Lisas Bali-Kolumne Teil 6 – Flucht vor der Realität und instagrammable Moments

Im letzten Teil ihrer Bali-Kolumne zieht Lisa ein Fazit und stellt fest: Man kann sich an Healthy Bowls sattessen und Bali braucht einen Reality-Check

Wow. Beim Lesen der letzten Teile meiner Bali-Kolumne ist mir meine Verwirrtheit nochmal richtig klar geworden. Eine Verwirrtheit, die, seit ich am Dienstag komplett übermüdet in Berlin gelandet bin, on hold ist. Aber ich weiß, sie wartet nur darauf, sich Bahn zu brechen. Es ist ein kleiner Dornröschenschlaf, solange mich der Jetlag noch in seinem unbarmherzigen Griff hat und meinem Gehirn nicht viel mehr erlaubt als Leben nach Plan. Aus meinen bisherigen Kolumnen lese ich nun aber heraus, wie ich versucht habe, all diese Eindrücke, die mich seit meiner Ankunft auf der Insel der Götter überwältigt haben, zu sortieren.

Eine kleine Schonfrist habe ich jetzt und bin in der unglaublich kommoden Situation, mich auf Selbstregulierung und diesen Artikel hier zu konzentrieren, bis das Wochenende vor der Türe steht. Gott segne Marie und unser tolles Team. Aber zurück zu meiner Verwirrtheit. All die unfassbaren Erlebnissen auf Bali muss ich nämlich erst mal verarbeiten und das wird sicherlich noch eine Weile dauern.

Vier Wochen, die sich wie vier Leben anfühlen

Es kommt mir vor, als wären die ersten drei Wochen auf Bali inzwischen Lichtjahre entfernt. 24 fantastische Tage lang drehte sich auf unserer kleinen einsamen Insel zwischen den Reisfeldern und dem Dschungel in Gianyar alles um Yoga. Damit meine ich nicht nur den aktiven Teil dieses Lebensstils, also die Asanas. Sondern eben alles andere, was zu Yoga dazugehört und was in der Verwestlichung dieser Lebensphilosophie (das ist es nämlich) gerne unbeachtet bleibt. Vieles war nicht wirklich neu für mich, da ich mich schon lange mit Yoga nicht nur als Sport, sondern als Ideal beschäftige. Aber vieles kam neu hinzu und sobald man sich einer Sache so isoliert widmet, wird es zwangsläufig intensiv. Es war wirklich ein wenig wie das Leben in einer Kommune. Zu den Inhalten und all dem Drumherum meiner Ausbildung werde ich noch mal einen gesonderten Artikel schreiben. Wenn ihr hier also Fragen habt: Stellt sie in den Kommentaren, ich freue mich, sie zu beantworten!

In der letzten Woche auf Bali ist schon wieder so viel anderer Kram passiert, dass dieses Intensive der Yogaausbildung fast ein wenig in den Hintergrund gerückt wurde. Das bedauere ich etwas, denn ich war in einem echt guten Mindset, das ich gerne zu 100 Prozent mit nach Hause genommen hätte. Meine Idee war, in der letzten Woche nach der Yogalehrer-Ausbildung noch mal Zeit zu haben, um in Ruhe alles sacken zu lassen und zu verarbeiten. So ganz ist mir das leider nicht gelungen, dennoch war es gut, dass ich nicht direkt wieder in mein Leben in Berlin zurückgekehrt bin. Ich dachte aber nach unserer intensiven gemeinsamen Zeit, dass mir die Rückkehr in das „normale" Leben viel schwerer fallen würde, als es im Endeffekt der Fall war.

Die gescheiterte Flucht vor instagrammable Moments

Nach meinem Zwischenstopp in Uluwatu, wo ich viel Zeit alleine verbrachte und mich in meinem Hostel bewusst eher von den anderen Gästen abschottete, ging es für mein letztes Wochenende auf Bali nach Canggu. Und der Kontrast hätte krasser nicht sein können. Ist Uluwatu eher ein sehr breit aufgestelltes, leicht verpenntes Surferörtchen, gleicht Canggu einem Abenteuerspielplatz für Erwachsene. Endlose Schlangen von Rollern und Autos schieben sich durch die viel zu engen und kaputten Straßen von den Reisfeldern durch den Ort hindurch bis hinunter zum Strand. Am Straßenrand folgt Spa auf Kleidungsgeschäft auf Surfershop auf Homestay und dazwischen sitzen hippe Cafés wie am Fließband. Zahlreiche riesige Plakate kündigen die nächsten Partys in den angesagten Beachbars an. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele und so leckere Bowls gegessen und ich muss sagen, sie kamen mir am Ende fast zu den Ohren heraus – aber man kommt irgendwie echt schwer drumherum. Bali ist, was das Essensangebot angeht, Berlin Mitte hoch Tausend.

Und das ist es, was mich manchmal etwas gestört hat. Die Strandbars sind fantastisch, das Essen ist fantastisch (Spirulina-Shakes für drei Euro, hallo?!) und sogar die Klamotten sind fantastisch – aber es ist eben auch sehr verwestlicht. Niemand kann mir weismachen, dass die Balinesen das von alleine so gedreht hätten. Und so unfassbar schön es ist, den Sonnenuntergang in der Strandbar La Brisa mit einem netten Longdrink in der Hand zu genießen, so sehr habe ich mir gewünscht, mal richtig authentisch in einer Garküche am Straßenrand zu essen oder eine Tour ins Landesinnere zu buchen, die nicht mit „instagrammable moments" wirbt. Nun, ich bin gescheitert. Bali hat kein Image-Problem, bräuchte manchmal aber dringend einen Reality-Check (oder weniger Touristen). Denn ich weiß, dass es hier so viel mehr zu sehen gibt. Aber mit einer Woche Zeit im Gepäck und gefühlt einem Tag zur Vorbereitung war es mir nicht möglich, dieses authentische Leben ausfindig zu machen.

Kostprobe gefällig?

Versteht mich nicht falsch, Canggu war trotzdem eine ganz tolle Erfahrung und ich habe hier ganz großartige Yogaklassen besuchen können, hatte ein fantastisches Airbnb und durfte den Abschied von zwei Yogalehrerausbildung-Genossinnen verlängern. Nach dreieinhalb Tagen hatte ich aber das Gefühl, den Küstenort für meine Verhältnisse ausgeschöpft zu haben. Und so wäre Weiterziehen die einzige Option gewesen. Dass es für mich am Montagnachmittag wieder Richtung Berlin ging, war eben so. Ich hätte aber auch so gerne mehr Eindrücke gesammelt. Auf Java, Lombok, Lembongan oder weiß der Geier wo. Mein nächster Trip nach Bali, und das steht so fest wie der Mount Batur, wird in den Norden der Insel gehen, mit genügend Zeit für Erkundungen auf eigene Faust. Mit intensiver Vorbereitung und der ambitionierten Suche nach einem Leben außerhalb von Bowls, Shakes und Spas.

Ich freue mich darauf und kehre mit viel Zen, Liebe und einem neuen Mindset nach Berlin zurück. Denn es war an der Zeit. Unterhalb des Äquators lassen sich so Nebensächlichkeiten wie der Kontostand oder das echte Leben nämlich leicht vergessen, wenn man nicht aufpasst. Doch ich hatte nach fast fünf Wochen das dringende Bedürfnis, wieder etwas Produktives zu machen, von Nutzen zu sein und nicht nur mit einer Kokosnuss in der Hand am Strand in der Sonne zu braten. Nun, wenigstens in Sachen Kontostand bekam ich bereits am Flughafen schon mal einen Sweet Reminder. Bali ist günstig. Aber das Visum um drei Tage verkacken, weil man nicht richtig aufgepasst hat bei der Einreise, das ist gar nicht mal so billig. Genau genommen kostet es eine Million Indonesische Rupien pro Tag, den man länger bleibt, was umgerechnet 60 Euro sind. Machte bei mir kapp 200 Euro für die Katz. Na ja, das muss ich nun mit Yogastunden einfach wieder einnehmen. Die Vorarbeit für mein zweites Standbein beginnt jetzt. Denn ich glaube, dass Yoga unterrichten mir sehr gefallen wird und ich möchte diese Freude gerne teilen. Ich melde mich bei euch, wen ich so weit bin, OK?

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