USA-Reisetagebuch Teil V: Bryce und Zion

Wir verabschieden uns von Arizona und erkunden den Indian Summer in Utah

Gestern war ein wichtiger Tag in den USA. Einer, der unsere Zukunft verändern könnte. Denn am 6. November fand die Wahl zum Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten statt, bei der alle 435 Mandate verteilt werden. Nach der Halbzeit der ersten Amtszeit von Donald Trump eine wichtige Prognose für die Stimmung im Land. Merken die Amerikaner, was da im Weißen Haus vor sich geht und erkennen den Fehler, den sie vor zwei Jahren begangen haben? Oder machen sie den gleichen Fehler etwa noch einmal?

Ich will an dieser Stelle gar nicht anfangen aufzuzählen, was Trump bisher alles falsch gemacht hat, wofür man ihn verachten und hassen kann. Ich nenne euch nur einen Punkt, der mir – besonders in Anbetracht meiner Reise – Sorgen bereitet: Die USA sind unter Donald Trump aus dem Pariser Klimaabkommen ausgetreten, das klare Ziele für die Begrenzung der gefährlichen Erderwärmung setzt – und die Vereinigten Staaten sind nach China immerhin das Land, das am meisten Treibhausgase verursacht.

Bei all der Schönheit, die ich auf dieser Reise sehe, macht es mir Angst, dass wir all das aufs Spiel setzen. All die großen und kleinen Wunder der Natur, dass wir unseren eigenen Planeten sterben lassen und die Dreistigkeit besitzen, uns über ihn zu erheben.

„The concept of global warming was created by and for the Chinese in order to make US manufacturing non-competitive.“

Donald Trump

Der Gedanke kam mir zwar nicht zum ersten Mal am Lake Powell, sondern als man uns in einem Sterne-Hotel unser komplettes Frühstück auf Papptellern und in Plastikbechern servierte, aber so ein Staudamm ist schon ein Naturspektakel. Ein von Menschen geschaffenes. Auch wenn man aus allen Filmen nur den Hoover Dam kennt, der Glen Canyon Dam steht ihm in Nichts nach – mehr über den Glen Canyon lest ihr in meinem letzten Reisetagebuch. Schließlich ist da jetzt ein See, der Lake Powell, der da vorher noch nicht war. Er wurde erst durch die Errichtung des Staudamms in den 1960er-Jahren aus dem Colorado River geschaffen. Mittlerweile hat sich dort, an der Grenze von Arizona und Utah, ein reger Freizeitbetrieb eingestellt: Hausboote, Ausflugstouren, Angler, ein schönes Resort, Shops und Restaurants haben sich an dem See angesiedelt.

Ich kann die Faszination der Amerikaner für den See verstehen, inmitten der Wüste, eingerahmt von roten Felsen ist das knallblaue Wasser definitiv ein Hingucker, an dem man gerne Stunden verbringt und den Booten beim Hindurchfahren zuschaut. Nach so vielen Tagen in der Wüste ist der Anblick von so viel Wasser unerwartet faszinierend. Wir trinken am Lake Powell Kaffee (nach so vielen Tagen auf dem Land endlich wieder ein Exemplar mit geschäumter Soja-Milch, himmlisch) und lunchen auf dem Dach unseres Jeeps – die Stunden vergehen und ich genieße es, mal nicht im Auto sitzen zu müssen.

Indian Summer

Wir verabschieden uns vom Wasser und los geht die richtige Utah Experience. Denn die sieht nicht nach Wüste aus, ganz im Gegenteil, wir werden vom Indian Summer begrüßt. Viel darüber gehört hatte ich, aber der wahre Anblick des Spätherbsts lässt alle Erzählungen verblassen. Strahlende Laubtöne, bunte Wälder, goldene Sonnenstrahlen – ich hoffe, dass euch meine Playlist die warmen bunten Herbsttage in Utah fühlen lässt.

Bryce Nationalpark

Nach einer Nacht in Bryce ging es dann in den gleichnamigen Nationalpark. Bekannt ist der für seine farbigen Felspyramiden, die auch Hoodoos genannt werden. Anders gesagt: Überall im Nationalpark stehen wunderschöne rote Felstürme herum, die einzigartige Formen bilden. Der Weg zu diesen ist alles andere als einfach, denn unsere Ohren gehen alle fünf Minuten auf und zu, der Druck wird immer größer – kein Wunder, denn innerhalb von einer halben Stunde fahren wir mit dem Auto auf eine Höhe von 2700 Metern. Zum Vergleich: die Zugspitze, Deutschlands höchster Berg, ist 2900 Meter hoch. So hoch war ich, die ich erst einmal in meinem Leben richtig in den Bergen war und das dieses Jahr am Bodensee, noch nie in meinem ganzen Leben. Trotzdem haut uns der Bryce Nationalpark nicht so wie die anderen von den Socken – vielleicht tritt hier der erste visuelle Übersättigungseffekt ein.

Zion Nationalpark

Unverhofft kommt oft. Der Bryce Nationalpark begeistert uns weniger als alle anderen, dafür verlieben wir uns auf den ersten Blick in den Zion Nationalpark. Den hatten wir nicht so richtig auf dem Radar und fahren so (leider) erst am späten Nachmittag ein. Das tief stehende Licht lässt den ohnehin schon rötlichen Sandstein tiefrot leuchten, die dunkelrote Straße wird von den schönsten bunten Laubbäumen gesäumt. Zion ist das hebräische Wort für Zufluchtsort oder Heiligtum und genauso präsentiert sich der Park uns auch. Maultierhirsche huschen vor uns über die Straße, der Checkerboard Mesa, ein Tafelberg, fühlt sich aufgrund seiner Struktur an, wie ein Strand mit Wellen aus Stein. Die Strecke ist mit dem Auto traumhaft schön, man fährt an Felsklippen vorbei, durch Berge hindurch und lange Tunnel entlang. Ein Nachmittag, an den ich immer gerne zurückdenken werde.

Kontrastreicher könnte der nächste Teil der Reise kaum sein, es wird am Montag also spannend!

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