Der Travelguide für Rom: Oldie but Goldie

Warum Rom sogar im Winter La Dolce Vita verspricht und wie ihr das italienische Temperament mit nach Hause nehmen könnt

Wäre Rom ein Parfum, wäre es eine Komposition aus Pfeifentabak, Espresso und gebratenem Guanciale (Speck). Je näher wir dem Stadtkern kamen, desto intensiver stieg uns dieser spezielle Geruch in die Nase. Morgens gelandet, fuhren wir allen italienischen Klischees entsprechend mit einem mindestens 50 Jahre alten, zerlebten Bus ins Zentrum. Der günstige Flug mitten in der Nacht hatte dann doch noch einen Vorteil: Begrüßt vom Sonnenaufgang, der dank des deutschen Wetters schon das erste Highlight war, fuhren wir durch die noch gänzlich verschlafenen Vororte Roms. 

In keiner anderen Stadt, in der ich bisher war, bekommt man so schnell das Gefühl, sich in einer anderen Zeit zu befinden als in Rom. Hier prallen Nostalgie und Tradition auf modernes Stilempfinden und Lässigkeit. Die Stadt ist wie ein gemütliches, unaufgeräumtes Esszimmer, in dem Familie und Freunde laut und genussvoll miteinander essen, lachen und umringt sind von alten Büchern und schnurrenden Katzen. 

Und, so viel ist mir schon lange klar, in diesem Esszimmer fühle ich mich schon seit meiner Kindheit pudelwohl. Seitdem träume ich davon, irgendwann mit dem frisch eingekauften Gemüse vom Markt in meiner Küche für mindestens zehn Personen zu kochen, zu lachen und Wein zu trinken. Okay, der Wein kam heute dazu. 

Während wir also klappernd in die Stadt fuhren, vervollständigte ich meine imaginäre „How to be an Italian“ Checkliste in meinem Kopf: 

  1. Trinkt jeden Tag mindestens einen Espresso und Rotwein ab 11.30 Uhr in eurer Stammbar. (Obacht Verwechslungsgefahr, was in Deutschland Espresso ist, ist in Rom ein Caffé)
  2. Tragt Farbe, Hüte und lange, hochwertige Wollmäntel – in genau dieser Reihenfolge oder einzeln!
  3. Bestellt in Restaurants mindestens eine Hauptspeise mehr als Personen am Tisch sitzen. Essen bedeutet in Italien noch immer Kommunikation und Genuss. Und wie geht das besser, als wenn man sich alle Hauptspeisen teilt?
  4. Simplicità is key. Einfachheit und Entspanntheit sind das Mantra. Stil, Essen und Wohnen sind in Rom qualitativ hochwertig, ausgewählt und reduziert. 
  5. Esst draußen, egal zu welcher Jahres- oder Tageszeit. Pizza, Pasta und Rotwein wärmen von innen, ansonsten werdet ihr mit Wolldecken versorgt.

Die schönsten Stadtviertel Roms

Regola

Ganz im Gegenteil zum Rest der Stadt gibt es hier in Regola auch moderne Gebäude, die in einer so alten Metropole wie Rom gleich doppelt so stark auffallen. Renaissancehäuser stehen neben neuen Apartmentkomplexen und mitten drin wuseln Touristen und Einheimische bunt gemischt durcheinander. Treffpunkt ist definitiv der Campo de’ Fiori, einer der beliebtesten Märkte Roms. 

Trastevere

Wenn ihr weiter am Tiber entlang lauft, gelangt ihr nach Trastevere. Dieses Viertel hat mein Herz erobert. Unser Airbnb lag mitten im Herzen des Viertels und war umgeben von Bars, Cafés und guten Restaurants. Wer einen leichten Schlaf hat, sollte sich daher vielleicht eine Unterkunft in einem anderen Viertel suchen oder gute Ohropax im Gepäck haben, denn je nach Saison ist es abends doch sehr laut. 

Prati

Prati erinnert von seiner Architektur stark an die französische Hauptstadt und ist im Gegensatz zu anderen Stadtteilen Roms sehr schick und edel. Auch wenn ich kein Fan katholischer Institutionen bin: der Vatikan ist beeindruckend. Das katholische Headquarter liegt oberhalb von Prati und lässt sich daher gut mit einer Erkundung des Viertels verbinden. Durch die Nähe des Vatikans ist das Viertel selbst im Winter sehr touristisch, lohnt sich aufgrund der Sehenswürdigkeiten trotzdem allemal. Wie bei allem in Rom gilt: Wer Tickets online kauft, hat gewonnen. 

Monti

Monti ist wie eine gute Playlist auf Spotify. Ein paar Songs sind überraschend unkonventionell, ein paar sind die Klassiker, die jede Playlist braucht, um geliebt zu werden. Hier reihen sich in der Via del Boschetto Vintageläden an familiengeführte Trattorien, Cafés und Bars. Das Viertel liegt nahe des Colosseums und hat es mir besonders wegen der kleinen Boutiquen angetan. Ein paar meiner Entdeckungen findet ihr unten in der Beige Map. 

Villa Borghese

Das alte Rom war von zahlreichen fürstlichen Villen umringt. Wie das ausgesehen haben mag, lässt sich anhand der verbliebenen riesigen Parkanlagen nur noch erahnen. Die Villa Borghese ist eine von ihnen. Ja, „Villa“, denn „Villa“ nennt man in Rom Parks, nicht Gebäude. Wir durchquerten zwar nicht die gesamten fünf Quadratkilometer, staunten dennoch über die Galleria Borghese mit all ihren Schätzen, genossen aber auch über den Ausblick über die Stadt. 

Must-eat

Osteria da Fortunata

Für mich gibt es seit meinem Rombesuch nun auch eine Pilgerstätte und die heißt: Osteria da Fortunata. Dort habe ich nämlich das beste Nudelgericht meines Lebens gegessen. Kurz gefasst: Ich fühlte mich eins zu eins wie Julia Roberts in „Eat Pray Love“ und komme seitdem nicht mehr darüber hinweg. 

Via del Pellegrino, 11/12, 00186 Roma

Pasta e Vino

Unser Airbnb-Host empfahl uns bei der Schlüsselübergabe sein Lieblingsrestaurant, was wir zuerst nicht ganz so ernst nahmen. Es hieß nämlich Pasta e Vino und klang für uns eher nach einer Touristenfalle, mit der unser Host einen Pakt geschlossen hatte. Falsch gedacht: Pasta e Vino ist perfekt für den Hunger und Durst zwischendurch und ist Lunchstopp und Mitternachtsimbiss in einem.

Vicolo de' Cinque, 40, 00186 Roma

Restaurant Tonarello

Das Restaurant Tonarello: morgens, mittags abends – egal wann! Ein Muss: Die Focaccia! Seufz

Via della Paglia, 1, 00153 Roma

Wochenmarkt

Auf den Märkten von Rom könnt ihr nicht nur das waschechte italienische Leben genießen, sondern auch das leckerste Obst und Gemüse kaufen. Und falls ihr nicht kochen wollt, setzt euch mit eurem Espresso an den Marktrand und beobachtet die gierigen Tauben beim Frühstücken. 

Beige-Tipps für Rom

  1. Nutzt die öffentlichen Verkehrsmittel, um vom Flughafen in die Stadt zu fahren. Falls ihr nicht so eine italienische Seele wie wir am Steuer sitzen habt, die euch einfach durchwinkt, zahlt ihr höchstens drei Euro und könnt nebenbei statt Autobahn die verschlafenen Vororte Roms entdecken. 
  2. Verlasst Rom niemals, ohne einen Espresso aka Caffé an der Bar getrunken zu haben. Während in Berlin die „Espresso Bar“ nie als solche genutzt wird, verbringen die Römer ihre ersten zehn Minuten des Tages ebendort. Der stehende Espresso kostet übrigens nur die halb soviel, wie der im Sitzen verzehrte.
  3. Erlauft euch die Stadt. Ich gebe zu, der Tipp klingt im ersten Moment nicht besonders individuell, aber besonders in Rom lohnt es sich die engen Gassen fernab der großen Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Weniger Menschen, bessere Restaurants und traumhaft schöne Hinterhöfe. Lasst euch vom italienischen Lebensgefühl treiben.
  4. Bereist Rom im Winter! Vier von vier Tagen hatten wir strahlend blauen Himmel und Sonnenschein. Das Schönste ist mir aber erst vor Ort aufgefallen: Die uralten Gemäuer Roms liegen im Dezember in besonders schönem Licht. Die Sonne steht über den Tag hinweg so niedrig, dass jedes Denkmal und jede noch so unscheinbare Gasse in magischem Licht leuchtet.
  5. Im Dezember ist Artischocken-Saison! In Rom wird das Blütengemüse entweder auf römische (gekocht) oder jüdische (frittiert) Art zubereitet und genossen. Beides schmeckt molto gustoso

Der Beige City Guide zum Abspeichern für euch:

  • Fotos
    Laura Daume für Beige.de

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