Gegen jede Regel – Wie Frédéric Malle erfolgreich der Parfümbranche trotzt

Als Parfümverleger ist Frédéric Malle ebenso erfolgreich wie kommerziell unbekannt. Und das ist gut so, denn die Düfte von Malles Editions de Parfums zeichnet aus, dass sie eben keine massenkompatiblen Crowdpleaser sind

Bombastische Marketingbudgets und schwindelerregende Stückzahlen sind Monsieur Frédéric Malle fremd. Mit seinen Editions de Parfums bietet Malle den Mechanismen des Parfümmarktes seit nunmehr fast 20 Jahren erfolgreich die Stirn. Frédéric Malle ist Duftverleger und arbeitet für seine Editionen mit den bekanntesten und talentiertesten Namen der Branche zusammen.

Die Spielregeln auf dem Weg zu einem erfolgreichen Duft? Keine Vorgaben, keine Budgetgrenzen, keine Zielgruppe, kein Geschlecht. Die Parfümeur*innen, mit denen der gebürtige Pariser, der inzwischen in New York lebt, zusammenarbeitet, profitieren von einer Unabhängigkeit, die in Zeiten von Marktforschung und Profitsteigerung fast fahrlässig anmutet. Die Parfüms in den bescheidenen Flakons mit schwarzen Deckeln zieren denn auch Namen der Künstler*innen, die den Duft kreiert haben: Dominique Roipon, Pierre Bourdon, Carlos Benaïm – bei Malle müssen sie sich nicht hinter Weltmarken verstecken, sondern erhalten ihre eigene Bühne.

Aufgewachsen in Paris, die Mutter als Kreativchefin bei Perfumes Christian Dior, eine Abteilung, die Malles Großvater 1947 im Hause Dior gründete, führte für Frédéric Malle eigentlich kein Weg an seiner Bestimmung vorbei. Nach diversen Stationen in der Branche entschloss er sich im Jahr 2000 dazu, unisex Düfte zu entwickeln, die sich durch Charakter statt Massentauglichkeit auszeichnen. Alle Düfte werden von Hand kreiert, ohne zeitliche oder finanzielle Vorgaben.

Warum gute Düfte kein Geschlecht und keine Marktforschung brauchen und warum das Kuratieren nur eine andere Form des Erschaffens ist, darüber haben wir mit Frédéric Malle im Interview gesprochen:

Herr Malle, was unterscheidet Kuratieren von Kreieren? Gibt es hier überhaupt einen Unterschied?

Zwischen Kuratieren und Kreieren liegt ein sehr großer Unterschied. Beim Kuratieren wählt man aus fertigen Produkten aus und platziert sie nebeneinander. Beim Kreieren arbeitet man entweder an einem eigenen, komplett neuen Produkt oder man lässt dies eine*n ausgesuchte*n Künstler*in machen.

Was bedeuten Ihnen Düfte?

Ich kann mir ein Leben ohne Düfte und Gerüche nicht vorstellen. Genauso wie Farben, Humor und Musik brauche ich Parfums, um meinen Alltag schöner zu machen.

Das Wort „Kurator“ beinhaltet das lateinische Wort „pflegen“ – Was pflegen Sie? Ein Image, ein Erbe oder die Kunst?

Ich würde mich gar nicht nur als Kurator bezeichnen, sondern auch als so etwas wie einen Produzenten oder Herausgeber – wobei ich immer auch an der Herstellung mitwirke. In erster Linie ist es mir wichtig, dass sich die Parfümeur*innen, mit denen ich zusammenarbeite, auch wohlfühlen. Im Folgenden tauschen wir unsere Ideen aus, während sie beginnen, an neuen Düften zu arbeiten. Meine Arbeit ähnelt der von Architekten, die den Auftrag für ein Ladengeschäft erhalten oder von Fotografen oder Illustratoren, wenn sie Bildaufträge bekommen. Mein Leben dreht sich um das Arbeiten mit Künstler*innen.

Was fasziniert Sie so daran, anderen die Möglichkeit zu geben, an den großartigsten Düften zu arbeiten – anstatt selbst kreativ zu werden?

Ich bevorzuge die Arbeit mit großartigen Parfümeur*innen – ansonsten könnte die Gefahr sein, dass meine Düfte mittelmäßig werden im Vergleich etwa zu dem, was wir mit jemandem wie Dominique Ropion erschaffen. Ich würde niemals den Wagemut an den Tag legen und denken, dass die Düfte ohne diese Menschen komplett sein könnten. Meine größte Faszination liegt in der immer neuen Arbeit mit den Parfümeur*innen.

Wie dürfen wir uns einen typischen Tag im Leben des Frédéric Malle vorstellen?

Morgens lese ich die Zeitung und frühstücke. Dann rieche ich mich durch Proben von Düften, ergründe deren Struktur und Zusammensetzung. Morgens arbeite ich mit unseren europäischen Parfümeur*innen und Künstler*innen, nachmittags mit jenen aus Übersee. Dazwischen sehe ich, wenn alles gut läuft, etwas Inspirierendes, Interessantes. Etwa eine Kunstausstellung. Und abends beantworte ich alle E-Mails, die liegengeblieben sind.

Erzählen Sie uns vom Prozess der Duftherstellung – ich habe mal an einem Workshop teilgenommen und man braucht so viele physische Fähigkeiten und Wissen – wird man in diese Profession geboren?

Es ist in jedem Falle leichter für Menschen, die mit einem Interesse an dieser Arbeit aufgewachsen sind. Diesen Beruf zu perfektionieren ist eine lebenslange Verpflichtung. Man baut jahrelanges Wissen und Skills auf, erstellt tausende Proben und macht ebenso viele Fehler, aus denen man lernt. Wenn wir an einem Parfüm arbeiten, steht am Anfang eine olfaktorische Idee. Wir vermischen Dinge, die vorher noch nicht miteinander vermischt wurden und von denen wir denken, dass sie miteinander gut funktionieren würden.

Wir verfeinern diese Mixtur dann, indem wir Nuancen hinzufügen und andere reduzieren. Man kann sehr schlicht anfangen und dann immer mehr Anspruch hineingeben und die Mischung komplexer machen. Oder man beginnt mit einer sehr komplexen Formel, die man nach und nach vereinfacht. Diese Prozesse nehmen Monate in Anspruch. Versuch für Versuch, Schritt für Schritt. Nur, um am Ende etwas so Offensichtliches zu haben, das die Botschaft perfekt transportiert. Diese Klarheit ist, was am längsten dauert. Wir tanzen immer im gleichen Takt: Zu Beginn sind es große Schritte, die gegen Ende hin immer präziser werden. Das Ergebnis ist immer eine fast perfekte Version von dem, was wir am Anfang schon gefunden hatten. Die Reise endet also in der optimierten Variante des Anfangs.

Wie finden Sie die Parfümeur*innen, mit denen Sie zusammenarbeiten? Was erwarten Sie von ihnen im Gegenzug zum Zugang zu Ihrer olfaktorischen Schatzkammer?

Wenn es um diese Frage geht, kann man mein Leben in zwei Perioden unterteilen. In der ersten war ich jünger als alle anderen und entschloss mich dazu, mit meinen Idolen zu arbeiten: einer kleinen Gruppe von Leuten, die dieses Business dominierten und mit viel Respekt füreinander arbeiteten. Nach 30 Jahren in diesem Umfeld sehe ich es als meine Aufgabe an, mein Wissen an eine neue Generation von Künstler*innen weiterzugeben. Wenn mir jemand, dem oder der ich vertraue, von einem Parfümeur oder einer Parfümeurin erzählt, dann setze ich alle Hebel für ein schnelles Kennenlernen in Bewegung.

Wie ordnen Sie die Industrie derzeit ein und warum möchten Sie nicht nach deren Regeln spielen?

Es macht mir nichts aus, ein Teil dieser Industrie zu sein, aber ich möchte nach meinen eigenen Regeln spielen. Regeln, die ich vor über 20 Jahren für mich etabliert habe, als ich mit den Editions de Parufms begonnen habe. Dadurch, dass wir hier nach unseren ganz eigenen Vorschriften arbeiten, sind wir eben anders, als die anderen.

„Es macht mir nichts aus, ein Teil dieser Industrie zu sein, aber ich möchte nach meinen eigenen Regeln spielen.“

Rose en Cuir ist der neue Duft der Editions de Parfums Frédéric Malle. Entstanden in Zusammenarbeit mit dem Parfümeur Jean-Claude Ellena, ist Rose en Cuir wie ein Mistralwind, der durch den Süden Frankreichs fegt: ein zarter Rosenduft, würziger Pfeffer, frisches Cassis und Geranie Bourbon. Der Duft ist ab sofort erhältlich und kostet pro 100ml 240 Euro.


Wo wir gerade bei Regeln sind: Ihr Unternehmen ist eine absolute Ausnahme und dennoch erfolgreich. Woran liegt das?

Das liegt daran, dass ich immer zu meinem Wort stehe und mit den besten Menschen der Branche zusammenarbeite. Die Menschen da draußen sind intelligent und merken so etwas. Wir sparen nicht am falschen Ende und solche Dinge werden von den Kund*innen anerkannt.

Glauben Sie, dass Parfüms jemals an Aktualität verlieren oder gar obsolet werden?

Parfüms und Düfte begleitet uns seit dem Alten Ägypten. Ich bin der festen Überzeugung, dass wenn Parfüms nun verschwinden würden, unsere gesamte Zivilisation ebenfalls nicht mehr existieren würde. Und das wäre eine absolute Tragödie oder was denken Sie?

Vielen Dank für Ihre Zeit und die spannenden Einblicke in Ihre Arbeit!

Gewusst, wie: Parfüms richtig aufbewahren und auftragen

Damit ihr lange Freude an euren (mitunter sicher teuren) Düften habt, ist es wichtig, sie korrekt zu lagern. Das Badezimmer ist sicherlich der praktischste, aber der denkbar schlechteste Ort für ein Parfüm. Am besten ist eine möglichst dunkle Umgebung, die wenigen bis keinen Temperaturschwankungen unterliegt, etwa der Flur oder das Schlafzimmer.

An dem Gerücht, dass man Parfüm nicht reiben soll, ist übrigens alles war. Besser, ihr besprüht jedes Handgelenk einzeln. Ansonsten entfalten sich Düfte optimal am Hals, hinter den Ohren und in den Haaren, die wirklich perfekte Dufttransporteure sind!

Neugierig geworden? Auf der Webseite von Edition de Parfums Frédéric Malle könnt ihr euren ganz persönlichen Signature-Duft finden. Einfach den Fragebogen beantworten und nach wenigen Tagen werdet ihr persönlich per Mail kontaktiert und bekommt Vorschläge zu eurem ganz persönlichen Duft. Dann einfach zu einem Verkaufspunkt von EdP marschiert und geschaut, welcher Vorschlag am besten passt!

Dieser Artikel ist Werbung, da er Markennennungen enthält.

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