USA-Reisetagebuch Teil III: Grand Canyon

Ab in die Natur! Von Kalifornien gehts nach Arizona

Unsere Reiseplanung lief generell sehr entspannt ab. Das läuft sie eigentlich immer. Zuerst recht locker und sehr spontan und am Ende wird es dann teuer und hektisch. So auch bei dem Roadtrip in die USA. Denn wer spontan bucht, der mag zwar finanzielle Nachteile haben, aber dafür große planerische Vorteile. Nichts liegt mir nämlich ferner, als Reisen perfekt durchzuplanen. Stattdessen möchte ich noch vor Ort entdecken, staunen können und mir weder von Social Media oder Google zu viel vorwegnehmen lassen. Das einzige, was ich im Voraus in einer Google Maps Karte festhalte, sind Restaurant- und Shoppingempfehlungen. Umso kurzfristiger, umso weniger Zeit zum Belesen und Planen.

Aus Einfachheitsgründen bekam mein Freund auch den Zugang zur Westcoast Map, die voll von gelben und lila Punkten war: Gelb für Essen und Lila für Shopping. Nach ein paar gemeinsamen Stunden auf der Couch öffnete ich die Karte erneut und ein erschreckendes Bild bot sich mir: lauter grüne Punkte! Mit einem deutlich erkennbaren Piktogramm: einem Wanderer. 16 Nationalparks waren auf der Karte markiert. 16 Stück! Nach dieser Entdeckung wanderten erst einmal eine Outdoorjacke und ein Rucksack in meinen Warenkorb – Dinge, die ich als Berliner Stadtgöre nicht besitze, beziehungsweise nie besessen habe.

Nach mehr Recherche konnte sich mein Freund dann netterweise doch auf (nur!) sechs Nationalparks festlegen. Gesagt, getan, schon hatten wir den „America The Beautiful Annual Pass“ gekauft, bei dem man für 80 Euro in alle staatlichen Nationalparks einfahren darf. Kurz gesagt: eine sehr lohnende Investition, die ihr auf jeden Fall auch tätigen solltet, wenn ihr einen Trip in die Natur plant. Man kann den Pass sogar im Freundeskreis weitergeben, da man zwei Namen auf die Karte eintragen kann. Und so tingelten wir los in Richtung Nationalparks. Über den Joshua Tree Nationalpark hatte ich ja schon im letzten Reisetagebuch berichtet und so stand nach Kalifornien jetzt unsere erste große Tour in Richtung Arizona an.

Sechs Stunden Autofahrt, ein Gesellschaftsspiel in Kartenform, sehr viele M&Ms, sechs bis acht Limonaden und drei Pinkelpausen in der Natur später waren wir dann da: in Williams, Arizona.

Williams ist ein kleiner, verschlafener Ort, der in der späten Nacht eigentlich nur aus einem besteht: leuchtenden Motel-Schildern. Wer die Wahl hat, hat die Qual und so entschieden wir uns für ein sehr kleines, aber sehr schönes Motel, dessen Motelhaftigkeit und sinnbildliches Amerika-Klischee in mir nach sechs Stunden eingesperrt sein in einem engen Auto einen echten Freudenschrei inklusive Herumgehoppse entlocken. Am nächsten Morgen ist dieser Taumel aber beim Anblick von Pappgeschirr schnell verschwunden. Erst wenn man in Amerika ist, wird einem klar, auf welch hohem Level wir in Deutschland in Sachen Recycling und Nachhaltigkeit sind. Selbst in drei Sterne Hotels gibt es nur Pappgeschirr, alles wird ungefragt in To-Go-Bechern serviert, selbst wenn man es im Restaurant verzehrt. Auch wenn wir unser Bestes geben, so wenig Müll wie möglich zu produzieren, es klappt hier nur in geringem Maße.

Trotzdem lassen wir uns davon die Laune nicht verderben und es geht ab zum zweiten Nationalpark, einem der Extraklasse sozusagen. Der Grand Canyon ruft.

Der Grand Canyon

Dass der Grand Canyon nicht nur uns interessiert, wird schon bei der Einfahrt in den Park klar. Mit dem Auto in der Schlange anstehen und danach einen Parkplatz suchen wird zum schweißtreibenden Akt. Vom Auto zur großen Schlucht sind es dann aber nur noch ein paar Schritte und dann ist er da, in seiner ganzen Pracht und Tiefe: der Grand Canyon. Bilder können nur schwer einfangen, wie beeindruckend riesig die 450 Kilometer lange Schlucht, die über Jahrmillionen vom Colorado River gegraben wurde, in der Realität ist. Auch vom Rand der Schlucht, die übrigens ungesichert ist und jedes Jahr noch mehrere wagemutige (oder wahnsinnige) Menschen in den Tod stürzen lässt, kann man das nur schwer erahnen.

It's like trying to describe what you feel when you're standing on the rim of the Grand Canyon or remembering your first love or the birth of your child. You have to be there to really know what it's like.

Jack Schmitt, amerikanischer Astronaut

Und da mein Herzensmann seit über einem Jahr nur noch einen Herzenswunsch hat, machen wir ihn an dieser Stelle wahr: Helikopter fliegen. Auch wenn ich das vermutlich alleine niemals gemacht hätte, für ihn gehe ich (besonders in Sachen Höhenangst) immer wieder gerne an meine Grenzen. Und diesmal hat er – wie eigentlich immer – Recht und über den Grand Canyon beim Sonnenuntergang zu fliegen gehört eindeutig zu einem der schönsten Momente, auch wenn das vor allem an dem Grinsen liegt, was einfach nicht mehr von seinem Gesicht verschwindet, als wir in Richtung Heliport fahren.

Tipps und Tricks am Grand Canyon

Kauft keinen „Indianerschmuck“ in den Gift Shops, der ist dort viel zu überteuert und von fragwürdiger Originalität. Kommt lieber möglichst früh oder spät – der Sonnenuntergang ist spektakulär – und gebt das Geld für einen Helikopterflug aus. Den Colorado River in der tiefen Schlucht, genauso wie die gesamte Größe des Canyons, kann man nämlich nur aus der Luft so richtig sehen und begreifen. Und für alle Leckermäuler: Unbedingt eine Kugel Eis am Visitor Center essen. Die sind genauso wie der Grand Canyon: unfassbar groß, aber auch genauso unfassbar lecker.

Nach dem Grand Canyon geht es weiter ins Monument Valley, einem magischen Ort. Mehr davon lest ihr am Montag im nächsten Reisetagebuch!

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