? Wolltest du schon immer Hair- and Make-up-Artistin werden?

Ich muss zugeben, schon als Kind haben mich die roten Fingernägeln meiner Tanten fast magisch angezogen. Später habe ich dann gemerkt, dass ich eine recht künstlerische Sichtweise auf das Leben habe. Ich sehe oft Farben und Formen, die anderen gar nicht so auffallen. Schatten, die asymmetrisch auf eine Wand fallen, das azurblaue Kleid der Frau, die an mir vorbeiläuft. Make-up ist für mich künstlerischer Ausdruck und hat mich schon immer begeistert.

Nach meiner Ausbildung als Kauffrau für Bürokommunikation entschied ich mich die Branche zu wechseln. Es folgten mehrere Fortbildungen im Bereich Make-up, schon während meiner Zeit im Office. Danach die Ausbildung zur Kosmetikerin, einige Berufsjahre als Dermatherapeutin aber auch in Make-up-Stores. Beauty begeistert mich jedes Mal: Wenn ich Kund*innen zur richtigen Hautpflege berate und neue Produkte teste oder wenn ich einen Pinsel in der Hand halte und in meine Lidschatten-Palette dippe. Ich bin nach wie vor sehr froh, dass mich die Umwege in die Beauty Branche geführt haben. Lustigerweise sind meine Oma und Großtante auch Kosmetikerinnen gewesen, wahrscheinlich habe ich es wohl im Blut.

Was ist ein Beauty Advisor?

Als Professional habe ich auf einigen Presse-Events gearbeitet, sei es als Berater für Firmen, Make-up Artist oder als Manicurista. Meistens steht man den Besucher*innen und Kund*innen für Fragen zur Verfügung und ist ständig im Austausch über die neuesten Trends. Auf irgendeinem Event habe ich dann diese Bezeichnung aufgeschnappt. Eigentlich mag ich Anglizismen nicht so gern, aber dieser beschriebt meine Tätigkeit ganz gut. Advisor bedeutet übersetzt „Berater*in“.

Du bist ein wahrer Profi, was Naturkosmetik angeht. Seit wann interessierst du dich für Clean Beauty? Inwiefern kannst du in deiner alltäglichen Arbeit mit natürlichen Brands arbeiten? Wie kommt das bei deinen Kunden an?

Zur Naturkosmetik kam ich schon vor meiner eigentlichen Ausbildung und zwar durch meine Mama. Sie geht schon seit ihrer Jugend zur Kosmetikerin und hat lange sehr hochpreisige Cremes verwendet, ist dann aber ganz auf Naturkosmetik umgestiegen, als bekannt wurde, dass Parabene hormonell wirksam sind.

In der Kosmetikschule habe ich die alteingesessenen Marken verschmäht, die nur nach „Großmutters Cremetiegel“ rochen. Wir hatten außerdem eine sehr gute Naturkosmetik-Dozentin. So habe ich früh angefangen, in diesen Kosmos einzusteigen und all die innovativen, kleinen Nischenmarken entdeckt, die mir nicht nur vom Design her viel mehr zusagten. Meinen ersten Job hatte ich dann auch in einem kleinen Laden in München, der als erster nur Nischenmarken anbot und so kam dann eins zum anderen.

Ich arbeite also fast ausschließlich als Make-up Artist und auch Kosmetikerin mit Clean Beauty. Es kommt natürlich vor, dass ein Look besonders haltbar sein muss, da greife ich dann schon auf das ein oder andere konventionelle Produkt zurück. Der Verzicht auf gewisse bedenkliche Inhaltsstoffe ist mir wichtig, Naturkosmetik sollte aber kein Dogma sein.

Endverbrauch*innen legen immer mehr Wert auf „cleane“ Inhaltsstoffe und auch auf die Verträglichkeit von Kosmetik und Umwelt. Zu Beginn meiner Arbeit habe ich noch erlebt, dass Models nach einem Job ganz hektisch das Make-up aus ihrem Gesicht entfernten – das passiert mir heute kaum noch. Natürliches Make-up ist für die meisten besser verträglich und ich habe gemerkt, dass die Models sich damit einfach wohler fühlen und es auch gern nach dem Job drauf lassen.

„Möchte ich wirklich, dass mein Lack eine Woche hält mit doppelt so viel Chemie?“

Wie kann man der auf den ersten Blick vielleicht oberflächlich wirkenden Arbeit als Make-up-Artistin Gehalt verleihen? Warum glaubst du, ist deine Arbeit wichtig?

Ich bin eine Stütze für viele, die sich im Beauty-Dschungel einfach verloren fühlen. In meinem Arbeitsalltag versuche ich auf meine Kunden*innen einzugehen, zuzuhören und eine Inspiration zu sein, in welcher Weise auch immer.

Ich habe unter einem Post gelesen, dass du die Branche verändern willst. Verrätst du mir deinen Masterplan?

Ich glaube, es geht schon eine ganz schöne Veränderung durch diese Branche, egal ob in Bezug auf Nachhaltigkeit oder biologisch verträgliche und natürliche Inhaltsstoffe, worüber ich sehr froh bin. Ich wünsche mir für die Zukunft noch mehr Klarheit, Wahrheit und Natürlichkeit für die gesamte Kosmetikindustrie, in der leider noch viel zu häufig tot retuschiert, gemogelt und unehrlich geclaimt wird. Egal, ob das der Inhaltsstoff ist, der vorne angepriesen, hinten auf der INCI Liste aber irgendwo im unteren Drittel genannt wird, oder der Greenwash-Claim, der ein konventionelles Produkt zur Naturkosmetik machen soll.

Von Verbraucherseite muss dafür vielleicht etwas umgedacht werden. Möchte ich wirklich, dass mein Lack eine Woche hält mit doppelt so viel Chemie? Einen wirklichen Masterplan habe ich dafür nicht, außer immer mehr Leute mit meiner Begeisterung für Natürlichkeit und Authentizität anzustecken.

Was für Frauen besuchen deine Workshops? Anfängerinnen oder komplette Vollprofis, die sich noch weiter verbessern wollen?

Eigentlich ist vom Anfängern bis zu Frauen, die sich schon mehr über das Thema Clean Beauty informiert haben, alles dabei. Und ich finde auch diese bunte Mischung machts. Jeder hat einen anderen Ansatz, ein anderes Wissen und man kann sich so gegenseitig bereichern und inspirieren.

Von welchem Workshop träumst du?

Hm, ich glaube es gibt keinen einzelnen Workshop, von dem ich träume, eher Größeres. Beauty-Events, bei denen man Workshops besuchen, aber auch Pilates oder Yoga machen kann. Vielleicht sogar ganze Beauty-Wochenenden, bei denen es um Nachhaltigkeit und einen ganzheitlichen Ansatz zur eigenen Hautpflege geht, kombiniert mit natural Make-up Workshops – hach, ich hab noch tausend Ideen.

Was sind die Momente, in denen du deinen Job so richtig liebst?

Ich liebe meinen Job, wenn ich mich über (clean) Beauty unterhalte und merke, dass ich mit meinem Gegenüber auf einer Wellenlänge bin und diese*r voll mit ins Schwärmen und Diskutieren einsteigt. Oder ich bei einem Shooting so richtig in der kreativen Phase bin und die Perfektionistin in mir zufrieden stellen kann. Ich mag aber auch die Momente, in denen ich das Strahlen sehe, wenn die Kunden*innen aus einem Facial kommen und super relaxt und zufrieden sind. Die Vielfältigkeit meines Berufs ist total schön.

Sich jeden Tag mit Schönheit zu beschäftigen, ist das Fluch oder Segen?

Auf jeden Fall Segen. Ich darf jeden Tag kreativ sein, mit meinen Händen arbeiten, mit Farben und verschiedenen Texturen und komme zudem mit interessanten Menschen zusammen. Bei Facials verhelfe ich meinen Kund*innen zu Entspannung und einem Strahlen, das nach so einer Behandlung von innen und außen kommt, das ist immer wieder unglaublich schön zu sehen!

Zum Fluch wird es dann, wenn man anfängt sich zu sehr auf das eigene Aussehen zu fokussieren. Das Erscheinungsbild und jede kleinste Falte im Gesicht wird dauerhaft kritisiert und man meint man muss makellos aussehen, weil man in dem Bereich arbeitet. Dabei ist Schönheit total divers, mit Ecken und Kanten, all ihren Facetten und möglichen Variation und nicht zwingend Makellosigkeit.

„Ich finde man sollte mehr Diversität zeigen, damit sich jede Art von Frau und Mann wiederfindet.“

Schönheit kommt ja bekanntlich auch von innen. Inwiefern ist da was dran und was tust du, um deine innere Schönheit zu boosten?

Zufriedenheit und Ausgeglichenheit strahlt nach außen, das würde ich sofort unterschreiben. Schönheit von innen bedeutet für mich außerdem Balance! Egal ob Work-Life-Balance, gesunde Ernährung, Sport oder sich selbst ab und an etwas Gutes tun. Jede*r muss sein eigenes Rezept finden und auch mal über sich selbst lachen können. Humor und Gelassenheit sind wichtig.

Welches Thema wird in der Beautybranche noch viel zu selten behandelt?

Imperfektion. Ich finde, es geht immer noch zu sehr um Perfektion. Klar ist eine Creme nicht nur dafür da, sich gut zu fühlen, sondern auch, um das Hautbild zu verbessern. Aber dieses Streben nach perfektem Aussehen übt einen wahnsinnigen Druck auf Frauen und Männer aus. Dabei ist es ganz normal mal Pickel zu haben oder Cellulitis. Letzteres hat z.B. fast jede Frau und das macht uns weiblich.

Individualismus. Jeder Mensch sieht komplett anders aus und ist ein anderer Typ. In den Medien sieht man aber meistens einen Stereotypen, der wohl die perfekte Männlich- und Weiblichkeit beschreiben soll. Ich finde man sollte mehr Diversität zeigen, damit sich jede Art von Frau und Mann wiederfindet.

Das wahre Beauty-Verhör beginnt:

Wie sieht dein Everyday-Look aus? Auf was kannst du auch an einem Sonntag auf der Couch nicht verzichten?

Eine leichte, ausgleichende und glowy Foundation gehört für mich jeden Tag dazu. Ich trage auch gerne Cremeblush und Lippenstift. Lidschatten eher selten und sogar auf die Mascara verzichte ich oft. Auf meinen geliebten Blush (RMS Beauty, Lip to Cheek in Illusive) und etwas Lippenpflege konnte ich aber sogar beim Campingurlaub letztes Jahr in Neuseeland nicht verzichten.

Komplett ungeschminkt das Haus verlassen, ist …

… befreiend. Manchmal tut es gut einfach mal „ohne“ raus zu gehen und sich auch von der Meinung oder den Blicken anderer freizumachen.

Welches Beauty-Produkt hast du immer in deiner Handtasche?

Ganz klar etwas für die Lippen: RMS Beauty Lip to Cheek in Illusive, Lippenbalsam von La Bruket oder den Lippenstift Adore von Kjaer Weis. Ich nutze die Produkte dann auch gerne alle Lip to Cheek. Ein bisschen Farbe auf den Lippen und Wangen macht echt viel aus.

Der wichtigste Beauty-Tipp, den du je bekommen hast?

Reinigen mit einem Musselintuch. Gerade für empfindliche Hauttypen ein echter Game Changer. Das Münchener Wasser ist super kalkhaltig und auch anderswo können Kalk und auch Chlor im Wasser die Haut angreifen. Reinigungsprodukte mit einem warmen Musselintuch oder Waschlappen abzunehmen, ersetzt Liter an Wasser im Gesicht und man fühlt sich super sauber! Außerdem gehe ich mit dem Rest Creme an meinen Händen immer über Hals und vor allem meine Handrücken!

Was ist totaler Irrglaube?

Dass Hyaluron-Seren Feuchtigkeit spenden. Dabei sind Hyaluron-Moleküle hauteigene Moleküle, die Feuchtigkeit in der Haut binden und nicht spenden. Sie sitzen zwischen den Kollagenfasern und halten die Haut schön prall. Je mehr Moleküle an einer Stelle, desto mehr Feuchtigkeit wird dort gebunden. Es gilt also die Devise: Viel trinken und Feuchtigkeit zuführen, wenn man Hyaluron verwendet. Wo keine Feuchtigkeit ist, kann auch keine gebunden werden.

Obwohl ich glaube, dass die Frage bei dir überflüssig ist... Hand aufs Herz: Cleane Inhaltsstoffe oder Wirkung auf den Punkt?

Wird sind in unserem urbanen Leben so vielen Umwelteinflüssen und Toxinen ausgesetzt, dass ich von außen lieber auf einige bedenkliche Inhaltsstoffe verzichten möchte. Das Wörtchen clean hat ja in der letzten Zeit für Furore gesorgt, da es angeblich impliziert, dass konventionelle Kosmetik schmutzig sei. Dabei bedeutet clean für mich einfach „frei von“. Und zwar einigen INCIS, von denen man neuesten Erkenntnissen zufolge weiß, dass sie nicht gut für den menschlichen Organismus sind. Und das ist eigentlich das, was ich von meiner Hautpflege erwarte. Sie soll gut zu meiner Haut und meinem Körper sein. Deshalb favorisiere ich Organic Beauty, nicht zuletzt, weil durch diesen Trend auch ein richtiger Umschwung durch die Branche geht und viele kleine, sehr durchdachte und wirkungsvolle Nischenmarken entstehen. Clean und Organic schließen Wirkung auf den Punkt für mich nicht aus.

Was sind No-Go-INCIS für dich?

Parabene an erster Stelle. Sie stehen schon länger im Verdacht, hormonell wirksam zu sein, da sie dem weiblichen Östrogen sehr ähnlich sind. Und was Hormone für eine ausschlaggebende Rolle für Psyche und Körper spielen, merken die meisten Frauen, nachdem sie die Pille abgesetzt haben oder schon einmal schwanger waren. Aber auch bei Männern führen sie zu hormoneller Dysbalance.

Außerdem Mikroplastik – es hat einfach rein gar nichts in Hautpflege zu suchen. Es ist nur billiger Füllstoff, der von unserem Körper genauso wie von der Umwelt aufgenommen wird und dort das Biosystem zerstört.

Silikone, da sie sich wie ein Film auf die Haut liegen und den Säureschutzmantel aus dem Gleichgewicht bringen. Außerdem können so keine Wirkstoffe mehr in die Haut eindringen. Beim Haar entsteht längerfristig der sogenannte Build-up-effect, bei dem das Haar unter der Schicht von Silikonen austrocknet, stumpf und brüchig wird.

Bei welchem Produkt hast du noch keine nachhaltige, natürliche Alternative gefunden? Bzw. Bei welchem Produkt greifst du immer noch auf herkömmliche Inhaltsstoffe zurück?

Eine natürliche Alternative fehlt mir bisher für das Sensibio Mizellen Wasser von Bioderma. Es gibt zwar einige gute, natürliche Mizellenwasser, aber den „Wisch und Weg“-Effekt des pinken Sensibio schätze ich grade bei Shootings sehr und habe ich so noch bei keiner natürlichen Variante gefunden.

Was ist deiner Meinung nach das überhypteste Produkt auf dem Markt?

Produkte mit Retinol. Ich persönlich vertrage es überhaupt nicht und habe einige Kunden*innen, die ebenfalls sehr schlecht damit zurechtkommen. Man darf nicht vergessen, dass Vitamin A ein super intensiver Wirkstoff ist und meinen Erfahrungen zufolge wird unsere Haut eher immer empfindlicher und verträgt tendenziell weniger Wirkstoffe. Natürlich ist es sehr effektiv, wenn es um die Ankurbelung der Zellregeneration geht, aber es ist einfach nicht für jede*n geeignet und man sollte da etwas differenzierter rangehen, statt nur zu hypen und jetzt überall mit Retinol zu werben.

Und was wird absolut zu Recht gehypt?

Gua Sha Stones und Jade-Roller. Ich bin total froh, dass das Thema Gesichtsmassagen dadurch immer mehr in den Fokus rückt! Eine gute Massage mit dem Gua Sha Stein regt die Kollagenproduktion, Durchblutung der Haut und so die Sauerstoffzirkulation in dieser an. Sie ist also das beste Anti-Aging Mittel und dazu noch wahnsinnig entspannend. Das Pendant dazu, für empfindliche Haut gut geeignet, ist die Lymphdrainage. Sie trägt zur Entschlackung und Entgiftung der Haut bei, wirkt beruhigend und mindert Rötungen. Eine Lymphdrainage ist am besten händisch vom Professional, kann aber auch daheim mit dem Jade-Roller erreicht werden.

„Gute Pflege ist wie eine Lebensversicherung, ausgezahlt wird später.“

Wie sieht deine Beauty-Routine aus? Wie oft wechselst du Produkte?

Ich versuche meine Beauty-Routine so minimal wie möglich zu halten und verwende vorrangig pure Inhaltsstoffe, zum Beispiel reine Öle oder Hyaluron-Seren (mein Favorit ist das von Susanne Kaufmann). Meine Haut neigt einfach dazu, schnell auszuflippen und so kann ich die Pflege immer genau meinem Hautzustand anpassen – mal weniger Fett und Feuchtigkeit, mal mehr.

Demnach wechsle ich auch selten meine Produkte, vor allem, wenn ich das für mich passende gefunden habe. Zum Jahreszeitenwechsel justiere ich aber auf jeden Fall die Pflege und stelle z.B. im Sommer auf leichtere und im Winter auf reichhaltigere Formulierungen um. Im Frühling verwende ich gerne ein bisschen Selbstbräuner, der dann abends on top kommt (heißgeliebt: Face Tan Water von Eco by Sonya). Beruflich teste ich aber auch öfter mal Neuerscheinungen, die dann manchmal ein altbewährtes Produkt ersetzen.

Du bist ein großer Fan von professionellen Facials und Treatments. Wie viel Geld investierst du monatlich in dein Aussehen?

Puh, das kommt immer ganz darauf an. Meiner eher unruhigen Haut geschuldet, gehe ich auf jeden Fall mindestens einmal im Monat zur Gesichtsbehandlung. Wenn dann gerade noch der Haarschnitt ansteht, kann sich das schon mal summieren. Es ist aber jeden Cent wert. Gerade Facials machen wirklich was aus! Eine Dozentin sagte mal: „Gute Pflege ist wie eine Lebensversicherung, ausgezahlt wird später“.

Wie stehst du zu kleinen kosmetischen Eingriffen, z.B. Microblading, Botox oder Hyaluron in den Lippen?

Jeder muss das für sich individuell entscheiden und ich verstehe, wenn man kleine Makel kaschieren möchte. Natürlich habe ich selbst auch schon viel über diese Themen nachgedacht. Was Permanent Make-up angeht, habe ich einfach schon zu viel schlechte Arbeiten gesehen. Mich persönlich würde es außerdem stören, nie wieder gänzlich ungeschminkt zu sein. Im Urlaub am Strand, leicht gebräunt, da möchte ich einfach nicht aussehen, wie zurechtgemacht oder als wären meine Brauen nachgezogen.

Was Botox und Co. angeht, muss ich immer an Peter Lindbergh denken der mal sagte: „Warum sollte ich diese Falten retuschieren? Das sind Gedanken, die sich diese Menschen mal gemacht haben.“ Für mich käme es nicht infrage.

Du bietest auch Maniküre an. Bitte verrate mir, wie Nagellack länger als einen Tag perfekt aussieht?

Ganz wichtig: Den Nagel richtig vorbereiten, also feilen und vor dem Lackieren am besten nochmal die Hände waschen, damit kein Fettfilm mehr auf den Nägeln ist. Dann auf jeden Fall alle Schichten dünn auftragen und komplett durch trockenen lassen. Zu Hause warte ich zwischen den Schichten sogar teilweise 30 Minuten. Geschirrspülen – egal ob mit Handschuhe oder ohne, lässt den Lack übrigens immer leiden.

Wie stehst du zu Shellac?

Ich verstehe, dass es Frauen gibt, die nicht viel Zeit haben und die Langlebigkeit und das perfekte Aussehen des Shellacs schätzen. Da ich auf der anderen Seite des Maniküre-Tisches sitze und den wirklich penetranten und teils giftigen Dämpfen ausgesetzt bin, halte ich selbst nicht viel davon. Es ist außerdem erwiesen, dass der Nagel mehr aufnimmt als wir denken und verschiedene Toxine sogar schon kurz nach dem Auftragen eines Lacks im Urin nachgewiesen werden können. Mir gefällt die leicht plastische Optik des Shellacs auch nicht so gut. In dem Beautystudio in München Schwabing, in dem ich arbeite, haben wir einen ganz neuen Lack, Green Flash von Manucurist. Er wird auch unter der Lampe ausgehärtet, kommt aber mit etwas weniger Chemie aus und hat eine schöne, dünne „Nagellackoptik“. Ein guter Kompromiss und bessere Alternative zum Shellac.

Was ist das unterschätzteste Beautybrand?

Hm, da fällt mir African Botanics ein. Die Gesichtspflege habe ich noch nicht getestet, dafür die Körperpflege rauf und runter und ich liebe sie! Außerdem Kahina Giving Beauty und vor allem die tolle karitative Arbeit, die an deren Produkten hängt! Die Marke bezieht ihre Inhaltsstoffe aus fairem Handel und unterstützt die marokkanischen Berberinnen, die dieses Öl von Hand aus Argannüssen gewinnen.

Da muss ich noch an Cape Cosmetics denken. Ein kleines Start-up, das sich zum Ziel macht, mit ihrer innovativen Kombination aus Produkt und kompostierbarer Verpackung die Naturkosmetikwelt zu revolutionieren und zudem Bildungsprojekte in Südafrika fördert. Das Land liegt mir nach meinen Reisen besonders am Herzen.

Früher war ein Besuch bei Sephora das höchste der Gefühle. Gibt es heute noch etwas, was bei dir beautytechnisch die gleiche Vorfreude auslöst wie ein Sephora- Besuch in den guten alten Zeiten?

Beautystores im Ausland aufzutun! Ich gehe sehr gern in kleinere Läden und entdecke dort lokale Labels wie z.B. im A Drogaria Portuguesa in Lissabon oder Oh My Cream in Paris. Mein liebster Fund aus Lissabon: Musgo Real von der dort beheimateten Marke Claus Porto. Es ist eigentlich ein Aftershave für Männer, ich benutze es im Sommer als Eau de Toilette.

In München streife ich gern durch meine Lieblingsbeautyläden. Diese haben nur organische Produkte und nehmen ab und zu neue Firmen auf, die ich auch noch nicht kenne. Außerdem ein Besuch in der Duftabteilung bei Ludwig Beck. Sie führen einige kleine Parfumlabels, die sehr besonders riechen.

Auf welchen Produktlaunch in Deutschland wartest du? Welches Produkt aus dem Ausland lässt du dir immer mitbringen?

Ach Mist, jetzt muss ich passen, ich bin so ein local Shopper. Kürzlich habe ich aber ein neues Nischen-Label entdeckt F. Miller Skincare. Eine kleine feine Range an Produkten mit einer Auswahl an bestimmten botanischen Wirkstoffen. Besticht schon durch das super coole und cleane Packaging. Die würde ich gern mal testen, müsste ich mir allerdings aus den USA mitbringen lassen. Mich frustriert das aber ehrlich gesagt immer, wenn ich etwas hier nicht bekomme, deshalb schaue ich oft nicht auf Labels, die es hier nicht gibt und shoppe ausländische Brands dann lieber gleich, wenn ich auf Reisen bin.

Mit welchem Brand würdest du für dein Leben gern zusammenarbeiten?

Ganz klar: Kjaer Weis. Der holistische Ansatz der Brand entspricht genau meiner Philosophie von Make-up und Skincare. Egal, ob das die Qualität der Produkte ist, das Design, die feine Skincare-Range oder das Nachfüllsystem – die Marke vereint Eco Luxury mit professioneller Performance. Einige Lippenstifte zieren mein Beauty Shelf und ich habe mich sehr gefreut, als Kjaer kürzlich auch noch einen sehr schönen Gua Sha Scraper gelauncht hat!

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